1. Leben
  2. Gesundheit
  3. Medizin und Vorsorge

Bandwurm: Infektion, Behandlung und Prävention - alle wichtigen Infos

Bandwurm : Der unheimliche Parasit

Infektionen mit Bandwürmern sind in Deutschland zwar zum Glück selten – aber harmlos sind sie nicht. Die Parasiten können beim Menschen schwerwiegende Erkrankungen verursachen, bis hin zum Tod.

"Die Gefahr, sich in Deutschland mit Bandwürmern zu infizieren, ist generell gering", sagt Dr. Marc Hübner, Leiter der Diagnostik Parasitologie am Institut für Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie der Universitätsklinik Bonn.

Welche Bandwürmer sind für Menschen gefährlich?

Hierzulande sind Infektionen mit dem Rinderbandwurm, dem Schweinbandwurm, dem Fischbandwurm sowie dem Hundebandwurm und dem Fuchsbandwurm möglich. "Durch die in Deutschland durchgeführten Fleischbeschauungen von Rinder- und Schweinefleisch und die guten hygienischen Bedingungen ist die Gefahr, an Rinder- oder Schweinebandwurmbefall zu erkranken auf private Schlachtungen ohne Fleischbeschau begrenzt", erklärt der Experte.

Infektionen mit dem Hunde- oder Fuchsbandwurm – die für den Menschen tödlich enden können – sind meldepflichtig, aber seien sehr selten, sagt Hübner. "Die Anzahl der gemeldeten Neuinfektionen mit dem Hunde- und Fuchsbandwurm beträgt in Deutschland jeweils unter 100 Personen pro Jahr, wobei die Dunkelziffer nicht gemeldeter Fälle deutlich höher liegen sollte", sagt er.

Wirt oder Fehlwirt – verschiedene Formen der Infektion

Parasiten wie die verschiedenen Bandwürmer haben stets einen zum Teil recht komplizierten Lebenszyklus. Die erwachsenen – "adulten" – Tiere leben in einem bestimmten Wirt und produzieren dort auch ihre Fortpflanzungsstadien. Beim Rinderbandwurm (Taenia saginata) und beim Schweinebandwurm (Taenia solium) ist dieser Wirt der Mensch. Die adulten Tiere leben im Darm und ernähren sich über ihre Körperoberfläche von den Nährstoffen, die das menschliche Verdauungssystem aus der Nahrung freisetzt – diese fehlen dann natürlich dem betroffenen Menschen, was einen Teil der Symptome verursacht.

Beim Fischbandwurm (Diphyllobothrium latum) ist der Wirt nur in seltenen Fällen der Mensch, Hauptwirt oder "Endwirt" des Parasiten ist eigentlich der Haushund.

Die adulten Stadien der Parasiten sind bandförmig abgeflacht und können einen beträchtliche Länge von mehreren Metern erreichen. Sie wachsen zum Teil mehrere Zentimeter pro Tag und können bis zu 25 Jahre in ihrem Wirt bleiben. Der Schweinebandwurm besitzt am Kopf hakenartige Organe, mit denen er sich festhakt und dann in der Länge durch den Darm wächst. Rinder- und Fischbandwurm saugen sich fest. Die Körper der Würmer sind dabei gegliedert. Am hinteren Ende der Parasiten reifen Proglottiden genannte Fortpflanzungssegmente heran. Sie sind prall gefüllt mit befruchteten Eiern und werden mit dem Stuhl des Wirtes ausgeschieden.

Die sogenannten Zwischenwirte sind ein weiteres wichtiges Element im Lebenszyklus der Parasiten. Beim Rinderbandwurm ist dies das Rind, beim Schweinebandwurm entsprechend das Schwein. Beim Fischbandwurm kommen als weitere Zwischenwirte meist kleine Krebstiere hinzu. Die Zwischenwirte nehmen durch den Verzehr kontaminierter Nahrung – also etwa mit menschlichen Fäkalien verunreinigtem Gras im Fall der Rinder – die Eier der Bandwürmer auf.

