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Blasenentzündung: Symptome einer Harnwegsinfektion erkennen und behandeln

Symptome und Behandlung : Blasenentzündung - Therapie ohne Antibiotika

Entzündungen der Harnwege gehören zu den häufigsten durch Bakterien hervorgerufenen Erkrankungen. Besonders schmerzhaft ist die akute Zystitis, die Blasenentzündung. Betroffen sind insbesondere Frauen.

Was ist eine Blasenentzündung?

Harnwegsinfektionen können die oberen sowie die unteren Harnwege betreffen und werden allgemein auch als Blasenentzündung bezeichnet. In den meisten Fällen sind die unteren Harnwege betroffen, dazu zählen die Harnröhre und die Harnblase. Mediziner sprechen in Abhängigkeit des von der Entzündung betroffenen Organs von Zystitis, also einer Entzündung der Harnblase, oder von einer Urethritis, einer Entzündung der Harnröhre. Bei den oberen Harnwegen handelt es sich um die beiden Harnleiter und die Nieren. Steigt die Blasenentzündung aus den unteren Harnwegen auf, kann dies zu einer gefährlichen Nierenbeckenentzündung führen.

In den meisten Fällen tritt jedoch eine Infektion der unteren Harnwege auf, betroffen sind zu 95 Prozent Frauen. Die häufigste Ursache stellen Bakterien dar, die zumeist aus dem eigenen Darm stammen. Diese Keime steigen über die Harnröhre auf und befallen die Schleimhäute von Harnröhre und Harnblase. Dort vermehren sie sich und lösen eine Entzündung aus. Typische Symptome sind häufiger Harndrang und ein Brennen beim Wasserlassen. Kommen Blut im Urin oder Fieber hinzu, ist eine Behandlung durch den Arzt notwendig.

Ursachen einer Blasenentzündung

Eine Zystitis wird in der Regel durch Bakterien ausgelöst. „Bei den Keimen handelt es sich meistens um die eigenen Darmbakterien, die im Intimbereich eigentlich immer in geringer Menge vorhanden sind“, weiß Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte e.V.. „Durch den Sex, Kälte, Nässe und andere Faktoren können die lokale Immunabwehr und lokalen Barrieren zusammenbrechen, so dass sich die Keime in der Harnröhre und der Harnblase ausbreiten.“ Diese weisen, abgesehen von der Barrierefunktion der gesunden Harnröhre, keine natürliche Immunität gegen diese Keime auf. Auf diesem Wege kann es zu einer Harnwegsinfektion kommen.

Sind die Keime einmal in die Blase gelangt, vermehren sie sich bei Körpertemperatur auf den feuchten Schleimhäuten sehr schnell. Die Bakterien lagern sich an die Wand des Organs an, die mit Reizung und Schwellung reagiert. Diese typische Entzündungsreaktion aktiviert sogenannte Leukozyten, und das Schmerzempfinden wird sensibilisiert. So wird bereits bei geringer Füllung der Blase ein Druck auf die Blasenwandmuskulatur ausgeübt, in der Folge steigt der Harndrang. Daher zeichnet sich die akute Zystitis trotz geringer Urinmenge durch häufigen Harndrang aus. Als weitere Symptome können auch brennende Schmerzen beim Wasserlassen auftreten, dazu kommt vielfach ein Druckschmerz im Unterbauch, der durch Krämpfe der Harnblase entsteht. In einigen Fällen findet sich auch Blut im Urin, der dann riechen und trüb gefärbt sein kann.

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Wie entsteht eine Blasenentzündung beim Mann?

Frauen sind deutlich häufiger von Harnwegsinfekten betroffen als Männer. Während die Erkrankung bei Frauen häufig in jungen Jahren oder in der Schwangerschaft auftritt, kommt es beim Mann im Alter zwischen 60 und 70 Jahren zu einem Anstieg der Infekthäufigkeit. Die Ursache liegt häufig in einer gutartigen Vergrößerung der Prostata. Die Harnblase wird schlechter und oftmals unvollständig entleert, so dass der Urin beim Wasserlassen nicht mehr vollständig aus der Blase fließen kann und Harn zurück bleibt. Bakterien aus dem Harntrakt werden schlechter ausgespült und können Infektionen auslösen.

Wie entsteht eine Blasenentzündung bei einer Frau?

