Wie gefährlich ist Fieber wirklich? Infos zu Ursache, Behandlung, Linderung

Ursachen, Behandlung, Linderung : So gefährlich ist Fieber wirklich

Fieber ist ein eindeutiges Zeichen dafür, wirklich krank zu sein. Dabei ist die hohe Temperatur keine Krankheit, sondern eine Reaktion des Immunsystems auf eine Infektion. Doch Fieber kann auch eine enorme Belastung für den Körper sein.

Der Kopf ist heiß, man fühlt sich schlapp und müde, Fröstelanfälle machen sich breit. Deutliches Indiz für einen Infekt. Weil Fieber als unangenehm und manchmal sogar schädlich gesehen wird, versuchen viele es sowohl bei sich selbst als auch beim Nachwuchs zu senken. Dabei ist das Fieber nicht die Ursache der Erkrankung, sondern die Abwehrreaktion des Körpers auf Fremdstoffe, Viren und Bakterien. Aus medizinischer Sicht eine vernünftige Reaktion auf bis zu 90 Prozent der Keime, sagt Wolfgang von Schreitter vom Hausärzteverband Nordrhein.

Besonders sensibel reagieren Kinder auf verschiedene Krankheitserreger. Sie entwickeln nicht nur schneller, sondern auf häufiger Fieber, denn schon harmlose Infektionen reichen aus, die Körpertemperatur nach oben zu treiben. Aber auch starke körperliche Belastung kann bei Kindern die Temperatur über das normale Maß hinaus ansteigen lassen.

Wie hoch unsere Körpertemperatur ist, ist unter anderem von der körperlichen Aktivität abhängig. Normalerweise schwankt sie zwischen 36,5 und 37,5 Grad Celsius. Liegt die Temperatur zwischen 37,5 und 38,5 Grad, ist sie leicht erhöht. Das weist auf eine Erkrankung hin. "Von Fieber spricht man frühestens ab 38 Grad", sagt von Schreitter. Bei Temperaturen über 39 Grad von hohem Fieber. Klettert das Quecksilber auf über 40 Grad, reagiert der Körper meist heftig mit Schüttelfrost.

Warum man bei Fieber erst friert und dann schwitzt

Der Hypothlamus ist die Schaltzentrale im Gehirn. Schlagen Botenstoffe des Körpers dort Erregeralarm, reagiert er. Die Temperatur erhöht sich. Denn bei höherer Temperatur können sich Krankheitserreger nicht mehr so schnell vermehren. Dadurch wird das Immunsystem leichter mit ihnen fertig. "Der Kreislauf wird aktiviert und die Hautdurchblutung gedrosselt", sagt Kinder- und Jugendmediziner Edwin Ackermann.

Der Grund dafür: Um die innere Temperatur zu steigern, darf der Körper keine Wärme mehr nach außen abgeben. Beim Kranken macht sich das durch Fröstelanfälle sowie kalte Hände und Füße bemerkbar. Sinkt das Fieber hingegen oder wird es medikamentös gesenkt, beginnen wir zu schwitzen. Der Grund: Das innere Thermostat wurde nach unten reguliert. Der Körper versucht die überschüssige Temperatur nach außen abzugeben.

  • Besonders in den Schwitzphasen ist es sinnvoll, den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen und in ausreichender Menge zu trinken. Vor allem bei Kindern und Senioren ist die Gefahr der Austrocknung erhöht.
  • Fieber belastet das Herz- und Kreislaufsystem. Mit jedem Grad Temperaturerhöhung steigt die Herzfrequenz um zehn Schläge in der Minute an. "Bei 39 Grad sind das 20 Herzschläge mehr, die einer leichten sportlichen Belastung entsprechen", sagt Ackermann. Besonders fiebernde Jugendliche und Erwachsene sollten darum langsam aufstehen.
  • Der Körper reagiert nicht grundlos mit überschießender Temperatur. "Mit Fieber gehört man zwar nicht zwangsläufig ins Bett, aber man sollte sich schonen", sagt Ackermann. Nimmt man fiebersenkende Mittel wie beispielsweise Paracetamol oder Ibuprofen, fühlt man sich gleich fitter, läuft aber auch Gefahr, sich zu übernehmen und eine gefährliche Herzmuskelentzündung zu riskieren.
  • Fieber erhöht zudem das Risiko einer Thrombose, bei der ein Blutgerinnsel eine Vene verstopft.
  • Vielen nicht bewusst: Auch wer sich übermäßiger Sonnenstrahlung aussetzt, kann eine Überhitzung riskieren. Dann allerdings spricht man nicht von Fieber, sondern von einem Hitzschlag. Bei Säuglingen besteht zudem die Gefahr der Überhitzung, wenn man sie zu warm kleidet oder die Umgebungstemperatur sehr hoch ist.

Fieber kann man im Enddarm, also rektal messen, unter der Zunge, in der Achselhöhle oder im Ohr. Die zuverlässigste Methode ist laut Allgemeinmediziner von Schreitter die rektale Messung. Wer sich für eine andere Messmethode entscheidet, sollte durchschnittlich 0,5 Grad zur ermittelten Temperatur hinzuaddieren.

Hohe Temperatur — das können Sie tun

Erst wenn das Fieber seine Höchsttemperatur erreicht hat, der Betroffene also nicht mehr friert, kann man die Temperatur beispielsweise mit Beinwickeln oder kühlen Päckchen in der Leistengegend senken. Daneben ist der Einsatz fiebersenkender Medikamente möglich. "Er beschleunigt die Genesung nicht, ist jedoch sinnvoll, wenn der Kreislauf sehr belastet ist oder der Betroffene leidet", sagt Ackermann. Kindern sollte auf keinen Fall Acetylsalicylsäure (ASS) zur Fiebersenkung verabreicht werden, da dies zum seltenen aber gefährlichen Reye-Syndrom führen kann.

Bei Fieber ab 40 Grad oder mit ungeklärter Ursache, sollte man den Arzt aufsuchen Das gilt auch, wenn die hohe Temperatur über mehrere Tage bleibt. Schwere Infektionen wie Lungenentzündung, Blutvergiftung oder Hirnhautentzündung oder auch nicht ansteckende Krankheiten wie rheumatische Erkrankungen oder Stoffwechselkrankheiten können der Auslöser dafür sein. Die häufigste Ursache ist jedoch ein grippaler Infekt, der innerhalb weniger Tage den Rückzug antritt.

Bei Kindern im Alter von eins bis fünf Jahren kann es anlagebedingt zu Fieberkrämpfen kommen. "Sie sind für die Eltern sehr beängstigend und erinnern an einen epileptischen Anfall", sagt Ackermann. Meist tritt ein solcher Fieberkrampf in der Phase des Temperaturanstiegs auf. Dabei ist meist unerheblich, wie hoch die absolute Körpertemperatur ist. Kinder, die einen Fieberkrampf erleiden, sollten in jedem Fall ärztlich untersucht werden, um andere Ursachen auszuschließen.

Hier geht es zur Infostrecke: Grippe oder Erkältung - das ist der Unterschied

(wat)
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