Pollenflug in NRW 2019: Birke und Esche fliegen schon

„Gesundheit!“ : Heuschnupfensaison startet besonders früh - wie Sie trotzdem durchhalten

Sonne, blauer Himmel und mildere Temperaturen - der Frühling kommt nach Deutschland zurück. Für Allergiker bedeutet das jedoch: Die Heuschnupfenzeit beginnt. Dieses Jahr auch noch früher als üblich. Was Sie wissen müssen.

Hasel, Erle und Birke heißen die Gewächse, die Allergikern dieses Jahr ungewöhnlich früh das Leben schwer machen. „Zwar blühen Hasel und Erle vereinzelt schon im Dezember, normalerweise hört das aber schnell wieder auf, weil es nochmal zu Kälteeinbrüchen kommt“, sagt Christina Endler vom Medizin-Meteorologischen Forschungsinstitut des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Weil der Februar mit durchschnittlich vier Grad plus relativ mild war, produzierten die Pflanzen jedoch auch vorzeitig Blüten. „In NRW blühte die Hasel eine Woche vor dem üblichen Mittel am 1. Februar. Die Erle lag sogar rund zehn Tage vor ihrer Zeit“, sagt Endler. Das über zehn Jahre gemittelte Datum für den Blühbeginn der Erle ist demnach der 21. Februar. Damit nicht genug, auch die Birke blüht dieses Jahr früher los als sonst. „Sie ist zwar noch am Anfang der Saison, aber wir haben schon mäßig starken Pollenflug durch die Birke“, sagt die Meteorologin.

Anstrengend ist das vor allem deshalb, weil viele Allergiker am Anfang der Saison stärker auf Pollen reagieren würden, als später. „Und das, obwohl die Konzentration der Pollen in der Luft dann noch nicht so hoch ist wie später. Das hängt mit der ererbten Krankheitsanfälligkeit eines Allergikers zusammen, auch Prädisposition genannt.“

Foto: QUELLE: DEUTSCHER POLLENINFORMATIONSDIENST | GRAFIK: FERL

Während die Pollensaison von Hasel und Erle fast vorbei ist, steht sie bei anderen noch bevor. Die Hautallergenarten sind neben Hasel, Erle und Birke auch Gräser, Roggen, Beifuß, Ambrosia und Esche. Erste Eschepollen sind auch im Rheinland bereits unterwegs. Noch ist die Konzentration laut DWD aber gering. „Allergiker müssen sich aber darauf einstellen, dass sie zum Wochenende hin mehr Symptome durchmachen, denn dann sollen die Temperaturen milder werden“, sagt Endler. Wann welches Gewächs in den kommenden Wochen besonders stark blühen wird, lässt sich jedoch noch nicht vorhersagen. „Der Pollenflug hängt sehr stark mit dem Wetter zusammen, entsprechend kurzfristig lassen sich Vorhersagen dazu machen.“

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Allerdings beobachten Forscher seit Jahren, dass sich der Pollenflug um mehrere Tage nach vorn verlagert und im Herbst etwas länger andauert. Bei mildem Klima kann es also sein, dass im November die letzten Gräser- oder Kräuterpollen fliegen und im Dezember schon die ersten Haselpollen unterwegs sind. Für Allergiker verlängert sich damit die Saison.

Wie viele Menschen haben eine Pollenallergie?

Zwischen 15 und 20 Prozent der Deutschen und damit mindestens zwölf Millionen Menschen leiden an Heuschnupfen. Ausgelöst wird der allergische Schnupfen durch den Blütenstaub von Bäumen, Sträuchern, Gräsern, Getreide und Kräutern.

Woran erkennt man eine allergische Reaktion?

Erreicht der Blütenstaub die Augen- und Nasenschleimhäute, bildet der Körper gegen die vermeintlichen Feinde Antikörper und schüttet unter anderem den Botenstoff Histamin aus. Die Folgen sind tränende und juckende Augen, Fließschnupfen, Niesattacken und Atemnot. Die Allergie kann auch zu Magen-Darm-Störungen, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen führen. In schweren Fällen droht ein lebensbedrohlicher allergischer Schock. Ohne ausreichende Therapie erkranken zudem bis zu 40 Prozent der Heuschnupfenpatienten an Asthma.

Wie können sich Allergiker schützen?

Experten empfehlen, die Kleidung beim Betreten der Wohnung zu wechseln. Auch ist es ratsam, vor dem Schlafengehen die Haare mit Wasser auszuspülen. Nasenduschen spülen Pollen ebenfalls aus. Sport im Freien sollte bei starkem Pollenflug vermieden werden.

Auf dem Land ist die Pollenbelastung in den frühen Morgenstunden am stärksten, in der Stadt hingegen wird das Maximum erst abends erreicht. Empfohlen wird daher, das Schlafzimmer nachts zu lüften und die Fenster am frühen Morgen zu schließen und auch tagsüber geschlossen zu halten. Hilfreich sind auch Pollenschutzgitter am Fenster und ein Lüftungsfilter im Auto.

Bei ihrer Urlaubsplanung sollten sich Allergiker am Pollenkalender orientieren. Eine Ferienreise ist dann am günstigsten, wenn zu Hause der jeweils allergieauslösende Pollen Hochsaison hat. Vor allem in den Hochgebirgen und am Meer, wo es reichlich pollenarme Luft gibt, können Allergiker durchatmen.

Welche Medikamente helfen?

Antiallergisch wirkende Antihistaminika werden bei akuten Symptomen eingesetzt, moderne Mittel machen auch nicht mehr so müde. Es gibt sie als Nasenspray oder Augentropfen sowie als Tabletten und Tropfen in der Apotheke. In stärkeren Fällen kann der Arzt kortisonhaltige Mittel verordnen. Auch Akupunktur kann Heuschnupfensymptome vorübergehend lindern.

Eine vorbeugende Behandlung ist mit Dinatrium cromoglycicum möglich, das die Freisetzung von Histamin verhindert. Dieses Mittel sollte angewendet werden, bevor sich die ersten Allergiesymptome zeigen. Wer auf Medikamente verzichten will, kann es mit Nasenfiltern probieren. Sie werden in die Nase eingesetzt und sollen so das Eindringen der Pollen in die Nase verhindern. Wir haben die Nasenfilter gestestet, das Ergebnis lesen Sie hier.

Die sogenannte Hyposensibilisierung gilt bisher als einzige Möglichkeit, um die Ursache einer Allergie zu behandeln. Dabei wird das betreffende Allergen in steigender Dosis verabreicht, um den Körper daran zu gewöhnen. Bis zu 70 Prozent der Patienten sind danach oft dauerhaft oder für eine längere Zeit beschwerdefrei.

Hier geht es zur Infostrecke: Tipps für Pollenallergiker

(mit Material der dpa)
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