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Hautkrankheiten - Wie die Sonne jeden Fünften krank macht

Haut-Serie: Teil 3 : Welche Hautkrankheiten die Sonne verursacht

Ob Urlaub auf Balkonien oder auf einer hübschen Insel, meist heißt die Devise im Urlaub: Hauptsache Sonne. Bei jedem Fünften allerdings sorgt sie nicht für Entspannung, sondern für juckende Haut. Sonnenallergie, Mallorca-Akne und Hitzepickel - wir sagen, was Sie dagegen tun können.

Gerade die ersten Urlaubstage sind eine harte Probe für die Haut. Ungewohnt lange oder intensive Sonneneinstrahlung hinterlässt neben dem allseits gefürchteten Sonnenbrand manches Mal auf der Haut juckende Knötchen oder Bläschen. Schon wenige Stunden nach dem Bad in der Sonne zeigen sie sich an den Stellen, die viel davon abbekommen haben. Wer sie auf Armen, Dekolleté oder gar im Gesicht entdeckt, ist vor allem in fremden Urlaubsgefilden unsicher. Denn durch UVA-Strahlung können neben Hitzepickeln auch eine Sonnenallergie oder Mallorca-Akne entstehen.

Für die Dermatologen ist eine handfeste Sonnenallergie oder auch polymorphe Lichtdermatose in den Sommermonaten nichts Ungewöhnliches. Mittlerweile leidet ungefähr jeder Fünfte darunter. Um eine echte Allergie handelt es sich jedoch nicht, da es kein Allergen gibt, auf das die Haut reagiert. Dennoch kommt es auf unserem äußeren Schutzmantel aber zu einer Immunreaktion. Da auch die Wissenschaft das Phänomen bislang nicht zweifelsfrei klären konnte, geht man von einer genetischen Unverträglichkeit der Haut gegen freie Radikale aus. Diese setzt die Haut selbst unter Einwirkung der Sonnenbestrahlung frei.

Sonne piesackt nicht nur Hellhäutige

Auch wenn allgemein helle Haut als besonders empfindlich auf Sonneneinstrahlung reagiert, sind es nicht allein die Hellhäutige, die das Sonnenlicht piesackt. Bürohengste und Schattensitzer sind ebenso gefährdet wie all diejenigen, die bislang weder Zeit noch Muße gefunden haben, das Antlitz an die Sonne zu gewöhnen. Oft beginnt die Krankheit bereits im Kindesalter und wiederholt sich dann von Jahr zu Jahr. Im besten Fall gewöhnt sich die Haut an die UV-Strahlung. In 25 Prozent der Fälle verschwindet sie sogar ganz von selbst wieder, sagt Dr. Johanna Kubek, Dermatologin aus Bad Karlshafen.

Hitzepickel treten hingegen zwar in Zusammenhang mit Sonne auf, entstehen jedoch nicht dadurch. Sie bilden sich — mit Vorliebe bei Babys und Kindern in Folge eines Hitzestaus durch verstopfte Schweißdrüsen. In der Hitze rinnt der Schweiß unablässig. Das natürliche Gemisch aus Salz, Bakterien und Schweiß bewirkt auf der aufgequollenen Haut Böses. Vor allem zu warme und zu enge Kleidung bewirken den Verschluss der kleinen Drüsen. Er zeigt sich in Form prall gefüllter Hitzepickel oder stecknadelkopfgroßer Bläschen. Leichte Sommerkleidung hilft meist, die Hautreaktion auf Schulten, Rücken oder unter den Achseln zu vermeiden.

Mallorca-Akne: Selbst Sonnen hinter Glas tabu

Die kleinen Pickelchen sind jedoch nichts gegen eine hartnäckige Mallorca-Akne, auch Acne aestivalis genannt83178325. Sonnencreme, Hautlotionen, Fette aus Kosmetika, eigener Talg in Kombination mit UVA-Licht geben dem äußeren Schutzmantel manchmal den Rest. Da, wo wir nach den Ferien sonnengebräunte Haut wünschen, zeigt sich ein heftig juckender Ausschlag, Quaddeln oder Pusteln, die oft für mehrere Wochen bleiben. Betroffen sind davon nach Angaben der Techniker Krankenkasse vor allem Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Für sie heißt es bis zum Abklingen der quälenden Hauterscheinung: raus aus der Sonne. Das schließt auch das Sonnen hinter Glas ein, denn eine Fensterscheibe lässt so viel UV-Licht hindurch, dass es keinen zuverlässigen Schutz bietet.

Es wird angenommen, dass sich durch die UV-Strahlung auf der Haut freie Radikale bilden. Sie haben die Eigenschaft, schnell Verbindung mit anderen Substanzen einzugehen. Im ungünstigen Fall eben mit Fetten aus Sonnenschutzmitteln oder fetthaltigen Pflegeprodukten. Hier ist es nötig, die Sonnencreme und Hautpflegemittel sofort zu wechseln und auf fettfreie Sonnengels oder Schutzcremes mit Alpha-Glycosyl-Rutin (AGR) zurückzugreifen. Sinnvoll ist zudem der Einsatz eines Sonnenschutzes mit hohem UV-Faktor.

Die Mallorca-Akne tritt im Unterschied zur klassischen Sonnenallergie überwiegend an den Haarfollikeln auf. Das Gesicht ist meist weniger betroffen, während eine polymorphe Lichtdermatose sich eher auf dem Rücken und im Brustbereich bemerkbar macht. In beiden Fällen sollte man nach Möglichkeit Rat bei einem Hautarzt einholen, denn unbehandelt, kann die Haut dauerhaft Schaden nehmen und unschöne Narben bleiben zurück.

Das lindert und hilft bei der Heilung

Das hilft: Kalte Umschläge wirken lindernd auf die juckenden und entzündeten Hautpartien. Einen kühlenden, antientzündlichen und juckreizlindernden Effekt bringt zudem die Anwendung einer Zinklotion. Soll zeitgleich eine Cortisonsalbe zum Einsatz kommen, ist es ratsam, diese zunächst aufzutragen. Auch die Einnahme von Antihistaminika kann helfen. Sie blockieren die Ausschüttung bestimmter Botenstoffe ins Gewebe. Ansonsten heißt es abwarten und den Schatten suchen. Dann bilden sich die Beschwerden binnen einiger Tage wieder zurück.

Vorbereitend kann man die Haut langsam an die Sonne gewöhnen. Am besten beginnt man damit im Frühjahr. Dichtgewebte Kleidung und schattige Plätze geben der Haut Zeit, sich an die UV-Strahlung zu gewöhnen. Bereits im Winter können Betroffene sich unter ärztlicher Aufsicht einer mehrwöchigen Lichttherapie unterziehen und prophylaktisch kurz vor den warmen Tagen oder dem Urlaubsbeginn Antihistamine - also antiallergische Mittel - einnehmen. Die Kosten dafür trägt die Krankenkasse. Auch Antioxidantien wie Beta-Carotin oder Calcium, die es als Tabletten, Pulver oder Brausetabletten gibt, können Linderung bringen. Denn die antioxidativen Stoffe schützen die Zellen vor aggressiven freien Radikalen.

Fettfreie Sonnenschutzgels sorgen dafür, dass die Hautporen offener bleiben und die Mallorca-Akne weniger Chancen hat. Solariumbesuche, dicke Quarkmasken oder literweise Möhrensaft sind nach Auffassung der Mediziner keine Alternativen.

(wat)