1. Leben
  2. Gesundheit
  3. Fitness

Pilates: Ausrüstung, Abnehmen, Unterschied zu Yoga - das müssen Sie wissen

Pilates : Training für Körper und Geist

Viele Stars schwören auf die Sportart Pilates. Wer denkt, das wäre ein Hollywood-Trend, der nach Europa geschwappt ist, irrt. Der Erfinder kommt aus Deutschland.

Weltstars schwören darauf. Fast jeder, der in Hollywood etwas auf sich hält, tut es, um straff und in Form zu bleiben: Pilates. Pilates ist kein kurzfristiger Trend, der wie so viele andere wieder schnell in Vergessenheit gerät. Das systematische Ganzkörpertraining hat sich seinen Platz erobert in der Welt des Fitness. Unbedarfte meinen, bei Pilates würde man noch nicht mal ins Schwitzen geraten. Wer den Trendsport mal ausprobiert hat, kann kontern: Pilates ist sehr anstrengend! Und, was viele nicht wissen: Das Training geht auf einen Deutschen zurück.

Was ist Pilates?

Pilates ist ein umfassendes Training, das den ganzen Körper und die Muskulatur von Kopf bis Fuß anspricht. Im Fokus liegt aber vor allem die Tiefenmuskulatur des sogenannten "Powerhouse". Damit ist der Rumpf gemeint. Die Idee dahinter: Eine starke Körpermitte stützt und stärkt den ganzen Körper. Die Haltung verbessert sich und Rückenschmerzen werden gelindert. Krafttraining und Stretching werden wirkungsvoll kombiniert. Die Sportler werden während der Übungen dazu angehalten, bewusst ein- und auszuatmen, was die Körperwahrnehmung fördert. „Die Atmung ist ganz wichtig“, bestätigt Pilates-Trainerin Delia Schaller aus Hückeswagen. Die Fitness-Expertin bietet die Pilates-Methode seit rund 20 Jahren an – aus Überzeugung. „Das Besondere an Pilates ist, dass Körper, Geist und Seele in Einklang gebracht werden“, sagt sie. „Pilates ist etwas für alle, die achtsam mit ihrem Körper trainieren wollen. Ruhig mit Geist und Verstand.“

Wer hat Pilates erfunden?

Der Deutsche Joseph Pilates hatte Anfang des 20. Jahrhunderts die Idee zu dem Training, das später ein weltweiter Trend werden sollte. Als er während des Ersten Weltkriegs in Großbritannien interniert wurde, entwickelte er Übungen für sich und die anderen Insassen. Es ging ihm darum, trotz der Umstände Kondition und Haltung zu erhalten. In seinen Ursprüngen war das Training zunächst auf Männer ausgelegt, was sich änderte, als Joseph Pilates 1926 in die USA auswanderte. In New York eröffnete er ein Fitnessstudio, das in den 60er Jahren vor allem junge Tänzerinnen aufsuchten, die sich auf Wettkämpfe vorbereiten wollten. So bekam das Training, das den Namen seines Erfinders erhielt, eine weiblichere Note. Dass Männer und Frauen auf allen Teilen der Welt sich bei seinen Übungen anstrengen, hat Joseph H. Pilates nicht mehr miterlebt. In den 90er Jahren wurde die Sportart Pilates zum Trend – fast 30 Jahre nach dem Tod des Urhebers.

Wie sieht eine Pilates-Stunde aus?

Wer sich ins Pilates-Training einweisen lässt, wird schnell merken, dass es auf sechs Grundprinzipien ankommt: Konzentration, Zentrierung, Kontrolle, Atmung, Präzision und Fluss. Ähnlich wie beim Yoga ist es wichtig, voll und ganz bei sich zu sein. Wer mit den Gedanken den Aufgaben des Tages hinterher jagt, wird schwerlich die Übungen korrekt ausführen können. Joseph Pilates sah Körper und Geist in Harmonie zueinander. Da die Aufmerksamkeit ganz auf den Körper gerichtet sein soll, wird man während des Trainings in den Studios auch in der Regel keine Hintergrundmusik hören. Die tiefe Atmung ist bei Pilates besonders wichtig. Die Atmung in das Zwerchfell soll Verspannungen entgegenwirken. Die richtige Atemtechnik erfordert einiges an Konzentration.

Abrupte und isolierte Bewegungen lassen sich am Anfang wohl kaum vermeiden. Ziel ist aber, zu einer neuen Beweglichkeit zu kommen. Fortgeschrittene sind in der Lage, die Übungen in fließenden Bewegungen durchzuführen. Auch hier gibt es eine Ähnlichkeit zu den Yoga Flows.

