Betroffene verstehen : Was sind die Ursachen von Depression?

Immer mehr Menschen fühlen sich überfordert, hilflos und kraftlos. Die Depression ist auf dem Vormarsch. Doch was löst diese Erkrankung aus? Wir verraten Ihnen mögliche Ursachen.

Was sind die Ursachen einer Depression?

Eine Depression hat nicht den einen Auslöser. Meist ist es ein Zusammentreffen verschiedenster Faktoren und Umständen. Traumata in der Kindheit, anhaltender Stress im Alltag, eine sensible Persönlichkeit, ein geringes Selbstwertgefühl, Schicksalsschläge, Suchtverhalten oder Veranlagung können diese Erkrankung der Psyche auslösen.

Oft bleibt die genaue Ursache der Depression unbekannt. Es gibt jedoch deutliche Risikofaktoren, die die Entstehung einer Depression begünstigen. Dazu gehören neben psychischen Faktoren und sozialen Umständen auch körperliche beziehungsweise neurobiologische Aspekte.

Körperliche und neurobiologische Faktoren:

  • Genetische Faktoren: Viele Patienten, die depressive Phasen erleben, haben enge Familienmitglieder, die ebenfalls diese Erkrankung hatten und besitzen damit eine gewisse Veranlagung zur depressiven Störungen.
  • Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn: Depression soll durch ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn entstehen. Vor allem eine Störung des Serotonin-Stoffwechsels führt zu depressiven Episoden. Damit hat die Depression neben psychischen Ursachen auch mögliche biologische Faktoren.
  • Schwangerschaft oder Geburt: Die Hormon- und Lebensumstellung, die mit der Schwangerschaft und Geburt eines Kindes einhergehen, können eine prä- oder postnatale Depression verursachen. Ohne professionelle Hilfe kann sich aus der sogenannten Wochenbettdepression eine chronische Depression entwickeln.
  • Ernährung: Eine ungesunde Ernährung und ein Mangel wichtiger Vitamine und Nährstoffe können eine Depression begünstigen. Fettiges Fast Food und zu viel Zucker in der Ernährung begünstigen Entzündungsprozesse im Körper, die wiederum die Botenstoffe im Gehirn angreifen und eine depressive Episode auslösen können.
  • Winterdepression: Im Winter können Lichtmangel und ein Mangel an Vitamin-D zu einer depressiven Stimmung führen. Die saisonale Winterdepression ist eine leichte Form der Depression. Sie beginnt im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, und ist meist im Frühling schlagartig vorbei.
  • Suchtverhalten: Viele alkoholkranke oder drogensüchtige Menschen leiden auch unter Depressionen. Dabei stellt sich jedoch die Frage, ob die Sucht der Betroffenen eine Folge oder die Ursache der Depression ist.
  • Krankheiten: Chronische Krankheiten wie Lyme-Borreliose könnten der Auslöser depressiver Verstimmungen sein. Patienten mit Krankheiten wie Krebs oder Parkinson können eine Depression entwickeln, wenn Sie den Lebenswillen verlieren. Eine Schilddrüsenunterfunktion oder andere Krankheiten, die den Hormonhaushalt durcheinanderbringen, können ebenfalls eine Depression begünstigen.

Psychosoziale Faktoren:

  • Traumata in der Kindheit: Sexueller Missbrauch oder Misshandlungen hinterlassen tiefe Spuren in der Kinderseele. Diese Spuren treten bei Betroffenen im Erwachsenenalter in Form von depressiven Phasen wieder ans Tageslicht.
  • Eine gestörte Beziehung zu den Eltern: Sind die Eltern distanziert und kalt oder behüten sie ihre Kinder zu sehr, kann das die Psyche der Kinder nachhaltig beeinflussen. Bei psychischen Erkrankungen der Eltern steigt das Risiko der Kinder, später selbst zu erkranken.
  • Schicksalsschläge: Die Trennung vom langjährigen Partner, der Verlust enger Familienmitglieder, finanzielle Schwierigkeiten, Arbeitslosigkeit oder andere belastende Lebensereignisse können Betroffene in ein tiefes Loch stürzen und eine Depression verursachen.
  • Soziale Isolation: Viele ältere Menschen, die Familie und Freunde bereits durch den Tod verloren haben, vereinsamen und verlieren den Lebensmut. Das Risiko des Suizids ist ausgerechnet bei Senioren erhöht. Doch auch Jugendliche können durch private Probleme, hohen Leistungsdruck oder Mobbing in der Schule in die soziale Isolation rutschen und depressiv werden.
  • Anhaltender Stress: Anhaltender Stress ohne Entspannungsphasen führt über einen längeren Zeitraum hinweg bei vielen Menschen zu einem Burn-out-Syndrom. Dieses Syndrom ist oft ein Anzeichen für eine unterschwellig bestehende Depression.

