Borreliose-Therapie: Das sind die Behandlungs-Möglichkeiten

Kampf gegen die Zeckenkrankheit : So funktioniert die Borreliose-Therapie

Borreliose wird durch Zeckenbisse übertragen und kann zu chronischen Beschwerden führen. Wenn die Antibiotika-Therapie nicht anschlägt, bauen viele Patienten auf alternative Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist Borreliose?

Borreliose ist eine Krankheit, die über Zeckenstiche übertragen wird. In Deutschland ist etwa jede dritte bis zwanzigste Zecke mit Borreliose infiziert. Die Bakterien Borrelia burgdorferi können das Nervensystem befallen und brennende Schmerzen verursachen. Doch nicht jeder Zeckenstich führt zwangsläufig zu einer Infektion.

Laut Schätzungen infizieren sich jährlich etwa 40.000 bis 80.000 Menschen mit Borreliose, die auch Lyme-Borreliose oder einfach nur Lyme genannt wird. Allerdings überträgt nur eine von hundert infizierten Zecken, die einen Menschen sticht, tatsächlich auch die Krankheit.

Bei einer Übertragung von Lyme-Borreliose kommt es in 90 Prozent der Fälle zu einer Wanderröte, in der Fachsprache Erythema migrans genannt. Diese äußert sich in eine ringförmige Rötung, die sich um die Einstichstelle zieht und langsam größer wird.

Wird der Stich bemerkt und die Einstichstelle über ein paar Wochen beobachtet, können Betroffene rechtzeitig handeln, wenn eine Wanderröte auftritt. Nach einer frühzeitigen Therapie mit Antibiotika heilt die akute Borreliose meist ohne Komplikationen aus.

Nur wenn der Zeckenbiss nicht bemerkt wird oder keine Wanderröte auftritt und sich die Lyme-Erreger unbemerkt im Körper ausbreiten, kann es zu Komplikationen kommen, die teilweise auch erst Monate oder Jahre später in Form einer Lyme-Karditis oder Lyme-Arthritis auftreten.

Lyme-Borreliose ist nur von der Zecke auf Menschen oder Tiere übertragbar. Menschen mit Borrelien sind nicht ansteckend. Eine Impfung wie bei Krankheit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), die auch durch Zecken übertragen wird, existiert nicht.

Wie äußert sich die Zeckenkrankheit Borreliose beim Menschen?

Die Wanderröte ist das erste klinische Symptom, dass eine Infektion mit Borreliose erfolgt ist. Sie kann Tage oder Wochen nach dem Zeckenbiss auftreten. Tritt die Wanderröte auf, befindet sich die Krankheit im ersten Stadium. Deswegen sollten Betroffene die Einstichstelle einige Zeit beobachten.

Neben der Wanderröte äußert sich die Lyme-Borreliose im ersten Stadium außerdem mit grippeähnlichen Symptomen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Fieber und Schüttelfrost und Appetitlosigkeit. Auch die Lymphknoten können anschwellen. In diesem Stadium spricht man von einer beginnenden Neuroborreliose.

In zehn Prozent der Infektionen tritt keine Wanderröte auf. Dann könnte die Erkrankung für lange Zeit unbemerkt bleiben. Nach dem Ausbruch der ersten klinischen Symptome, die auch erst Monate nach der Infektion auftreten können, denken viele Betroffenen schon lange nicht mehr an den Zeckenbiss. Das erschwert die Diagnose.

Im zweiten Stadium sind die Borrelien in der Blutbahn nachweisbar. Mediziner sprechen in diesem Stadium auch von einer frühen Neuroborreliose. Die Borrelien-Bakterien befallen das Nervensystem und führen zu brennenden Nervenschmerzen. Sogar Lähmungen können in diesem Stadium auftreten.

In seltenen Fällen kann die Neuroborreliose das Guillain-Barré-Syndrom auslösen, das Teile des Körpers vorübergehend lähmen kann und zu starken Schmerzen führt. Bei Kindern kann die Krankheit im Stadium II zu einer gefährlichen Hirnhautentzündung, einer Meningitis, führen.

