Erfolgreich anlegen Wertvolles Wissen: Wie Sie in Wasser investieren können

Frankfurt/Bonn · Wasser ist oft rar und sehr kostbar. Wer von einem Wasser-Investment profitieren will, hat verschiedene Möglichkeiten. Welche Strategien es gibt - und worauf Sie dabei achten sollten.

Wasser wird eine immer wertvollere Ressource. Das macht es auch für Anleger interessant.

Wasser wird eine immer wertvollere Ressource. Das macht es auch für Anleger interessant.

Foto: Sebastian Gollnow/dpa/dpa-tmn

Ob Einzelaktien, Fonds oder ETF - es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, in Wasser zu investieren.

Warum könnte es sich lohnen, sein Geld im Bereich der Wasserversorgung anzulegen? Was sollten Privatanleger dabei beachten? Und ist so ein Investment überhaupt ethisch vertretbar?

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Warum ist das Investieren in Wasser reizvoll?

Wasserknappheit wird in den kommenden Jahren durch die Folgen des Klimawandels zunehmen. Nach Angaben des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) könnten bis zum Ende des 21. Jahrhunderts bis zu acht Prozent der Weltbevölkerung - und damit doppelt so viele wie heute - von extremen Dürren bedroht sein.

Gleichzeitig ist der weltweite Wasserverbrauch laut den Vereinten Nationen heute sechs Mal so hoch wie noch vor 100 Jahren. Bevölkerungswachstum, Wirtschaftswachstum und veränderte Konsumgewohnheiten führen dazu, dass der Wasserverbrauch um etwa ein Prozent pro Jahr ansteigen dürfte.

Die Versorgung mit Trink- und Nutzwasser stellt also eine globale Herausforderung dar. Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, werden von dieser Entwicklung profitieren, glaubt Markus Schultes von der Unikat Vermögensverwaltung. Das macht die Branche auch für Anleger interessant.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt Nicolas Pilz, Geschäftsführer der Societas Vermögensverwaltung: „Die zwei Prozent nutzbares Süßwasser werden zum großen Teil für die Landwirtschaft verwendet. Insofern sind Unternehmen, die in diesem Sektor Effizienzgewinne liefern, äußerst attraktiv und die Kurse entsprechend aussichtsreich.“

Ist ein Investment in Wasser ethisch vertretbar?

Der Wasserverbrauch pro Kopf hat sich innerhalb der letzten 100 Jahre versechsfacht.

Der Wasserverbrauch pro Kopf hat sich innerhalb der letzten 100 Jahre versechsfacht.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn

Prof. Manfred Stüttgen vom Institut für Finanzdienstleistungen Zug IFZ an der Hochschule Luzern findet, man könnte die Frage eigentlich umdrehen: „Wie vertretbar ist es, in Zeiten von Dürren und Wasserknappheit nicht in Kapitalanlagen zu investieren, die die Wasserversorgung armer Bevölkerungsschichten fördern?“

Die Begründung: „Zwei Milliarden Menschen weltweit haben heute noch keinen gesicherten Zugang zu Trinkwasser. Sie sind auf eine Verbesserung der Wasserversorgung dringend angewiesen“, sagt Stüttgen, Autor des Buches „Ethisch investieren“.

Wasserfonds investierten oft in Unternehmen, deren Produkte die Gesundheit und Produktivität dieser Menschen - und auch der Umwelt - positiv beeinflussen könnten, erklärt der Experte.

Hierzu zählen Firmen, die Wasserinfrastruktur managen oder sanitäre Einrichtungen unterhalten. „Wenn man in derartige Wasserfonds investiert, stellt man den genannten Unternehmen indirekt Kapital zur Verfügung“, sagt Stüttgen.

Beispiel: Für den nachhaltigen Fair World Fonds verfassten Brot für die Welt und das Südwind-Institut für Ökonomie und Ökumene entwicklungspolitische Kriterien. Diese definieren nicht nur, in welche Branchen nicht investiert werden sollte - zum Beispiel in Rüstungsgüter. Sondern auch Positivkriterien.

