Katie Hopkins ist Englands meistgehasste Frau

Harte Worte über Extra-Pfunde : Das ist Englands meistgehasste Frau

20 Kilogramm in drei Monaten nahm Kolumnistin Katie Hopkins zu und anschließend wieder ab. Nur um eine Aussage zu untermauern: "Dicke sollten aufhören Entschuldigungen zu finden, sich zusammenreißen und sich nicht mehr ständig Essen ins Gesicht stopfen." Jetzt gilt sie als Englands meistgehasste Frau.

"My Fat Story" heißt die TV-Dokumentation in der die Journalistin Katie Hopkins versucht zu beweisen, dass Fettleibigkeit nur zwei Ursachen hat: keine Bewegung und ständiges Essen.

Wie man 25 Kilo in zwölf Wochen zunimmt

Für ihre Beweisführung unterzog sie ihren eigenen Körper einer harten und durchaus gesundheitlich bedenklichen Prüfung, indem sie in nur drei Monaten 30 Prozent ihres Körpergewichtes zulegte. Eine Aufgabe, die für Menschen mit einem durchschnittlichen Essverhalten nicht leicht zu bewältigen ist. Anstatt sich zu bewegen oder etwas zu unternehmen, igelte sich Hopkins Zuhause ein und nahm pro Tag 6500 Kalorien in Form von Burgern, Chips, Schokolade, Shakes, Pasteten und Pizza zu sich. Zum Vergleich: Normal sind rund 2000 Kalorien pro Tag.

.@KTHopkins: 'I got so big for #MyFatStory I put hubby on 2 month sex ban' http://t.co/Vt6U33vPDp pic.twitter.com/iI6lJKZLbD

Schon der Weg zu den zusätzlichen Pfunden war für sie der Beweis: "Es ist nur ein winzig kleiner Prozentsatz der Bevölkerung, der wirklich eine medizinische Konstitution hat, die ihn anfälliger für Übergewicht sein lässt. Für den aller größten Anteil aber ist die Gleichung ganz einfach: wenn du zu viel isst, und dich gleichzeitig nicht genug bewegst, wirst du fett", sagte sie in einem TV-Interview.

Bei Hopkins jedenfalls ging diese Rechnung auf. In den zwölf Wochen ihres Experiments nahm sie 25 Kilo zu. Ihr Fazit deshalb: "Wir müssen aufhören uns hinter Entschuldigungen wie ich habe schwere Knochen, es liegt in der Familie oder es sind die Gene zu verstecken. Und ich glaube wirklich, dass sich die Menschen zusammenreißen und die Wahrheit anerkennen müssen, damit sie etwas gegen ihr Übergewicht tun können." Denn egal, was Übergewichtige vorbringen, für Hopkins ist spätestens seit ihren eigenen Tagen als Dicke klar:

Aussagen wie diese hat sie inzwischen nicht nur in ihrer TV-Dokumentation vorgebracht, sondern auch in verschiedenen Talk-Shows und Interviews. Mit Wirkung. Quasi über Nacht erhielt sie den Titel der meistgehassten Frau Englands. Auf Facebook wurde sogar extra eine Anti-Hopkins-Seite angelegt, mit immerhin fast 70.000 Followern.

Auch auf Twitter ruft ihre Dokumentation starke Reaktionen hervor. Die meisten sind negativ:

@KTHopkins Why do you always attack those with no voice? I think this sums up your values. #kthopkins pic.twitter.com/s8YVUvZWYP

Nur vereinzelt äußert sich auch mal ein begeisterter Zuschauer:

Just watched @KTHopkins My Fat Story, most inspiring programme i've watched to date #EatlessMovemore #weightlosstime #inspired #kthopkins

Die Diskussion in den sozialen Medien zeigt aber auch: Hopkins Sendung war ein Quoten-Erfolg für den Sender TLC. Kein Wunder. Ist das Thema Gewicht in England doch stark präsent. Jeder vierte gilt als fettleibig. Bis 2050 könnte die Zahl noch steigen und 60 Prozent der Männer sowie 50 Prozent der Frauen betreffen. Aus diesem Grund wurde bereits überlegt, zuckerhaltige Getränke stärker zu besteuern oder Werbung für Junk Food nur zu bestimmten Zeiten zu erlauben. In Deutschland brachte 2013 jeder zweite ein paar Kilos zu viel auf die Waage, ebenfalls jeder vierte galt als fettleibig.