Experten bezeichnen die akute Zystitis als weiblich. „Bei Frauen kommt es viel häufiger zu Harnwegsinfekten als bei Männern, weil anatomisch gesehen der Ausgang der Harnröhre bei Frauen viel leichter mit den Keimen aus der Analregion und dem Intimbereich in Kontakt kommt“, erklärt Dr. Christian Albring. Die Nähe zwischen Harnröhre, Vagina und Darmöffnung erhöht die Gefahr von Schmierinfektionen, beim Großteil der krankmachenden Eindringlinge handelt es sich um Escherichia coli, die aus der eigenen Darmflora stammen. Weitere Gefahren entstehen durch Staphylokokken und weitere Enterobakterien, die den Darm besiedeln oder die sexuell übertragbaren Chlamydien. Ein weiterer Grund für die hohe Anfälligkeit von Frauen gegenüber Harnwegsinfekten ist die weibliche Urethra. Die Harnröhre der Frau ist deutlich kürzer als die des Mannes, so dass Bakterien leichter in der Harnröhre aufsteigen und in die Blase gelangen können.

Unterschiedliche Ursachen können eine Blasenentzündung bei Frauen hervorrufen. Dazu zählt beispielsweise eine Unterkühlung im betreffenden Bereich, die im Sommer häufig durch nasse Badekleidung ausgelöst wird. Experten raten empfindlichen Frauen daher dazu, sich nach dem Schwimmen abzutrocknen und frische Kleidung oder einen trockenen Badeanzug anzuziehen. Vorbeugend wirkt ebenfalls, die Füße stets warm und trocken zu halten, denn kalte Füße können zu einer schlechteren Durchblutung im Beckenbereich und damit in der Blase führen. Wird die Blasenschleimhaut weniger durchblutet, ist sie weniger gegen Keime geschützt. Ausreichendes Trinken von mindestens zwei Litern pro Tag spült die Blase zudem gut durch.

Weiterhin kann die mechanische Beanspruchung durch intensiven Sex einen Harnwegsinfekt auslösen. Vor diesem Hintergrund ist auch der Begriff Flitterwochen-Blasenentzündung entstanden. Beim Geschlechtsverkehr können die im Intimbereich vorhandenen Keime durch Reiben mechanisch in die Harnröhre gelangen. Vorbeugend ist es sinnvoll, nach dem Geschlechtsverkehr die Blase direkt zu leeren. Gefährlich ist auch eine falsche Hygiene nach dem Stuhlgang. Frauen sollten mit dem Toilettenpapier lediglich tupfen und zwar von vorne nach hinten. Wird nach dem Stuhlgang falsch gereinigt, also von hinten nach vorne gewischt, gelangen die Keime in den vorderen Intimbereich zur Harnröhre. Um die Vaginalflora zudem intakt zu halten, sollte der Kontakt von Seife, Intimsprays oder Lotionen mit der Scheide vermieden werden. Gut geeignet ist auch kochfeste Unterwäsche aus Baumwolle.

Eine weitere Ursache kann laut Dr. Christian Albring eine bakterielle Infektion der Vagina sein. Diese basiert oftmals auf einer Störung des pH-Werts in der Vagina, wodurch die Zahl krankheitserregender Keime im ganzen Intimbereich ansteigen kann. Darüber hinaus kann auch eine Senkung der Gebärmutter und der Blase mit unvollkommener Blasenentleerung eine Entzündung hervorrufen. In diesem Fall wachsen die Keime im verbleibenden Urin.

Eine verstärkte Gefahr für Blasenentzündungen bei der Frau besteht in den Wechseljahren. „Durch Hormonmangel können die Schleimhautschichten auch in der Harnröhre und Blase dünner werden und ihre Schutzfunktion einbüßen“, betont Dr. Albring. Gleiches gilt für schwangere Frauen. Während der Schwangerschaft ändert sich durch die Hormonumstellungen der pH-Wert in der Scheide, zudem weiten sich die Harnwege.

Symptome einer Blasenentzündung

Eine Zystitis beginnt in der Regel immer mit den gleichen Anzeichen. „Typische Symptome sind Brennen beim Wasserlassen, ständiger Harndrang sowie häufiges Wasserlassen mit kleinen Mengen“, erklärt Dr. Christian Albring. „Dazu können Blut im Urin, Schmerzen beim Wasserlassen und Fieber kommen.“

Treten darüber hinaus weitere Alarmzeichen auf, ist der Gang zum Arzt Pflicht. „Im weiteren Krankheitsverlauf können auch Schmerzen in den Seiten und Rückenschmerzen auftreten, wenn die Harnleiter zur Niere und die Nieren durch den im Liegen zurücklaufenden Urin selbst betroffen sind“, warnt Dr. Christian Albring. Betroffene sollten in diesem Fall rasch einen Arzt aufsuchen.

