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Düsseldorf: Farbenblind: Wo ist denn hier die 13?

Düsseldorf : Farbenblind: Wo ist denn hier die 13?

Eine Farbsinnesstörung ist meist angeboren, und fast immer trifft sie einen Mann. Sie wird aber über die Mutter vererbt. Umstehende sehen verdutzt, dass ein Mensch zwei verschiedenartige Socken trägt und das nicht merkt.

Neulich kam Tim (12) aus dem Gymnasium und bestürmte seinen Vater mit einer verwirrenden Geschichte: Im Biologie-Unterricht habe der Lehrer eine Tafel mit bunten Kugeln gezeigt und dann gesagt, Normalsichtige könnten in einer Kugel die Zahl 13 einwandfrei erkennen; wer das aber nicht könne, sei rot-grün-blind. Tim sah immer alles prima, alles scharf und sagte zu seinem Lehrer leicht vorlaut: Ob er die Klasse vergackeiern wolle — was das denn mit einer Zahl solle, die es hier gar nicht gebe? Daraufhin lachte die ganze Klasse, und alle wussten es auf einmal: Tim ist farbenblind. Alle sahen die 13, nur er nicht.

Der Volksmund spricht von Farbenblindheit, der Fachmann von Farbsinnesstörungen oder Farbenfehlsichtigkeiten. Mit diesen Störungen verhält es sich aber nicht minder verwirrend, vor allem wenn sie angeboren auftreten — in der Regel bei Männern, da X-chromosomal rezessiv vererbt. X-chromosomal rezessiv heißt, dass der Erbgang von der Mutter, die das Gen trägt, aber selbst nicht krank ist, an den Sohn weitergegeben wird — dieser erkrankt. Er wiederum gibt das Gen nur an eine Tochter weiter, die wiederum kranke Söhne haben kann.

Besteht der Verdacht auf eine Farbsinnesstörung, erfolgt die Überprüfung mit Farbtafeln, den so genannten "pseudoisochromatischen Tafeln" nach Ishihara. Sie enthalten Zahlen oder Buchstaben aus kleinen Farbpunkten in Verwechslungsfarben. Patienten mit Farbsinnesstörungen können diese Zahlen nicht lesen. Dieser Test erfasst vor allem die Rot-Grün-Störungen, die am häufigsten sind. Der Farbfleck-Legetest kann zusätzlich Blau-Gelb-Störungen erfassen: Bei Farbsinnesstörungen können Patienten die bunten Steine nicht in richtiger Reihenfolge sortieren.

Rot-Grün-Schwäche oder -Blindheit ist immer angeboren und verstärkt oder vermindert sich nicht im Laufe der Zeit. Von ihr sind etwa neun Prozent aller Männer und etwa 0,8 Prozent der Frauen betroffen, sie ist damit weit häufiger als eine Gelb-Blau-Sehschwäche oder die vollständige Farbenblindheit.

Wenn der Augenarzt das Ausmaß der Farbsinnesstörung bestimmt, verwendet er ein sogenanntes Anomaloskop. Hier muss der Patient durch Mischen von Rot und Grün selber einen gelben Farbton erstellen. Bei der Einstellung verwendet der Grünblinde zu viel Grün, der Rotblinde zu viel Rot, weil er diese Farben schlechter wahrnimmt.

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Farbsinnesstörungen sind vor allem im Straßenverkehr hinderlich. Dort ist Rot bekanntlich die Hauptsignalfarbe. Zur beruflichen Ausübung insbesondere als Taxi-, Bus- und Lkw-Fahrer sind Rotblinde nicht qualifiziert, da sie zum Beispiel bei Nebel ein rotes Rücklicht zu spät sehen. Grünblindheit, die Männer häufig betrifft, spielt im Straßenverkehr keine Rolle. Im Luftverkehr und in der Schifffahrt sind beide Signalfarben Rot und Grün gleich wichtig, so dass hier Rotblinde und Grünblinde die womöglich ersehnte Qualifikation nicht bekommen können. Von Berufen wie Florist, Maler oder Lackierer ist bei Farbsinnesstörungen abzuraten.

Farbenblindheit betrifft, wie gesagt, fast immer Männer. Bei Bekleidungsfragen sollten sie sich beraten lassen, da sie zu "unmöglichen" Farbkombinationen neigen. Kleiner Trost für sie: Fehlgriffe tätigen oft auch Männer, die keine angeborene Farbschwäche haben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Sind Sie farbenblind?

(RP)