Aus den Eiern entwickeln sich dann allerdings keine Bandwürmer, sondern in den Zwischenwirten Zwischenstadien, genauer gesagt Larven. Diese verlassen aktiv den Darm des Zwischenwirts, wandern in die Muskulatur einschließlich Zwerchfell, Zunge und Herz und kapseln sich dort ein. Beim Rinder- und Schweinebandwurm spricht man dann von den sogenannten Finnen, beim Fischbandwurm vom Procercoid. Diese Formen sind die für den Menschen infektiösen, wenn sie durch den Verzehr von befallenem Fleisch in den Darm gelangen. Dort entwickeln sie sich dann zum adulten Bandwurm.

Weitere Nachrichten rund um Gesundheit finden Sie hier.

"Beim Schweinebandwurm gibt es noch die Besonderheit, dass der Mensch nach oraler Aufnahme der Bandwurmeier auch mit dem Larvenstadium, den Finnen, infiziert sein kann", erklärt Hübner. Diese wandern dann entsprechend in die Muskulatur, was schwerwiegendere Symptome verursacht.

"Beim Hunde- ( Echinococcus granulosus) und Fuchsbandwurm (Echinococcus multioccularis) ist der Mensch nicht mit den adulten Würmern befallen, sondern infiziert sich durch die orale Aufnahme der entsprechenden Bandwurmeier. Beim Fuchsbandwurm werden diese vom Fuchs, aber auch von Hund und Katze ausgeschieden, beim Hundebandwurm nur vom Hund", erklärt der Parasitologe.

Gefährlich ist dabei, dass der Mensch eigentlich ein Fehlwirt ist. Die eigentlichen Zwischenwirte sind normalerweise Säugetiere, die den Raubtieren Fuchs beziehungsweise dem ursprünglichen Wolf als Nahrung dienen. Dort so wie beim Menschen wandern die sich aus den Eiern entwickelnden Larven in Muskulatur aber auch Organe und Nervengewebe und verursachen dort schwere Symptome.

Woran erkenne ich eine Bandwurminfektion und was sind die Anzeichen?

"Infektionen mit Bandwürmern können vom Laien nicht sicher identifiziert werden, da die Symptome unspezifisch sind", sagt Hübner. Mit dem bloßen Auge seien auch Eier im Stuhl nicht zu erkennen und die zwar erkennbaren Proglottiden fielen dem ungeübten Auge nicht so auf. Eher würden ungewöhnlich erscheinende sonstige Strukturen im Stuhl oft fälschlicherweise für abgehende Bandwurmglieder gehalten.

"Bei Verdacht auf eine Bandwurminfektion sollte daher immer ein Arzt eingeschaltet werden und die Diagnose durch Mikroskopie, serologische Tests, Nukleinsäurenachweis (PCR) oder gegebenenfalls bildgebende Verfahren durch Spezialisten erfolgen", sagt der Mediziner.

Die Symptome beim Befall mit adulten Rinder-, Schweine- oder Fischbandwürmern sind dementsprechend unspezifisch – oder sie verlaufen sogar ganz ohne Symptome. Es könne zu Schmerzen im Abdomen, also Bauchschmerzen, kommen, zu Gewichtsverlust, Müdigkeit, Schwäche, Schwindel, Durchfall oder Erbrechen, sagt Hübner. "Der Befall mit dem Fischbandwurm kann zudem zu einer Form der Blutarmut, der 'perniziösen Anämie' führen, da der Parasit spezifisch Vitamin B12 entzieht."

Gefährlicher ist ein Befall mit den Finnen des Schweinebandwurms. "Diese Infektion führt zum Krankheitsbild der Zystizerkose. Je nach Ansiedlung der Finnen können die Muskulatur, das Herz, die Augen oder das Gehirn betroffen sein. Eines der häufigsten Krankheitsbilder ist die Neurozystizerkose, bei der die Finnen im Gehirn angesiedelt sind und vor allem zu epileptischen Anfällen, Kopfschmerzen, Konfusion, erhöhtem Hirndruck, Hydrocephalus (Wasserkopf, zu viel Hirnwasser im Schädel), Hirnschlag und bis zum Tod führen können", sagt Hübner.

