Rote Äderchen im Gesicht entdeckt - das steckt dahinter

Hautkrankheit Rosazea : Das steckt hinter den roten Äderchen im Gesicht

Feine rote Äderchen um die Nase werden oft als kosmetisches Problem abgetan. Tatsächlich handelt es sich dabei meist um die unheilbare Rosazea. In drastischen Fällen kann sogar eine Laser-OP notwendig werden.

Zartrosa Apfelwangen – bei vielen Frauen stehen sie für Frische und Jugendlichkeit. Viele helfen darum mit etwas Rouge nach. Wenn die rote Frische jedoch auch ohne Kosmetik häufig und anhaltend zu sehen ist oder sich kleine, rote Äderchen rund um die Nasenflügel und Wangen zeigen, sollte man genauer hinschauen. Beides sind Symptome der erblich bedingten Hautkrankheit Rosazea, die häufig zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr beginnt.

Rund vier Millionen Menschen leiden in Deutschland darunter. Rosazea zählt damit zu den fünf häufigsten Hautkrankheiten, die auch der Mönchengladbacher Dermatologe Bernd Kardorff regelmäßig in seiner Praxis diagnostiziert. Doch obwohl überraschend viele Menschen daran leiden, ist laut Informationen der Deutschen Rosazea-Hilfe nur jeder Zehnte in Behandlung. Was unauffällig und schleichend mit roten Äderchen und Wangenröte beginnt, verursacht dennoch oft einen hohen Leidensdruck. „Die Betroffenen fühlen sich im Verlauf der Erkrankung unwohl und unansehnlich“, sagt Kardorff.

Rosazea kann zwar bei allen Hauttypen auftreten, doch ist sie am häufigsten bei hellhäutigen Menschen mit keltischem Hauttyp, Sommersprossen und blauen Augen zu finden. Aus diesem Grund wird die chronische Hauterkrankung im Volksmund auch „Fluch der Kelten“, Kupferrose, Couperose oder Rotfinne genannt. Sie tritt in vier verschiedenen Stadien auf, die von roten Äderchen zu Beginn bis hin zu einer wuchtig gewucherten Nase im Endstadium reicht.

  • Stadium 0: Es kommt gelegentlich zu spontanen Rötungen der Wangen. Man nennt diese auch Flushs. Sie werden durch fehlregulierte Erweiterungen der kleinen, oberflächlichen Blutgefäße in der Haut verursacht. Erst wenn die Gefäße sich wieder zusammenziehen, verblasst die Haut.
  • Stadium I: Couperose – eigentlich als kosmetisches Problem bekannt – in Wirklichkeit aber das erste Stadium der verbreiteten Hauterkrankung. Feine Äderchen, von Medizinern auch Teleangiektasien genannt, machen sich als kurze rote Linien unter der Haut bemerkbar. Sie haben die Fähigkeit verloren, sich zusammenzuziehen und werden vor allem im Nasen-Wangenbereich in der Nähe von Talgdrüsen sichtbar. Die Haut kann an diesen Stellen rau sein oder sich schuppen. Manch Betroffener klagen aufgrund der Entzündungsprozesse in der Haut über ein brennendes oder stechendes Gefühl.
  • Stadium II: Es kommt zur dauerhaften Rötung des Gesichts, bei der auch entzündliche Eiterbläschen (Pusteln) oder Knötchen (Papeln) auftreten können. Aufgrund dieses Erscheinungsbildes wird Rosazea laut Kardorff manchmal mit der Erwachsenenakne verwechselt.
  • Stadium III: Entzündete Knoten und Schwellungen bilden sich. Die Haut ist grobporig und verdickt sich. Durch zudem auftretende Bindegewebsveränderungen kann es vor allem bei Männern zu knollenartigen, unförmigen Hautverdickungen der Nase kommen. Diese wird auch als Knollennase oder medizinisch als Rhinophym bezeichnet. Sie steht fälschlicherweise oft in Verdacht, allein durch hohen Alkoholkonsum verursacht worden zu sein. Phyme können außer an der Nase auch an Kinn, Stirn, Ohr, Augenlid oder Kiefer auftreten.

