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Hormone: Welche es gibt und wie sie wirken

Kleine Antreiber mit großer Wirkung : Hormone

Ohne sie geht gar nichts – nicht nur im menschlichen Körper. Hormone sind die Antreiber vieler Prozesse im Körper - und haben ganz unterschiedliche Wirkungen auf Frauen und Männer, auf Kinder und Erwachsene. Welche großen Wirkungen die kleinen Moleküle entfalten und was passiert, wenn das Hormonsystem im Ungleichgewicht ist, möchten wir im Folgenden klären.

Hormone sind chemische Signalstoffe, die meistens in speziellen Zellen in Drüsengeweben gebildet und in geringen Mengen ins Blut abgegeben werden.

Was Hormone im allgemeinen sind, wie sie wirken und welche Probleme sie verursachen können, erfahren sie hier.

Was ist ein Hormon?

Das Wort Hormon stammt vom griechischen Wort „hormā́n“ ab, das so viel wie antreiben, anregen, in Bewegung setzen bedeutet. Der Begriff fasst damit alle körpereigenen Stoffe zusammen, die von Zellen des Körpers ins Blut abgegeben werden und sozusagen als Fernwirkung an anderen Orten im Körper, an die sie mit dem Blutstrom gelangen, eine spezifische Wirkung verursachen.

Die meisten Hormone werden dabei von speziellen Organen, den Drüsen, gebildet. Diese Drüsen (medizinisch „Glandula“) geben die Botenstoffe unmittelbar in den Blutstrom ab, man spricht dann von „endokrinen Drüsen“ (endokrin heißt so viel wie „nach innen abgebend“).

Einige wenige Hormone werden auch von Zellen produziert, die nicht nur auf die Abgabe (Sekretion) von Hormonen spezialisiert sind. Hier spricht man in Unterscheidung zu den „glandulären“ Hormonen von „aglandulären“ Hormonen.

Außerdem produziert ein Organismus Botenstoffe, die nicht nur im Blut freigesetzt werden, wie etwa die Botenstoffe des Nervensystems (Neurotransmitter) oder die Zytokine, die das Wachstum von Zellen steuern. Diese werden nicht zu den Hormonen gezählt. Auch die von Drüsen nach außen abgegebenen Stoffe wie Pheromone (Dufststoffe) zählen nicht dazu.

Der Begriff Hormon bezieht sich auf alle höheren Lebewesen und ist nicht nur beim Menschen oder den Säugetieren gebräuchlich.

Natürliche Hormone – die körpereigenen Hormone – sind in der Regel mehr oder weniger kleine Moleküle, die sich frei im Blut bewegen können. Sie docken in der Regel an spezifischen Rezeptoren nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip auf der Oberfläche von Zellen an. Einige Hormone gelangen auch in das Zellinnere und bewirken dort unmittelbar Reaktionen.

Unter den Hormonen finden sich komplexe Proteine (Eiweiße) wie etwa das Insulin. Ebenso finden sich aber auch kurze Eiweiße, Peptide, die etwa durch Spaltung größerer Moleküle entstehen.

Eine ganze Reihe von Peptiden gehört chemisch gesehen zu einfacheren oder komplexeren organisch-chemischen Verbindungen, wie beispielsweise das Adrenalin, das zu den Steroiden gehört.

Daneben gibt es noch eine Vielzahl ganz anders aufgebauter Hormone.

Außerdem gibt es (in der Regel) künstlich erzeugte Substanzen, die wie Hormone wirken können - mit zum Teil unerwünschten oder gefährlichen Folgen. Bisphenol A (BPA), ein Weichmacher in Kunststoffen, ist so in den vergangenen Jahrzehnten in die Schlagzeilen gekommen. Aber auch etwa das ehemals als Insektizid viel benutzte DDT (Dichlordiphenyltriethan) hat hormonähnliche Wirkung.

Ferner gibt es künstlich erzeugte Hormone, die den natürlichen ähnlich sind und etwa als Medikament verabreicht werden, beispielsweise zur Empfängnisverhütung.

Wo werden Hormone im Körper produziert?

Die meisten Hormone werden in Hormondrüsen produziert, Drüsen, die die Substanzen endokrin, also direkt ins Blut abgeben. Die Gesamtheit der Hormondrüsen im Körper nennt man das Endokrine System.