Welche Muskulatur stärkt Pilates?

Pilates stärkt vor allem tiefer liegende Muskelgruppen, die in der Regel schwächer ausgeprägt sind. Aber gerade diese Muskulatur sorgt für eine gesunde Körperhaltung und trägt zum Wohlbefinden bei. Zu diesen Muskelgruppen gehören Bauch- und Rückenmuskulatur und der Beckenboden.

Joseph Pilates hat sein Hauptaugenmerk auf das Powerhouse gelegt. Das sind die in der Körpermitte liegenden Muskeln, die sogenannte Stützmuskulatur. Das Besondere an Pilates ist zudem, dass durch die langsamen und fließenden Bewegungen die Gelenke geschont werden. Die rund 500 Übungen eignen sich daher auch für diejenigen, die nach einer gewissen Sport-Abstinenz wieder ihre persönliche Fitness steigern möchten.

Wie effektiv ist Pilates?

Der geistige Vater des Krafttrainings versprach seinen Teilnehmern, dass sie schon nach wenigen Einheiten eine aufrechtere Haltung haben. Zudem solle man, wenn man die Übungen erfolgreich in den Alltag integriert, einen tollen "Body" bekommen, sagte er einst. Pilates soll zudem gegen die von vielen Frauen gehasste Cellulite helfen, wenn die Faszien beim Training entsprechend angesprochen werden.

Unbestritten ist, dass Pilates – wie andere Sportarten auch – Stress reduziert. Beim Sport machen werden Glückshormone, sogenannte Endorphine, ausgeschüttet, die für Entspannung sorgen. Die Atemübungen sorgen zusätzlich dafür, dass sich der Geist beruhigt und man sich wie geerdet fühlt.

Was der Teilnehmer beim Pilates lernt, kann er auch in anderen Sportarten umsetzen. Pilates fördert Koordination und Gleichgewichtssinn. Die gestärkte Körperwahrnehmung hilft dabei, Schwächen in Bewegungsabläufen zu erkennen und anzugehen. So können Verletzungen vermieden werden.

Kann man mit Pilates abnehmen?

Ein Ganzkörpertraining stärkt die Muskeln von Kopf bis Fuß. Stoffwechsel und Durchblutung werden angeregt. Man kann eine einfache Rechnung aufstellen: Mehr Muskeln verbrauchen mehr Kalorien. Wer das Pilates-Training mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung kombiniert, kann also durchaus Abnehm-Erfolge erzielen. Ein weiteres Plus: Durch die Stärkung der Körpermitte werden Hüfte und Taille gestrafft.

Allerdings muss man sein Diät-Ziel entsprechend ehrgeizig verfolgen, betont Delia Schaller. Einmal die Woche zu trainieren, reicht nicht aus, sollte die Gewichtsreduktion die sportliche Motivation sein. Zweimal die Woche ist ideal. Wie bei jeder anderen Sportart auch, gilt: Je öfter man trainiert, umso schneller werden die ersten Ergebnisse sichtbar und spürbar. „Natürlich kann man mit Pilates seinen Körper straffen. Mir geht es vor allem darum, gesund zu bleiben“, sagt Delia Schaller.

Wer kann Pilates machen?

Grundsätzlich kann jeder – egal welches Fitnesslevel – Pilates trainieren. Die Pilates-Methode eignet sich daher besonders für diejenigen, die sanft ins Sportmachen einsteigen wollen. „Pilates kann jeder machen“, sagt die Hückeswagener Pilates-Trainerin Delia Schaller. „Meine älteste Teilnehmerin ist 82 Jahre alt. Ich bin schwer begeistert, dass man bis ins hohe Alter so fit sein kann.“

Ein großer Vorteil der Trainingsmethode ist, dass man die Übungen überall und jederzeit durchführen kann. Sie lassen sich gut in den Alltag integrieren. Theoretisch könnte man sogar die Übungen anhand von Filmen und Büchern erlernen, wovon viele Pilates-Experten aber abraten. Zumindest für den Einstieg sollte man sich die Übungen von einem Profi zeigen lassen. Wer Probleme mit dem Rücken hat, in der Vergangenheit bereits Bandscheibenvorfälle erlitten hat oder unter einer Extremstellung der Wirbelsäule leidet, sollte vorab seinen Arzt zurate ziehen, ob Pilates die richtige Sportart ist. Bei kurzfristigen Problemen des Bewegungsapparates gibt es diverse alternative Übungen, die schmerzende Gelenke entlasten. „Zum Beispiel würde man mehr Übungen in Bauchlage machen, wenn es Probleme mit den Handgelenken gibt“, erklärt Delia Schaller. „Pilates wird immer ruhig und mit Verstand trainiert.“

