Sprechstunde: Liebe auf Distanz

Sprechstunde: Liebe auf Distanz

Fernbeziehungen auf Zeit können für beide Seiten schwierig werden. Sie bergen allerdings auch Chancen. Offenheit hilft.

Unsere Leserin Nina (29) aus Meerbusch fragt: "Ich bin mit meinem Freund Daniel (32) seit einem halben Jahr zusammen. Wir möchten ein richtiges Paar werden. Enttäuschungen in früheren Partnerschaften haben uns beide allerdings sehr vorsichtig werden lassen. Nun aber ist das Angebot meines Chef, dass ich für zwei Jahre auf eine höhere Position nach Paris gehen kann, wie eine Bombe hereingeplatzt. Ein halbes Jahr vorher wäre ich begeistert gewesen. Nun aber bin ich in argen Nöten. Schließlich will ich auf alle Fälle eine Familie gründen und Kinder bekommen, und das könnte ich mir mit Daniel sehr gut vorstellen. Jetzt aber ist alles anders. Wir stehen uns wieder fremder gegenüber. Jede Entscheidung, die ich treffen werde, ist mit großen Unsicherheiten verbunden. Was soll ich tun?"

Claudia Sies In solchen Fällen kann ein Coaching für "Liebe und Arbeit" helfen, um sich an dieser Kreuzung des Lebens nicht zu verirren und das Passende herauszufinden.

Die Weltstadt Paris abzusagen und in Düsseldorf zu bleiben, bedeutet ja in dieser sensiblen Phase noch lange nicht, dass es mit Nina und Daniel dauerhaft klappt. Vielleicht würde Daniel sogar vor der Verantwortung zurückschrecken, sich verbindlich auf sie einzulassen, wenn sie Paris seinetwegen absagen würde.

Wenn Nina sich aber für Paris entscheidet, muss dies keineswegs das Ende ihrer Liebe sein. Natürlich wird dieses Leben zwischen Düsseldorf und Paris nicht gerade leicht werden. Es könnte ja auch sein, dass einer von beiden einen neuen Partner findet. Andererseits wird jedes Treffen alle zwei bis drei Wochen wie ein neues Verlieben sein.

Ihre Beziehung kann jedes Mal wieder aufregend frisch sein und sich in der begrenzten Zeit, in der sie miteinander glücklich sind, sogar steigern. Natürlich ist dann jeder Abschied hart. Und trotzdem kann sich ihre Beziehung im Laufe der Zeit immer mehr festigen. Und nach zwei Jahren Fernbeziehung muss der Kinderwunsch ja nicht erledigt sein.

In einer Fernbeziehung oder auch Trennung auf Zeit zugunsten einer lohnenden beruflichen Herausforderung liegen selbstverständlich Risiken, aber auch enorme Chancen. Denn Ninas Ausflug in die fremde Kultur und die Herausforderung einer spannenden neuen Arbeit sind für beide Liebenden eine große Bereicherung. Denn wenn Nina in Düsseldorf bliebe, wäre das nur eine Erfüllung des alten Rollenklischees, in dem dann auch beide stecken bleiben.

Außerdem weitet das Leben in einer Weltstadt den Horizont beträchtlich, was für das Arbeits- und spätere Familienleben äußerst belebend und befruchtend sein kann.

(RP)