Das hat Brokkoli der Instant-Suppe voraus: Warum "Essen-to-go" ungesund ist

Das hat Brokkoli der Instant-Suppe voraus : Warum "Essen-to-go" ungesund ist

Bei Telefonat mal ins Brötchen beißen oder neben der Computertastatur ein schnelles Aufwärmgericht löffeln. Immer mehr Deutsche essen in Hektik nebenher. Warum aber ist das so ungesund?

Es sind vor allem die jungen Deutschen, die im Dauerstress die Zeit für‘s Essen und die Qualität ihrer Mahlzeiten hinten anstellen. Sechs von zehn unter 25-Jährigen essen einmal in der Woche Fertiggerichte. Jeder sechste greift sogar öfter als dreimal in der Woche zu Tütensuppe oder Fertigpizza. Der Grund dafür ist in den meisten Fällen die Zeit, so ergibt es die Umfrage, die im Auftrag der Techniker Krankenkasse Daten zusammenstellt, bei deren Anblick Ernährungsexperten das Essen im Halse stecken bleibt. Die Hälfte der jungen Erwachsenen, die ihre Meinung zu Papier gaben, meint, ihnen fehle die Zeit, sich gesund zu ernähren.

Es mag ein Zeichen der Zeit sein, sich eben keine solche mehr für die tägliche Nahrungsaufnahme zu nehmen. Am Anfang war es der Coffee to go, der jetzt nur noch eines von vielen "to go"-Produkten ist, das man im Laufschritt von Termin zu Termin hetzend seinem Magen zumutet. Kurz gesagt. "to-go" ist in. Jeder dritte unterhalb der 25er-Grenze isst mindestens dreimal in der Woche etwas, wenn er unterwegs ist. Pommes, Burger und Currywurst sind dabei die Speisen, die zwar am ungesundesten, aber offensichtlich am leichtesten im Gehen zu essen sind. Mit dem Alter nehmen die Gelüste auf das Essen unterwegs ab. Paradox wird es besonders bei den Geringverdienern: Jeder Dritte gibt seine finanzielle Situation als Grund für den Dauerstopp bei Mc Donalds und Co. Aufgrund fehlenden Geldes können sich die Geringverdiener der eigenen Meinung nach lediglich Fertiggerichte leisten.

Warum Fastfood uns nicht gut tut

Essen auf die Schnelle oder an der Imbiss-Bude um die Ecke allerdings ist kaum geeignet, sich gesund zu ernähren. "Oft verleitet das dazu, zu schnell und zu viel zu essen oder sich einseitig zu ernähren", moniert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Fastfood sei nicht geeignet, die Energie und Nährstoffe zu liefern, die wir für die tägliche Arbeit brauchen. Ob für körperliche oder geistige Arbeit, der Körper benötigt eine abwechslungsreiche Ernährung.

Doch die Industrie macht die Essenszubereitung doch so leicht: Salat aus der Tüte oder die Chinasuppe zum Anrühren mit heißem Wasser, Fertiggerichte in Aluschalen oder Plastikschläuchen — wenn die Zeit fehlt oder auch die Lust nicht da ist, gibt es probate Mittel, bequem an eine Mahlzeit zu kommen, ohne sich lange an den Herd zu stellen. Der Nachteil dieser Nahrung allerdings: Convenience-Food, wie die Produkte auch genannte werden — sind randvoll mit Zusatz- und Aromastoffen, Geschmacksverstärkern und Farbstoffen.

Der Brokkoli vom Markt enthällt zum Beispiel neben Vitaminen viele sekundäre Pflanzenstoffe. Die Brokkoli-Instant-Rahmsuppe zum Anrühren leiht sich dagegen vom gesunden Grün beinahe nur den Namen. Nach Mineralstoffe, Vitaminen oder Pflanzenstoffen wird man darin beinahe vergeblich suchen. Untersuchungen wie etwa die Nationale Verzehrstudie zeigen: Der Wunsch nach gesundem Essen ist durchaus weit verbreitet, allerdings hapert es bei vielen an der Umsetzung. Marianne Rudischer rät als Ernährungsmedizinische Beraterin bei der Barmer GEK darum dazu, sich einen Vorrat an Trockenvorräten wie Kartoffeln, Reis und Getreideflocken anzulegen und diese bei den Wocheneinkäufen mit frischen Gemüsen zu ergänzen.

