Was sind Chlamydien - alles zu Symptomen, Behandlung und Vorbeugung

300.000 Neuinfektionen jährlich : Was sind Chlamydien?

Bei einer Infektion mit Chlamydien treten bei den meisten Menschen keine Symptome auf. Daher merken sie auch nicht, dass sie sich mit bakteriellen Erregern angesteckt haben. Doch was sind Chlamydien überhaupt?

Nicht nur Chlamydien, sondern Geschlechtskrankheiten im Allgemeinen erleben eine unerwünschte Renaissance. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kommt es in Deutschland jedes Jahr zu rund 300.000 Neuinfektionen mit Chlamydien. Da die Infektion mit Chlamydien nicht meldepflichtig ist, ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Zahl bestimmt höher liegen wird als die offiziellen Angaben. Betroffen sind vor allem junge sexuell aktive Frauen in der Altersgruppe zwischen 16 und 19 Jahren und Männer in der Altersgruppe zwischen 20 und 24 Jahren.

Im Wesentlichen lassen sich für die Zunahme der Infektionskrankheiten zwei Gründe anführen: Zum einen ist in den letzten Jahren zu beobachten, dass die Angst vor einer Infektion mit Aids zurückgegangen ist. Damit einhergehend schwand auch immer mehr die Bereitschaft zu Safer Sex. Ungeschützter Geschlechtsverkehr erhöht aber nicht nur das Risiko sich mit HIV zu infizieren oder das Virus zu übertragen. Grundsätzlich besteht zudem auch die Gefahr, sich mit anderen Geschlechtskrankheiten anzustecken. Die Zunahme der Infektion mit Geschlechtskrankheiten dadurch erklären, dass in der Bevölkerung eine geballte Unwissenheit vorherrscht. Insbesondere bei Jugendlichen zeichnet sich oftmals eine unzureichende Aufklärung über Ursachen, Symptome und Behandlung ab. Erschwerend kommt noch hinzu, dass das Thema Geschlechtskrankheiten mit Angst und Scham besetzt ist und viel lieber totgeschwiegen wird. Dabei gehören Chlamydien zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten, insbesondere unter jungen Frauen.

Gewiss doch, es kostet bestimmt viel Überwindung, einen Arzt aufzusuchen. Doch angesichts der schwerwiegenden Folgen einer Chlamydien-Infektion sollte man dies auch dringend tun. Im schlimmsten Fall kann es zur Unfruchtbarkeit kommen.

Was sind Chlamydien und wie bekommt man sie?

Wenn über Chlamydien im Allgemeinen gesprochen wird, dann handelt es sich in erster Linie um die Bakterien-Art Chlamydia trachomatis. Sie gehört zu den häufigsten Erregern von sexuell übertragbaren Krankheiten, von denen Frauen und Männer gleichermaßen betroffen sind. Beide Geschlechter können sich anstecken und den Erreger übertragen. Eine Infektion mit Chlamydien erfolgt durch ungeschützten Geschlechtsverkehr (d.h. ohne Kondom) und zwar beim vaginalen, analen und oralen Sex. Dabei spielt es keine Rolle, welche sexuellen Vorliegen es gibt und welche Praktiken angewandt werden. Beim direkten Kontakt mit infektiösen Schleimhäuten oder Körperflüssigkeiten kommt es zur Übertragung mit Chlamydien-Bakterien. Die Erreger befallen die Zellen des Gebärmutterhalses, der Harnröhre, des Rektums oder Anus. Es kann auch vorkommen, dass sich Chlamydien-Bakterien im Rachen oder den Augen ansiedeln und die dortigen Schleimhäute infizieren.

Befallen die Bakterien menschliche Schleimhaut-Zellen, so brauchen sie eine Wirtszelle, um sich überhaupt vermehren zu können. Solange wie sie sich außerhalb der Zelle befinden, liegen sie als sogenannte infektiöse Elementarkörperchen (EK) vor. Sie siedeln sich an die Zellwand an, bis sie als Vakuole von der Schleimhaut-Zelle aufgenommen werden. Wenige Stunden später wandeln sich die Elementarkörperchen in Retikularkörperchen um. In dieser Phase des Lebenszyklus sind sie nicht infektiös. Als Nächstes kommt es zum Zellwandaufbau, wodurch der 'Parasit' nicht vom körpereigenen Immunsystem erkannt und bekämpft werden kann. Innerhalb weniger Tage vermehren sich die Retikularkörperchen, wandeln sich wieder in infektiöse Elementarkörperchen um und verlassen anschließend die Wirtszelle wieder. Der Zyklus beginnt von neuem und die Chlamydieninfektion schreitet weiter voran. Das Tückische an dieser Infektion ist allerdings, dass die Bakterien sich still und heimlich im menschlichen Körper ausbreiten. Gleichwohl besteht die Gefahr, dass die Bakterien unbemerkt beim Geschlechtsverkehr auf andere Menschen übertragen werden.

