Wie fit ist NRW? - Eine Fitness-Definition

Vier Kandidaten schwitzen für die Rheinische Post : Wie fit sind die Rheinländer wirklich?

So fit ist NRW: Diese vier Rheinländer schwitzen für die Rheinische Post

Fitness ist die beste Lebensversicherung. Aber wie fit sind die Menschen hierzulande im Durchschnitt tatsächlich? Dazu hat die Rheinische Post einen Fitnesstest mit einer Postbotin, zwei Schreibtischtätern und einer Hausfrau gemacht. Die Kandidaten im Video-Interview.

Einen Träger Wasser vom Supermarkt nach Hause tragen, einen Sprint hinlegen, um den Zug noch zu erwischen oder hinter der fünfjährigen Nichte herlaufen, die gerade Fahrrad fahren lernt - die meisten Menschen würden das wohl schaffen, auch wenn sie den Wasserkasten unterwegs mehrere Male abstellen müssen. Das legt auch eine Studie des Robert-Koch-Instituts in Berlin nahe. Das Institut hat 2013 erhoben, wie gesund sich die Deutschen im Durchschnitt fühlen. Demnach sagt jeder fünfte von sich, er sei sehr gesund, und annährend jeder zweite beschreibt seinen Gesundheitszustand mit "gut".

Aber wie sieht es mit einem 3000-Meter-Lauf aus oder mit Liegestützen und Sit-ups? - Das schaffen die meisten eher nicht auf Anhieb, wollen es aber können. Denn fit zu sein, entspricht nicht nur dem gesellschaftlichen Trend, sondern ist auch die beste Lebensversicherung.

Aber Fitness lässt sich kaum messen. "Der Begriff ,Fitness‘ ist nicht ganz eindeutig", sagt Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule in Köln. "Fit" bedeutet gleichzeitig gesund sein, sportlich sein und allgemein in einem guten körperlichen Zustand sein.

"Fitness ist die Fähigkeit, sich im Alltag adäquat zu bewegen", sagt Predel. Abgesehen von dieser allgemeinen Definition, bezeichnet der Begriff nach Meinung des Sportwissenschaftlers aber auch verschiedene Komponenten der körperlichen Leistungsfähigkeit, etwa in den Bereichen Ausdauer, Koordination und Kraft. Damit ist die sportliche Fitness gemeint. Eine Person, die sich subjektiv als fit bezeichnet, muss es im sportlichen Sinne nicht wirklich sein. Umgekehrt sind übergewichtige Personen nicht unbedingt unfit.

Die Rheinische Post hat dieses "Fett-aber-fit"-Paradox zum Anlass genommen, um zu fragen, wie fit ein durchschnittlicher Deutscher eigentlich wirklich ist. Deswegen hat die Rheinische Post in einem Facebook-Aufruf Menschen aus dem Verbreitungsgebiet gesucht, die freiwillig ihre sportliche Fitness unter Beweis stellen. Hans-Georg Predel von der Deutschen Sporthochschule in Köln hat spezielle Übungen für den Leistungstest der Rheinischen Post ausgesucht. Wie sportlich ist also die Nachbarin eine Wohnungstür weiter oder der Kollege im Büro nebenan? Unsere vier Kandidaten geben Aufschluss.

Die vier Teilnehmer decken ein weites Spektrum ab: zwei Männer und zwei Frauen haben wir ausgesucht. Sie sind alle unterschiedlich alt und unterschiedlich fit.

Diese Hobbysportler treten bei uns zum Test an:

André Zegers ist 32 Jahre alt und kommt aus Kleve. Er arbeitet bei den Umweltbetrieben der Stadt Kleve und ist zuständig für das Kanalnetz. Vor knapp zwei Jahren war er als Zuschauer beim Triathlon in Kleve dabei und hat Blut geleckt. Trotz einer Sprunggelenkverletzung nahm er sich vor, nur zwölf Wochen später den Triathlon in der Nachbarstadt Goch mitzulaufen. Seither trainiert er regelmäßig 15 Stunden die Woche laufen, Rad fahren und schwimmen. "Mittlerweile ist das kein Kampf mehr, sondern Spaß", sagt André.

