„German Medical Award“ an die Herzchirurgin Dilek Gürsoy

„German Medical Award“ : Dilek Gürsoy ist die beste Ärztin im Land

Bei der Medizinmesse Medica in Düsseldorf wird der „German Medical Award“ verliehen. Er ehrt herausragende Beiträge zur Patientenversorgung. In diesem Jahr bekommt ihn die Herzchirurgin Dilek Gürsoy. Vor der Preisverleihung gibt es eine Patientenveranstaltung.

Wenn es diesen Preis nicht gäbe, müsste man ihn erfinden. Denn er wird dringend benötigt, weil er in Zeiten maschinengesteuerter Medizin den Menschen zurück in den Mittelpunkt des Interesses holt.

Normalerweise werden in der Medizin fleißintensive Spezialleistungen mit Preisen honoriert. Stellen wir uns den einsam im Labor hungernden Doktoranden vor, der sich für seine Arbeiten zum Erregungsleitungssystem des Herzens die Nächte um die Ohren schlägt. Jetzt hat er etwas Tolles herausgefunden, wie nämlich in den Purkinje-Fasern der Tawara-Schenkel die Regulierung der Glykogen-Speicherung abläuft. Diese Fasern sitzen im Herzmuskel und sind für dessen Pumpfunktion wichtig. Solche Speichervorgänge sind kleine Seitenaspekte der menschlichen Physiologie mit allerdings immenser Bedeutung für unser Überleben.

Wir wollen das gute alte Glykogen nicht geringreden, beim besten Willen nicht. Aber dieser Preis, von dem wir hier sprechen, ist viel näher dran an den Patienten. Er beleuchtet und bespiegelt das Verhältnis von Arzt und Gesellschaft, er besitzt eine sozialpolitische und medizinethische Komponente, die in Zeiten immer verzweigterer, unübersichtlicher Heilkunde besonders von Belang ist. Der Preist heißt – vielleicht ein wenig hochtrabend, aber das schadet nicht – „German Medical Award“, wird seit drei Jahren alljährlich bei der Düsseldorfer Medica vergeben. Er zeichnet, wie es heißt, „Kliniken und niedergelassene Ärzte, Wissenschaftler sowie Unternehmen der Gesundheitsbranche für innovative Dienstleistungen, Lösungen und Produkte, besonderes Engagement und eine fortschrittliche Patientenversorgung aus“.

Patientenversorgung – das klingt eher abstrakt, beschreibt aber zusammenfassend das menschlich-fachliche Miteinander von Patient und Arzt. Da gibt es noch viel Luft nach oben: Die Arztbriefe kommen zu spät. Der Arzt hat zu wenig Zeit. Die Terminvergabe und -einhaltung klappt nicht so gut. Röntgen-, CT- und MRT-Bilder werden nicht oder nur widerwillig herausgegeben. Andererseits ist das Honorar der ärztlichen Leistung etwa bei der Eingangsuntersuchung eines neuen Patienten viel zu gering; hierbei werden ja sämtliche Weichen gestellt. Ein Arzt, der rein idealistisch handelt, ist möglicherweise ein nicht so guter Unternehmer. Aber für Patienten kann er ein Segen sein. Yvonne Esser: „Patienten können ihren Arzt und sein Praxisteam für eine Auszeichnung im Rahmen des German Medical Award nominieren, um seine Leistungen zu honorieren.“

Wie könnte es gut funktionieren, etwa bei der Visite im Krankenhaus? Patienten beklagen immer, dass sie ihre entscheidenden Fragen nicht haben stellen können. Man müsste ihnen beibringen, dass sie sich auf die Visite ebenso vorbereiten sollten wie die Ärzte und ihre Fragen auf einem Merkzettel notieren sollten. Unter Weißkitteln wird die Visite selten geliebt, weil sie Zeit frisst, die man besser zum Schreiben der noch weniger geliebten Arztbriefe verwenden könnte, die in Zeiten des Dokumentationswahns auch immer länger werden.

In einem großen niederrheinischen Krankenhaus konnte man früher erleben, wie effektiv für beide Seiten eine gute Visite sein kann – wenn der leitende internistische Oberarzt sie abhielt. Dann dauerten sie. Der leitende Oberarzt war nämlich ein älterer Kollege, der sich Zeit für seine Patienten nahm und sich bei jedem ans Bett setzte. Dann standen alle anderen in Weiß augenrollend hinter ihm und warteten, bis der leitende Oberarzt sich wieder erhob. Die Patienten jedoch waren selig, wenn er sie visitiert hatte. Sie hatten das Gefühl, vollständig erfasst worden zu sein, und fragten auch nicht mehr viel nach. Diese Patienten waren in den kommenden Tagen ihres Klinikaufenthalts besser zu führen als diejenigen, für die der hohe Stab gerade zwei Minuten Zeit hatte. Das schaffte Unzufriedenheit. Letztlich arbeitete der leitende Oberarzt sehr wirkungsvoll. Er schaffte sich Zeit, indem er sie einmal maximal ausgab – bei der ersten Visite.

Zurück zum „German Medical Award“. Wie Yvonne Esser, die Vorsitzende des „German Medical Club“, mitteilt, habe es „zahlreiche qualifizierte nationale und internationale Bewerbungen“ gegeben, die von einer Fachjury unter Vorsitz des Mönchengladbacher Kardiologie-Professors Georg Sabin gesichtet wurden; neben ihm votierten Juristen oder Apotheker. Die Wahl der Preisträgerin des Jahres 2019 hat mehrere bedeutsame Facetten: Dilek Gürsoy, 1976 in Neuss geboren, ist Oberärztin am Helios-Klinikum Siegburg 2012. hatte sie als erste Frau in Europa bei einem Patienten eine Kunstherz-Implantation durchgeführt. 2019 war die türkische Ärztin an einer Kampagne des Familien- und Integrationsministeriums NRW #IchDuWirNRW als Vorbild und positives Beispiel für die erfolgreiche Einwanderungsgesellschaft beteiligt.

In der Kategorie „Medizinisch-soziales Engagement“ wurde die ehrenamtlich tätige Patientenfürsprecherin des Universitätsklinikums Düsseldorf, Maria Sondermann, vom Gremium vorgeschlagen. Sie gilt als Vorbild ehrenamtlich tätiger Bürger im Gesundheits- und Pflegewesen. Dieser Preis ist mit 1000 Euro dotiert. Der diesjährige Charity-Preis geht an ein Studententeam aus Düsseldorf, das sich beispielhaft um die medizinische Versorgung von Flüchtlingen kümmert.

Yvonne Esser und Georg Sabin vom „German Medical Award“. Foto: Endermann, Andreas (end)

Was die Patientenversorgung langt: Die Medizin hat ihre eigene Zukunft bereits erreicht. Viele Abläufe haben sich verbessert, ein Beispiel ist die interdisziplinäre Tumorkonferenz, bei der Fachleute aus verschiedenen Abteilungen die Therapie eines Patienten besprechen. Auch die Telemedizin, lange ein Zauberwort, das einem eher Sorge als Freude machte, hält zunehmend Einzug in unseren Alltag und rettet viele Menschenleben.

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