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Weitsichtigkeit: Symptome, Ursachen, Behandlung - Infos zur Sehschwäche

Sehschwäche : Weitsichtigkeit - ein langer Arm für scharfe Sicht

Gut sehen zu können bedeutet auch ein Stück gute Lebensqualität. Ob schwarz, weiß oder bunt, ob nah oder fern, ob Natur oder Architektur - wir möchten mit unseren Augen die Welt um uns herum wahrnehmen, genießen und erleben.

Kontaktlinsen und Brillen oder auch medizinische Eingriffe wie Implantate oder eine Laser-OP schaffen Abhilfe bei Sehschwäche. Während allerdings Kurzsichtigkeit schon in jungen Jahren auftreten kann, ist die Diagnose Weitsichtigkeit vor allem eine Alterserscheinung. Das Lesen oder der Blick aufs Smartphone fällt zunehmend schwerer.

Was ist Weitsichtigkeit?

Es ist ein Bild, das jeder von uns kennt: der Weitsichtige hält einen Zettel mit einer Notiz oder sein Handy mit ausgestrecktem Arm von sich weg. Alles, was weiter weg ist, kann er gut lesen, doch alles Nahe erscheint ihm unscharf. Eigentlich bedeutet dieses Phänomen eine Übersichtigkeit, im Fachjargon spricht man von Hyperopie oder auch Hypermetropie. Oder auch anders beschrieben: Der Nahpunkt rückt immer weiter in die Ferne.

Wann beginnt Weitsichtigkeit?

Allgemein bekannt tritt die Fehlsichtigkeit auf kurzen Distanzen bei Erwachsenen mit zunehmendem Alter auf. Beginnen kann die "Leseschwäche" mit 30 Jahren, aber auch erst weitaus später im Seniorenalter.

Tatsächlich aber kommen wir alle mit einer leichten Weitsichtigkeit (Hyperopie) auf die Welt. Bis zum sechsten Lebensjahr werden Kinder in der Regel normalsichtig. Nur in Ausnahmefällen brauchen sie eine Brille aufgrund von Weitsichtigkeit, unter anderem, um ein Schielen zu korrigieren beziehungsweise vorzubeugen.

Als Jugendliche und junge Erwachsene können sie die Fehlsichtigkeit durch die Elastizität ihrer Augenlinse ausgleichen. Dass sie alles scharf sehen, ist somit eigentlich nur eine fälschliche Annahme. Diese natürliche Akkommodationsfähigkeit des Auges - das Scharfstellen der Linse - nimmt mit dem fortschreitenden Alter ab. Darum spricht man bei der Hyperopie auch von Alterssichtigkeit (Presbyopie). Bei Menschen ohne bisherige Fehlsichtigkeit kann diese Sehschwäche ab Mitte 40 auftreten.

Wie wird Weitsichtigkeit festgestellt?

Die Symptome sind im Alltag leicht feststellbar. Wie schon erwähnt, fällt den Betroffenen das Lesen oder auch das Betrachten von Bildern aus der Nähe zunehmend schwerer. Als es vorher problemlos scharf zu erkennen war, so beginnt jetzt die Sehkraft zu streiken. Desweiteren sorgt Fehlsichtigkeit, für die noch keine Korrektur vorgenommen worden ist, bei Betroffenen zum Beispiel für Kopfschmerzen, trockene Augen oder brennende Augen. Auch Druck an der Nasenwurzel und an den Schläfen sind Anzeichen für Hyperopie.

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Wer solche Symptome erkennt, sollte beim Augenarzt oder beim Optiker einen Sehtest machen. Dann müssen mit jeweils einem Auge große und kleine Buchstaben und Symbole erkannt und beschrieben werden. Begonnen wird üblicherweise mit dem rechten Auge. Anhand von unterschiedlich starken Gläsern, die im Testgerät eingesetzt werden, um die Sehschwäche zu korrigieren, können die Fachleute den Schweregrad der Sehschwäche in Dioptrien (dpt) beziffern.

Dioptrie ist die Maßeinheit für die Brechkraft eines optischen Systems. Beim gesunden Auge liegt der Normalwert bei 60 bis 65 dpt. Abweichungen durch Fehlsichtigkeit werden mit Plus und Minus beziffert.

