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ARD-Fernsehfilm "Komasaufen": Wenn Jugendliche trinken bis zum Umfallen

ARD-Fernsehfilm "Komasaufen" : Wenn Jugendliche trinken bis zum Umfallen

An jedem Wochenende müssen in deutschen Krankenhäusern Kinder und Jugendliche wegen einer akuten Alkoholvergiftung behandelt werden. Auf Feten unter freiem Himmel, aber auch in Bars und Discos haben sie so viel Bier und Schnaps getrunken, dass sie zusammengebrochen sind.

Wie es dazu kommt und welche Auswirkungen dieses exzessive Trinken haben kann, schildern Bernd Böhlich (Buch) und Bodo Fürneisen (Regie) in dem Fernsehfilm "Komasaufen". Die ARD zeigt die dramatische Geschichte am Mittwoch um 20.15 Uhr.

Im Mittelpunkt des Films steht der 15-jährige Gymnasiast Lukas. Der scheue Junge hat die Trennung seiner Eltern noch immer nicht richtig verarbeitet. In der Schule hat er zunehmend Schwierigkeiten. Besonders seine Leistungen in Mathematik lassen sehr zu wünschen übrig. Von der Clique in seiner Klasse, die der großspurige Timo anführt, fühlt er sich nicht ernst genommen. Dass er von Timos Freundin Sylvia träumt, macht die Sache nicht besser. Zu Hause kommt es immer wieder zum Streit zwischen Lukas und Karsten. Der neue Lebensgefährte seiner Mutter würde ihm gerne ein Vater sein. Lukas aber will und kann die Forderungen des karriere- und leistungsbewussten Mannes nicht erfüllen.

Er kann nicht Nein sagen

Als Timos Clique Lukas auffordert mitzutrinken, kann er nicht Nein sagen. Er hält tapfer mit. Sein Ansehen wächst. An einem Abend steigt die Clique in die Werkstatt von Lukas' Vater ein. Als die Polizei kommt, flüchten alle. Nur Lukas bleibt bei Sylvia zurück, die zusammengebrochen ist. Im Krankenhaus erfährt Lukas, dass die Probleme des jungen Mädchens viel größer sind, als er geahnt hat. Vom Alkohol kann er trotzdem nicht die Finger lassen, obgleich er es seiner Mutter versprochen hat. Die Lage spitzt sich immer mehr zu.

Autor Bernd Böhlich und Regisseur Bodo Fürneisen haben sich in dem 2008 ausgestrahlten Fernsehfilm "Mein Mann, der Trinker" schon einmal mit dem Thema Alkohol befasst. Nun haben sie sich des gern verdrängten Problems des Alkoholmissbrauchs unter Jugendlichen angenommen. Die Zahlen sind erschreckend: Rund 25.000 Kinder und Jugendliche müssen jedes Jahr wegen Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt werden, und rund eine halbe Million gelten bereits als alkoholabhängig. Die Betroffenen kommen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten, die größte Gruppe aber bilden die Gymnasiasten, berichten Sozialarbeiter.

Partymachen heißt saufen

Folgerichtig steht im Mittelpunkt des Films auch eine Gymnasialklasse. Geldprobleme haben die meisten nicht, wenn es sein muss, wird der Schnaps trotzdem auch schon mal in der Tankstelle geklaut. Partymachen heißt für die jungen Leute saufen. Man spürt, dass es ihnen an Orientierung fehlt. Sie rutschen immer weiter ab und merken nicht, in welcher Gefahr sie schweben.

"Komasaufen" zeigt die Folgen exzessiven Trinkens auf, ist dabei durchaus spannend, bleibt aber dennoch irgendwie blass. So ist nicht zu sehen, wie Lukas unter seinem Kater leidet. Auch wird nicht deutlich, dass seine sowieso schon schlechten schulischen Leistungen noch immer weiter abrutschen, weil er trinkt. Man wird mit dem verschlossenen Jungen nicht warm, und viele seiner Reaktionen und Handlungen wirken unglaubwürdig. Schwer vorstellbar, dass der scheue Lukas den Mumm aufbringt und anfängt, in einer fremden Wohnung einen Regenbogen an die Wand zu malen. "Komasaufen" verfolgt einen wichtigen Ansatz, weil der Film auf ein drängendes Problem aufmerksam macht. Aber es fehlt ihm an Präzision und Schärfe.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Szenenbilder aus dem ARD-Film "Komasaufen"

(KNA)