In seltenen Fällen zeigt sich die klinische Manifestation der Borreliose in Form von Lyme-Karditis, die Reizleitungsstörungen im Herzen oder eine Herzbeutel- und Herzmuskelentzündung auslösen kann. Manchmal entwickeln sich kleine, blaurote Knoten unter der Haut an den Ohren und Brustwarzen.

Das dritte Stadium von Lyme kann sich erst Jahre nach der Erstinfektion zeigen. Dieses Stadium verläuft chronisch und in Schüben und betrifft meist die Gelenke. Die sogenannte Lyme-Arthritis führt zu Schmerzen und Schwellungen an den Gelenken. Am häufigsten sind die Knie, Finger, Sprunggelenke und der Kiefer von Lyme-Arthritis betroffen. Es kann mal das eine, dann das andere Gelenk betroffen sein. Die Gelenksentzündungen greifen über einen längeren Zeitraum auch die Gelenkknorpel an und zerstören diese.

In seltenen Fällen kann auch die Haut, das Gehirn, die Hirngefäße und das Rückenmark von chronischen Entzündungen betroffen sein. Neurologische Symptome wie Lähmungen, Wortfindungs- und Sprachstörungen, Bewegungsstörungen und Hörstörungen können auftreten. Sogar Epilepsie und ein Psychosyndrom können mit Neuroborreliose im Stadium III einhergehen und zu Gehirnstörungen, Halluzinationen oder Panikattacken führen.

Wie sieht die Borreliose-Therapie aus?

Tritt Wanderröte nach einem Zeckenstich auf, wird der Arzt meist ein Antibiotikum wie Doxycyclin verschreiben. Das ist auch nötig, um die Borrelien abzutöten. Wird die Infektion schnell erkannt, heilt die Erkrankung meist ohne Komplikationen aus. Schwieriger wird es, wenn Borreliose unentdeckt bleibt.

Dann besteht der Verdacht auf Lyme-Borreliose vielleicht erst Jahre später nach dem eigentlichen Zeckenstich. Also erst, wenn bereits Gelenkschmerzen oder brennende Nervenschmerzen auftreten und keine anderen körperlichen Ursachen für die Beschwerden gefunden werden können. Die Diagnose im dritten Stadium ist nicht ganz einfach. Viele Menschen tragen Antikörper der Erreger im Blut, ohne aktiv erkrankt zu sein. Die bestehenden Tests sind oft nicht aussagekräftig genug.

Die konservative Therapie sieht sowohl bei der akuten Neuroborreliose als auch bei Borreliose im Stadium II und III eine Behandlung mit Antibiotika vor. Bei einer neuen Infektion wirken Antibiotika wie Doxycyclin und Amoxicillin meist schnell und die Erkrankung heilt ohne Komplikationen aus. Besonders bei Kindern sollte zunächst eine antibiotische Behandlung durchgeführt werden, da Kinder sonst eine gefährliche Hirnhautentzündung (Meningitis) entwickeln können.

Wird die Neuroborreliose jedoch erst Monate oder Jahre nach der ersten Infektion entdeckt, sinkt der Erfolg einer Antibiotika-Behandlung. Die Bakterien setzen sich dort fest, wo Antibiotika nicht wirken können. Beispielsweise in schlecht durchblutetem Gewebe.

Trotz abgeschlossener Therapie können die Lyme-Beschwerden wie Gelenkentzündungen oder Nervenschmerzen in Schüben wieder auftreten. Bietet die Schulmedizin keine Lösungen mehr, helfen alternative Maßnahmen der Naturheilkunde und Homöopathie.

Woran ist chronische Borreliose erkennbar?

Eine chronische Lyme-Borreliose besteht, wenn die Symptome länger als sechs Monate nach dem Zeckenstich auftreten. Oftmals werden die Symptome weder von Patienten noch von Ärzten als Folgen einer Erkrankung mit Lyme-Borreliose erkannt und fälschlicherweise als eine Depression oder eine andere Krankheit diagnostiziert.

