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Thermomix - Der Hype um eine Küchenmaschine

Hype um Küchenmaschine : Alle 30 Sekunden wird ein Thermomix verkauft

Die neueste Version des Allzweckgeräts bricht alle Rekorde. Trotz Lieferzeiten von bis zu 13 Wochen ist es zum Muss in vielen Haushalten geworden. Bei Vorwerk denkt man nun über Erweiterungen nach.

Das Gerät ist teuer, oft laut und ein bisschen sperrig — und dennoch extrem beliebt. Alle 30 Sekunden wird inzwischen weltweit ein Thermomix verkauft. Allein in diesem Jahr sollen es mehr als eine Million Geräte sein, in zwei Jahren sogar zwei Millionen. Nachdem die Maschine jahrelang in Deutschland ein Nischendarsein fristete, ist nun um den Thermomix ein Hype entbrannt, als ginge es nicht um ein Küchengerät von einem Wuppertaler Familienunternehmen, sondern das neueste Produkt aus dem Hause Apple. Seit Vorwerk im vergangenen Jahr das Modell TM5 auf den Markt gebracht hat, hat sich dieser Trend noch einmal beschleunigt. Die Thermomix-Party, bei der eine freundliche Vorwerk-Mitarbeiterin leckere Rohkostsalate, Brötchen und Eis vor den Augen der Gäste in dem Alleskönner zubereitet, ist inzwischen in vielen Schichten zum Symbol dafür geworden, dass man zur Küchen-Avantgarde gehört.

Hält die Entwicklung bis zum Jahresende an, dürfte sich der Umsatz innerhalb der vergangenen fünf Jahre nahezu verdoppelt haben. 2011 setzte Vorwerk noch knapp 591 Millionen Euro mit dem Thermomix um, 2014 waren es bereits 920 Millionen. Über den riesigen Erfolg sei man selbst erstaunt, sagten die beiden persönlich haftenden Gesellschafter des 131. Jahre alten Wuppertaler Familienunternehmens am Donnerstag bei der Vorstellung des Geschäftsberichts. Durch zusätzliche Investitionen wollen Reiner Strecker und Frank van Oers diesen Erfolg nun nachhaltig sichern.

Nirgendwo ist die Nachfrage so groß wie in Deutschland. Allein 2014 gab es hier in der Thermomix-Sparte ein Umsatzplus von zehn Prozent. Im ersten Quartal lag das Wachstum in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar bei 70 Prozent. Das Heimatland der Küchenmaschine hat allerdings auch Nachholbedarf: In Spanien steht in mehr als jedem zehnten Haushalt ein Thermomix, in Portugal liegt der Anteil sogar bei fast 40 Prozent. Hierzulande gibt es hingegen bislang nur einen einstelligen Prozentsatz an Thermomix-Besitzern. Das kann auch mit dem Essverhalten zusammenhängen: In den südlichen Ländern wird häufiger Suppe und Risotto gegessen — Gerichte, die sich in dem Topf besonders leicht und schnell zubereiten lassen. Inzwischen entdecken offensichtlich jedoch auch immer mehr Deutsche die zwölf Funktionen der Maschine, mit der man nicht nur häckseln und rühren, sondern auch dampfgaren und kochen kann.

In Zukunft könnten die Umsätze daher sogar noch rasanter steigen. Ähnlich wie beim Weber-Grill, für den es längst auch Steinplatten zum Pizza-Backen, Gemüsekörbe und Pecannussholz-Spähne für ein besseres Grill-Aroma gibt, könnte langfristig auch um den Thermomix herum eine ganze Produktwelt entstehen. "Der Thermomix ist mehr als ein Gerät — er ist ein Konzept", sagt Frank van Oers. Dennoch gibt es bislang nur wenig Zubehör wie Kochbücher oder Ersatz für die im Lieferumfang enthaltenen Spatel, Töpfe und Deckel zu kaufen. Ob und wie sich dieses Sortiment langfristig erweitern ließe, wird momentan bei Vorwerk recherchiert. Van Oers ist jedenfalls sicher: "Es gibt viele Möglichkeiten."

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Wie weit man bereits in die Zukunft blickt, zeigen auch die technischen Voraussetzungen, die Vorwerks Entwickler in dem Gerät bereits verankert haben. Schon jetzt wird das Gerät mit einem Chip ausgeliefert, auf dem zahlreiche Rezepte gespeichert sind. Eine App ermöglicht es außerdem, eine digitale Rezept-Bibliothek anzulegen. Und auf einem Online-Portal können Nutzer Rezepte hinterlegen und mit anderen Thermomix-Besitzern teilen. Gleichzeitig sind jedoch in dem Gerät Schnittstellen angelegt, mit denen es in eine zukünftig womöglich vernetzte Küche integriert werden könnte. Ein Thermomix, der mit dem Kühlschrank und anderen Geräten kommuniziert? Möglich wäre es.

Grundsätzlich ausschließen wollen die Geschäftsführer auch nicht, dass irgendwann ein Thermomix mit einem größeren Topf auf den Markt kommt. Die Motorleistung würde dies schon jetzt zulassen, doch dann wäre ein gefüllter Topf aufgrund des Gewichts womöglich nicht mehr problemlos mit einer Hand zu tragen. Dennoch: Gerade für mehrköpfige Familien könnte eine größere Variante interessant sein. Als erfolgreiches Vorbild darf hier der US-Konzern Apple gelten: Auch die Kalifornier bieten ihre iPhones und iPads in unterschiedlichen Größen an — und feiern damit regelmäßig Umsatzrekorde.

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Aktuell sind für Vorwerk jedoch zunächst einmal andere Dinge wichtig: Die Lieferzeit für den Thermomix beträgt in Deutschland — trotz eines massiven Aufbaus der Produktionskapazitäten — noch immer 13 Wochen. Es werde noch ungefähr ein halbes Jahr dauern, bis die Bestellungen so weit abgearbeitet sind, dass sich die Lieferzeiten "normalisiert" haben. Überraschend: Die langen Lieferzeiten gibt es nur in Deutschland und Frankreich, wo es aktuell elf Wochen dauert, bis Kunden ihren Thermomix bekommen. In anderen Ländern geht das deutlich schneller. Vorwerk habe sich für diesen Schritt entschieden, weil die Geräte dort von den Thermomix-Beraterinnen ausgeliefert werden — und die sollen es sich mit ihren Kunden schließlich nicht verderben. In Deutschland werden die Geräte hingegen zentral ausgeliefert.

Der Beliebtheit des Thermomix tut das keinen Abbruch. Und so konnte das Gerät — gemeinsam mit der Staubsauger-Sparte Kobold — auch kompensieren, dass die Umsätze in anderen Bereichen sanken. Sowohl Jafra Cosmetics als auch die Wasserfilter-Sparte Lux Asia Pacific verzeichneten Umsatzrückgänge. Die Umsatzsteigerungen der Teppichsparte resultieren überwiegend aus der Übernahme eines Konkurrenten und die Erlöse der akf-Bankengruppe stiegen nur marginal. Trotzdem stieg der Gesamtumsatz der Gruppe um 5,8 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro — einen neuen Rekordwert.

Weil durch die Erfolge ausreichend Geld für Investitionen zur Verfügung steht, kündigte Vorwerk nun sogar den Start einer ganz neuen Sparte an. Noch hüllt man sich in Schweigen, worum es sich dabei handelt. Es soll aber um den "Do-it-yourself"-Bereich gehen, hieß es am Donnerstag geheimnisvoll. Im Juni soll das Produkt auf den Markt kommen — und die Vorwerk-Erfolgsgeschichte fortschreiben.

(frin)