Pollenflug: Auf diese Gräser sollten Allergiker jetzt achten

Schwere Zeiten für Allergiker : Der Pollenflug geht los - das müssen Allergiker jetzt wissen

Die Tage werden wieder länger und die meisten Menschen freuen sich über milde Temperaturen und freundliches Wetter. Allergiker sehen das komplett anders.

Denn schon jetzt beginnt der Pollenflug und damit die Leidenszeit von Menschen, deren Atemwege und Schleimhäute durch die umherfliegenden Pollen malträtiert werden.

Starker Heuschnupfen macht jeden Frühling zur Belastung. Doch halt! Der Pollenflug ist mittlerweile saisonal kaum noch einzuordnen. Durch die wärmeren Winter kann es sein, dass einige Pollen bis in den November hinein fliegen, andere bereits im Januar wieder zum Start ansetzen. Von Insekten oder einem günstigen Wind befördert, fliegen sie manchmal mehrere hundert Kilometer weit. Und das in großen Mengen.

Wann beginnt der Pollenflug in Deutschland?

Prof. Dr. Jörg Kleine-Tebbe von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinischen Immunologie erklärt: „Die wesentlichste Voraussetzung für den Pollenflug ist das Wetter. Es ist kein Wunder, dass die Haselsträucher bei solch mildem Klima, wie wir es aktuell erleben, früh ihre Pollen abgeben. In den Pollen dieser Haselsträucher ist ein Allergen vorhanden, das auch in Birkenpollen vorkommt: ein Stresseiweiß namens 'Bet v 1'. Allergiker, die extrem stark darauf reagieren, kommen oft schon mit Symptomen in die Arztpraxis, bevor der Pollenflug messbar ist."

Eine einzige Roggenähre ist in der Lage, mehr als vier Millionen Pollenkörner zu verschicken. Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst verwendet "Pollenfallen", um an etwa 40 Messstationen in Deutschland das Aufkommen der Allergenträger zu überwachen. Hier werden Pollenkonzentrationen gemessen und ausgewertet. Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht auf dieser Basis täglich den Pollenflug-Gefahrenindex. Durch die Vorhersagen soll der Allergiker nicht nur vorgewarnt werden, sondern auch in der Lage sein, seine Medikation entsprechend einzustellen. Denn letztlich spielt die Menge der Pollen eine große Rolle für den Allergiker und die Behandlung des Heuschnupfens.

Und auch der Grad der Umweltverschmutzung hat offenbar damit zu tun. In Großstädten sind besonders viele Menschen von Allergien betroffen. Die Schmutzpartikel der in die Luft abgegebenen Abgase heften sich an die Pollen und belasten mit großer Wahrscheinlichkeit die Personen, die damit in Kontakt kommen, um ein Vielfaches. Sonja Lämmel, Pressesprecherin des Deutschen Allergie und Asthmabundes e.V., erklärt: "Es ist Fakt, dass sich Luftschadstoffe an die Pollen setzen und das Immunsystem mehr herausfordern, als das normalerweise der Fall wäre." Und Prof. Dr. Jörg Kleine-Tebbe ergänzt: "Starke Schadstoffbelastung, beispielsweise in der Nähe von innerstädtischen Hauptverkehrsstraßen oder Autobahnen, führt dazu, dass in den Pollen noch mehr Stresseiweiß produziert wird, was letztlich auch der Allergiker spüren kann."

Wo ist kein Pollenflug?

Wer allergisch auf Pollen reagiert und zwischen sich und Hasel, Erle, Birke und Co. lieber so viele Kilometer wie möglich bringt, der kann mit einem kurzen Urlaub eine Auszeit von Heuschnupfen, juckenden Augen und Pollenbelastung erreichen. Auf den Kanaren, dem Balkan oder Kreta kommt beispielsweise so gut wie keine Belastung durch Birkenpollen vor. Auch die Alpen oder Pyrenäen könnten zum Zufluchtsort für Allergiker werden, da der Pollenflug dort um etwa drei Monate verzögert stattfindet und die Belastung sehr viel niedriger ist.

