Das kann man bei einer Erkältung alles falsch machen

Gesundheit : Das kann man bei einer Erkältung falsch machen

Wegen der eisigen Temperaturen kämpfen derzeit viele mit einer Erkältung. Viele ignorieren die Symptome oder greifen zu den falschen Maßnahmen. Mit diesen acht Verhaltensweisen machen Sie Ihre Erkältung nur noch schlimmer.

Winterzeit ist Partyzeit bei den Erkältungsviren. In kuschelig warmen Räumen wähnen wir uns vor ihnen sicher. Doch das ist ein fataler Fehler: Heizungsluft macht aus den sonst feuchten Schleimhäuten Trockensavannen. Die gemeinen Erreger haben es leicht, sich hemmungslos auszubreiten und das Immunsystem in die Knie zu zwingen. Ergebnis: Rund zwei bis drei Erkältungsinfekte brütet jeder Erwachsene im Jahr aus. Bei Kindern sind es sogar sechs bis zehn solcher grippalen Infekte.

Eine Erkältung an sich ist zwar harmlos und meist nach sieben bis zehn Tagen verschwunden. Doch hat mancher auch länger etwas davon, weil er sich durch einen sorglosen Umgang oder falsche Selbstbehandlung Folgeerkrankungen einheimst. Was Sie nicht tun sollten:

  • Weiter arbeiten gehen

Sicherlich — ein Schnupfen fesselt einen nicht gleich ans Bett. Kommen jedoch andere Symptome hinzu, ist eine Auszeit angebracht. "Wer gerade noch ins Taschentuch geschnieft hat und dann zum Telefonhörer greift, der verteilt seine Viren fleißig im Büro", sagt der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes Nordrhein und Duisburger Hausarzt Dirk Mecking. "Häufig erleben wir trotzdem in den Hausarztpraxen, dass Patienten darum bitten, nicht lange krank geschrieben zu werden, weil schon die halbe Belegschaft krank ist." Weiter arbeiten zu gehen, hält er in der Akutphase für keine gute Idee. Vor allem deshalb nicht, weil man dort nicht so zur Ruhe kommen kann wie zu Hause.

  • Sich ins Bett legen

Wer krank ist, der gehört ist Bett, lautet eine verbreitete Meinung. Falsch, sagt Mecking: "Neue Studien aus den USA zeigen uns, dass es schädlicher ist, sich ins Bett zu legen als zu arbeiten." Zwar heiße das nicht, dass man den Bürostuhl dem Bett vorziehen solle, doch Ruhe zu halten, sei nicht gleichzusetzen mit einem Aufenthalt im Bett. Das ist bei Fieber zwar nötig und auch angemessen. Grundsätzlich aber gilt: Packen Sie sich warm ein und gehen Sie zwischendurch eine kleine Runde spazieren. Das tut dem Kreislauf gut und auch den geschundenen Schleimhäuten in der Nase.

  • Körperlich arbeiten oder Sport treiben

Vor allem Arbeitnehmer, die körperlich viel leisten müssen, sollten sich Ruhe gönnen. Dafür gibt es zwei Gründe: "Bei einem grippalen Infekt kann es dazu kommen, dass die Erreger den Herzmuskel angreifen und eine Herzmuskelentzündung verursachen, bei der auch Teile der Herzmuskulatur absterben", sagt Mecking. Schnelle Ermüdung, Herzstolpern, dicke Beine oder ein Druckgefühl im Brustkorb sowie Atemnot sind Alarmsignale, die man ernst nehmen sollte. Betroffen sind vor allem jüngere Menschen und Sportler. Schon ein Treppenaufstieg kann dann Herzrhythmusstörungen und lebensbedrohliches Kammerflimmern auslösen. Ein weiterer Grund, in der Zeit des Infekts auf Squash, Joggen und ähnliches zu verzichten: "Viren lösen Entzündungen aus, die auch die Muskulatur und Gelenke betreffen. Das verursacht beispielsweise Gelenk- und Muskelschmerzen. Wer weiterarbeitet, verstärkt diese Schmerzen."

  • Falsches Schnäuzen und Husten

Es macht Sinn, bei Schnupfen dafür zu sorgen, das Nasensekret los zu werden. Das kann man auf unterschiedliche Art und Weise tun. Für ungünstig hält es Uso Walter, Vorsitzender des Ärztenetzwerks HNOnet NRW, das Sekret so weit hochzuziehen, dass es über den Rachen heruntergeschluckt werden kann. "Das Sekret ist infektiös. Auf diese Weise handelt man sich womöglich eine Rachen- oder Halsentzündung ein." Weit verbreitet ist es außerdem, sich im Taschentuch laut trompetend Erleichterung zu verschaffen. Doch auch davon rät Walter dringend ab: "Durch heftiges Schnäuzen presst man das Sekret in die Nebenhöhlen bis in die Ohrtrompete." Im schlimmsten Fall könne das zu einer Nebenhöhlen- und Mittelohrentzündung führen. Bei einer angegriffenen, rissigen Nasenschleimhaut provoziert man durch heftige Schnäuzversuche zudem Nasenbluten. Stattdessen empfiehlt Walter mit wenig Druck die Nase zu putzen. Ähnliches ist auch beim Husten ratsam. Die Experten raten dazu, nicht aus vollem Hals zu husten, sondern bei der Hustenattacke die Backen aufzupusten und so ähnlich wie beim Schnäuzen den Druck zu minimieren. Das schont die Schleimhäute der Atemwege, die durch den Infekt ohnehin rissig und gereizt werden. So lässt sich so genannter "sich selbst unterhaltender Husten" vermeiden. Er tritt auf, wenn die Nervenfasern derart überreizt sind, dass schon ein kalter Luftzug oder wenig Rauch ausreichen, um einen Hustenreiz auszulösen. Wie Sie selbst einen wirksamen Hustensaft zubereiten, lesen Sie hier. Wann welcher Hustensaft hilft, lesen Sie hier.