Ein Befall mit den Larven des Hunde- oder Fuchsbandwurms kann zu zwei Krankheitsbildern führen. "Bei der zystischen Echinokokkose bildet sich eine mit Flüssigkeit gefüllte Blase, die Hyatide, welche Brutkapseln mit Protoscolexen, den jungen Bandwurmköpfchen, enthält. Diese siedeln sich vorwiegend in der Leber und der Lunge an und können durch das jährliche Wachstum von etwa einem Zentimeter gesundes Gewebe verdrängen und so Komplikationen verursachen", sagt der Experte. Die Infektionen blieben allerdings oft jahrelang symptomlos und unbemerkt. "Symptome können beim Befall der Leber sein, dass es zu einem Anschwellen des Bauches, zu Acites (Bauchwasser) oder einem Abdrücken des Gallenflusses kommen kann. Beim Befall der Lungen kann es zu Atembeschwerden kommen."

Das andere von den Echinococcen ausgelöste Krankheitsbild ist die alveoläre Echinokokkose. "Dabei befällt das Larvenstadium, das man Metacestod nennt, vorwiegend die Leber mit einem infiltrativen, krebsartigen Wachstum, das auch Fernmetastasen bildet und andere Organe befallen kann", sagt Hübner. Oft finde die Diagnose dieser Erkrankung erst Jahre bis Jahrzehnte nach der Infektion und dann meist eher durch Zufall statt. "Unbehandelt zersetzt und zerstört der Metacestod die Leber und führt damit zu einem tödlichen Verlauf."

Wie schützt man sich effektiv vor einer Bandwurm-Infektion?

Infektionen mit den adulten Bandwürmern des Rinder-, Schweine- oder Fischbandwurms erfolgen durch den Verzehr von nicht ausreichend erhitztem finnenhaltigem Rinder- oder Schweinefleisch beziehungsweise durch mit Procercoid befallenem Fisch. "Ein Erhitzen auf 63 Grad Celsius Kerntemperatur tötet die Parasiten sicher ab. Pökeln oder Räuchern reichen allerdings nicht dafür", sagt der Parasitologe.

Als Prophylaxe diene so neben der amtlich vorgeschriebenen Fleischbeschau ganz einfach kein rohes oder unzureichend zubereitetes Rinder- oder Schweinefleisch zu essen. "Sanitäranlagen unterbrechen außerdem den Lebenszyklus dieser Bandwürmer, da die Infektion der Tiere durch mit Bandwurmeiern verseuchte menschliche Fäkalien verhindert wird." Zusätzlich können Schweine gegen einen Bandwurmbefall geimpft werden oder mit dem Medikament Oxfendazol behandelt werden.

Wer mit einem Schweinebandwurm befallen ist, sollte so bald wie möglich behandelt werden, da durch die Ausscheidung von Wurmeiern die Gefahr besteht, sich selbst oder Mitbewohner mit der Larven zu infizieren. "Eine Infektion mit Eiern des Schweinebandwurms kann zudem durch unzureichende Hygiene und durch Kontakt mit mit Fäzes kontaminierter Nahrung und Wasser erfolgen." Besonders in Gegenden, wo der Bandwurm vermehrt auftritt, sollte demnach entsprechend der allgemeinen Hygiene Gemüse und Obst vor dem Essen gründlich gesäubert oder geschält werden.

"Als Prophylaxe für die zystische Echinokokkose durch den Hundebandwurm sollten Hunde nicht mit rohen Schlachtabfällen gefüttert werden. Regelmäßige Wurmkuren sollten für Hunde und für Katzen durchgeführt werden, um eine Infektion mit Fuchs- oder Hundebandwurm zu verhindern", sagt der Mediziner. Auch im Fell der Tiere könnten durch Wälzen infektiöse Eier sein. Daher sei es wichtig, sich nach dem Streicheln von Hund oder Katze gründlich die Hände zu waschen.

In Gebieten, in denen Füchse umherstreifen – mittlerweile auch in den Städten – sollten bodennah wachsende Nahrungsmittel vor dem Verzehr gründlich gesäubert, geschält oder gekocht werden. Das gilt zum Beispiel auch für wild wachsende Brombeeren und ähnliche Früchte, die dann nicht in Bodennähe gepflückt werden sollten oder zumindest gründlich zu waschen sind. Einfrieren bis minus 20 Grad Celsius überstehen die Eier des Fuchsbandwurms. Das ist also kein ausreichender Schutz. Auch Zäune etwa um Gemüsebeete, um Füchse fernzuhalten, sei eine mögliche gute Vorbeugungsmaßnahme.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es gegen Bandwürmer?

