Diabetes : Das süße Gift des Wohlstands

Fluch und Segen des modernen Lebens: die Zuckerkrankheit oder medizinisch Diabetes Mellitus. In den modernen Industrienationen steigt durch den Hang zum guten Essen und wenig Bewegung die Zahl der Betroffenen.

Mehr als 5,5 Millionen Deutsche leiden an erhöhtem Blutzuckerspiegel. Die Dunkelziffer durch vielfach unspezifische Symptome ist groß. Mit Folgen. Wird die chronische Krankheit erst spät erkannt, treten bleibende Schäden ein. Das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko steigt. Andererseits: Die moderne Medizin vermag viel, um die Diabetes in den Griff zu bekommen und den Patienten ein weitgehend normales Leben zu ermöglichen. Im Mai 2006 bezwangen drei Diabetiker den Mount Everest.

Insulin steuert den Energiehaushalt

Jeder kennt das Hormon Insulin. Es leistet viel in unserem Körper. In der Bauchspeicheldrüse produziert, regelt es den Zuckerhaushalt. Ohne Insulin sterben wir. Der Blutzucker Glukose (Traubenzucker) ist der Energiespender für die Körperzellen. Unser Gehirn ernäht sich ausschließlich davon. Das Verdauungssystem verwandelt Kohlehydrate in Glukose. Der Körper produziert es aus Nährstoffreserven zudem selbst.

Der Blutzucker-Spiegel im Blut schwankt. Nach einer Mahrzeit ist er höher. Nach Alkoholgenuss niedriger. Doch nicht zu sehr. Darum kümmert sich das Insulin. Es sagt der Leber, wann sie keine Glukose zuliefern muss. Es öffnet vor allem wie ein Schlüssel die Körperzellen, damit sie Glukose aufnehmen können. Diabetes beschreibt eine Störung dieses Gleichgewichts.

Die Folgen der Energiekrise

Für beide Formen der Diabetes gilt: Es ist zu viel Glukose im Blut ist. Mit doppelten Folgen: Den Zellen fehlt der "Sprit". Sie leiden unter dem Energiemangel. Durch den überhöhten Blutzuckerspiegel im Blut treten mit der Zeit nicht wieder gut zu machende Schäden an den Gefäßwänden auf.

Blutbahnen oder Nervenzellen sind davon betroffen. Nach und nach treten dramatische Folgen auf. Was die beiden Formen unterscheidet ist die unterschiedliche Gewichtsentwicklung. Beim Typ 1 ist Gewichtsverlust die Folge, beim Typ 2 kann Übergewicht Mitauslöser der Krankheit sein.

Süßes Blut? Der Test zeigt's!

Früher erkannten Ärzte die Zuckerkrankheit durch den Geschmack des Urins. Das erklärt den Namen Diabetes mellitus, honigsüßer Durchfluss. Heute ermöglicht ein Bluttest die Diagnose. Die Urinstreifen geben Hinweise - ersetzen den Test aber nicht.

Diabetes mellitus ist inzwischen eine Volkskrankheit. Tests lohnen sich daher. Beim Typ 1 sind die Symptome in der Regel eindeutig: Rascher Gewichtsverlust, großer Durst und starker Harndrang. Beim Typ 2 fällt die Diagnose schwerer. Mattigkeit und Appetitlosigkeit können auch andere Ursachen haben. Warnzeichen sollte man nicht ignorieren. Das gilt vor allem bei übergewichtigen Menschen und erblicher Vorbelastung. In der Schwangerschaft gehören Tests zur Vorsorge.

Messen schafft Gewissheit

Diabetes ist kein Schicksalsschlag mehr. Heilung ist nicht möglich, aber ein Umgang mit der Krankheit, der ein lebenswertes Leben ermöglicht. Die beiden unterschiedlichen Typen der Diabetes Mellitus verlangen auch nach einer unterschiedlichen Behandlung. Grundsätzlich gilt: Weil der Körper nicht selbst auf den Blutzuckerspiegel achtet, muss es der Patient tun.

Dazu gibt es Möglichkeiten der Messung, die Erkrankte buchstäblich "kinderleicht" beherrschen. In der Regel wird nach vorheriger Erläutung durch den Arzt die Messung selbst und zu Hause durchgeführt. Ein Tropfen Blut - entnommen durch einen Pieks in die Fingerkuppe - und ein entsprechendes Messgerät genügen. Eine Veränderung des Blutzuckerspiegels nach Gefühl lässt sich nur bei extremen Abweichungen empfinden.

Schlank sein hält gesund

Da der Typ 1 genetisch bedingt ist, lassen sich vorbeugende Maßnahmen derzeit nicht bestimmen. Allerdings: Es leiden nur 5 Prozent aller Diabetiker unter Typ 1. Für den Typ 2 lassen sich durchaus hilfreiche Tipps zur Vermeidung der Krankheit geben. Achten Sie vorallem auf Ihr Gewicht.

Das Risiko eines stark Übergewichtigen kann sich gegenüber einem schlanken Menschen um ein 100-faches erhöhen. Und bewegen Sie sich ausreichend. Wer nur Fußball guckt statt selbst zu spielen, erkrankt eher an Diabetes.

Warten auf den Impfstoff

Die Zahl der Diabetiker (Typ 2) wird nach Einschätzung der Mediziner in naher Zukunft weiter steigen. Der Grund liegt in unserer ungesunden Lebensweise. Zugleich wächst die Hoffnung, Diabetes bald noch effizienter bekämpfen zu können.

Weil Viren als Mitauslöser von Typ 1 gelten, hoffen die Ärzte auf eine Möglichkeit zur Impfung. Natürlich sollte niemand auf den wissenschaftlichen Fortschritt setzen, sondern auch selbst durch - durchaus wörtlich gemeintes - aktives Vorbeugen sein Erkrankungsrisiko mindern.

Hier geht es zur Infostrecke: So pflegen Diabetiker ihre Füße richtig

(anch/das/nbe)