Übrigens: Von der Bakterien-Art Chlamydia trachomatis gibt es drei Subtypen, die auch als Serotypen bezeichnet werden. So sorgen die Serotypen A-C für Bindehaut- und Hornhautentzündungen. Die Serotypen D-K rufen genitale Entzündungen hervor. Zu einer Lymphogranuloma venereum kommt es bei den Serotypen L1-L3. Diese Geschlechtskrankheit taucht weitestgehend in den Tropen auf und weniger in der westlichen Welt.

Wie bereits erwähnt, erfolgt eine Ansteckung mit Chlamydia trachomatis über den direkten Kontakt mit infizierten Schleimhäuten und Körperflüssigkeiten. In seltenen Fällen kann es auch zu einer Infektion über die Hände oder Sexspielzeug kommen.

Was sind Chlamydien-Symptome?

Eine Infektion mit Chlamydien verläuft bei 80% aller Frauen und bei 50% aller Männer ohne Symptome. Deshalb können sich die Erreger im menschlichen Körper unentdeckt ausbreiten. Und darin besteht auch die Gefahr an dieser Erkrankung: Solange wie die Chlamydien-Bakterien quasi im Dunkeln ihr Unwesen treiben (häufig sogar jahrelang), können sie langsam aber sicher schwerwiegende Schäden verursachen. So kann eine unbehandelte Chlamydien-Infektion bei der Frau dazu führen, dass bei aufsteigenden Infektionen die Eileiter und Eierstöcke infiziert werden. Im schlimmsten Fall kommt es im weiteren Verlauf der Erkrankung zu einer einseitigen oder sogar beidseitigen Verklebung der Eileiter oder zu gravierenden Schädigungen der Eierstöcke. Konkret: Eine unbehandelte Chlamydien-Infektion mit Antibiotika kann bei Frauen zu Unfruchtbarkeit führen.

Mögliche Anzeichen einer Chlamydien-Infektion bei Frauen:

  • verstärkter Ausfluss
  • Brennen beim Wasserlassen
  • Juckreiz im Intimbereich
  • Schmerzen und Blutungen beim Geschlechtsverkehr
  • Zwischenblutungen
  • Blut im Stuhl
  • Entzündungen im Rachen (Hals- und Schluckbeschwerden)

Mögliche Symptome bzw. Anzeichen einer Infektion mit Chlamydien sind bei Frauen ein unüblicher Ausfluss aus der Scheide oder dem Anus. Gelegentlich kommt es vor, dass ein Juckreiz im Vaginal- und Analbereich auftritt. Ein Brennen beim Wasserlassen sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sprechen ebenfalls für eine Chlamydien-Infektion. Außerdem kann die Infektion so weit führen, dass die Monatsblutung schmerzvoller als sonst verläuft und sich verstärkt. Auszuschließen ist auch nicht, dass sich Zwischenblutungen im Zyklus der Frau bemerkbar machen.

Bei schwangeren Frauen, die sich mit Chlamydien infiziert haben, sind sowohl für die werdende Mutter als auch das ungeborene Kind Risiken ausgesetzt. Es kann zu schwerwiegenden Komplikationen während der Schwangerschaft kommen. So gibt es bei infizierten Schwangeren ein erhöhtes Risiko von Frühgeburten, Fehlgeburten oder sogar von Totgeburten. Darüber hinaus kann es bei der Geburt zu einer Übertragung von Chlamydien auf das Neugeborene kommen. Infolge dieser sogenannten Schmierinfektion, bei der das Kind mit Chlamydien-Bakterien infiziert wird, entwickeln Kinder meist eine Bindehautentzündung (Konjunktivitis). Sollte während des Geburtsvorgangs infiziertes Vaginalsekret in die Lungen des Kindes gelangt sein, entwickelt sich durch die Chlamydien-Übertragung oftmals eine schwere Lungenentzündung.

Angesichts der genannten möglichen Komplikationen gehört in Deutschland eine Untersuchung auf Chlamydien seit 1995 auch zur Mutterschaftsvorsorge. Das heißt, dass Schwangere auf die Chlamydien-Art Chlamydia trachomatis gescreent werden. Sollte dabei eine Infektion mit diesem Bakterium festgestellt werden, erfolgt sofort eine Behandlung mit einem Antibiotikum. In der Regel werden Antibiotika wie Azithromycin, Erythromycin und Amoxicillin verabreicht.