Was genau die erhöhte Hautdurchblutung und dadurch krankhaft erweiterte Blutgefäße verursacht, weiß man nicht. Experten gehen jedoch davon aus, dass es erbliche Faktoren gibt. Sind sie einem in die Wiege gelegt, ist das Risiko für eine Erkrankung höher. Daneben geht man davon aus, dass auch das Immunsystem eine Rolle spielen könnte. Zudem hat man die Demodex-Hautmilben in Verdacht, Entzündungen an den Haarbälgen auszulösen und so das Entstehen einer Rosazea zu fördern.

„Bei 30 bis 50 Prozent der Rosazea-Betroffenen sind laut Studien auch die Augen in Mitleidenschaft gezogen“, sagt Kardorff. Nach Informationen der Universitäts-Augenklinik Bonn sind sogenannte Trockene Augen, chronische Lidrandentzündungen, Bindehautreizung und schlimmstenfalls Hornhautentzündungen typische Anzeichen einer Augenbeteiligung. Auch Lichtempfindlichkeit könne ein Symptom sein, das man laut Rat des Dermatologen augenärztlich abklären lassen sollte.

Schon beim Auftreten gelegentlicher Rötungen oder Couperose rät der Dermatologe dazu, die bekannten Schub-Auslöser zu meiden und so die Rötungen und das Fortschreiten der Hautkrankheit im Zaum zu halten. Diese Dinge sollte man umgehen:

  • Sonne: Rosazea-Betroffene sollten die Sonne nur in Maßen genießen, denn die UV-Strahlung ist als verstärkender Faktor (Triggerfaktor) bekannt.
  • Alkohol: Auch gesunde Menschen merken, wie ihnen nach dem Genuss von Alkohol die Röte ins Gesicht steigt. Noch stärker sind davon Rosazea-Patienten betroffen. Alkoholgenuss kann bei ihnen einen Krankheitsschub auslösen.
  • Bestimmte Speisen: „Wie alles, was einem einen roten Kopf macht, fördern auch scharfe und heiße Speisen die Erkrankung“ sagt Kardorff.
  • Temperaturschwankungen: Der Wechsel zwischen Kälte und Hitze bereitet der Haut der Rosazea-Patienten Probleme. Auch Wind oder durchblutungsfördernde Saunagänge oder heiße Bäder sollten als Triggerfaktoren gemieden werden.
  • Stress: Einen stressigen Alltag kann man Rosazea-Patienten ebenso wie starke Gefühlsregungen oft von der Haut ablesen. Sie können die Symptome verstärken.
  • Ungeeignete Kosmetikprodukte: Viele Kosmetik- oder Körperpflegeprodukte beinhalten durchblutungsfördernde oder reizende Stoffe. Sie sollten darum gemieden werden.

Zwar ist diese Hauterkrankung unheilbar, doch lässt sie sich mit der richtigen Therapie in der Regel gut kontrollieren. Mit einer die Blutgefäße zusammenziehenden Creme lässt sich bereits eine Erkrankung im frühsten Stadium behandeln, sagt der Mediziner Kardoff. Er rät dazu, die Creme zunächst in der Anwendung zu Hause auszuprobieren. Denn zu viel des Guten kann zu einem leichenblassen Gesicht führen.

Zudem stehen für die äußerliche Therapie verschiedene Cremes zur Verfügung, die ursprünglich aus der Parasitenbehandlung kommen. Sie zielen unter anderem darauf ab, die entzündungsfördernden Demodex-Milben gering zu halten. Daneben kann der Dermatologe Fruchtsäurepeelings verschreiben, die allerdings nicht von den Kassen übernommen werden. Bei schweren Formen der Rosazea, so fasst der Düsseldorfer Dermatologe Thomas Jansen in einer Übersichtsarbeit zusammen, kann eine Antibiotika-Einnahme sinnvoll sein. Die Wirkstoffe bremsen den Entzündungsprozess und bringen so eine Verbesserung.

Daneben kann eine Laserbehandlung bei früh auftretenden roten Äderchen den Verlauf der Erkrankung bremsen. Auch beim Einsatz des Lasers in Stadium 2 verbessert sich nach Einschätzung des Mönchengladbacher Hautarztes die Erkrankung. Allerdings zählt auch die zwischen 100 und rund 300 Euro teure Laserbehandlung nicht als Kassenleistung.

Bei entsprechendem Schweregrad der Rosazea mit Wucherungen an Nase oder anderen Gesichtspartien kommt eine Laser-OP in Frage. Bei dieser wird die Knollennase per Laser abgeschält und wieder in ihre ursprüngliche Form gebracht.

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