So spielen bei der Auswahl der Unternehmen, in die der Fonds investiert, auch Wasseraufbereitungsanlagen eine bedeutende Rolle - neben medizinischen Generika oder Telekommunikationsdienstleistungen, die benachteiligten Bevölkerungsgruppen zugutekommen.

Tut man mit Wasser-Investments also automatisch etwas Gutes?

„Aus ethischer Sicht wäre ein solches Investment nur dann lobenswert, wenn der Investor zur Finanzierung eines höherwertigen moralischen Ziels bereit wäre, nötigenfalls Abstriche in der Rendite in Kauf zu nehmen“, sagt Stüttgen.

Das ist allerdings nicht die Idee von Wasserfonds: „Typischerweise werden Themenfonds hauptsächlich als Produkte angepriesen, die eine Überrendite erzielen - und nicht als Produkte, die eine Wirkung erzielen sollen.“ Nur: Diese Überrendite ist keineswegs sicher.

Wer aus ethischem Antrieb in Wasser-Fonds investiert, sollte sowieso damit leben können, eine unterdurchschnittliche Rendite zu erzielen.

Sollten Unternehmen in der Wasserwirtschaft überhaupt profitorientiert arbeiten?

„Das Argument, dass Unternehmen in der Wasserwirtschaft nicht profitorientiert arbeiten sollten, ist umstritten“, sagt Prof. Stüttgen. Wissenschaftliche Studien aus unterschiedlichen Industrien hätten gezeigt, dass Non-Profit-Organisationen häufig deutlich ineffizienter arbeiten als gewinnorientierte Unternehmen.

„Anders ausgedrückt: Gewinnorientierte Unternehmen tragen öfters zu einem Wohlstandszuwachs auf volkswirtschaftlicher Ebene bei“, sagt Stüttgen. „Dieser Wohlstandszuwachs kann und sollte auch armen und vulnerablen Bevölkerungsgruppen zugutekommen.“

Letztlich gehe es hier aber um die gesellschaftspolitische Frage der gerechten Verteilung eines knappen Gutes - in diesem Fall Wasser.

Fazit: Investments in Wasser sind erst einmal überhaupt nicht verwerflich oder zweifelhaft. Ob sie eine höhere Rendite erzielen als der breite Aktienmarkt, ist eine andere Frage.

Lohnt sich ein Investment in Wasser?

Hier kommt es darauf an, womit man die erzielte Rendite vergleicht. Alle Fonds und ETF, die in bestimmte Branchen investieren, sollen besser abschneiden als der breite Markt. Andernfalls könnte man ja auch ganz breit gestreut in alle Branchen investieren.

Die Frage ist: Erzielt eine bestimmte Branche - sei es Solar, Wasserstoff, Automatisierung oder eben Wasser - eine Überperformance? Etwa weil man davon ausgeht, dass der Sektor besonders boomen wird.

Die Antwort: „Es ist unmöglich, das vorauszusagen“, sagt Yann Stoffel. Der ETF-Experte der Zeitschrift „Finanztest“ stellt fest, dass sich die besten Wasserfonds in den vergangenen zehn Jahren ähnlich wie der Weltaktienmarkt entwickelt haben.

Wer die Entwicklung der letzten fünf bis zehn Jahre betrachtet, sieht: Der allgemeine Trend geht nach oben. In den letzten Jahren sind mit entsprechenden Investments im Durchschnitt zweistellige Renditen erwirtschaftet worden.

Als Beispiele nennt Nicolas Pilz zwei Wasser-Fonds: den iShares Global Water mit über 60 Prozent und den Lyxor MSCI Water mit über 80 Prozent Rendite in den letzten fünf Jahren.

Ein Vergleich mit dem branchenübergreifenden Index MSCI World zeigt: Das ist ähnlich gut wie der Gesamtaktienmarkt - aber auch nicht wesentlich besser.

Zwar können Anleger nicht von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen. Aber es ist wahrscheinlich, dass Wasser und die damit verbundenen Branchen an Bedeutung gewinnen.

Der Punkt ist: Ganz sicher weiß man es immer erst im Rückblick.