Mögliche Anzeichen einer Chlamydien-Infektion bei Männern:

  • eitriger Ausfluss
  • Brennen und Jucken an der Penisspitze
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Schwellungen der Hoden

Symptome einer Chlamydien-Infektion können bei Männern ein Ausfluss aus dem Penis oder After sein. Die Erkrankung kann auch dazu führen, dass ein Brennen beim Wasserlassen entsteht, ein Juckreiz an der Penisspitze auftritt oder die Hoden anschwellen und Schmerzen verursachen. Bleibt die Chlamydien-Infektion beim Mann unentdeckt und dadurch unbehandelt, kann diese ursächlich für eine Sterilität sein.

Übrigens: Jedes dieser Symptome sollte, auch wenn nur der geringste Verdacht einer Chlamydien-Infektion besteht, von einem Arzt abklärt werden. Bei der Frau ist der Gynäkologe der richtige Ansprechpartner, beim Mann der Urologe. Beide Ärzte können eine Infektion mit Chlamydien sicher feststellen.

Was sind Chlamydien in der Lunge?

Neben der Chlamydien-Art Chlamydia trachomatis gibt es noch die Erreger Chlamydia (Chlamydophila) psittaci und Chlamydia (Chlamydophila) pneumoniae, die eine Infektion mit Chlamydien auslösen können. Während das Bakterium Chlamydia trachomatis Infektionen der Harn- und Geschlechtsorgane auslöst und auch für eine Bindehautentzündung verantwortlich ist, befallen die beiden Bakterien-Arten Chlamydia pneumoniae und Chlamydia psittaci meist Lunge und Atemwege.

Atemwegserkrankungen, die durch eine Übertragung mit Chlamydia pneumoniae entstanden sind, tauchen in Deutschland sehr häufig auf. Gewöhnlich passiert dies durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Dem entsprechend kann die Infektion durch Husten, Niesen oder Sprechen übertragen werden, wodurch Entzündungen in den Nasennebenhöhlen, im Rachen, in den Bronchien (Bronchitis) oder in den Lungen ausgelöst werden können.

Mit Blick auf die Symptomatik zeigt sich oftmals ein eher mäßig stark ausgeprägter Krankheitsverlauf. So klagen Betroffene im Rahmen einer Chlamydien-Infektion über Halsschmerzen, Heiserkeit, Schmerzen in der Brust und Schluckbeschwerden. Darüber hinaus sind auch grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen und Schüttelfrost möglich. Erwähnt werden sollte aber auch, dass bei einer Übertragung mit der Bakterien-Art Chlamydia pneumoniae auch ein schwerer Krankheitsverlauf auftreten kann, wie etwa bei einer atypischen Lungenentzündung.

Bei einer Chlamydien-Erkrankung mit der Bakterien-Art Chlamydia psittaci spricht man von der Infektionskrankheit Ornithose. Die Übertragung erfolgt meist durch das Einatmen von Kot und Federn von Wellensittichen, Tauben oder anderen Vögeln. Auch Papageien können die Chlamydia Psittaci übertragen, doch dann liegt eine Psittakose, sprich Papageienkrankheit, vor. Betroffen sind vor allem Menschen, die entweder beruflich oder privat im engen Kontakt zu Vögeln stehen.

Wer sich mit Chlamydia psittaci infiziert hat, klagt gewöhnlich unter Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen. Gleichwohl zeigen sich Reizhusten und Schmerzen in der Brust sowie eine ein- oder beidseitige Lungenentzündung.

Wie wird eine Chlamydien-Infektion behandelt?

Eine sexuell übertragbare Krankheit wie eine Chlamydien-Infektion lässt sich meist gut mit einem Antibiotikum behandeln. Das am häufigsten verwendete Antibiotikum, das bei der Behandlung von Chlamydien eingesetzt wird, ist Doxycyclin. Es erweist sich als wirksam und gut verträglich. Frauen in der Schwangerschaft wird allerdings geraten, Doxycyclin nicht nach der 16. Woche der Schwangerschaft einzunehmen. Generell bestimmt der behandelnde Arzt die medikamentöse Behandlung mit Antibiotika, einschließlich Dauer und Dosierung.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Chlamydien.

Eine Alternative zu Doxycyclin stellen die Antibiotika Azithromycin, Erythromycin und Amoxicillin dar. Darüber hinaus gibt es noch die Medikamente Erythromycin, Ofloxacin und Levofloxacin, die gewöhnlich nur in Ausnahmefällen vom Arzt verschrieben werden.

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