Die chronische Lyme-Borreliose kann sich durch folgende Symptome zeigen:

  • Müdigkeit ohne Belastung
  • Gefühlsschwankungen und Schlafstörungen
  • Reizbarkeit und Ängste
  • Langsamer Herzschlag, Blässe und Schwindel
  • Gelenkschmerzen und Gelenkentzündungen
  • Taubheitsgefühle, Gefühlsverlust und Koorinationsstörungen
  • Konzentrationsprobleme und Wortfindungsschwierigkeiten
  • Hautsymptome wie eine Acrodermatitis

Die eindeutige Diagnose ist trotz bestehender und in Schüben verlaufender Symptome schwierig. Einige Ärzte halten die Patienten für einen Hypochonder oder vermuten psychische Ursachen für die Beschwerden. Treten nach einer behandelten Neuroborreliose noch unspezifische Symptome wie Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen auf, sprechen Mediziner von einem Post-Lyme-Syndrom.

Im Blut können Borrelien-Antikörper mithilfe von Tests nachgewiesen werden, doch die Deutsche Borreliose-Gesellschaft weist darauf hin, dass auch der Nachweis der Antikörper nicht bestätigt, dass der Patient aktiv an Lyme erkrankt ist. Der Test sagt nicht aus, ob die Borrelien floride oder latent sind. Dies kann nur festgestellt werden, wenn neben einem positiven Test auch klinische Symptome bestehen.

Wie erfolgt die Borreliose-Therapie in der Naturheilkunde?

Wirken Antibiotika nicht, gibt es noch die alternativen Therapiemöglichkeiten der Naturheilkunde. Da es sich bei einer Infektion mit Lyme-Borreliose um eine bakterielle Erkrankung handelt, kann schon die Stärkung des Immunsystems zur Heilung beitragen. Eine ganzheitliche Behandlung ist deswegen empfehlenswert.

Folgende alternative Therapien können neben einer Antibiotika-Behandlung angewandt werden:

  • die Einnahme von Heilkräutern
  • die Einnahme von homöopathischen Mitteln
  • eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit vielen Mikronährstoffen
  • die Stärkung des Immunsystems
  • eine natürliche Abwehr von Zeckenbissen durch ätherische Öle mit Mönchspfeffer

Welche homöopathische Therapie eignet sich bei Borreliose?

Neben der antibiotischen Therapie können homöopathische Mittel ergänzend eingesetzt werden. Zwar bestätigt keine Studie, dass Globuli die klinischen Symptome lindern können, doch viele Patienten sind davon überzeugt. Im Anfangsstadium der Neuroborreliose können Patienten beispielsweise Ledum palustre mit der Potenz D12 einnehmen.

Ledum palustre hilft schon bei Stichen oder Bissen und auch bei Gelenkentzündungen. Die Globuli können nicht nur eingenommen werden, sie können auch in Wasser aufgelöst und auf die Bissstelle aufgetragen werden. Während der antibiotischen Therapie mit Doxycyclin können Patienten unterstützend Belladonna und Okoubaka einnehmen. Diese Globuli unterstützen das Immunsystem und damit die Heilung.

Wie funktioniert die Borreliose-Therapie im dritten Stadium?

Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen treten die Beschwerden der Borreliose-Erkrankung trotz Antibiotika-Therapie in Schüben immer wieder auf. Die Patienten leiden schon in jungen Jahren unter starken Gelenkschmerzen oder die Krankheit äußert sich in neurologischen Manifestationen wie Empfindungsstörungen und Taubheitsgefühlen.

Im dritten Stadium der Erkrankung treten Beschwerden wie Sprach- und Konzentrationsstörungen, Koordinationsstörungen und Lähmungserscheinungen auf. Sogar psychische Folgen wie Ängste oder depressive Verstimmungen kann die chronische Borreliose auslösen.

In diesem Stadium soll vor allem die Karde helfen, Borreliose-Symptome zu lindern und die Häufigkeit der auftretenden Schübe zu reduzieren. Empfohlen wird eine Tinktur aus der Heilpflanze. Von dieser sollten dreimal täglich fünf Tropfen eingenommen werden.