Wenn eine Bandwurminfektion erstmal diagnostiziert ist, gibt es gute und bewährte Möglichkeiten der Behandlung. "Bei einer Infektion mit adultem Rinder-, Schweine- oder Fischbandwurm hat sich eine Therapie mit einer Einmaldosis von 10 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht mit dem Medikament Praziquantel erwiesen, die generell zu einer Eliminierung der adulten Würmer führt", sagt Hübner. Alternativ könne das Medikament Niklosamid zur Therapie eingesetzt werden.

"In beiden Fällen ist eine Kontrolle des Behandlungserfolges durch die Untersuchung des Stuhls auf Proglottiden über einen Zeitraum von zwei Monaten angeraten", sagt der Experte.

Die Zystizerkose könne mit den Arzneimitteln Praziquantel und Albendazol behandelt werden. "Bei der zerebralen Zystizerkose muss hierbei allerdings zusätzlich mit Kortikosteroiden therapiert werden, um begleitende Entzündungsprozesse zu hemmen und Hirnödeme zu vermeiden." Ein Befall der Augen, die okuläre Zystizerkose, müsse operativ behandelt werden, um bleibende Augenschäden zu vermeiden.

Auch für die Behandlung der zystischen Echinokokkose gibt es eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten, mit guten Aussichten zur kompletten Heilung. "Hierzu zählt die operative Entfernung der Hydatide mit begleitender mehrmonatiger Chemotherapie mit Albendazol oder Mebendazol, die therapeutische mehrmonatige Chemotherapie mit Albendazol oder Mebendazol, oder ein sogenanntes 'Watch & Wait'-Verfahren mit jährlichen Kontrollen bei Hydatiden, die keine Probleme verursachen und beginnende Verkalkungen zeigen und somit davon ausgegangen werden kann, dass sie von allein absterben", erklärt Hübner.

Dagegen sei die Behandlung der alveolären Echinokokkose wegen der meist späten Diagnose und dem dann fortgeschrittenen Krankheitsverlauf oft problematisch, sagt der Mediziner.

Im günstigsten Fall findet die Diagnose frühzeitig statt – wenige Jahre nach der Infektion, die befallene Leber wird entfernt und nach einer folgenden Chemotherapie mit Albendazol oder Mebendazol kommt es zu einer kompletten Heilung. „Die meisten Patienten müssen jedoch lebenslang die Chemotherapie mit Albendazol oder Mebendazol einnehmen. Die Chemotherapie ist hierbei rein parasitostatisch, hemmt also den Wachstum des Metacestodenstadiums, tötet es allerdings nicht“, so der Experte.

Die Behandlung mit den Benzimidazolen Albendazol beziehungsweise Mebendazol müsse dabei individuell kontrolliert werden, da die Plasmaspiegel individuell variieren könnten, und die Wirkstoffe potenziell hepatotoxisch (leberschädigend) und teratogen (Schädigung des Embryos in der Schwangerschaft) seien.

"Im schlimmsten Fall können Patienten aufgrund der Nebenwirkungen nicht mehr mit Benzimidazolen behandelt werden und sind dann praktisch unbehandelbar. Die alveoläre Echinokokkose ist somit eine der wenigen Helmintheninfektionen (Wurmerkrankungen), die unbehandelt tödlich verläuft", sagt Hübner.

Die heute verwendeten Therapien mit Praziquantel, Albendazol und Mebendazol stammen ursprünglich alle aus der Veterinärmedizin, sagt der Mediziner. Sie seien seit Jahrzehnten im Gebrauch.

"Dringend benötigte, verbesserte Therapien für die alveoläre Echinokokkose sind aber in den kommenden Jahren nicht zu erwarten. Derzeit gibt es jedenfalls keine klinischen Studien dazu", sagt Hübner.

Getestet werde als neuer Wirkstoff für den Menschen derzeit allerdings Oxfendazol gegen den Schweinebandwurm. Das Mittel wird bereits zur Therapie bei Schweinen eingesetzt und in ersten klinischen Studien auf seine Verträglichkeit beim Menschen getestet, weiß der Experte. "Klinische Studien mit Oxfendazol an Patienten mit Neurozysterizerkose stehen allerdings noch aus.

Hier geht es zur Infostrecke: Zehn Fakten über den Bandwurm