Kosten & Nutzen von IGeL-Leistungen Diese Leistungen müssen Sie beim Arzt selbst zahlen

Düsseldorf · Manche Behandlungen müssen Patienten aus eigener Tasche zahlen. Doch der Nutzen von sogenannten IGeL ist meist nicht erwiesen. Wie teuer die Selbstzahler-Leistungen sind und was Patienten beachten sollten.

Reiseimpfungen gehören in aller Regel zu Selbstzahler-Leistungen. Doch auch für bestimmte Vorsorgeuntersuchungen, Atteste oder andere medizinische Leistungen müssen Patienten selbst aufkommen.

Reiseimpfungen gehören in aller Regel zu Selbstzahler-Leistungen. Doch auch für bestimmte Vorsorgeuntersuchungen, Atteste oder andere medizinische Leistungen müssen Patienten selbst aufkommen.

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Um Karies vorzubeugen, kann eine Zahnreinigung sinnvoll sein. Doch die kostet – und die gesetzliche Krankenkasse zahlt sie nicht. Wer schon mal in ein Tropengebiet geflogen ist, musste seine Reiseimpfung meist auch aus eigener Tasche begleichen. Beides sind Individuelle Gesundheitsleistungen, kurz IGeL, die nicht zum Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherungen gehören. Vier von zehn Versicherte haben laut einer Umfrage des Wissenschaftlichen Instituts der AOK von ihrem Arzt eine solche Selbstzahler-Leistung angeboten bekommen. Etwa eine Milliarde Euro geben Kassenpatienten jährlich in Deutschland für IGeL aus. Die Leistungen sind also bekannt, doch die wenigsten wissen, dass es Regeln für den IGeL-Kosmos gibt.

Welche Untersuchungen muss ich selber zahlen?

Grundsätzlich unterscheidet die Verbraucherzentrale in zwei Arten: Reiseimpfungen gehören demnach zu den individuellen Serviceleistungen, die zwar nicht medizinisch notwendig sind, aber im Einzelfall sinnvoll sein können. Weitere Beispiele sind sportmedizinische Untersuchungen, medizinisch-kosmetische Leistungen wie Schönheitsoperationen, bestimmte Atteste zum Beispiel für die Reiserücktrittsversicherung oder manche psychotherapeutische Leistung wie eine Paartherapie.

Leistungen, die ohne begründeten Krankheitsverdacht erfolgen, müssen ebenfalls selbst gezahlt werden. Dazu zählen bestimmte Früherkennungs- oder Vorsorgeuntersuchungen wie der Ultraschall von Brust, Eierstöcken oder Halsschlagader. Nur in bestimmten Risikofällen, beispielsweise weil eine familiäre Vorbelastung vorliegt, übernimmt die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) die Kosten.

Der IGeL-Markt ist unübersichtlich und wächst stetig. Schätzungen gehen von Hunderten Angeboten aus. Laut IGeL-Report, einer Umfrage aus 2023, werden Ultraschall von Eierstöcken und Brust sowie Glaukomfrüherkennung am häufigsten nachgefragt.

Warum zahlen die Krankenkassen nicht?

Welche Leistungen in den GKV-Leistungskatalog aufgenommen werden, entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss von Krankenkassen und Ärzten. So ist beispielsweise seit 2008 das Chlamydien-Screening für Frauen bis 25 Jahren Kassenleistung, auch das Neugeborenen-Hörscreening wird seit 2009 von den Kassen übernommen.

Dass Kassen bestimmte Leistungen nicht übernehmen, liegt nicht daran, dass sie geizig sind. Vielmehr soll die GKV nur solche Leistungen zahlen, die ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind. Das ist bei Selbstzahler-Leistungen in der Regel nicht der Fall, denn oft fehlen aussagekräftigen Studien. Wenn eine bestimmte Früherkennung subjektiv als sinnvoll erscheint, wird die Kasse die Kostenübernahme ablehnen, wenn die Leistung nicht als zweckmäßig erwiesen ist.

Welche Leistungen sind sinnvoll?