Eine der wichtigsten Drüsen dieses Systems ist die Hirnanhangdrüse, die Hypophyse, die mit dem Hypothalamus, einem Teil des Gehirns, in Verbindung steht. Die Zirbeldrüse, ebenfalls im Hirn angesiedelt, gehört ebenso zu dem System wie Schilddrüse und Nebenschilddrüsen. Ferner sind die Nebennieren ebenso wichtige Hormondrüsen wie die Langerhans‘schen Inseln in der Bauchspeicheldrüse. Die Geschlechtsorgane Hoden und Eierstöcke sind weitere wichtige Orte der Hormonproduktion.

Einige Hormone werden auch von Zellen im Herz, in der Niere, den Verdauungsorganen sowie in den Blutgefäßwänden produziert.

In allen höheren Organismen gibt es ein komplexes Zusammenspiel von Hormondrüsen und Nervensystem sowie Feedbackschleifen, die auf die Konzentration von Hormonen im Blut reagieren. Das Zentrale Nervensystem aus Sympathicus und Parasympathicus steuert viele Organe des Körpers so nicht nur direkt durch Nervenimpulse, sondern auch indirekt dadurch, dass in Hormondrüsen die Freisetzung von Hormonen initiiert wird.

Auf der anderen Seite gibt es regelrechte Kettenreaktionen, wenn ein bestimmtes Hormon die Produktion anderer Hormone bewirkt. Dabei steuern sich die Drüsen des endokrinen Systems zum Teil in Fernwirkung gegenseitig – wenn etwa Sexualhormone aus den Hoden auf die Hirnanhangdrüse wirken oder Botenstoffe wie Adrenalin aus den Nebennieren auf viele verschiedene Organe. Oft sind auch mehrere verschiedene Hormone an bestimmten Prozessen beteiligt.

Welche Hormone gibt es, und wie wirken sie?

Vereinfacht gesagt gibt es – blickt man nicht nur auf den Menschen, sondern alle höheren Lebewesen – eine sehr große Zahl sehr verschieden wirkender Hormone. Nach über einhundert Jahren Forschung werden auch immer noch neue Substanzen entdeckt, die bei Mensch, Tier oder Pflanze als Hormon wirken.

Praktisch alle Bereiche und Funktionen mehrzelliger Organismen werden durch Hormone gesteuert und reguliert. Viele Zusammenhänge sind dabei mittlerweile gut aufgeklärt – dennoch werden wissenschaftlich immer wieder neue Bereiche entdeckt, in denen Hormone eine bis zu dem Zeitpunkt unbekannte Rolle spielen.

Solche Entdeckungen gibt es in allen Teilbereichen der biologischen und medizinischen Forschung. Für viele bekannte Zusammenhänge und besonders deren Störung gibt es auch medizinische Therapien, die auf der Gabe oder auch Unterdrückung von Hormonen basieren.

Wichtige Bereiche sind etwa die Verdauung und der Stoffwechsel. Das aus den Langerhans’schen Inseln der Bauchspeicheldrüse stammende Hormon Insulin, das unter anderem abhängig von der Konzentration an Zucker im Blut gebildet wird und eine tragende Rolle im Zuckerstoffwechsel spielt, ist ein Beispiel. Auch der Fettstoffwechsel wird durch Hormone gesteuert, wie etwa durch Dopamin – aber auch hier ist Insulin beteiligt.

Knochenwachstum, Muskelaufbau, aber auch geistige Aktivität und Angst- und Stressreaktionen sind hormongesteuert – unter großer Beteiligung des zentralen Nervensystems.

Auch dabei gilt, dass Hormone direkt oder indirekt über Rezeptoren auf der Oberfläche bestimmter Zellen agieren und gewisse Reaktionen im Inneren der Zelle einleiten.

Ein Bereich, den man gemeinhin am meisten mit Hormonen assoziiert, sind die Sexualfunktion und die Sexualentwicklung sowie Menstruationszyklus und Schwangerschaft.

Welche Hormone sind typisch für die Frau? Was haben Hormone mit den Wechseljahren zu tun? Und welche Hormone sind typisch für den Mann?

