Demenz: Der gute Schlaf ist wie eine Gehirnwäsche

Demenz : Der gute Schlaf ist wie eine Gehirnwäsche

Neue US-Studie zeigt: Demenz ließe sich besser behandeln, wenn Therapeuten das Schlafverhalten in den Blick nehmen.

Manche Menschen fahren zum Entschlacken in teure Fastenkliniken, um danach davon zu berichten, sich auch geistig gereinigt zu fühlen. Dabei hätten sie es preiswerter haben können: nämlich einfach mal durchschlafen. Denn das sorgt laut einer amerikanischen Studie für eine Gehirnwäsche, gegen die der Reinigungseffekt einer Fastenkur wie ein Staubwedel wirkt.

Bereits im vergangenen Jahr entdeckte ein Forscherteam um Maiken Nedergaard von der University of Rochester, dass unser Gehirn von Kanälen durchzogen wird, in der eine Flüssigkeit strömt, mit der Schadstoffe aus dem Gehirn in Richtung Blutkreislauf abtransportiert werden. Man nannte dieses Netzwerk das "glymphatische System", und es ist gewollt, dass dieser Begriff wie die Lymphe klingt, die es im Gehirn nicht gibt. Denn die fungiert auch als Müllabfuhr.

In einem weiteren Versuch haben nun die US-Forscher an Mäusen getestet, ob das glymphatische System im wachenden und schlafenden Zustand unterschiedlich aktiv ist. Dazu brachte man den Tieren zunächst bei, unter einem speziellen Mikroskop einzuschlafen, und dann injizierte man einen grünen Farbstoff in deren Hirnwasser, um zu beobachten, wie er sich verteilte.

Nach dem Aufwachen gab es wieder eine Injektion, diesmal mit roter Farbe. Die Ergebnisse: Während die Zellzwischenräume bei den wachen Nagern lediglich 14 Prozent des Hirnvolumen ausmachten, stieg ihr Anteil im Schlaf auf 23 Prozent. Zudem reichte der glymphatische Strom bis tief hinunter ins Hirngewebe, während er sich im Wachzustand nur auf die äußeren Zonen beschränkte.

Dass diese Veränderungen auch konkrete physiologische Effekte haben, konnten die Forscher nachweisen, indem sie einige Beta-Amyloide in den Nagerhirnen radioaktiv markierten. Diese Eiweißfragmente gehören zu jenen Ablagerungen, die sich im Gehirn von Alzheimer-Patienten ansammeln. Es zeigte sich, dass sie bei den schlafenden Tieren durch den glymphatischen Strom doppelt so schnell abtransportiert wurden wie tagsüber. Dies könnte die Schlafstörungen im Vorfeld einer Alzheimer-Erkrankung erklären.

Doch die Ergebnisse der amerikanischen Forscher lassen noch andere Schlüsse zu. Sie erklären nämlich, warum wir überhaupt nachts das Bewusstsein ausschalten, denn das ist bisher noch gar nicht so klar. Demnach werden im Schlafen schädliche Stoffwechselprodukte im Gehirn fortgeschafft, die sich im Wachzustand ansammeln würden. "Das Gehirn hat nur begrenzte Energiemengen zur Verfügung", erklärt Nedergaard, "und es scheint, als müsse es sich zwischen zwei funktionellen Zuständen entscheiden — entweder es ist wach und passt auf, oder aber es schläft und macht sauber." So, als würde man eine Party bei sich zu Hause schmeißen: "Entweder man unterhält die Gäste, oder man räumt auf — beides zusammen geht nicht".

Möglich also, dass der entscheidende Schlüssel zur Vorbeugung und Behandlung von Demenz in einer Verbesserung des Schlafverhaltens liegt. Nedergaard könnte sich dies auch für andere "Dirty-Brain"-Erkrankungen vorstellen, die mit schädlichen Ablagerungen einhergehen, wie etwa Migräne und Epilepsie. Es eröffnen sich aber auch neue Perspektiven für eine pharmazeutische Therapie. Denn die glymphatischen Kanäle ziehen sich zusammen, wenn sie Kontakt mit Noradrenalin bekommen.

Dieser Hirnbotenstoff galt bisher — aufgrund seiner entzündungshemmenden Wirkung — als großer Hoffnungsträger in der Alzheimer-Therapie. Doch die neuen Studienergebnisse lassen vermuten, dass man seinen Einfluss, zumindest im schlafenden Gehirn, sogar einschränken muss. Und da könnten dann auch Entspannungstechniken greifen: Denn Noradrenalin wird besonders dann ausgeschüttet, wenn wir unter Stress stehen.

Hier geht es zur Infostrecke: Zehn-Punkte-Präventionsplan gegen Alzheimer

(RP)