"Es ist wirklich hart fett zu sein"

"Ich weiß jetzt wie hart es ist, fett zu sein", sagt sie in dem Fernseh-Interview für HLN. Sie sei niemand, der viel weint. Weder auf ihren zwei Hochzeiten noch bei den Geburten ihrer drei Kinder sei eine Träne geflossen, beschreibt die Journalistin. Doch so viel Gewicht zuzulegen, nicht mehr in die eigenen Kleider zu passen, Fett an Stellen zu haben an denen vorher keines war, diese Erfahrungen hätten sie zum weinen gebracht. "Niemand der fett ist, ist glücklich. Keiner will zusätzlich 25 oder 50 Kilo mit sich herumtragen, denn es schadet den Knien, dem Herzen und dem gesamten Körper", fasst sie in dem Gespräch zusammen.

Unverblühmt sagt sie deshalb: "Alles was dicke Menschen wollen ist eine Entschuldigung. Dabei haben sie die eine Sache, die etwa behinderte Menschen nicht haben. Sie haben die Wahl. Niemand zwingt sie dazu, Essen in sich hinein zu stopfen." Dieses Verhalten belaste nicht nur die Betroffenen, sondern koste das Gesundheitsystem jedes Jahr Millionen.

Also provoziert Hopkins bewusst. Ihr Glaube, "dass die Leute mich hassen zeigt mir nur, dass ich über etwas rede, mit dem sie sich in Verbindung setzen können." Ihre Devise: Nur mit eindeutigen Worten kann sich etwas ändern. Ihr Rezept: "Dicke brauchen einfach einen Tritt in den Hintern, um aufzuwachen."

Wie man 25 Kilo in zwölf Wochen abnimmt

Und diesen Tritt, verpasste sie sich im zweiten Teil ihres Experimentes auch selbst. Um zu zeigen, dass niemand dem Übergewicht ausgeliefert ist, nahm Hopkins die Extra-Pfunde in der gleichen Zeit ab, in der sie sie zugelegt hatte. 25 Kilos purzelten da über zwölf Wochen. Wie sie selbst sagte ohne privaten Koch, ohne Personal Trainer und ohne sich im Fitness-Studio anzumelden. Inzwischen hat sie sogar mehr Gewicht verloren als sie zugelegt hatte.

.@KTHopkins looks slimmer than ever after gaining and then losing FOUR stone for TV show http://t.co/DkS8ABSqaX pic.twitter.com/gaiBgGuGGX

Ihre gesamte Zeit des Zu- und Abnehmens hat Hopkins neben der TV-Doku in einem Online-Special selbst per Kamera festgehalten. Dort zu sehen ist, wie es ihr wirklich ging. Dass die radikale Gewichtszunahme in so kurzer Zeit, eben doch nicht ganz mit dem realen Leben zu vergleichen ist. Weil Menschen tatsächlich meist über längere Zeit schleichend aber kontinuierlich zunehmen. Aufgrund von Stress. Angst. Trauer oder Krankheit.

Dort zu hören ist, wie Hopkins unter Tränen schildert worum es ihr nach den durchlebten 90 Tagen wirklich mit dieser Kampagne geht: "Wenn ich jetzt darauf zurückblicke, wie es mir ging, als ich fett war, muss ich sagen, es ging mir so schlecht. Ich war so schrecklich traurig. Und das ist eigentlich auch meine Nachricht an die Menschen: ihr müsst euch nicht so furchtbar fühlen. Ihr könntet so viel glücklicher sein, indem ihr nur ein paar Pfund abnehmt."

Hier geht es zur Infostrecke: Diese Folgen hat Übergewicht

(ham )