Grundsätzlich gilt: Ärzte dürfen IGeL praktizieren, bei denen keine Wirkung nachgewiesen ist, oder Zusatzleistungen anbieten, die sie selbst entwickelt oder von Firmen übernommen haben. Laut Verbraucherzentrale handelt es sich somit bei IGeL vielfach „um neuartige und damit unzureichend geprüfte Diagnose- und Behandlungsmethoden“.

Als Entscheidungshilfe kann der IGeL-Monitor des Medizinischen Dienstes dienen, der Nutzen und Schaden von Leistungen wertet. Dafür werden wissenschaftliche Arbeiten zu Behandlungsmethoden analysiert und in fünf Stufen von „negativ“ bis „positiv“ bewertet. Laut IGeL-Monitor gelinge es solchen Studien oft nicht, überhaupt einen Nutzen nachzuweisen. „Im Gegenteil: Sie zeigen vielmehr, wie groß die möglichen Schäden sind.“ Als solche werden etwa auch die Investition von Zeit und Geld gewertet.

Interessant ist, dass der IGeL-Monitor nur zwei von 59 Selbstzahler-Leistungen als „tendenziell positiv“ wertet: Akupunktur zur Vorbeugung von Migräneanfällen und Lichttherapie bei Winterdepressionen. Manche „positive“ IGeL wie die Stoßwellentherapie bei Fußschmerzen wurden später sogar zu Kassenleistungen. Die häufig genutzte Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke wird hingegen vom IGeL-Monitor als „negativ“ gewertet wird. Mit dieser Leistung würden gleich viele Frauen an Eierstockkrebs sterben wie ohne Untersuchung, heißt es. Frauen würden zudem durch falsch positive Ergebnisse „unnötig beunruhigt“; bei etwa drei von hundert Frauen werden gesunde, nicht krebserkrankte Eierstöcke entfernt.

Wie teuer sind Selbstzahler-Leistungen?

Für IGeL gibt es keine festen Preise. Bei der Abrechnung sind Ärzte aber an die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) gebunden und können die Preise so innerhalb des einfachen und 3,5-fachem Gebührensatzes berechnen – Standard ist der 2,3-fache Satz. Somit berechnen Praxen laut Kassenzahnärztlicher Bundesvereinigung Zahnreinigungen zwischen 80 und 120 Euro. Wird eine Leistung nicht in der GOÄ erfasst, wählt der Arzt eine bestehende Leistung, die nach Art und Aufwand ähnlich ist. Für eine Gebühr mit einem Steigerungsfaktor von über 3,5 ist eine besondere Vereinbarung mit Unterschrift notwendig.

Allgemein sind zusätzliche Gebühren möglich, zum Beispiel für Beratung oder für weitere Behandlungsmethoden. Daher können je nach Praxis auch unterschiedliche Gebühren anfallen, ein Preisvergleich lohnt sich. Grundsätzlich gilt: „Ein Behandlungsvertrag und eine Rechnung sind Vorschrift“, so die Verbraucherzentrale.

Gibt es Ausnahmen oder Bezuschussungen?

Ja, denn manche IGeL werden bei konkretem Krankheitsverdacht zur Kassenleistung – so wie viele Früherkennungsuntersuchungen. Manche Kassen bieten zudem bestimmte Leistungen freiwillig an. Es lohnt sich, zuvor bei der Krankenkasse nachzufragen. Wenn die Kosten jedoch schon privat bezahlt wurden, erstattet die Kasse diese später nicht.

Was sollten Patienten bei IGeL beachten?

IGeL sind Zusatzangebote, Patienten sind nicht verpflichtet, sie anzunehmen. Die Verbraucherzentrale rät, um Bedenkzeit zu bitten, unabhängige Informationen und eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. Möglich ist das beispielsweise bei der Landesärztekammer oder beim IGeL-Monitor. Zudem müssen sich Ärzte an Regeln halten. So sind sie zur Aufklärung verpflichtet und dürfen Kassenleistungen nicht pauschal abwerten. Sollten Ärzte Ängste schüren oder Patienten zu einer Leistung drängen, kann das Verhalten bei der Verbraucherzentrale NRW gemeldet werden. Auch Schlichtungsstellen der ärztlichen Organisationen und die Unabhängige Patientenberatung helfen weiter.

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