Behandlung einer Blasenentzündung

 Wenn Brennen beim Wasserlassen und häufiger Harndrang verspürt werden, wissen viele Frauen bereits Bescheid. Sie reagieren rasch und versuchen, die beginnende Zystitis mit einer bestimmten Therapie in den Griff zu bekommen. „Eine einfache Harnwegsentzündung kann im Frühstadium vor allem durch sehr viel Trinken und Warmhalten oft von allein verschwinden“, erklärt Dr. Christian Albring. Die Aufnahme von viel Flüssigkeit erhöht den Durchfluss der Blase, die Keime werden im besten Fall mit dem Urin hinaus geschwemmt. Wichtig bei der Behandlung ist auch Wärme beispielsweise in Form einer Wärmflasche oder eines warmen Körnerkissens auf dem Bauch. Das tut nicht nur gut, sondern fördert auch die Durchblutung im Unterleib. So werden die Keime besser bekämpft. „Wenn das nicht klappt, sollte die Frau zur Frauenärztin beziehungsweise zum Frauenarzt gehen, wo die Keime im Urin und der Scheide untersucht werden“, betont Dr. Albring. Verschwinden die Symptome nicht nach zwei Tagen oder treten gefährliche Anzeichen, wie Blut im Urin, starke Schmerzen beim Wasserlassen, Fieber oder Unterbauch- oder sogar Nierenschmerzen auf, sollten sich Betroffene in jedem Fall bei einem Arzt in Behandlung geben. Eine Zystitis darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn sie kann schwerwiegende Folgen wie beispielsweise eine Nierenbeckenentzündung oder sogar eine Blutvergiftung haben.

Hausmittel bei einer Blasenentzündung

Mit einfachen Therapie-Maßnahmen lässt sich eine Zystitis häufig in den Griff bekommen. „Bei einer leichten Blasenentzündung, die gerade erst im Entstehen ist, hilft vor allem sofortiges reichliches Trinken von möglichst mehr als drei Litern und Warmhalten“, rät Dr. Christian Albring. Empfehlenswert sind weiterhin warme Kleidung oder Bettwärme, aufsteigende Fußbäder oder Fangopackungen. Angenehm ist auch eine Wärmflasche oder ein warmes Körnerkissen auf dem Bauch. Auf diesem Wege wird die Durchblutung im Unterleib und damit auch in der Blase gefördert und der Kampf gegen die Keime unterstützt.

Blasen- und Nierentees helfen beim Durchspülen der Blase, Vorsicht ist hingegen bei Kaffee und Schwarztee geboten. Sie reizen die Nieren und sind bei einer Zystitis auf jeden Fall tabu. Auch Geschlechtsverkehr sollte in dieser Zeit vermieden werden. Hilfreich für die Behandlung sollen hingegen pflanzliche Wirkstoffe sein, wie Cranberry oder antibakterielle Senföle in Form von Saft oder Tee. Harntreibend wirkt auch Goldrutenkraut.

Medikamentöse Behandlung bei einer Blasenentzündung

Wenn die Krankheit fortschreitet und Blut im Urin oder Fieber auftritt, ist das ein Zeichen dafür, dass die lokale Immunabwehr überfordert ist. In diesem Fall besteht die Gefahr, dass die Keime über die Harnleiter in die Nieren aufsteigen und sich eine gefährliche Nierenbeckenentzündung entwickelt. Wesentliche Symptome dieser Infektion sind neben Beschwerden beim Wasserlassen auch Fieber, Schüttelfrost und Übelkeit. Dazu kommen deutliche Rückenschmerzen im Bereich der Nieren. Eine Nierenentzündung kann im schlimmsten Fall zu akutem Nierenversagen führen.

„Um das zu verhindern, sollte eine Blasenentzündung spätestens am dritten Tag mit einem Antibiotikum behandelt werden“, betont Dr. Albring. Verschwinden die typischen Symptome also nicht nach zwei Tagen oder treten Alarmzeichen wie Blut im Urin, Fieber, Unterbauch- oder Nierenschmerzen auf, müssen Betroffene zum Arzt. Der Hausarzt, Frauenarzt oder Urologe wird einen Urintest durchführen und eine körperliche Untersuchung vornehmen. Wichtig ist eine genaue Diagnose der Ursache. Im Labortest sollte ermittelt werden, welche Erreger die Auslöser der Zystitis sind. Nur dann kann der Arzt auch das passende Antibiotikum verschreiben. Darüber hinaus kann eine Ultraschall-Untersuchung zeigen, ob eventuell Restharn oder ein Harnstau vorliegt und ob der Nierenabfluss funktioniert.