Die Luft in vielen Städten Europas ist ebenfalls weniger vom Pollenflug betroffen als hierzulande. Madrid, Athen oder Mailand haben zu dieser Jahreszeit alle ihre Reize. Und natürlich ist die gute Meeresluft, zum Beispiel auf einer ostfriesischen Insel, Balsam für die geplagten Atemwege.

Wie kann man sich vor Pollenflug schützen?

  • Vorsorge

Ein ordentlich durchgeführter Hauttest ermittelt, welche Pollen besonders viele Beschwerden verursachen. Der Pollenflugkalender zeigt an, in welchen Monaten man mit Symptomen rechnen muss. Ob man dann für die Behandlung zu Antihistaminika greift, zu Nasentropfen oder Kortison, sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden und hängt wohl auch vom Grad der Pollenallergie ab.

Auch Gitter vor den Fenstern können ein probates Mittel gegen Pollen sein. "In einem Glaskasten muss man auch nicht leben. Natürlich sollte man nicht gerade während der Pollenflugzeit joggen gehen, und die Radtour durch die Felder, in denen die Belastung durch starken Pollenflug besonders hoch ist, kann man auch durch Regionen planen, in denen mit weniger Pollenflug zu rechnen ist", sagt Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie und Asthmabund e.V..

  • Filter

Pollenfilter helfen im Auto oder im Staubsauger, aber auch in der Wohnung, zum Beispiel als Bestandteil von Luftreinigern, gegen die Belastung. Allerdings sollte man den Filterwechsel lieber nicht allergischen Zeitgenossen überlassen.

  • Wäsche

In den betroffenen Pollenflug-Monaten sollte man die Wäsche auf keinen Fall draußen trocknen lassen, da sich die Pollen ansonsten in der Kleidung festsetzen könnten. Gleiches gilt auch für das Wechseln der Kleidung im Haus. Dies sollte auf keinen Fall im Schlafzimmer durchgeführt werden, da immer wieder Pollen von der getragenen Kleidung an die Bettwäsche gelangen und nachts für große Beschwerden sorgen können.

Wann sollte man bei Pollenflug lüften?

Auf dem Land öffnet man am besten die Fenster abends, da die Pollen-Konzentration dann niedriger ist. In der Stadt ist es genau umgekehrt. Hier fliegen abends die meisten ungeliebten Pflanzenbestäuber in großer Zahl durch die Luft.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Allergien.

Zudem sollte man das kurze Stoßlüften dem dauerhaften Kippfenster-Lüften vorziehen. An der Technischen Universität München hat man nachgewiesen, dass die Stoßlüften-Variante etwa zwei Drittel weniger Pollen pro Kubikmeter Luft ins Haus lässt als wenn man das Fenster dauerhaft auf „Kipp“ stellt.

Warum gibt es im Winter Pollenflug?

Auch hieran ist wieder das Wetter schuld. Aufgrund des milden Winters kommt es, abhängig von der jeweiligen Region, bei vielen Betroffenen bereits jetzt zu allergischen Reaktionen, denn der erste Hasel blüht bereits im Januar. Die ersten Pollen der Pflanze sind ebenfalls schon im Winter unterwegs, auch wenn es noch nicht zu starkem Pollenflug kommt. Genau wie die der Erle. Beide gehören zu den sogenannten Frühblütern, die bei entsprechenden Temperaturen schon ab Dezember blühen können. Daher leiden viele Allergiker bereits im Dezember und Januar an der Belastung durch die Mikro-Flugkörper. Umgehend stellen sich Heuschnupfen-Symptome wie Augenjucken oder Niesen ein. Das sollten Menschen mit einer Allergie bedenken und eher das Biowetter kontrollieren, anstatt sich auf die Jahreszeiten zu verlassen.

Welche Pollenflug-Apps gibt es?