Die sogenannten Negativ-Dioptrien kennzeichnen den Schweregrad von Kurzsichtigkeit, also wenn einem das Erkennen von entfernten Objekten schwer fällt. Die Tafel in der Schule nicht mehr einwandfrei lesen zu können oder wenn für einen persönlich der Fernseher kein scharfes Bild mehr zeigt, sind im Alltag klassische Anzeichen. Spätestens beim Sehtest für den Führerschein wird sie bei jungen Menschen diagnostiziert.

Die Weitsichtigkeit wird demgegenüber in Positiv-Dioptrien angegeben, als "+1 dpt" und so weiter.

Was ist der Unterschied zwischen Weitsichtigkeit und Kurzsichtigkeit?

Kurzsichtigkeit (Myopie) und Weitsichtigkeit (Hyperopie) sind die häufigsten Sehfehler. Menschen mit Myopie sehen Dinge in weiter Entfernung unscharf und verschwommen. Nahe Objekte erkennen sie jedoch problemlos. Weitsichtige Menschen verfügen über eine gute Sicht in die Ferne, während sie nahe Objekte - vor allem Texte und Bilder - nicht fokussieren können und unscharf sehen.

Das Statistische Bundesamt hat erhoben, dass es bei Personen im Alter bis 40 viermal so viele Kurzsichtige wie Weitsichtige gibt. Erst ab diesem Alter häufen sich dann die Fälle von Weitsichtigkeit. Ab 50 sind dann fast doppelt so viele Menschen weitsichtig wie kurzsichtig. Weitsichtigkeit ist also wie beschrieben eher ein Altersphänomen. Männer sind dabei seltener fehlsichtig als Frauen.

Andererseits wird Weitsichtigkeit bei vielen Menschen nicht oder spät erkannt, weil Betroffene durch die beschriebene Akkomodation die Fehlsichtigkeit bis zu einem gewissen Maß noch mit ihrem Auge ausgleichen können.

Wie entsteht Weitsichtigkeit?

Grundsätzlich gibt es zwei Ursachen für eine Hyperopie: Der Augapfel ist im Verhältnis zu kurz - hier spricht man von einer Achsenhyperopie oder Achsenhypermetropie -, oder die Brechkraft des sogenannten Hornhaut-Linse-Glaskörpers ist zu gering.

Ein zu kurzer Augapfel ist die häufigere Ursache. Sie ist angeboren. Der normale Augapfel misst 24 Millimeter. Jeder fehlende Millimeter macht drei Dioptrien aus. Wenn beim Blick in die Ferne die Lichtstrahlen nahezu parallel in das menschliche Auge fallen, werden diese bei einem zu kurzen Augapfel nicht ausreichend auf der Netzhaut gebündelt, sodass ein unscharfes Bild entsteht. Umgekehrt ist es bei Kurzsichtigkeit: Betroffene haben einen zu langen Augapfel, andere Ursachen können eine Hornhautverkrümmung oder eine Verkrümmung der Augenlinse sein.

Menschen mit Weitsichtigkeit können ihre Fehlsichtigkeit allerdings kompensieren, indem sie die Brechkraft ihrer Linse durch die Aktivität des Ziliarmuskels verändern. Diese sogenannte Akkommodation funktioniert in jungen Jahren noch gut, doch weil die Steigerung der Linsenbrechkraft ihre Grenzen hat, ist diese Taktik bei sehr nahen Gegenständen im Laufe der Zeit nicht mehr erfolgreich.

Nehmen die Beschwerden bei einer Weitsichtigkeit zu, kann auch die Sehkraft für die Ferne abnehmen. Denn bei einem Weitsichtigen kommt es beim Blick in die Ferne zu einer ständigen Akkommodation, um die Brechkraft seiner Linse zu erhöhen und für ein scharfes Bild auf seiner Netzhaut zu sorgen. Allerdings nehmen die Elastizität des Auges und die Brechkraft im Laufe eines Lebens ab. Bei dieser Alterssichtigkeit tritt die Sehschwäche deshalb zunächst bei nahen Objekten ein, kann sich aber verstärken und somit auch zu seiner Sehschwäche für die Ferne sorgen.

