Arbeitszeit - ab wann es kritisch wird

Arbeitszeit : Ab wann schaden Überstunden der Gesundheit?

Überstunden hier, zusätzliche Urlaubsvertretung da - viele arbeiten mehr als sie eigentlich müssten. Wir erklären, nach wie viel Stunden Sie besser den Griffel fallen lassen sollten.

Kollege krank, Urlaubszeit, notorisch unterbesetzt – fast jeder hat das schon erlebt. Damit die Arbeit sich nicht türmt, bleibt man dann eben länger. Die paar Überstunden gehen schon, denken viele. Rund 443 Millionen Überstunden leisteten Arbeitnehmer allein in den ersten vier Monaten des Jahres 2018 in Deutschland, das zeigt eine Übersicht des Bundesinstituts für Arbeitsmarktforschung (IAB). Stillschweigend nehmen sie damit oft gesundheitliche Einbußen in Kauf. Gesundheitsforscher der Universität Texas machten in einer Längsschnittstudie einen Grenzwert von 52 Stunden Wochenarbeitszeit aus - danach wird Arbeit gesundheitsschädlich.

Für die Studie werteten die Forscher Daten von über 18.000 Menschen aus und ermittelten auch, wie sich der Gesundheitszustand jenseits dieses Grenzwertes verschlechtert. Im Vergleich zu Menschen mit einer Wochenarbeitslast von 35 bis 51 Stunden war das Risiko für einen schlechten Gesundheitszustand um 28 Prozent erhöht. Die Wahrscheinlichkeit für eine Herzerkrankung stieg um 42 Prozent, das Krebsrisiko sogar um 62 Prozent.

In der Vergangenheit konnten Studien einen Zusammenhang zwischen Schlafstörungen oder psychische Beeinträchtigungen und der Arbeitsdauer nachweisen. Auch Nacken-, Rückenprobleme, Kreuzbeschwerden, Erschöpfung und Nervosität oder Magen-Darm-Probleme können ihre Ursachen in zu langer Arbeitszeit haben. Eine Metastudie an 60.000 Erwerbstätigen zeigte ein um bis zu ein Drittel erhöhtes Schlaganfallrisiko bei zu langen Arbeitszeiten.

Schon zwei Überstunden pro Woche wirken sich gesundheitlich aus, sagt Frank Brenscheidt, Arbeitszeitexperte der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Bei den Deutschen scheint die Dauer der Arbeitszeit Herzbeschwerden stärker zu beeinflussen als im europäischen Vergleich. Dies zeigen verschiedene Umfragen, die die BAuA-Publikation „Lange Arbeitszeiten und Gesundheit“ zitiert. Nicht ohne Grund lege also das Arbeitszeitgesetz eine werktägliche Arbeitszeit von acht Stunden fest, sagt Brenscheidt. (Wenn Sie wissen möchten, welche Krankheiten durch Arbeit entstehen können, lesen Sie hier weiter.)

Die Realität allerdings sieht anders aus: Mehr als elf Prozent der Vollzeitbeschäftigten arbeiteten laut Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2016 mehr als 48 Stunden in der Woche. Oftmals werden mit Arbeitszeiten jenseits der 50 Stunden auch Lohnlücken kompensiert, sagt Arbeitszeitexperte Brenscheidt. Aus gesundheitlicher Sicht jedoch rät er dazu bei unvermeidbarer Mehrarbeit statt eines finanziellen Ausgleichs den zeitnahen Zeitausgleich zu nehmen und so die Mehrbelastung zu kompensieren.

Im anderen Fall leide nicht nur die Gesundheit, sondern es steige auch das Unfallrisiko. Wer zwölf Stunden arbeite habe im Vergleich zu einem acht Stunden Arbeitenden bereits eine doppelt so hohe Unfallgefahr. Weitere Einbußen zeigen sich in der Arbeitsleistung. Wer viel arbeitet hat zudem weniger Zeit für familiäre und soziale Kontakte. Auch das sehen Arbeitsmediziner als ernstes Problem.

Darum rät der Arbeitszeitexperte bereits vor der 52-Stunden-Marke einen Schnitt zu machen. „Mehr als 48 Stunden im Schnitt sollten es auf keinen Fall sein.“ Um langfristig gesund zu bleiben sei es besser, weniger zu arbeiten.