In den meisten Fällen ist eine bakterielle Infektion der Auslöser einer unkomplizierten Zystitis. Heute wird vielfach das einmalige Einnehmen eines Antibiotikums verschrieben, pflanzliche Medikamente unterstützen den Heilungsprozess. Bei Frauen in den Wechseljahren kann ein niedriger Östrogenstatus eine Blasenentzündung auslösen. In diesem Fall eigenen sich lokal wirkende Scheidenzäpfchen oder Salben sowie Antibiotika bei akuten Schmerzen.

Anders sieht es bei häufiger auftretenden Blasenentzündungen aus. Hierbei kann die Blasenwand geschädigt und das Absterben des Gewebes begünstigt werden. „Bei sehr häufig wiederkehrenden, schmerzhaften, oft auch blutigen Blasenentzündungen müssten gegebenenfalls noch weitere Untersuchungen folgen“, erklärt Dr. Albring. Zunächst sind Komplikationen oder bösartige Tumore durch bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Röntgenaufnahmen auszuschließen. Sinnvoll ist in einigen Fällen auch eine Mituntersuchung des Sexualpartners. „Hat dieser eine Prostatitis oder Samenbläschenentzündung, gelangen die Keime beim Orgasmus in die Scheide.“ Häufig erfolgt bei regelmäßig auftretenden Blasenentzündungen eine Antibiotikabehandlung über einen längeren Zeitraum.

Wie schnell entwickelt sich eine Blasenentzündung?

Die ersten Symptome einer Harnwegsinfektion treten bereits innerhalb weniger Stunden auf. Mit einer Blasenentzündung gehen in erster Linie häufiger Harndrang und Brennen beim Wasserlassen einher.

Ist eine Blasenentzündung ansteckend?

Ein Harnwegsinfektion wird in den meisten Fällen durch Bakterien aus dem eigenen Darm ausgelöst. Wird die Harnröhrenentzündung jedoch durch sexuell übertragbare Erreger hervorgerufen, ist es wichtig, den Sexualpartner mit zu behandeln. Eine erneute Ansteckung kann so vermieden werden.

Wie oft sollte man bei einer Blasenentzündung zur Toilette gehen?

Wer unter einem Harnwegsinfekt leidet, verspürt einen häufigen Harndrang. Auch wenn das Wasserlassen schmerzhaft ist, sollten Patienten diesem Drang jedes Mal nachgeben und zur Behandlung möglichst viel Flüssigkeit aufnehmen.

Wie wird man bei einer Blasenentzündung untersucht?

Beim Arzt wird in der Regel zunächst der Urin analysiert. Dazu müssen Patienten eine Probe des Mittelstrahl-Urins abgeben. Zeigt der Test unter anderem erhöhte Werte für weiße Blutkörperchen an, weist das auf einen Harnwegsinfekt hin. Weiterhin wird das Harnsediment unter dem Mikroskop untersucht und Bakterien sowie Blutkörperchen entdeckt und gezählt. Zusätzlich kann ein Antibiogramm erstellt werden. Dieses gibt Aufschluss darüber, welche Bakterien den Harnwegsinfekt ausgelöst haben. Weiterhin erfolgt ein ausführliches Anamnesegespräch, um Näheres über eventuelle vorherige Infekte oder andere Ursachen zu erfahren. Sind die Symptome bereits so stark, dass beispielsweise Blut im Urin auftritt, wird per Ultraschall untersucht, ob andere Organe wie beispielsweise die Nieren betroffen sind. Sehr selten wird eine Blasenspiegelung durchgeführt, die sogenannte Zystokopie. Dabei wird ein Schlauch mit einer Kamera am Ende durch die Harnröhre in die Blase eingeführt. Die Bilder können mögliche Veränderungen an der Blasenwand zeigen.

Welcher Arzt untersucht eine Blasenentzündung?

Wer erstmals von einem Harnwegsinfekt betroffen ist, begibt sich zunächst bei seinem Hausarzt in Behandlung. Hier kann der Urin untersucht werden, auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall sind möglich. Bei häufigen und wiederkehrenden Infekten ist ein Facharzt aufzusuchen. Frauen wenden sich an ihren Frauenarzt, Männer begeben sich beim Urologen in Behandlung.

Hier geht es zur Infostrecke: Blasenentzündung: Diese zehn Fakten über den Harnwegsinfekt sollten Sie kennen

(bb)