„Wie bei allen Anlagethemen sollten Anleger die oft präsentierten Argumente für das jeweilige Thema kritisch hinterfragen“, so Stoffel. „Plausibel klingende Argumente garantieren noch keinen Anlageerfolg.“

Jemand schwärmt von einem Hype ums Wasser? Bleiben Sie kritisch.

Welche Branchen gibt es auf dem Wassermarkt?

Es gibt Firmen, die nur einen Teil ihrer Umsätze mit der Ressource Wasser erzielen. Andere generieren einen relevanten Anteil ihres Umsatzes im Wasserbereich. Einige Beispiele:

  • Wasserversorger wie American Water Works, Suez, Veolia Environnement und Gelsenwasser
  • Wasseraufbereiter wie Veolia, Danaher und Roper Technologies
  • Trinkwasser-Marken wie Coca-Cola, Nestlé und Danone
  • Hersteller von Zubehör wie Wasserfilter, -pumpen und -ventile, beispielsweise Pentair und KSB

Was sollten Sie über Wasser-ETF wissen?

Viele Firmen generieren nur einen Teil ihres Umsatzes mit Wasser.

Viele Firmen generieren nur einen Teil ihres Umsatzes mit Wasser.

Foto: Swen Pförtner/dpa/dpa-tmn

Seit 2007 stehen Anlegern Wasser-ETF zur Verfügung. Hier wäre etwa der iShares Global Water Ucits ETF zu nennen, der die Branche marktbreit abdeckt. Anleger können somit über ein Produkt in ganz viele Unternehmen investieren, die ihr Geld mit Wasser verdienen.

Vorteil: ETF werden nicht aktiv von einem Fondsmanager zusammengestellt, dadurch sinken die Kosten. ETF sind somit in der Regel günstiger als aktiv gemanagte Fonds.

„Aufgrund der niedrigeren Kosten und weil es sich um Sondervermögen handelt, würden wir als erstes einen ETF empfehlen“, sagt Stoffel. Der Status als Sondervermögen schützt Anleger im Falle einer Insolvenz der Investmentgesellschaft.

Wichtig: Privatanleger sollten Wasser-Fonds immer nur als Beimischung zu einem gut diversifizierten Portfolio wählen, rät Stoffel.

Ein breit gestreuter Fonds, der etwa dem MSCI World folgt, bildet die Kursentwicklung von rund 1500 Aktien aus 23 Industrieländern ab. Zum Vergleich: Der S&P Global Water Index umfasst 100 Aktien unter anderem aus den Bereichen Wasserversorgung in aller Welt.

So gehen Sie vor:

  • Schauen Sie, welche ETF breit diversifizierte Wasser-Indices abbilden. Bedeutende Indices sind etwa der S&P Global Water oder der MSCI Water ESG.
  • Prüfen Sie, wie viele Aktien ein ETF enthält. Je mehr, desto sicherer.
  • Informieren Sie sich über die Kosten. Die hierfür relevante Größe ist die Total Expense Ratio (TER).
  • Vergleichen Sie die Anbieter.

„Es gibt am Markt deutliche Unterschiede und entsprechend unterschiedlich sind auch die erzielten Ergebnisse“, merkt Pilz an.

Übrigens: Die Abkürzung ETF steht für Exchange Traded Fund. Das sind an der Börse gehandelte Fonds, die passiv einen Index nachbilden.

Wie lang sollte mein Anlagezeitraum sein?

Der Anlagehorizont bei Wasserinvestments entspricht denen von klassischen Aktieninvestments und sollte mindestens bei zehn Jahren liegen - eher länger.

Die Devise lautet: Kaufen und liegen lassen. Denn ein häufiges Umschichten verursacht Transaktionskosten. Ein weiterer Vorteil, wenn Sie ihre Geldanlage lange liegen lassen: Über die Jahre gleichen sich Schwankungen aus.

Und Schwankungen sind bei Wasser-Investments nicht ungewöhnlich. Nicht jedes Wasserprojekt klappt oder wird rechtzeitig fertiggestellt. Verzögerungen beim Bau großer Wasserinfrastrukturprojekte muss man einkalkulieren.

