Arsen und Medikamente : Wie belastet ist unser Wasser?

Vorbei sind die Zeiten, in denen verseuchte Trinkwasserquellen todbringende Krankheiten wie die Cholera über uns brachten. Doch trotz enger Kontrollen ist man auch heute nicht per se geschützt vor krankmachenden Keimen und anderen belastenden Stoffen. Lesen Sie hier, welche das sind und was sie der Gesundheit anhaben können.

Wie ein kühler klarer Schatz liegt das Grundwasser tief in der Erde verborgen. Durch Erd- und Gesteinsschichten geschützt vor vielen Verunreinigungen. Doch ganz so rein wie mancher glauben mag, ist es nicht, denn Belastungen wie Düngemittel, die von oben auf die Äcker herabregnen und deren Nitrate im Boden versickern, erreichen das Grundwasser ebenso wie im Boden schlummernde Altlasten oder Abwassereinleitungen. Nitrat steht in Verdacht, im menschlichen Magen zu Nitrosaminen umgewandelt Krebs zu erzeugen. Nehmen Säuglinge es auf, kann es den Sauerstofftransport beeinträchtigen, es droht akute Erstickungsgefahr.

Erfrischung mit Plastik und Arsen

Was die Wasseraufnahme angeht, soll man im Sommer den Mund ruhig ein bisschen voller nehmen, um den Flüssigkeitshaushalt im Organismus stabil zu halten und alle Salzvorräte aufzufrischen, die uns übers Schwitzen abhanden gekommen sind. Allein im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen rauschen jedes Jahr rund 1,2 Milliarden Kubikmeter Trinkwasser durch die Leitungen. Doch trotz der Bemühungen von Wasserversorgern und Gesundheitsämtern, passiert es, dass das kühle Nass nicht unvorbelastet aus Hahn und Flasche fließt. Berichte über Mikroplastikteile in Bier und Wasser, giftigem Arsen im Weizengetränk oder Kindergärten, die geschlossen werden müssen, weil das Wasser mit Legionellen verseucht ist, hinterlassen Unsicherheiten.

Keime wie E.-Coli-Bakterien und Legionellen, Schwermetalle wie Blei oder Kadmium und mineralische Partikel, Stoffwechselprodukte oder Medikamentenrückstände finden sich mitunter im Wasser. So schwimmen Schmerzmittel, Antibiotika, Blutdrucksenker und Psychopharmaka in Deutschlands Gewässern. Der Lippeverband verweist auf über 150 verschiedene Wirkstoffe, die dort gemessen wurden. Moderne Kläranlagen erkennen zwar viele der Rückstände, doch reicht es aus, sie unterhalb der durch die Trinkwasserverordnung festgesetzten Grenzwerte zu belassen.

Arzneimittel im Wasser

Kritiker bemängeln, dass die Reaktion von Arzneimitteln mit der Umwelt bislang durch ökotoxikologische Studien noch beinahe gar nicht untersucht sind. "Viele der bisher untersuchten Wirkstoffe werden gar nicht, andere nur zum Teil entfernt. Gelangen die stabilen Moleküle mit dem Ablauf der Kläranlagen in die Flüsse und Seen, können sie ihren Weg in das Grundwasser und schließlich über das Trinkwasser in geringsten Mengen zurück zum Menschen finden", informiert der Lippeverband weiter. Allerdings konnten bislang in deutschen Trinkwasserproben Arzneimittelrückstände lediglich vereinzelt gemessen werden.

Auch, wenn sich pro Liter lediglich wenige milliardstel Gramm orten ließen, sind sich die Experten dennoch uneinig darüber, welche Auswirkungen solch kleine Mengen noch auf den Menschen haben können. Was genau sie anrichten können blieb auch bei einer Studie des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) aus dem Jahr 2007 im Dunkeln. Fest hielt das LANUV jedoch, dass Medikamente wie Diclofenac oder Antibiotika wie Erythromycin Umweltzrelevanz haben und weiterer Forschungsbedarf bestehe.