Können Traumata in der Kindheit Ursachen einer Depression sein?

Viele Traumata entstehen in der Kindheit und äußern sich im Erwachsenenalter in Form einer psychischen Störung. Bei dem Wort Trauma denken viele Menschen an schlimme Erlebnisse wie sexuellen Missbrauch oder Gewalt – tatsächlich können auch alltägliche Situationen der Kindheit Traumata auslösen.

In keiner anderen Phase unseres Lebens sind wir so hilflos und bedürftig wie in der Kindheit. Kinder erleben Gefühle und ihre Umwelt sehr intensiv. Die Mutter, die sich kurz in ein anderes Zimmer bewegt, kann bei einem Kleinkind schlimmste Trennungsängste verursachen. Das Baby, das für längere Zeit im Bett schreien muss, erlebt vielleicht Todesängste.

Werden Kinder in ihrer Not nicht aufgefangen und erfahren sie keinen emotionalen Ausgleich, kann daraus ein Trauma entstehen. Vor allem dann, wenn die kindlichen Gefühle immer wieder auf Ablehnung der engsten Bezugspersonen stoßen, passen sich Kinder unterbewusst an, um die gewünschte Anerkennung zu erhalten.

Nach der Theorie der Psychoanalyse stammen sogar alle psychischen Störungen der Gegenwart aus gestörten Beziehungen und Traumata der Kindheit. Neben offensichtlichen Umständen wie einer schlimmen Kindheit entstehen psychische Krankheiten auch aus dem innerlichen Konflikt zwischen Autonomie und Abhängigkeit.

Der Abhängigkeits-Autonomie-Konflikt der Kindheit:

Mit Eintritt in das Kleinkindalter wünschen sich Kinder selbstbestimmt zu handeln. Gleichzeitig sind sie zu einem hohen Maße von den Eltern abhängig. Können die Eltern nicht auf die Bedürfnisse des Kindes nach Autonomie eingehen oder reagieren mit Liebesentzug und Strafen, steht das Kind vor einer schwierigen Entscheidung: Riskiere ich durch mein selbstbestimmtes Handeln auf Ablehnung zu stoßen oder passe ich mich an?

Wie oft hören Kinder „Das ist doch kein Grund zu heulen“ oder „Hör jetzt auf so bockig zu sein, sonst nehme ich dich nicht mit“? Durch solche und ähnliche Aussagen lernen Kinder, dass sie sich anpassen müssen, um Anerkennung und Zuneigung zu erhalten. Die wahren Bedürfnisse und auch „böse“ Gefühle wie Wut und Trauer werden unterdrückt, das Verhalten wird eingeschränkt.

Im Erwachsenenalter werden die alten Gefühle durch verschiedene Situationen immer wieder getriggert und so aus dem Unterbewusstsein an die Oberfläche gebracht. Betroffene leiden dann unter dem gleichen inneren Konflikt wie in der Kindheit, oftmals ohne sich dessen bewusst zu sein. Sie entwickeln Wut, Ängste und Schuldgefühle.

Unbehandelt entsteht aus den inneren Konflikten eine Depression oder eine andere Störung der Psyche. Die Depression ist dann eine manifestierte Wut gegen sich selbst, die in der Kindheit nicht gegen die Eltern ausgelebt werden durfte. Die Aussage „Ich hatte eine schöne Kindheit“ schützt nicht vor der Diagnose Depressionen. Auch Patienten, die ihre Kindheit insgesamt als schön empfanden, können aus den Traumata der Kindheit eine Depression entwickeln.

Die perfekten Eltern und die perfekte Kindheit gibt es nicht. Allerdings entwickeln auch nicht alle Menschen mit einer schwierigen Kindheit eine Depression. Und natürlich hinterlässt auch eine schlimme Kindheit mit Misshandlungen, Gewalt, suchtkranken oder psychisch erkrankten Eltern oder sexuellem Missbrauch tiefe Spuren in der zarten Kinderseele.

Wie beeinflusst die Gehirnentwicklung die Entstehung einer Depression?

Kindheitstraumata wie Missbrauch und Gewalt können zu Veränderungen im Gehirn führen. Der Stresspegel der betroffenen Kinder steigt schneller an, die Entwicklung der Synapsen und die neuronale Vernetzung im Gehirn wird gestört. Vor allem frühkindliche Erfahrungen unter drei Jahren führen zu „Narben“ im Gehirn.

Bis zu diesem Alter ist das Gehirn noch nicht voll ausgereift. Frühkindliche Erfahrungen prägen die Konstruktion des Neuronennetzwerkes im Gehirn. So wird die Persönlichkeit des Kindes durch diese frühen Erfahrungen geprägt. Erinnern können wir uns an diese Zeit in den seltensten Fällen.