Ein weiterer Tipp: Wer, wenn er kocht, ein bisschen mehr zubereitet, der hat in Froster immer mal eine gesunde Reserve, wenn es schnell gehen muss. Die in der Mirkowelle bei der Arbeit aufgewärmt ist allemal gesünder und auch leckerer als ein Fertigprodukt.

Das Gehirn bekommt das Satt-Signal erst später

Manche Probleme allerdings sind hausgemacht. Wer sich zum Essen keine Zeit nimmt, auf Fertiggerichte zurückgreift und im mobilen Zeitalter selbst die Mahlzeiten unterwegs einnimmt, der isst unkonzentriert und nebenher. Eine Mahlzeit ist so zwar schnell im Magen, doch das "Satt-Signal", so erklären die Ernährungsexperten, kommt erst nach 20 Minuten im Gehirn an. Schnellesser vertilgen aus diesem Grund laut einer amerikanischen Studie mehr Nahrung als die, die sich Zeit nehmen. Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung rät darum zum langsamen Essen. Nur so hat der Körper überhaupt die Chance, zu merken, wann die Sättigung eintritt. Wer sein Gewicht im Blick halten möchte, der sollte das beherzigen. Wer langsam esse, der beuge zudem Sodbrennen und Blährungen vor, sagt Wolfgang Reuter, leitender Arzt bei der Deutschen Krankenversicherung (DKV).

Gesundheitsexperten mahnen, Volkskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und Übergewicht seien immer weiter auf dem Vormarsch und auch die Zahl der Krebserkrankungen würden durch unseren ungesunden Lebenswandel weiter ansteigen. Doch viele, denen es vielleicht heute noch gut geht, wollen offensichtlich nicht an morgen denken.

Das Schicksal ist frei gewählt: Im Ergebnis wird in Deutschland immer weniger selbst gekocht. In jeder zweiten Küche bleibt der Herd aufgrund von Zeitmangel kalt. Was denjenigen, die hektisch durch den Alltag jagen, durchaus bewusst ist: Nicht einmal die Hälfte aller Frauen findet, dass sie genug kocht. Bei den Männern ist es sogar nur knapp jeder fünfte. Und: Viele Menschen haben schlichtweg keine Lust oder sind zu faul zum Kochen. Bei jedem Sechsten siegt die Trägheit über den Appetit — bei den Männern sogar bei fast jedem Vierten.

Tipps für Kantinengänger

Statt selbst zu kochen, wählen manche die Lösung, sich in der Kantine an den gemachten Tisch zu setzen. In Anbetracht eines steigenden Kostendrucks aber ist nicht überall die Qualität der höchste Maßstab bei der Zusammenstellung der Menüs. Den Berufstätigen, die sich am Arbeitsplatz versuchen wollen, gesund zu ernähren, fällt das zusehends schwerer. Ein Drittel beklagt, es sei schlichtweg unmöglich, sich bei seiner Arbeit gesund zu ernähren. Viele aber versuchen es erst gar nicht. Denn die Umfrage offenbart zudem. Nur jeder Zweite kann in seinen Arbeitspausen wirklich in Ruhe essen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V. rät allen, die nicht in eine Kantine gehen können oder möchten, wenigstens kleine Pausen einzulegen, Zwischenmahlzeiten einzunehmen und einseitige Ernährung zum Beispiel durch Obst, Gemüse und Milchprodukte auszugleichen. Das wirkt sich nicht nur auf das Leistungsvermögen gut aus, sondern auch auf das Gewicht.

Ein weiterer Tipp: Wer morgens schon ein Müsli oder Vollkornbrot gegessen hat, hat für den Tag die erste gesunde Grundlage gelegt. Er kommt besser über den Tag und vermeidet laut DGE Heißhungerattacken. Selbst, wenn man dann am Mittag einmal auf ein Fastfood-Gericht zurückgreifen muss, kann man das durch Zwischenmahlzeiten, die aus Obst, Gemüse oder einem Joghurt bestehen wieder ausgleichen.

Hier geht es zur Infostrecke: Für jeden Job die richtige Ernährung

(wat)
Mehr von RP ONLINE