Wie Gifte ins Wasser geraten

Auch Schwermetalle wie Uran werden unter anderem über Düngemittel oder werden durch Gesteinsschichten im Boden ins Grundwasser ausgewaschen. Solche Stoffe können die menschlichen Nieren schwer schädigen. Gifte wie Arsen oder Cyanid dürfen sogar im Trinkwasser schwimmen, es sei denn, sie überschreiten einen Grenzwert, den die Trinkwasserverordnung ebenso wie die WHO auf zehn Mikrogramm pro Liter festlegt.

Arsen kommt als natürliche Vorkommen in Teilen Thüringens auf, im Erzgebirge, Teilen von Rheinland-Pfalz, Franken oder auch Schleswig-Holstein. "Durch Auswaschungen aus arsenhaltigen Erzen kann das Element ins Grundwasser gelangen. Werden Felder mit derart belastetem Wasser gegossen, nehmen Pflanzen wie zum Beispiel Reis das Arsen über die Wurzeln auf", so das Bayerische Landesumweltamt. In Fisch und Meeresfrüchten kommt das Gift in einer Form vor, die das Landesumweltamt als unbedenklich einstuft, einschränkend aber erwähnt: "Zur Toxizität anderer organischer Arsenverbindungen liegen keine Daten für Menschen vor. Anorganische Arsenverbindungen sind dagegen hoch toxisch und als krebserregend eingestuft."

Für die Hausinstallation und damit für die Qualität Ihres Trinkwassers ab Übergabestelle allerdings sind Haus- und Wohnungsbesitzer selbst verantwortlich. Wer also sein Wasser aus alten Bleileitungen zapft, der geht damit selbst das Risiko einer höheren Bleibelastung ein.

Legionellen — Hausgemachte Probleme

Hausgemacht können auch Probleme mit Stäbchenbakterien wie Legionellen sein. Sie kommen in geringen Mengen natürlich im Grundwasser vor, können sich aber bei Temperaturen über 20 bis 30 Grad schlagartig vermehren. Sie können schwerste Lungenentzündungen mit Todesfolge hervorrufen, die auch als "Legionärskrankheit" bezeichnet werden. Infizieren kann man sich mit den Bakterien vor allem über das Einatmen erregerhaltiger, lungengängiger Aerosole aus warmem Wasser. Somit stellen Duschen aber auch der Sprühnebel am Wasserhahn Gefahrenquellen dar.

Kann man aus einer Kaltwasserleitungen über mehrere Minuten nur handwarmes Wasser beziehen, ist es besser, die Temperatursituation durch einen Installateur überprüfen zu lassen, um die Bildung von Legionellen auszuschließen. Der Arbeitskreis Wasserhygiene rät, die Temperatur des Warmwasserspeichers auf mindestens 60 Grad Celsius zu halten und ihn regelmäßig warten und reinigen zu lassen. Bakterien lieben den Stillstand. Waren Sie für einige Tage nicht zu Hause, lassen Sie darum das Wasser für einige Minuten laufen.

Die Frage nach der richtigen Wahl

Wer nun die Lösung im Kauf von Mineralwasser sucht und meint, damit das vermeintlich gesündere Wasser zu sich zu nehmen, der muss sich auch in dieser Angelegenheit auf einen Glaubenskrieg einstellen. In einer Untersuchung der Stiftung Warentest von verschiedenen stillen Wässern unterschiedlichster Herkunft schnitten diese übel ab. Beinahe zwei Drittel enthielten nur wenige Mineralstoffe. Mitunter sogar deutlich weniger als in Leitungswasser. In jeder dritten Flasche schwammen zudem Keime. Der Schluss der Tester: Leitungswasser sei im Schnitt ebenso gut, wenn nicht sogar besser.

Hier geht es zur Infostrecke: Heilwasser, Tafelwasser – Was ist was?

(wat)