Können Borrelien nicht mehr mit Antibiotika bekämpft werden, sollen Mikronährstoffe an dieser Stelle aktiv werden. Dazu zählen Vitamine, Spurenelemente und Mineralien. Eine ausgewogene Aufnahme dieser Mikronährstoffe unterstützt das Immunsystem des Körpers und hilft diesem, die Borrelien zu bekämpfen und die Schübe einer chronischen Lyme-Borreliose zu verringern.

Bei chronischer Borreliose sollten Betroffene ihren Vitamin-Status prüfen lassen. Oft besteht bei Borreliose-Patienten ein Mangel der B-Vitamine, vor allem Vitamin B12. Vitamin B12 ist für die Stoffwechselprozesse und das Nervensystem von zentraler Bedeutung.

Borreliose-Therapie: Welche Antibiotika kann man nehmen?

Eine Neuroborreliose sollte immer zuerst antibiotisch behandelt werden. Eine Behandlung ohne Antibiotika ist nicht anzuraten. Standardmäßig wird Doxycyclin für einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen verabreicht. Alternativ kann der Arzt Amoxicillin, Cefuroximaxetil oder Azithromycin verschreiben. Alternative Therapien können unterstützend wirken.

Bei Kindern unter neun Jahren und Schwangeren wird die Lyme-Borreliose mit Amoxicillin behandelt. Dieses Antibiotikum ist in der Regel gut verträglich. Muss ein Antibiotikum intravenös gegeben werden, wird Cefuroximaxetil, Penicillin G oder Azithromycin verabreicht.

Am besten wirkt eine Kurzzeittherapie mit Antibiotika. Eine Langzeittherapie bietet laut aktuellem medizinischen Kenntnisstand keine bessere Wirkung. Das Risiko von Nebenwirkungen steigt jedoch, deswegen wird die Langzeittherapie bei Borreliose nicht empfohlen. Treten nach der Therapie mit Antibiotika dennoch klinische Symptome auf, kann die Behandlung wiederholt werden.

Bei fortgeschrittener Lyme-Borreliose im dritten Stadium ist Antibiotika weniger wirksam. Die Bakterien setzen sich an wenig durchbluteten Körperstellen fest, wo die Antibiotika nicht wirken können. Bei chronischer Borreliose sollte neben der antibiotischen Behandlung auch noch eine Stärkung der Abwehrkräfte erfolgen, damit der Körper die Borrelien selbst bekämpfen kann.

Hier finden Sie alle Informationen zum Thema Borreliose.

Bei Lyme-Arthritis kann es bis zu drei Monate dauern, bis sich die Beschwerden nach der konservativen Behandlung verbessern. Hier können Heilpflanzen wie Kurkuma, Chili, Beinwell, Arnika, Weinraute und Teufelskralle helfen, die Schmerzen und Entzündungen der Gelenke zu lindern.

Gibt es Risiken bei der alternativen Therapie von Borreliose?

Von einer ausschließlich alternativen Therapie einer nachgewiesenen Borreliose ist abzuraten. Denn ohne eine Behandlung mit Antibiotika treten Komplikationen der Erkrankung häufiger auf. Bei Kindern kann Lyme-Borreliose zum Beispiel zu einer Hirnhautentzündung führen, die schnell lebensgefährlich wird. Unterstützend eignen sich alternative Heilungsmethoden gut.

Eine Lyme-Arthritis, die Reizleitungsstörungen und eine Perimyokarditis auslösen kann, muss auch rechzeitig unter ärztlicher Aufsicht behandelt werden. Unbehandelt können Komplikationen wie eine Herzinsuffizienz, eine Herzrhythmusstörung oder sogar ein Herzinfarkt auftreten.

Wird die alternative Behandlung von Neuroborreliose unterstützend zur konservativen Behandlung durchgeführt, kann diese den Heilungsprozess beschleunigen. Die ganzheitliche Behandlung stärkt Körper und Seele und steigert das allgemeine Wohlbefinden.

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