Das sagt der Experte: "Von André erwarte ich einiges. Er sollte im Bereich der Ausdauer und in der Koordination angesichts seiner sportlichen Vorerfahrung sehr gut sein."

Petra Schürmann ist 55 Jahre alt und kommt aus Neuss. Sie arbeitet als Postbotin. Bis vor zwei Jahren wog sie bei einer Körpergröße von etwa 1,60 Meter über 90 Kilogramm. Früher hat sie Handball gespielt, dann jahrelang keinen Sport mehr getrieben. Auch wegen ihres Gewichts bekam sie Probleme mit einem ihrer Knie. "Als ich kurz vor eine Knieprothese stand, musste ich handeln", erzählt sie. "Ich hätte nicht weiter als Postbotin arbeiten können, in meinem Alter und mit körperlichen Einschränkungen hätte das den sozialen Absturz bedeutet." Deswegen nahm sie allein durch die Umstellung ihrer Ernährung innerhalb eines Jahres 30 Kilogramm ab. Seit dem vergangenen Jahr geht sie regelmäßig joggen. Drei Mal pro Woche läuft sie jetzt fünf Kilometer und geht zweimal die Woche ins Studio. "Mir geht es körperlich so gut wie seit Jahren nicht mehr." Petra meint, dass sie altersgemäß im Mittelfeld landen wird.

Das sagt der Experte: "Petra steht für viele Menschen im mittleren Alter, die orthopädische Probleme haben, die ihre Möglichkeiten einschränken. Aber sie ist dynamisch und hat eine tolle Figur."

So fit ist NRW - Professor Hans-Georg Predel über die Kandidaten

Slyvia Faber ist 41 Jahre alt und kommt aus Aldenhoven bei Jülich. Sie ist verheiratet und hat einen zwölfjährigen Sohn. Sie ist Hausfrau und Mutter. Sylvia hat gerade erst wieder angefangen, Sport zu machen. Sie läuft ein bis zwei Mal die Woche und spielt einmal in der Woche Handball im Verein. Sylvia ist Asthmatikerin. Dazu kommt eine Herzmuskelentzündung, die sie im vergangenen Jahr viel Kraft gekostet hat. Mit der Erlaubnis ihrer Ärzte darf sie aber wieder Sport machen. "Ich laufe zwar langsam, aber ich laufe", sagt sie. Sie möchte mit dem Fitness-Test herausfinden, wo sie mit der persönlichen Fitness steht.

Das sagt der Experte: "Von ihr dürfen wir im Augenblick noch nicht so viel erwarten. An Sylvia kann man aber sehen, dass gerade Anfänger häufig sehr hohe Trainingserfolge haben."

Michael Varutti, 50 Jahre, kommt aus Leverkusen. Er arbeitet für Bayer in Dormagen. Für ihn ist Sport wichtig, um sein Gewicht zu halten. Denn der 50-Jährige hat einige Kilos zu viel. Er wiegt über 100 Kilogramm. Das hält ihn trotzdem nicht davon ab, regelmäßig Sport zu treiben. Er läuft und fährt Rad. Er hat sogar schon an mehreren Halbmarathons teilgenommen. Beim Sport steht für ihn auch die Geselligkeit und der Spaß im Vordergrund. Vor kurzem ist er mit ein paar Freunden mit dem Fahrrad zum Auswärtsspiel der Bayer-Elf nach Mainz gefahren, um Spenden für die Deutsche Knochenmarksgesellschaft zu sammeln. Er hat sich aus Spaß zum Test angemeldet.

Das sagt der Experte: "Michael steht für viele Männer zwischen 45 und 65 Jahren, die wie er mit Übergewicht zu tun haben. Jemand der übergewichtig ist, kann trotzdem fit sein."

(heif)
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