Bis zum dritten Lebensjahr ist der Hippocampus noch nicht ausgereift. Dieser Teil des Gehirns speichert Langzeiterinnerungen. Doch die frühkindlichen Erfahrungen sind nicht vergessen. Gespeichert werden sie in Form von Gefühlen im Unterbewusstsein.

Traumatische Erlebnisse der frühen Kindheit äußern sich im Erwachsenenalter dann in Beziehungsunfähigkeit, Depressionen, Schlafstörungen und inneren Konflikten. An den genauen Auslöser der Probleme können sich die Betroffenen meist nicht mehr erinnern.

Gehört eine ungesunde Ernährung zu den Ursachen einer Depression?

Lange glaubten Forscher, eine schlechte Ernährung sei die Folge und nicht die Ursache einer Depression. Jetzt hat eine Untersuchung mit über 33.000 Teilnehmern herausgefunden, dass eine ungesunde Ernährung das Risiko einer Depression erhöht. Die ungesunde Ernährung fördert Entzündungsprozesse und eine gedrückte Stimmung.

Der Grund: Eine ungesunde Ernährung aus viel Zucker und Transfetten fördert chronische Entzündungen im Körper, die die Neurotransmitter im Gehirn angreifen. Durch die Störung der Neurotransmitter können depressive Episoden ausgelöst werden. Patienten fühlen sich unwohl, schlapp und müde.

Doch natürlich ist eine ungesunde Ernährung nie die einzige Ursache einer Depression. Stellt ein Arzt die Diagnose Depression, könnten Betroffene sich auch erst ab diesem Zeitpunkt schlecht ernähren. Durch ihr geringes Selbstwertgefühl achten die Patienten nicht mehr auf sich und ihren Körper. Die ungesunde Ernährung verschlimmert die Erkrankung und die depressiven Symptome dann noch zusätzlich.

Wie beeinflusst Serotonin die Ursachen einer Depression?

Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Aktivität der Neurotransmitter wie Serotonin und Noradenalin bei Betroffenen gestört ist. Durch diese Störung kommt es eher zu Gefühlsschwankungen, manischen Episoden und depressiven Phasen. Damit hat die Depression eine organische Ursache, die mit Medikamenten behandelt werden kann.

Die Mittel der Wahl bei einer schweren Depression sind sogenannte Antidepressiva. Diese Medikamente fördern die Funktionen der Botenstoffe im Gehirn und bringen den Gehirnstoffwechsel wieder ins Gleichgewicht. Gleichzeitig unterstützen sie den Erfolg einer begleitenden Psychotherapie.

In einigen Fällen wirken die Medikamente nicht. Dann sind Therapiemöglichkeiten wie eine kognitive Verhaltenstherapie oder eine tiefenpsychologische Psychotherapie die einzigen Behandlungsmöglichkeiten. Studien haben jedoch festgestellt, dass sich auch eine Psychotherapie positiv auf die Funktionen der Neurotransmitter auswirkt.

Eine Depression muss nicht zwangsläufig mit Medikamenten behandelt werden, sie kann jedoch den Erfolg der Psychotherapie unterstützen, indem sie depressive Symptome wie Antriebslosigkeit und Hoffnungslosigkeit abschwächt und so die Patienten dabei unterstützt, positive Alternativverhalten während depressiver Episoden anzuwenden.

Wo liegen die Ursachen einer Depression im Jugendalter?

Jugendliche und ältere Menschen haben ein erhöhtes Risiko an einer Depression zu erkranken. Bei Jugendlichen hat die depressive Phase oft biologische Ursachen wie die hormonelle Umstellung in der Pubertät oder psychosoziale Ursachen wie soziale Probleme oder psychische Erkrankungen in der Familie.

Die Depression kann auch aufgrund von Liebeskummer, der Trennung der Eltern, Schicksalsschlägen oder Traumata der frühen Kindheit entstehen. Zu hoher Leistungsdruck in der Schule, Mobbing und soziale Isolation, Versagensängste oder Perspektivenlosigkeit drängen Jugendliche in eine depressive Episode. Unerkannt entwickelt sich eine leichte Depression schnell zu einer schweren Depression mit Suizidgedanken.

Dabei sind die Anzeichen der Erkrankung bei Jugendlichen nicht immer eindeutig. Erwachsene Patienten zeigen Symptome wie Traurigkeit, Antriebslosigkeit, sozialen Rückzug und Gefühle der Wertlosigkeit. Jugendliche Patienten sind teilweise aggressiv, können sich nur schlecht konzentrieren oder leiden unter Schlafstörungen.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Depression.

Zwar erfolgt die Diagnose einer Depression bei jugendlichen Patienten nach den gleichen Hauptsymptomen wie bei erwachsenen Patienten. Da jedoch viele Verhaltensweisen zum normalen Verhalten eines jugendlichen zählen, bleibt die depressive Erkrankung oft unerkannt. Etwa 70 bis 80 Prozent der Betroffenen werden nicht professionell behandelt.

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