Ein zu kurzer Augapfel kann außerdem auch das Risiko für einen grünen Star (Glaukom) erhöhen. Dies liegt an einem zu engen Kammerwinkel, über den das vom Ziliarkörper gebildete Kammerwasser das Auge verlässt. Der Abfluss kann dadurch behindert sein, der Druck in der vorderen Augenkammer nimmt zu und kann zum grünen Star führen. Oft bleibt diese Erkrankung lange unerkannt und kann im schlimmsten Fall zur Erblindung führen. Eine regelmäßige Untersuchung beim Augenarzt ist bei Weitsichtigkeit deshalb ratsam.

Wann sollte man bei Weitsichtigkeit eine Brille tragen?

Ein Dioptrien-Wert von "+1 dpt" bedeutet eine leichte Weitsichtigkeit. Hier reicht es, die Sehhilfe nur aufzusetzen, wenn sie eben gebraucht wird. Ab "+2 dpt" wird geraten, dauerhaft eine Brille zu tragen, denn die Diagnose Hyperopie sorgt, wie beschrieben, in vielen Fällen auch zu einer Sehschwäche für entfernte Objekte. Ab einem Dioptrie-Wert von plus 5 spricht man von einer starken Hyperopie.

Wie wird Weitsichtigkeit korrigiert?

Durch das Tragen einer Brille können die Beeinträchtigungen durch die Weitsichtigkeit korrigiert werden. Für das Brillenglas wird eine sogenannte Sammellinse mit einem positiven Brechwert oder Dioptrienwert verwendet. Sie sorgt dafür, dass beim Blick in die Ferne auch ohne Akkomodation ein scharfes Bild auf der Netzhaut entsteht. Alternativ können auch entsprechende Kontaktlinsen angefertigt und getragen werden. Ab dem 40. Lebensjahr ist es auch möglich, bifokale Kontaktlinsen anzuwenden, die sowohl die Altersweitsichtigkeit korrigiert als auch für einen scharfen Seheindruck für die Ferne sorgt.

Neben Brille und Kontaktlinse ist auch eine operative Korrektur eine Methode zur Behandlung. Bei Weitsichtigkeit ist sie kein Standard, und wie bei allen Operationen ist auch hier ein solcher Eingriff mit Risiken wie einer Infektion verbunden. Auch eine erhöhte Blendungsempfindlichkeit kann die Folge sein. Hierüber klärt der Augenarzt nach einer gründlichen Untersuchung des Auges seinen Patienten auf.

Für eine Korrektur durch eine OP wird heutzutage häufig das LASIK-Verfahren (Laser-Assistierte In Situ Keratomileusis) angewandt. Das Laserlicht wird genutzt, um unmittelbar an der Hornhaut eine Veränderung zu bewirken. Voraussetzung für diese Behandlung ist, dass der Patient über längere Zeit konstante Dioptrien-Werte vorweisen kann und sein Auge über eine ausreichende Hornhautdicke verfügt. Seine Sehstärke sollte sich also in den vergangenen Monaten nicht wesentlich verändert haben.

Bei der Laser-Behandlung wird zuerst mit einem feinen Schnitt eine hauchdünne Lamelle der Hornhaut ("Flap") abgelöst und wie ein Decken umgeklappt. Anschließend wird die Hornhaut mit dem Laser abgetragen und die Hornhautlamelle wieder zurückgeklappt. Für die Behandlung wird heutzutage häufig ein hochpräziser Femtosekunden-Laser eingesetzt (Femto-LASIK). Der Eingriff ist praktisch schmerzfrei.

Bei sehr starker Weitsichtigkeit ist es auch möglich, eine implantierbare Kontaktlinse (intraokulare Kontaktlinse, ICL) hinter die Regenbogenhaut und vor die eigene Linse in das Auge einzusetzen Diese erhöht die Brechkraft der eigenen Linse.

Bei älteren Weitsichtigen und erhöhter Gefahr eines grünen Stars ist es auch möglich wie bei einer Operation des grauen Stars die Augenlinse zu entfernen und durch eine künstliche Linse zu ersetzen ("clear-lens-exchange"). Mit dieser OP sinkt das Risiko, plötzlich einen stark erhöhten Augendruck zu entwickeln.

Hier geht es zur Infostrecke: 10 Fakten zu Weitsichtigkeit - Ursachen, Symptome, Verbreitung