Atemtest - diese Krankheiten deckt er auf

Pusten beim Arzt : Was sich mit einem Atemtest herausfinden lässt

Ausatmen bitte! – Atemtests sind ein gängiges Hilfsmittel, um Alkoholsündern im Straßenverkehr auf die Spur zu kommen. Doch sie können auch bei der Diagnose von Krankheiten helfen. Wann macht ein Atemtest Sinn?

Wenn gesundheitlich etwas nicht stimmt, ist es nicht ungewöhnlich über Blut-, Urin- oder Stuhltests nähere Informationen über den Gesundheitszustand zu gewinnen. Doch auch der Atem verrät einiges und hat in der medizinischen Diagnostik und sportmedizinischen Analyse bereits einen festen Platz.

Das alles können Ärzte über die Puste herausfinden:

  • Nahrungsmittelintoleranz

Blähungen, Durchfall oder Übelkeit gehören zu den typischen Symptomen vieler Magen-Darm-Erkrankungen oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Welche Ursache hinter den Beschwerden steckt, können Gastroenterologen mit einfachen Atemtests ermitteln. Diese funktionieren auf Basis von Messungen der Wasserstoffkonzentration im Atem, sagt Heiner Wedemeyer, Direktor der Klinik für Gastroenterologie am Uniklinikum Essen.

Der Grund: Durch die Spaltung von Kohlehydraten entsteht Wasserstoff, der sich beim Ausatmen messen lässt. Auf diese Weise lassen sich neben der sehr häufigen Laktoseintolleranz auch eine Fruktoseunverträglichkeit oder weitaus seltenerer Fruktose-, Saccherose-, Glukose-, Xylose- oder Laktulose-Unverträglichkeiten aufspüren.

Im Vorfeld dieser Tests sollte der Patient laut Wedemeyer 24 Stunden nichts schwer Verdauliches mehr essen, 14 Stunden auf Nahrung verzichten und nur noch Leitungswasser trinken. Zudem rät der Experte dazu, körperliche Anstrengung zu vermeiden und eine gute Mundhygiene zu betreiben. Der Grund: Auch Bakterien in der Mundhöhle können eine Wasserstoffproduktion bedingen. Da manche Therapien – wie beispielsweise eine Behandlung mit Antibiotika oder Darmspiegelungen - die Bakterienzusammensetzung im Darm verändern, sollten solche Behandlungen rund vier Wochen vor einem Atemtest nicht mehr stattgefunden haben.

  • Magenkeim

Heliobacter pylori heißt der Magenkeim, der für die meisten Magengeschwüre verantwortlich ist. Er verursacht Symptome wie Schmerzen oder Druck im Oberbauch, ständiges Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen. Eine unerkannte Infektion kann zu Magenschleimhautentzündungen, Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren oder Magenkrebs führen.

Die sicherste Diagnose einer Infektion mit dem von der Weltgesundheitsorganisation WHO als krebserregend eingestuften Keim liefert eine Magenspiegelung. Bei ihr wird eine Gewebeprobe entnommen, um dann den Krankheitsverlauf zu beurteilen, sagt Wedemeyer. Alternativ dazu – vor allem aber zur Erfolgskontrolle nach der medikamentösen Behandlung - kann der sogenannte 13C-Atemtest Aufschluss geben.

Das Prinzip dahinter: Das Bakterium Heliobacter Pylori kann Harnstoff spalten. Dieser lässt sich beim Austmen messen. Dazu muss der Patent nach einer ersten Atemprobe ein Testgetränk zu sich nehmen das mit Harnstoff versehen ist. Wird der Harnstoff durch das Bakterium gespalten, wird dieser kurz darauf mit dem Kohlendioxid ausgeatmet. Der Arzt kann die Konzentration in der Puste messen.

  • Entzündungsstärke bei Asthma

Ein Atemtest auf Stickoxid kann dabei helfen, Asthma-Patienten medikamentös besser einzustellen und ihre Cortison-Therapie womöglich zu reduzieren. Asthma ist eine entzündliche Erkrankung, bei der die am Entzündungsprozess beteiligten Zellen verstärkt Stickoxid freisetzen. Die Menge des Stickoxids in der Ausatemluft ist dabei laut dem Bundesverband der Pneumologen ein direktes Maß für die Stärke der Entzündung. Ansteigende Stickoxid-Werte sind insofern ein Signal dafür, dass sich aufgrund zunehmender Entzündungsreaktionen in den nächsten Wochen oder Monaten eine gesundheitliche Verschlechterung anbahnen dürfte. Dieser lässt sich dann vorsorglich mit therapeutischen Methoden gegensteuern.

  • Sportliche Leistungsfähigkeit

Mit der sogenannten Spiroergometrie können Sportmediziner über die Atemluft die Leistungsfähigkeit eines Sportlers ermitteln. Dabei geht es vor allem um das Erfassen der maximalen Sauerstoffaufnahme bei maximaler Belastung. Diese gilt als ein Kriterium der Ausdauerleistungsfähigkeit. Das lässt nicht nur Vorhersagen zum Abschneiden bei Ausdauersportarten zu, sondern hilft Sportlern, sich realistische Ziele zu setzen und darauf hin zu trainieren.

An der Technischen Universität Zürich sind Verfahren im experimentellen Test, die in Echtzeit in der Atemluft von Sportlern zeigen, wann der Körper unter Belastung mit dem Fettabbau beginnt. Bereits jetzt ist es Sportexperten möglich zu berechnen, auf welchem Weg Fette und Kohlenhydrate für eine bestimmte Muskeltätigkeit bereitgestellt werden.