An sich ist es falsch, von „typischen“ Hormonen der Frau und des Mannes zu sprechen. Natürlich sind die bekannten Östrogene oder Estrogene und die Gestagene die wichtigsten Sexualhormone der Frau und die Androgene, zu denen das Testosteron gehört, die wichtigsten des Mannes - es ist aber nicht so, dass nicht auch Männer Estrogene und Frauen auch Testosteron produzierten.

Die weiblichen Eierstöcke sind der Hauptsyntheseort für Estrogene. Aber auch die Nebennieren sowie Zellen des Fettgewebes produzieren es. Testosteron entsteht in den Hoden, aber auch in den Nebennieren sowie in den Eierstöcken. Und auch das Hormon Progesteron, das zu den Gestagenen, den Gelbkörperhormonen, gehört und eine wichtige regulatorische Rolle im Menstruationszyklus der Frau spielt, wird ebenso bei Männern in den Hoden und den Nebennieren gebildet.

Entscheidend für weibliche oder männliche Entwicklung sind dabei die Menge der produzierten Hormone sowie der Zeitpunkt der Freisetzung.

Neben den körperlichen Merkmalen beeinflussen Estrogene und Androgene auch das Verhalten. Die Produktion der Hormone wird dabei rückgekoppelt gesteuert. Ist die Konzentration im Blut hoch, wird weniger produziert und andersherum. Das funktioniert indirekt dadurch, dass in der Hypophyse abhängig von der Sexualhormonkonzentration andere Hormone gebildet werden, die dann die Produktion der Sexualhormone in den Geschlechtsorganen anregen oder drosseln.

Unter anderem spielen dabei das LH, das „Luteinisierende Hormon“ und das FSH, das „Follikel Stimulierende Hormon“ auch beim Mann eine Rolle – entdeckt wurden sie allerdings, wie ihre Namen herleiten, bei der Frau – das Follikel ist das „Eibläschen“, ein Vorläufer der Eizelle. Sie steuern über ihre sich zyklisch auf- und abbauende Konzentration den Menstruationszyklus der Frau.

Die Abnahme der Produktion von Hormonen, die zum Bereich der Sexualität gehören, führt mit fortschreitendem Alter letztlich zur sogenannten Menopause und dem Klimakterium, den Wechseljahren bei der Frau.

Welcher Arzt beschäftigt sich mit Hormonen?

„Endokrinologen sind die auf Hormone und Stoffwechsel spezialisierten Fachärzte“, erklärt Professor Dr. med. Dr. h.c. Helmut Schatz, Direktor a.D. der Medizinischen Universitätsklinik Bergmannsheil der Ruhr-Universität Bochum, selber Endokrinologe und Vorstands- und Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie – Hormone und Stoffwechsel.

Endokrinologen sind darauf spezialisiert, Störungen des Hormonsystems zu diagnostizieren und zu therapieren. In der Regel findet eine erste (Verdachts-) Diagnose bei einem Allgemeinmediziner oder auch manchem auf andere Teilgebiete spezialisierten Internisten statt, der die Patienten zum Spezialisten überweist.

Was sind häufige Hormonstörungen?

Dadurch, dass Hormone im komplexen Zusammenspiel an einer Vielzahl von physiologischen Vorgängen im Körper beteiligt sind, gibt es auch eine ganze Reihe von Krankheitsbildern, die sich auf Störungen des Hormonsystems zurückführen lassen. Viele dieser Erkrankungen sind selten – einige gehören zu den häufigsten Zivilisationskrankheiten.

„An erster Stelle kann man sicherlich Diabetes als Hormonstörung nennen“, sagt Professor Schatz. Man unterscheidet Typ 1 und Typ 2 bei der „Zuckerkrankheit“. Im ersten Fall gibt es zu wenig oder kein Insulin, da die das Hormon produzierenden Zellen in den Langerhansschen Inseln zugrunde gehen. Dies ist die seltenere Form. Beim Typ 2, der erworbenen Form von Diabetes, gibt es genügend Insulin - die Zellen reagieren aber nicht mehr darauf und nehmen keinen Zucker mehr auf. Neben verschiedenen Risikofaktoren sind vor allem Übergewicht, unausgewogene Ernährung und Bewegungsmangel Ursachen dafür.