Das Angebot für Pollenflug-Apps ist umfangreich und mitunter schwer zu durchblicken. Hier sind ein paar der bekanntesten Apps auf einen Blick:

  • Pollenflug-Vorhersage (Hexal AG): Die App zeigt an, welche Pollen gerade unterwegs sind. Über Region/Ort und Datum wird ebenso informiert wie über die Art der Pflanzen, deren Pollen fliegen. Auch eine siebentägige Vorschau ist verfügbar. Ein Pollen-Tagebuch hilft dem Anwender dabei, das eigene Befinden zu dokumentieren.
  • Pollenradar (Ratiopharm): Die App ist sehr übersichtlich gegliedert. Der User kann auf den ersten Blick Wetter, Windstärke und Regenwahrscheinlichkeit überblicken. Zudem werden die Pollen nach Konzentration angezeigt. Zudem gibt es nützliche Allergie-Tipps.
  • Husteblume (Techniker Krankenkasse): Die Vorhersage für die störendsten Pollen ist sofort ersichtlich. Zudem kann man eigene Symptome eingeben, einen Selbsttest durchführen oder Näheres über die Pflanzen erfahren, die für die Belastung verantwortlich sind. Egal, ob es sich um Erle, Hasel, Roggen, Beifuß, Ambrosia oder Gras handelt – hier erfährt man Nützliches und Wissenswertes.
  • Pollenflug-Gefahrenindex (Deutscher Wetterdienst): Etwas spartanisch aufgebaut. Die Basisinformationen sind da: Welche Pollen fliegen wann wo in welcher Konzentration? Viel mehr gibt es nicht.
  • Pollen-Warner (Deutscher Verlag für Gesundheit & Ernährung): Anders als beim Pollenradar finden sich die höchsten Pollenkonzentrationen weiter unten in der Hierarchie. Sehr schön ist die Vorhersage des Tagesverlaufs, die man gut für das Lüftverhalten nutzen kann. Auch die Langzeit-Pollenflugvorhersage hilft dabei, die Belastung besser einzuschätzen.
  • Pollen (screencode): Auch hier geben Ort- und Zeitangabe vor, mit welcher Pollenflug-Belastung Allergiker rechnen müssen. Zu Beginn etwas unübersichtlich. Die Informationen über Pflanzen sowie die Pollenkonzentrationkarte von ganz Europa sind allerdings gelungen.
  • SaniQ Asthma-Pollenflug &Asthma (Qurasoft): Mit digitalem Tagebuch, das den Peak Flow festhält, Speichermöglichkeit für Therapie-Dokumente und einer simplen, aber übersichtlichen Pollenflug-Vorhersage ist diese App besonders für Asthmatiker geeignet.

Viele weitere Apps ähneln sich in ihren Features. Hier sollte jeder die für sich passende Pollenvorhersage-App finden.

Welche Gräser blühen wann?

Heuschnupfen-Symptome wie juckende Augen oder ständiges Niesen treten zu bestimmten Zeiten besonders gehäuft auf. Sobald die erste Hasel ihre ersten Pollen abgibt, leiden Betroffene unter allergischen Reaktionen. Es gibt diverse Kalender zum Thema "Pollenflug Deutschland". Zu folgenden Zeiten ist die Pollenbelastung für bestimmte Gewächse besonders hoch:

  • Erle: Dezember bis April
  • Hasel: Dezember bis April
  • Esche: Februar bis Juni
  • Pappel: Februar bis Juni
  • Weide: Februar bis Juni
  • Ulme: Februar bis Juni
  • Birke: März bis Juni
  • Buche: März bis Juni
  • Eiche: April bis Juni
  • Ampfer: April bis August
  • Roggen: April bis Juli
  • Gräser: April bis Oktober
  • Wegerich: April bis Oktober
  • Beifuß: Juni bis Oktober
  • Ambrosia: Juli bis Oktober

Die Birke setzt alle zwei Jahre, in den so genannten „Mastjahren“, besonders viele Pollen frei. In dieser Zeit blühen 70% der Bäume. Die Häufigkeit dieses Phänomens wird vor allem durch das Wetter beeinflusst.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Achtung Pollenflug: Diese Gräser blühen jetzt