Inkontinenz bei Männern

Sprechstunde : Inkontinenz bei Männern

Blasenschwäche ist eine Volkskrankheit, die auch Männer betrifft, etwa nach einer Prostata-OP. Inkontinenz lässt sich fast immer behandeln.

Uwe K. (72) aus Rees fragt: „Ich hatte Prostatakrebs und bin operiert worden. Jetzt leide ich unter Inkontinenz. Die will ich nicht hinnehmen. Was kann ich tun?“

Peter Albers Die Blasenschwäche ist eine Volkskrankheit und trotzdem ein Tabuthema. Bei Frauen ist nach einer Geburt ein unwillkürlicher Urinverlust häufig und kann meist gebessert oder behoben werden.

Männer kennen dieses Problem normalerweise nicht. Der Grund hierfür liegt in einem anatomisch besser ausgebildeten Schließmuskelsystem. Zur Inkontinenz der Männer kommt es aus drei verschiedenen Ursachen: Bei großer Prostata „läuft die Blase über“, bei „gestresster“ Blase kommt es zu häufigem Harndrang und Inkontinenz, und nach Operationen, etwa einer Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs, ist der Schließmuskel verletzt.

Bei Männern liegt die Schamgrenze noch höher, meist werden die Männer von ihren Frauen zum Arzt gebracht, weil durch die Inkontinenz keine Spaziergänge, Theaterbesuche oder andere Ereignisse „überstanden“ werden können, ohne zu fürchten, dass die Hose nass wird. Dabei können die Probleme fast immer komplett gelöst werden. Häufig sind Inkontinenztherapien inzwischen in Beckenbodenzentren eingebettet, die eben nicht nur Frauen behandeln. Wichtig ist erst einmal eine sehr gründliche urologische Diagnose. Bei einer vergrößerten Prostatadrüse wird man durch Medikamente oder Operationen beschwerdefrei (die Prostatadrüse wird verkleinert durch die Prostataarterien-Embolisation, die Laserbehandlung oder das elektrische „Ausschaben“. Bei neurogenen Problemen sind medikamentöse Therapien effektiv.

Mittlerweise ist aber die Inkontinenz nach Prostatakrebs-OP eine der häufigsten Formen. Unerklärlicherweise akzeptieren viele Männer diese Inkontinenz mit Windelhosen oder vielen Vorlagen pro Tag als Nebenwirkung der Krebstherapie. Dies ist weder sinnvoll noch notwendig. Bei Verletzung des Schließmuskelapparats kann die Inkontinenz durch eine kleine Operationen gebessert oder sogar komplett behandelt werden. Es können ähnlich wie bei Frauen kleine Schlingen um die Harnröhre gelegt werden, die Erfolgsaussichten liegen dabei im Bereich von etwa 50 Prozent.

Der Goldstandard ist die Implantation eines künstlichen Schließmuskelsystems, das eine Erfolgsrate von über 80 Prozent aufweist. Hierbei wird eine Manschette um die Harnröhre gelegt, die über eine Pumpe im Hodensack gesteuert wird. Das System ist nicht sichtbar, die Operation dauert nur etwa eine Stunde, und die Komplikationsrate (meist Infektionen) ist sehr gering. Die meisten Systeme halten mehr als zwölf Jahre.

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