Weitere häufige Hormonstörungen sind Erkrankungen im Zusammenhang mit der Schilddrüse. Die jodhaltigen Schilddrüsenhormone Triiodthyronin und Thyroxin sind für eine Vielzahl von Organfunktionen essenziell und steuern außerdem die Produktion anderer Hormone. Über- oder Unterfunktionen der Schilddrüse haben daher eine Vielzahl unterschiedlicher Symptome. Ein sogenannter Kropf in Euthyreose, also mit normaler Schilddrüsenfunktion, kann mit einem Mangel des essenziellen Minerals Jod verbunden sein . „Das spielt auch heute noch eine Rolle, obwohl etwa Speisesalz häufig jodiert ist“, erklärt Schatz.

Störungen des Fettstoffwechsels sind ebenfalls häufig auf hormonelle Störungen wie etwa eine Schilddrüsenunterfunktion zurückzuführen.

„Eine recht neue Erkenntnis ist, dass -abgesehen von der sehr seltenen Überfunktion des Nebennierenmarks - bei rund zehn bis 15 Prozent aller Bluthochdruck-Patienten eine Störung in der Nebennierenrinde, im Renin-Angiotensin-Aldosteronsystem vorliegt“, erklärt der Experte.

Was sind die für Laien erkennbaren Symptome einer Hormonstörung?

Die Symptome von Hormonstörungen sind so vielfältig wie ihre unterschiedliche Wirkung. Von Müdigkeit, Schlafstörungen und Erschöpfung über Schweißausbrüche und Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen, Gewichtszunahmen oder gar depressiven Verstimmungen - je nach Art der Störung können auch die Anzeichen ganz unterschiedlich sein.

„Das lässt sich kaum verallgemeinern und ist für den Laien, aber auch für den Arzt nicht immer ohne weiteres zu erkennen“, sagt der Endokrinologe.

Bestimmte Hormonstörungen gehen natürlich mit einigen Leitsymptomen einher, die sich zusammen als bestimmte Syndrome äußern. So sind häufige Symptome einer unentdeckten Diabetes Typ II-Erkrankung etwa vermehrter Durst, Müdigkeit oder höhere Infektanfälligkeit.

Über- oder Unterfunktionen etwa der Nebennieren, in denen in der Rinde Hydrokortison und Aldosteron (und im Mark das Adrenalin und Noradrenalin ) gebildet werden, können zu Bluthochdruck (bei Überfunktion) oder niedrigem Blutdruck (bei Unterfunktion) führen - von Fehlfunktionen dieses Organs können dann aber auch der Zucker- und Fettstoffwechsel betroffen sein, steter Hunger, Schlaflosigkeit oder auch Knochenschwund können Symptome sein.

Ein breites Spektrum an Symptomen findet sich auch bei Unterfunktion der Schilddrüse, etwa Gewichtszunahme, langsamer Pulsschlag, depressive Verstimmungen und andere. Bei Überfunktion sind es rascher Herzschlag, innere Unruhe, Bluthochdruck, vermehrtes Schwitzen und mehr.

Für den Nichtmediziner sind viele dieser Symptome eher unspezifisch. „Da sind die Ärzte gefragt, immer auf Erkrankungen des endokrinen Systems zu screenen und dann an einen Facharzt zu überweisen“, sagt Schatz.

Was kann jeder vorsorglich tun, um Probleme mit den Hormonen zu vermeiden?

Eine der häufigsten Ursachen für Probleme, die direkt oder indirekt mit den körpereigenen Hormonen auftreten, sei Übergewicht, erklärt Schatz. Das metabolische Syndrom etwa, die Kombination aus Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und Insulinresistenz, entwickelt sich insbesondere durch überkalorische Ernährung und zu wenig Bewegung. In der Folge sind dabei gleich mehrere hormonelle Regelkreisläufe des Körpers gestört.

„Die Badezimmerwaage könnte man als eines der wirksamsten Instrumente zur medizinischen Vorsorge ansehen“, sagt der Professor. Wer auf ausgewogene Ernährung, etwa nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, achtet und sich ausreichend bewegt, kann bereits viel vorsorglich tun, um nicht nur hormonelle Probleme zu vermeiden.