In Einzelfällen: Trisomie-Tests werden von Krankenkassen übernommen

Kein „unvertretbares Screening“ : Krankenkassen übernehmen Kosten für Trisomie-Tests vor Geburt unter engen Bedingungen

Schwangere Frauen sollen Bluttests vor der Geburt auf ein Down-Syndrom des Kindes künftig unter engen Voraussetzungen von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt bekommen.

Vorgeburtliche Bluttests auf das Downsyndrom sollen künftig bei Risikoschwangerschaften von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt werden. Das entschied der Gemeinsame Bundesausschusses (G-BA) von Ärzten, Kliniken und Kassen am Donnerstag auf seiner Sitzung in Berlin. Die Kosten sollten nur bei besonderen Risiken oder zur Abklärung von Auffälligkeiten übernommen werden, heißt es. Voraussetzung ist eine ärztliche Beratung.

Ein flächendeckendes Screening soll es nicht geben. Entscheidend sei für die Kostenübernahme sei die "individuelle Situation" der Schwangeren, heißt es. Nun muss das Bundesgesundheitsministerium noch zustimmen. Die neue Regelung soll 2021 in Kraft treten - bis dahin müssen noch Informationen für die Versicherten formuliert werden.

Bei den seit 2012 in Deutschland angebotenen nicht-invasiven Pränataltests (NIPT) werden Erbgutschnipsel des Kindes aus dem Blut der Schwangeren isoliert und auf Gendefekte untersucht. Der Test ist risikoärmer als die bisher zugelassenen Fruchtwasseruntersuchungen oder Biopsien, bei denen es zu Fehlgeburten kommen kann. Diese "invasiven Verfahren" soll der Test ersetzen. Bislang müssen Schwangere den Test selber bezahlen.

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat drei Jahre über die Tests beraten. Der G-BA-Vorsitzende Josef Hecken hat dabei mehrfach unterstrichen, dass es nicht seine Aufgabe sei, die Bluttests ethisch zu bewerten; er habe allein den Auftrag, das seit 2012 medizinisch in Deutschland bereits zugelassene Verfahren wissenschaftlich-technisch und ökonomisch zu überprüfen.

Der Bundestag hatte im Frühjahr über die ethischen Folgen der Bluttests debattiert. Experten erwarten, dass künftig Bluttests auf zahlreiche weitere Krankheitsrisiken angeboten werden. Befürworter verweisen auf die hohe Zuverlässigkeit der Tests und das geringere Risiko auf Fehlgeburten. Kritiker wie die katholische Kirche und zahlreiche Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen warnen davor, dass eine beständige Ausweitung der nicht-invasiven Pränataldiagnostik (NIPD) zu einer zunehmenden Diskriminierung von Menschen mit Behinderung führen könnte.

(mja/kna)
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