Sprechstunde Gerald Antoch: Das MRT der Prostata ist eine neue Option

Sprechstunde Gerald Antoch : Das MRT der Prostata ist eine neue Option

Die Magnetresonanz-Tomografie kann dem Urologen bei der Diagnostik von Tumoren helfen.

Unser Leser Hans Z. (66) aus Neuss fragt: "Mein Urologe empfiehlt bei mir wegen eines erhöhten PSA-Spiegels eine Biopsie der Prostata. Ich habe gelesen, dass alternativ auch ein MRT möglich ist. Stimmt das?"

Gerald Antoch Die Magnetresonanz-Tomografie (MRT) ermöglicht eine hochauflösende Darstellung der Prostata. Zum Nachweis eines Prostatakarzinoms werden verschiedene MRT-Techniken genutzt, die neben der Struktur eines Tumors auch dessen Zelldichte und Durchblutung darstellen. Diese Kombination ermöglicht den Nachweis des Tumors in der Prostata und erleichtert die Unterscheidung bös- und gutartiger Veränderungen. Die Magnetresonanz-Tomografie der Prostata ist jedoch eine relativ neue Untersuchungsmethode, die noch nicht für alle Fragestellungen empfohlen wird. So unterscheidet die aktuelle S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom, eine von verschiedenen medizinischen Fachgesellschaften erarbeitete Empfehlung, zwischen der Primär- und Sekundärindikation.

Wurde bislang bei Ihnen keine Biopsie der Prostata (Probeentnahme von Gewebe der Prostata) durchgeführt, so liegt die Primärindikation vor, es bedarf einer Erstdiagnostik bei erhöhtem PSA-Spiegel oder auffälligem Tastbefund der Prostata. In diesem Fall ist die ultraschallgesteuerte Biopsie der Prostata das empfohlene Standardverfahren zum Nachweis oder Ausschluss des Prostatakarzinoms. Ob das MRT in der Primärindikation eine der ultraschallgesteuerten Biopsie gleichwertige Genauigkeit hat - und nur dann bestünde die Möglichkeit, bei unauffälliger MRT auf eine Biopsie der Prostata zu verzichten -, ist bislang nicht belegt.

In Ihrem Fall bedeutet dies, dass auch bei negativer MRT entsprechend der Leitlinie eine ultraschallgesteuerte Biopsie erfolgen müsste. Die MRT ist daher in diesem Fall keine Alternative zur Biopsie. Anders verhält es sich in der Sekundärindikation. Diese liegt vor, wenn aufgrund eines erhöhten PSA-Spiegels eine ultraschallgesteuerte Biopsie der Prostata durchgeführt wurde, diese jedoch kein Prostatakarzinom nachweisen konnte. Bleibt der PSA-Wert dann im weiteren Verlauf unverändert hoch oder steigt gar weiter an, so empfiehlt die Leitlinie hier die Magnetresonanz-Tomografie der Prostata zum Tumornachweis oder -ausschluss als Alternative zu einer erneuten ultraschallgesteuerten Biopsie. Für falsch-negative Biopsien gibt es unterschiedliche Gründe. So kann ein Tumor sehr klein sein und daher durch die Biopsie verfehlt werden. Ferner spielt die Lokalisation des Tumors in der Prostata eine Rolle. So können Tumoren in den vorderen Anteilen der Prostata schlechter durch die ultraschallgesteuerte Biopsie erreicht werden und dem Nachweis so entgehen.

Per MRT lassen sich Tumoren aufdecken; nachfolgend ist eine gezielte Biopsie des Tumor-Areals möglich. Diese gezielte Biopsie kann dann ebenfalls ultraschallgesteuert durch den Urologen erfolgen. Basierend auf den MRT-Daten ist es jedoch jetzt möglich, gezielt eine bestimmte Region der Prostata, in der die MRT den Tumor zeigt, zu biopsieren. Als Alternative für die Probeentnahme besteht auch die Möglichkeit, die Biopsie direkt in der MRT durchzuführen. Für dieses Verfahren sind spezielle Hard- und Software nötig, die bislang nur an wenigen Zentren zur Verfügung stehen. Sie sehen, dass die diagnostischen Schritte bei erhöhtem PSA-Spiegel von verschiedenen Faktoren abhängig sind und auf Empfehlungen der Leitlinie beruhen.

Die Entscheidung über das weitere Vorgehen sollten Sie daher in Rücksprache mit Ihrem Urologen treffen. Ist bislang bei Ihnen keine Biopsie der Prostata durchgeführt worden, wird Ihr Urologe Ihnen diese vermutlich empfehlen. Für den Fall des unverändert erhöhten PSA-Spiegels trotz negativer Biopsie der Prostata ist die Magnetresonanz-Tomografie eine diagnostische Option. Sollten Sie sich in Rücksprache mit Ihrem Urologen für diese Untersuchungsform der Prostata entscheiden, wird er Sie für die Untersuchung überweisen.

Professor Gerald Antoch ist Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf.

(RP)
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