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Ein Viertel leidet unter Beschwerden: 3D-Vision kann Übelkeit verursachen

Ein Viertel leidet unter Beschwerden : 3D-Vision kann Übelkeit verursachen

3D ist ein Hype, der vielen Spaß macht, manchen aber gesundheitlich zu schaffen macht. Wer seinen alten Fernseher rausschmeißt und sich dafür ein schickes 3D-Gerät hinstellen möchte, der sollte lieber erst einmal genauer hinsehen und testen, ob er das Bild, das Wirklichkeit vorgaukelt, überhaupt verträgt.

Als Meisterwerk in D3 gefeiert und für seine hohe künstlerische Realisierung gelobt, löste der Film "Life of Pi" bei einer der jungen Kinobesucher nur eins aus: furchtbare Kopfschmerzen und eine üble Migräne am Wochenende. Schuld daran ist nicht die Geschichte eines Jungen, der nach einem Seeunglück versucht, mit einem Tiger im Boot mitten auf dem Ozean treibend sein Leben zu behalten, sondern die 3D-Technologie.

Avatar oder der Hobbit heißen große Kinoerfolge der vergangenen Jahre und schon jetzt freuen sich Familien Anfang diesen Jahres auf ein gemeinsames Kinovergnügen in "Ritter Rost" oder "Findet Nemo", in denen die Charaktere auf besondere Art zum Leben erweckt werden. Was für den einen als magisches Kinoerlebnis im Kopf bleibt, kann dem nächsten heftig auf Augen und Magen schlagen. Denn 3D-Screens, egal ob im Kino, beim Handy, Nintendo oder Fernsehen sind für manchen echt übel.

Was 3D auslösen kann

Schwindel, Kopfschmerz, Magenbeschwerden, Übelkeit, Augenschmerzen oder Doppelbilder treten im besseren Fall auf. Migräne und Wahrnehmungsstörungen sind schon etwas heftiger, ein epileptischer Anfall der "Worst Case". Alle diese Symptome haben gemeinsam, dass sie durch 3D-Geräte ausgelöst werden können. Ähnlich sind diese Beschwerden denen der Reise- oder Seekrankheit, haben amerikanische Wissenschaftler in Oregon durch eine Erhebung herausgefunden. Rund 25 Prozent der Menschen, die sie befragten, klagten nach einem Fernsehstreifen-Streifen in 3D über Orientierungsprobleme, unscharfes Sehen und andere oben beschriebene Probleme. In den meisten Fällen waren die am nächsten Tag verschwunden.

Es sind vor allem jüngere Menschen, die dieser Erhebung nach 3D-Darstellungen nicht vertragen. Die Hersteller von 3D-Geräten warnen darum in der Regel vor Risiken wie Schwindel, Orientierungslosigkeit und Gleichgewichtsproblemen. Vor allem nach Alkoholkonsum oder bei Menschen, die sich in schlechter körperlicher Verfassung befinden, sei die Nutzung von 3D-Geräten nicht zu empfehlen. Nintendo rät davon ab, die 3D-Fassung des Geräts in die Hände von unter Sechsjährigen zu geben. Kritiker warnen sogar davor, dass es bei Kindern zu dauerhaften Schädigungen bei Wahrnehmen der dritten Dimension kommen kann.

In Taiwan berichteten die Medien nach dem Kinostart von Avatar sogar von einem Todesfall. Ein 42-Jähriger soll nach dem Kinobesuch an Hirnblutungen gestorben sein. Der Mann litt unter Bluthochdruck. Angeblich soll der Todesfall nicht unmittelbar durch das 3D-Gucken ausgelöst worden sein, sondern eher durch die starke Aufregung, in die der Mann durch das realitätsnahe Kinoerlebnisses geraten sei.

Lieber weit weg vom Bildschirm

"Das Betrachten von 3D-Filmen auf dem Fernseher ist eine große Herausforderung für unsere Augen", sagt Dr. Wolfgang Wesemann, Direktor der Höheren Fachschule für Augenoptik in Köln. "Beim Filmschauen auf dem heimischen TV-Gerät sind die Symptome stärker ausgeprägt als im Kino." Mitunter lassen sich Sehprobleme verringern, indem man sich den Film aus einem anderen Betrachtungswinkel ansieht, die Helligkeit des Bildschirms verändert oder flimmernde Leuchtstofflampen im Raum ausschaltet. "Wer zu nah vor dem Bildschirm sitzt, erlebt den Film zwar viel intensiver, kann aber auch viel stärkere Sehprobleme und Symptome bekommen", so Wesemann.

Das muss das Auge leisten

Beim 3D-Handy sind die Probleme ähnlich gelagert. Vor allem längere Betrachtungen auf dem Display können die Beschwerden auslösen. Sie überfordern die Augen durch die ständige Anpassungsbewegung, die sie leisten müssen. Gerade beim Handy besteht nur eine geringe Distanz zum Betrachtungsobjekt. Das Auge fokussiert den Touchscreen des Handys. Durch die Blicksprünge, die das Auge macht, spannen sich die Augenmuskeln an. Durch den Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht verschlechtert sich die Durchblutung des Auges.

Während sich die Augen auf eine schnelle Bewegung einstellen, bemerkt das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, dass man aber ruhig im Kinosessel sitzt. Das passt für den Organismus nicht zusammen, Schwindel entsteht. Außerdem dreht sich das Auge weiter zur Nase hin, wenn ein Gegenstand näher an uns herankommt. Auch beim 3D-Gucken ist das so. Das Auge will den Fokus auf das, was näher herankommt verändern. Da aber der Bildschirm nicht wirklich näher kommt, muss das Auge ständig zwischen nah und fern wechseln. Da aber vor allem bei jungen Menschen dieser Wechsel nicht immer reibungslos funktioniert, strengen sie sich besonders stark an. In der Folge leiden diese Menschen eher unter Kopfschmerzen.

Psychologen suchen nach der Lösung

Psychologen in den USA arbeiten daran, Tricks zu finden, um die 3D-Krankheit auszuschalten. Sie stellen den Effekt, der in Diskrepanz zwischen stillem Sitzen und schneller Bewegung entsteht im Labor durch einen sich schnell um einen sitzenden Probanden bewegenden Zylinder mit 3D-Aufnahmen nach. Die Forscher fanden dabei heraus, dass den Menschen schneller schlecht wird, je farbiger und komplexer ein Bild ist.

Mehr Probleme treten bei 2D-Filmversionen auf, die erst im Nachhinein per Computer als dritte Dimension die Tiefe hinzugefügt bekommen haben. Man kann in gewisser Weise jedoch den Köper an das Sehen in 3D gewöhnen, wenn man zwischendurch immer mal wieder die Augen schließt und sich auf unbewegliche Bildausschnitte konzentriert. Hat man mit dem 3D-Effekten Probleme, empfiehlt es sich auf jeden Fall, es mit solchen Filmen eher im Kino zu versuchen. Dort ist der Abstand zur Leinwand größer. Das hilft dem Auge.

Hier geht es zur Infostrecke: Nicht jeder kann 3D sehen

(wat)