Hinzu kommt, dass viele Unternehmen oder Projekte nicht in Europa umgesetzt werden, sondern weltweit. Das bedeutet, dass auch Währungsschwankungen großen Einfluss auf die Performance haben, erklärt Vermögensprofi Frank Wieser vom Haus des Stiftens.

Was muss ich über aktiv gemanagte Wasser-Fonds wissen?

Mit Schwankungen rechnen: Wer sein Geld in Wasser investiert, braucht Geduld.

Mit Schwankungen rechnen: Wer sein Geld in Wasser investiert, braucht Geduld.

Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Eine Alternative zu Wasser-ETF sind aktiv gemanagte Fonds. Das heißt: Diese Fonds werden von Fondsmanagern aktiv zusammengestellt und geführt. Das verursacht in der Regel höhere Kosten.

Wichtig: Schauen Sie auf die Größe des Fonds. „Wasser-Fonds sollten ein Volumen von mindestens 50 Millionen Euro haben, damit Anleger davon ausgehen können, dass diese langfristig am Markt bleiben“, rät Nicolas Pilz.

Außerdem sollten Anleger prüfen, wo der thematische Schwerpunkt liegt, wie sich der Fonds in den vergangenen Jahren entwickelt hat und wie hoch die Kosten sind.

Gut zu wissen: Aktien-Fonds, die seit vielen Jahren am Markt aktiv sind, haben in der Regel ein höheres Volumen als eher junge Fonds. Oft lassen sie auch Spielraum für geringere Gebühren.

Frank Wieser weist darauf hin, dass es bisher nur wenige etablierte aktiv gemanagte Wasser-Fonds gibt. Dazu gehören beispielsweise der Pictet Water oder der BNP Paribas Aqua. Beide Fonds haben eine ordentliche Rendite, unterscheiden sich aber erheblich hinsichtlich ihrer Kosten.

Was gibt es bei Wasser-Aktien zu beachten?

Anleger haben auch die Möglichkeit, gezielt die Aktien eines bestimmten Unternehmens aus der Wasserwirtschaft zu kaufen. Das kann am Ende eine höhere Rendite bringen - bedeutet aber auch ein höheres Risiko. Wenn die Firma pleite geht, ist das angelegte Geld weg. Bei einem ETF, der in viele Unternehmen investiert, geht das nicht.

Die Verbraucherzentrale Hessen empfiehlt bei Aktien und der Geldanlage daher grundsätzlich: „Legen Sie nicht alle Eier in einen Korb.“ Setzen Sie also nicht alles auf eine oder wenige Aktien, sondern verteilen sie das Risiko.

„Wenn man nicht gerade eine ganz bestimmte Wasser-Aktie im Auge hat, dann sollte man wie üblich innerhalb des Themas streuen“, sagt auch Yann Stoffel von der „Finanztest“.

Die Performance einer Wasser-Aktie fällt sehr unterschiedlich aus, erklärt Simone Schieg, Analystin bei Scope Analysis. Anleger müssten für die Recherche, Auswahl und Überwachung einzelner Aktien mit einem gewissen Zeitaufwand rechnen. Das gilt auch beim Thema Wasser.

Thomas Hechtfischer von Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) rät Anlegern, Kontakt zum Unternehmen aufzunehmen und sich direkt über die aktuelle Geschäftssituation zu erkundigen: „Man sollte sich die Hauptversammlung mal anschauen. Man sollte den Geschäftsbericht mal lesen, und bevor man sich für ein Engagement entscheidet, alle Risiken und Chancen abwägen.“

Wichtige Fragen bei der Recherche sind:

  • Was macht das Unternehmen?
  • In was investiert das Unternehmen?
  • Wächst das Unternehmen?
  • Wie schneidet es im Vergleich zu anderen Wettbewerbern ab?

Nutzen Sie für Ihre Recherche im Netz nicht irgendwelche Online-Foren. Die großen Finanzinformationsportale sind meist die verlässlichere Quelle.

© dpa-infocom, dpa:220128-99-891299/105

(dpa)
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