Übrigens: Wer in der Schwangerschaft fit bleiben und etwas für den Körper tun möchte, sollte Pilates ausprobieren. Diese Sportart könne man auch mit Babybauch gut machen, sagt Delia Schaller. „Voraussetzung ist natürlich eine gute Gesundheit.“ Spricht medizinisch nichts dagegen, können sich Schwangere mit Pilates durchaus auf die Geburt vorbereiten, bei der es ja auf einen starken Beckenboden ankommt. „Viele meiner Teilnehmerinnen haben mir gesagt, dass das Training bei der Geburt geholfen hat. Sie konnten ihren Beckenboden gut loslassen. Den eigenen Körper im Griff zu haben, ist ein absoluter Vorteil und eine gute Vorbereitung auf die Geburt.“

Welche Ausrüstung braucht man für Pilates?

In erster Linie braucht es, um Pilates zu machen, einen Teppich oder eine Gymnastikmatte und bequeme Sportkleidung. Statt in Schuhen wird auf Socken oder barfuß trainiert. Im klassischen Pilates hat der Erfinder noch Geräte vorgesehen, die ohne vorherige Einweisung durch einen erfahrenen Trainer aber nicht verwendet werden sollten. Dazu gehören die Geräte Reformer, Cadillac, Chair, Barrel und Spine Corrector.

Wer darf Pilates anbieten?

Hier hat Joseph H. Pilates zu Lebzeiten nicht vorgesorgt. Pilates ist kein geschützter Begriff. Daher ist auch keine einheitliche und geprüfte Ausbildung notwendig, um Pilates-Kurse anbieten zu dürfen. Zudem gibt es heute verschiedene Kursangebote, bei denen das klassische Pilates abgewandelt und mit anderen Sportarten kombiniert wird. Ein Beispiel ist Piloxing. Hier werden Elemente aus dem Pilates mit Tanz und Bewegungen verbunden, die dem Boxen nachempfunden sind. Die bekannteste Abwandlung des klassischen Pilates ist aber das Power Pilates. Hier fließen neue Erkenntnisse aus der Sportmedizin und der Physiologie ein, um die Übungen noch effektiver zu machen. Balance und Kraft stehen im Mittelpunkt. Power Pilates gilt als wahrer Fatburner.

Wer sich für einen Pilates-Kurs interessiert, sollte darauf achten, dass der Kursleiter aus dem Sport- oder Therapiebereich kommt und eine Pilates-Ausbildung beziehungsweise -Fortbildung vorweisen kann. Gerade für Neulinge ist eine fachliche Einführung in die Pilates-Methode wichtig, um Haltungsfehler zu vermeiden. Generell ist das Verletzungsrisiko bei konzentrierter Ausübung aber gering. Mittlerweile bieten viele Fitnessstudios und Sportvereine Pilates-Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene an.

Worin unterscheidet sich Pilates von Yoga?

Bei beiden Sportarten geht es ruhig zu und die Atemtechnik ist ein wichtiger Bestandteil. Bei Pilates unterscheidet sich die Atmung etwas, sagt Delia Schaller. „Der Kiefer wird locker gelassen, damit sich der Nacken entspannen kann.“ Beim Yoga wird in den Bauch geatmet, stets durch die Nase. Beim Pilates dagegen werden die Teilnehmer angehalten, in den Brustkorb zu atmen. Die Brustkorbatmung soll das Zwerchfell kräftigen. Die Luft dringt durch die Nase ein und durch den Mund wieder aus.

Aus Sicht der Hückeswagenerin ist Pilates abwechslungsreicher. Beim Yoga werden die Körperübungen, die sogenannten Asanas, oft wiederholt, während beim Pilates in einer Stunde in der Regel verschiedene Übungen direkt hintereinander durchgeführt werden.  

Zudem hat Yoga eine lange Geschichte – ebenfalls ein Unterschied. Entstanden ist die Methode vor mehreren tausend Jahren in Indien. Auf spirituelle Art und Weise sollen Körper und Seele in den Einklang gebracht werden. Meditation ist ein wichtiger Bestandteil einer Yoga-Stunde. Pilates dagegen ist eine Sportart der Neuzeit. Spirituell geht es hier nicht zu. Im Mittelpunkt stehen kontrollierte Bewegungsabläufe, die einen gesunden Körper schaffen sollen.

Hier geht es zur Infostrecke: 10 Fakten über Pilates