Serie "Endlich fit": Das müssen Männer und Frauen beim Abnehmen beachten

Serie „Endlich fit“: Der Abnehm-Vergleich

Auch beim Abnehmen unterscheiden die Geschlechter. Eine Ernährungsberaterin und ein Personal Trainer erklären, worauf Mann und Frau für ein gesundes Leben und ein ausgewogenes Gewicht achten müssen.

Worauf Frauen achten müssen

Frauen haben es nicht leicht. „Weniger Muskelmasse und weniger Gewicht bedeuten einen geringeren Kalorienbedarf. Dadurch neigen sie eher dazu, Fettpolster aufzubauen“, sagt die Ernährungsberaterin Pauline Neumann aus Düsseldorf. Aber sie macht auch Hoffnung: „Eigentlich ist es gar nicht so schwer, fit zu bleiben und sein Wunschgewicht zu halten.“

Körperliche Voraussetzungen Das wichtigste Körperteil auf dem Weg zur guten Figur – das gilt für Frau und Mann – ist der Kopf. „Frauen neigen oft dazu, zu viel zu wollen“, sagt Neumann. „Viele Frauen, die in meine Praxis kommen, vergleichen sich zu sehr und neigen zu Extremen.“ Rom wurde nicht an einem Tag gebaut. Neumann rät zu realistischen Zielen, Stück für Stück. Ein Knackpunkt bei vielen Frauen bildet die Schwangerschaft. „Viele denken, dass sie dann plötzlich für zwei oder gar drei essen müssen. Wer während der Schwangerschaft nicht übermäßig isst, hat es danach auch deutlich leichter, die Pfunde wieder loszuwerden“, erklärt Neumann. Während der Wechseljahre verringert sich der Kalorienbedarf. Das kann bei gleichbleibender Ernährung zu Fetteinlagerung führen.

Ernährung Zu jedem Jahresbeginn beobachtet Neumann ein klassisches Phänomen: „Es ist sehr auffällig, dass Frauen dann anfangen, teils dubiose Diäten auszuprobieren.“ Die sind laut Ökotrophologin zu Abnehmzwecken nicht wirklich gut geeignet: „Meistens wird damit nur der Grundumsatz des Körpers geschreddert, und es tritt der altbekannte Jojo-Effekt ein.“ Besser ist es, sich nachhaltig gesünder zu ernähren, ohne das eigene Essverhalten gleich völlig auf den Kopf zu stellen. „Und das können Frauen eigentlich sehr gut“, findet Neumann.

Foto: Adam Weiner


Bewegung Bei Frauen sitzt die Muskulatur vor allem in den Beinen, am Oberkörper ist sie im Vergleich zu Männern schwächer ausgeprägt. „Deswegen sind zum Beispiel Kniebeugen eine sehr effektive Übung für Frauen“, sagt der Düsseldorfer Personal Trainer Adam Weiner. Einer der ersten Tipps, die er seinen Kundinnen stets mit auf den Weg gibt: „Trauen Sie sich, auch mit Gewichten zu arbeiten.“ Oft hätten Frauen Angst davor, mit Krafttraining zu muskulös zu werden und einen breiten Oberkörper zu bekommen. „Das ist natürlich nicht der Fall“, sagt Weiner – im Gegenteil: „Um eine gute Figur zu haben, ist es ganz wichtig, Muskeln aufzubauen, auch im Oberkörper. Die steigern den Grundumsatz und sorgen dafür, dass im Körper mehr Fett verbrannt wird.“ Was die Ausdauer angeht, sind Frauen im Vorteil: „Davon haben sie viel, viel mehr, weil die Muskulatur eher dafür gemacht ist. Auch die Regeneration läuft in der Regel schneller ab als bei Männern.“ Während der Menstruation rät Weiner zur Vorsicht: „Da sollte sich niemand zu viel vornehmen. Aber im Zweifelsfall kennt jede Frau ihren Körper selbst am besten und weiß, an welchen Tagen sie genügend Kraft hat.“

Foto: Pauline Neumann

Worauf Männer achten müssen

Männer haben es auch nicht leicht. Da sich das Fett vor allem am Bauch lagert, ist es nicht nur gut sichtbar, sondern kann auch schnell zu gesundheitlichen Problemen führen wie Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen führen. „Das sollten Männer nicht unterschätzen“, sagt Pauline Neumann.

Körperliche Voraussetzungen Männer haben von Natur aus mehr Muskeln als Frauen, daher auch einen höheren Umsatz. Ein Freifahrtschein ist das aber nicht. „Viele Männer essen einfach ein bisschen zu viel“, sagt Adam Weiner. Das kann vor allem im Alter zum Problem werden: „Wenn der Körper langsam abbaut, muss man da aufpassen.“

Ernährung Es mag ein überholtes Klischee sein. Trotzdem sieht Pauline Neumann weiter bei vielen von ihren männlichen Kunden ein Problem: „Es wird zu viel Fleisch gegessen. Vor allem in älteren Jahrgängen gehört das anscheinend einfach dazu. Da kommt fast jeden Tag deftiges Essen, oft rotes Fleisch auf den Tisch. Schnitzel mit Pommes oder Nudeln mit einer Sahnesoße sind fettreiche Speisen.“ Und die tragen gewiss nicht dazu bei, dass der Bauch kleiner wird. Von Fitnessdrinks und Protein-Shakes, wie sie in fast allen Fitnessstudios inflationär über die Ladentheke gehen, hält Neumann nicht viel: „Shakes, Low-Carb, Aminosäuren. Darauf fahren Männer total ab, gerade wenn sie ins Fitnesstudio gehen. Da werden dubiose Erwartungen geweckt, mit denen ich dann in meiner Praxis wieder aufräumen muss.“ Eigentlich sei es ganz einfach: „Wer sich ausgewogen ernährt, braucht so etwas nicht. Es sei denn, man ist zufällig Marathonläufer oder Bodybuilder.“

Bewegung Bei Männern ist es ähnlich wie bei Frauen: Es sollte vor allem die Muskulatur angegangen werden, die von Natur aus nicht so stark ausgeprägt ist. In diesem Fall die an den Beinen. „Es bringt echt viel, seine Beine und seinen Rumpf zu trainieren. Da kann man mit simplen Übungen viel rausholen“, sagt Adam Weiner. Den Oberkörper zu stählen, sei oft sogar kontraproduktiv: „Damit kann man sich seine Gelenke zerstören. Man muss keine 150 Kilo auf der Hantelbank drücken können, das eigene Körpergewicht reicht völlig aus.“ Bewegung ist für Weiner als Ausgleich zum Arbeitsalltag unerlässlich: „Bewegung ist im Leben das wichtigste. Damit baut man Stress ab und hält den Körper am laufen.“ Er warnt jedoch vor Übermotivation: „Wer sich nach einem harten Tag zu viel zumutet, überfordert seinen Körper. Das kann nach hinten losgehen.“