Welt-Alzheimer-Tag am Samstag: Kann man Alzheimer vorbeugen?

Welt-Alzheimer-Tag am Samstag : Kann man Alzheimer vorbeugen?

Rund 1,4 Millionen Deutsche leiden an Demenz. Bis 2050, so die Prognose der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, sollen es drei Millionen sein. Medikamente, die den geistigen Verfall stoppen, gibt es nicht. Da stellt sich die Frage: Kann man Alzheimer vorbeugen?

"Die Häufigkeit steigt ab dem 65. Lebensjahr. Um das 90. Lebensjahr haben 40 bis 50 Prozent aller Menschen Alzheimer", sagt Prof. Hermann-Josef Gertz, stellvertretender Direktor der Leipziger Uniklinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Zwar lässt sich heute die Erkrankung schon voraussagen, bevor sie ausgebrochen ist, doch lässt sich das Schicksal weder medikamentös noch operativ abwenden.

"Unser Lebensstil hat langfristige Auswirkungen auf unsere Gesundheit. Darüber Bescheid zu wissen ist wichtig", sagt Geschäftsführerin der Alzheimer Forschung Initiative (AFI) Oda Sanel. Die bittere Wahrheit ist: Auch eine vorbildliche Lebensführung ist keine Garantie für den Schutz vor dieser Form von Demenz. Doch die Alternativen sind rar. Die Medizin kann nur versuchen, ein rasches Fortschreiten abzumildern. Dennoch kann jeder selbst etwas tun, um zumindest das Risiko zu senken, sagt die Alzheimer Forschung Initiative, der der Düsseldorfer Neurologe Dr. Michael Lorrain vorsitzt. Schon über die Ernährung kann man einen wichtigen Grundstein legen, ebenso durch Bewegung, Aktivitäten, die den Kopf fit halten und ein reges soziales Leben.

Anti-Alzheimer-Ernährung

Was ist es, das dem Hirn und dem Vergessen vorbeugen soll? Antioxidantien wie sie in Obst und Gemüse enthalten sind schützen den Körper vor der Schädlichen Wirkung von Oxidationsprozessen, die in uns ablaufen. Dabei greifen ungebundene Sauerstoffmoleküle andere Substanzen an und lösen eine Kettenreaktion aus, die das Gewebe schädigt. Vitamin E und C sowie Carotine zählen zu den gesunden freien Radikalen. Sie sind zum Beispiel in roter Paprika, Möhren, Clementinen, Süßkartoffeln oder dem Herbstgemüse Kürbis reichlich enthalten. Auch ohne Nahrungshandbuch kommt man zu genügend Beta-Carotin, Vitamin C und E, wenn man reichlich rotes und grünes Gemüse und Obst isst.

Eine amerikanische Studie beobachtete unter verschiedensten Aspekten über vier bis 13 Jahre rund 2000 gesunde New Yorker. Im Fokus waren auch neurophysiologische Faktoren und das Ernährungsverhalten dieser Menschen. Dabei zeigte sich eine geringere Alzheimer-Erkrankungsrate bei denen, die traditionell mediterran aßen. Nicht wirkungsvoller als eine ungesunde Ernährungsweise hingegen war es hin und wieder Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Fisch zu essen. Damit sehen die Forscher als belegt an, dass es wichtig sei, die richtige Mischung zu konsumieren und nicht nur einzelne gesunde Lebensmittel.

In Sachen Alzheimerprävention raten Sie darum dazu, auch Vollkornprodukte, Fisch, Geflügel, Pilze, Kohl und Milchprodukte auf den Speiseplan zu setzen. Sie enthalten Vitamin B6, B 12 und Folsäure. Diese bauen das giftige Stoffwechselprodukt Homocystein ab, das durch den Abbau von Eiweiß entsteht. Es steht laut einer italienischen Studie in Verdacht, die Entstehung von Alzheimer zu fördern.

Couchpotatoes tragen ein höheres Erkrankungsrisiko

Zur Demenz-Prävention gehört daneben körperliche Bewegung. Sie schützt nicht nur Herz- und Kreislauf und beugt vielen anderen Erkrankungen vor, sondern nutzt auch dem Gehirn. Der Grund: Wer sich bewegt, regt die Durchblutung des Gehirns an. Es wird optimal mit Sauerstoff versorgt und kann mehr leisten. Der Hippocampus als Erinnerungs- und Orientierungseinheit im Kopf profitiert davon. Dass Bewegung gegen die tückische Krankheit hilft, ist wissenschaftlich bekegt: Die AFI berichtet von einer Kohortenstudie, die Couchpotatoes ein 20 bis 70 Prozent höheres Risiko bescheinigt, zum Alzheimerpatienten zu werden.

Als ebenso wichtig erachten es Mediziner und Neurologen, den Geist zu fordern. Auch hier heißt es "Wer rastet, der rostet." Das Gehirn als Muskel will trainiert sein. Besonders für Menschen zwischen 50 und 60 Jahren ist es wichtig, die Denkzentrale fit zu halten und sich auch daran zu wagen, neue Dinge zu lernen. Das sorgt für die ständige Neubildung von Synapsen und die neue Verbindung von Nervenzellen.

Ob Memory spielen — klassisch oder auf facebook, ein Theaterbesuch, ein Sprachkurs oder das Treffen von Freunden: das alles hat weit mehr als die bloße Fun-Komponente. Aus medizinischer Sicht ist es wichtig, weil es die Beweglichkeit im Kopf und die sozialen Kontakte fördert.

Hier geht es zur Infostrecke: Zehn-Punkte-Präventionsplan gegen Alzheimer

(wat)