Heute ist Welt-Alzheimertag: Jeder Dritte über 90 ist dement

Heute ist Welt-Alzheimertag : Jeder Dritte über 90 ist dement

Die Zahl der Demenzerkrankungen nimmt ständig zu. Etwa jeder Dritte über 90 ist betroffen. Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der Erkrankten in Deutschland von etwa 1,4 Millionen auf 3 Millionen steigen. Der hohe und lange Pflegeaufwand macht Demenz zu einer der teuersten Krankheiten – und die Kosten steigen.

Die Zahl der Demenzerkrankungen nimmt ständig zu. Etwa jeder Dritte über 90 ist betroffen. Bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der Erkrankten in Deutschland von etwa 1,4 Millionen auf 3 Millionen steigen. Der hohe und lange Pflegeaufwand macht Demenz zu einer der teuersten Krankheiten — und die Kosten steigen.

Wer Alzheimer oder eine andere Art der Demenz hat, der findet sich oft isoliert und am Rande der Gesellschaft wieder - das bestätigt ein neuer Bericht zum Weltalzheimertag. Bei der Studie der Organisation Alzheimer's Disease International (ADI) gaben 60 Prozent aller weltweit befragten Angehörigen von Erkrankten an, dass mit der Diagnose Demenz in ihren Heimatländern sehr negative Assoziationen verbunden seien. Die Stigmatisierung der Krankheit hat nach Angaben von ADI schwere Folgen: Sie erschwere die Arbeit daran, die Pflege der Erkrankten und die Lage der Angehörigen zu verbessern, blockiere dringend nötige Gelder für die Forschung und behindere Demenz-Hilfsorganisationen.

Unter dem Motto "Demenz: Zusammen leben" sollen deshalb am Welt-Alzheimertag Vorurteile abgebaut werdeen. Die Deutscha Alzheimer Gesellschaft fordert, dass die Politik Rahmenbedingungen für ein Zusammenleben von Kranken und Gesunden schaffen muss. "Menschen mit Demenz leben in Familien, in Wohngruppen oder Heimen, ebenso in Dörfern, Stadtvierteln, Nachbarschaften. Deshalb geht Demenz nicht nur die betroffenen Familien und Professionelle, sondern alle Bürger an", so Heike von Lützau-Hohlbein, Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaft.

Bisher gibt es noch keine Medikamente, mit denen Alzheimer geheilt werden kann. Immer wieder geben jedoch neue Forschungsergebnisse Grund zu hoffen. So könnten Vitamin C und Beta-Carotin können womöglich vor Demenz schützen. Einer Studie zufolge seien signifikante Unterschiede zwischen Demenz-Erkrankten und gesunden Menschen gefunden worden.

Krankheitsverlauf positiv beeinflussen

"Als Forscher können wir aber nur immer wieder dringend empfehlen, alle heute schon vorhandenen Möglichkeiten zur Vorbeugung und Behandlung zu nutzen. Bei einer frühzeitigen Diagnose und rechtzeitigem Beginn der Therapie ist es möglich, den Verlauf der Alzheimer-Krankheit positiv zu beeinflussen", so Prof. Isabella Heuser von der Charité Berlin.

Dabei sollten Medikamente, nichtmedikamentöse Therapien und pflegerische Maßnahmen in einem therapeutischen Gesamtkonzept eingesetzt werden. Die Therapien bewirken eine Verlangsamung der Krankheitsentwicklung und ermöglichen den Betroffenen und ihren Angehörigen, über einen längeren Zeitraum in Selbstbestimmung und Würde zu leben. Durch eine deshalb später erfolgende Aufnahme in Pflegeheime werden zudem noch Kosten gespart.

Doch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft kritisiert, dass das Nebeneinander von Kranken- und Pflegekassen in Deutschland dazu führt, dass Erkrankte in Deutschland nicht angemessen behandelt werden. "Solange die Politik die Alzheimer-Krankheit eher als pflegerisches Problem betrachtet und die Chancen, die eine medizinische Behandlung bietet, nicht erkennt, bleibt die Trennung zwischen Kranken- und Pflegekasse erhalten", so Prof. Hans Gutzmann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychatrie und -psychotherapie (DGGPP). "Die notwendige Behandlungen werden oft versäumt und die pflegenden Angehörigen tragen körperlich, seelisch und finanziell die Hauptlast, mit dem hohen Risiko, selbst zu erkranken."

Die Deutsche Hospizstiftung hat zum Internationalen Alzheimertag vor einer reinen Angstdiskussion um die Krankheit gewarnt. Demenzerkrankungen seien kein Schreckensszenario. "Menschen mit Demenz können auch noch mit Freude in die Zukunft schauen", sagte der Vorsitzende der Stiftung, Eugen Brysch. Bei Alzheimer-Patienten müsse erforscht werden, was die Menschen früher gekonnt haben und was sie davon noch können. Was ihnen früher Spaß gemacht habe, mache ihnen auch heute noch Spaß.

"Ein Schreiner freut sich auch dann noch über Holzarbeiten, wenn er selbst nicht mehr in der Lage ist, etwas zusammenzubauen", sagte Brysch. Die Patientenschutzorganisation fordert, dass Ärzte besser auf Demenzerkrankungen vorbereitet werden. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto eher kann sie behandelt werden. Umso eher könnten auch Angehörige vorbereitet werden, betonte Brysch.

(anch)
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