  • Niesen unterdrücken

Der Niesreflex hilft, die Nase von Fremdkörpern wie Staub, aber auch Viren und Bakterien zu befreien. Dieser Selbstreinigungsreflex funktioniert prima, er schleudert den Fremdkörper bis zu zehn Meter weit aus dem Körper. Leicht ist vorstellbar, wie viel Druck dafür aufgebracht werden muss. Darum rät HNO-Arzt Uso Walter: "Unterdrücken Sie das Niesen nicht." Durch Druck, der sich nach innen richtet, kann im Ohr ein Überdruck entstehen, der sehr unangenehm ist. Besser ist es, dem Nieser freien Lauf zu lassen. Wer ihn in seine Armbeuge platziert, bewahrt seine Mitmenschen vor umherfliegenden Tröpfchen und Viren.

  • Nasenspray falsch verwenden

Abschwellende Nasensprays sind ein Segen, wenn man die Nase voll hat. Auch bei Nasennebenhöhlenentzündungen oder einem Sekretstau in der Ohrtrompete verschaffen sie Erleichterung. Wirkstoffe wie Xylometazolin oder Oxymetazolin bewirken ein Zusammenziehen der Blutgefäße in der Nasenschleimhaut. Dadurch schwellen die Schleimhäute ab. Problem allerdings: bei regelmäßiger Anwendung setzt eine Gewöhnung ein. Lässt nun die Wirkung des Nasensprays nach, schwellen die Schleimhäute zunächst erst recht an. Das kann derart gravierend sein, dass die Betroffenen gar keine Luft mehr durch die Nase bekommen. Das verleitet dazu, gleich wieder zum Spray zu greifen. Die fatalen Folgen: "Das stört die Mikrodurchblutung, die Schleimhäute werden mit der Zeit schwer geschädigt und beginnen sich zurückzubilden. In Folge dessen kann sich ein Loch in der Nasenscheidewand bilden", sagt Dirk Mecking. Mit der Zeit trocknet die Nase innerlich aus, es kommt zu braunen Verkrustungen — auch Borken genannt — und eitrigen Entzündungen. Der unschöne Effekt, der auch von Außenstehenden wahrgenommen wird: Die Betroffenen leiden unter einer so genannten übelriechenden Stinknase. Darum gilt: "Ein Nasenspray sollte nicht häufiger als dreimal täglich und nicht länger als maximal sieben Tage lang angewendet werden", sagt Allgemeinmediziner Mecking. Mindestens 100.000 Menschen in Deutschland sind abhängig von Nasenspray, schätzt der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte. Alternativen zum Nasenspray mit Wirkstoffinhalt sind Sprays auf Basis von Meer- oder Salzwasser. Auch sie befeuchten die Schleimhäute und verringern die Symptome. Freilich nicht ganz so effektiv wie Wirkstoff-Präparate.

  • Schmerzmittel zu lange nehmen

Ein grippaler Infekt kommt gerne mit Kopf- und Gliederschmerzen daher. Ein probates Mittel dagegen stellen rezeptfreie Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Paracetamol dar. Allerdings sollten diese nicht unbegrenzt lange eingenommen werden. Wer sie zunächst gegen Kopf- und Gliederschmerzen nimmt, dann im Anschluss gegen Nackenverspannung vom Dauerliegen und danach gegen die Schmerzen der Nebenhöhlenentzündung nähert sich der Schwelle zum Schmerzmittelmissbrauch. "Lange eingenommene Schmerzmittel erzeugen wiederum Kopfschmerzen", sagt Mecking. Man nennt sie auch kopfmittelinduzierte Kopfschmerzen. Sollte es zu diesem Problem kommen, das auch Migränepatienten manchmal kennen, sollte man sich einem Arzt anvertrauen. Er kann beim langsamen Absetzen des Mittels helfen.

  • Antibiotika auf eigene Faust nehmen

Die Reiseapotheke enthält noch ein Antibiotikum, das der Kinderarzt verschrieben hatte. Jetzt hat es ein Elternteil selbst erwischt. Statt zum Arzt zu gehen, wird deshalb zum Kindermedikament gegriffen, Antibiotikum ist schließlich Antibiotikum, oder? Davor warnen jedoch Experten. Der Grund: Eine Erkältung wird von Viren hervorgerufen. Antibiotika sind darum unwirksam und fördern in so einem Fall sogar die Bildung von Resistenzen. Weiteres Problem: Ein für ein Kind verordnetes Mittel ist für einen Erwachsenen in der Regel zu schwach und wirkt nicht richtig. Umgekehrt ist das Erwachsenen-Präparat für Kinder zu hoch dosiert. Zudem ist Antibiotikum nicht gleich Antibiotikum. Verschiedene Wirkstoffe werden gezielt vom Arzt gegen unterschiedliche bakterielle Infektionen verordnet. Ein Mittel, das gegen Blasenentzündung verordnet wurde, hilft also nicht zwangsläufig auch gegen Bronchitis. Welche Erkältungsmittel Sie sich sparen können, lesen Sie hier.

(wat)
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