Sodbrennen und Lethargie: Das hilft gegen den Hangover nach dem Essen

Sodbrennen, Magendrücken, Lethargie : Das hilft gegen Katergefühle nach dem Essen

Noch ein Bissen, dann noch ein Teller und noch ein Nachtisch. Manchmal schmeckt es einfach so gut, dass Aufhören keine Option ist. Doch wie Alkohol kann auch Essen einen "Kater" herbeiführen, der körperliche Symptome nach sich zieht. Lesen Sie hier, welche das sind und wie Sie dem Food Hangover beim nächsten Mal nicht auf den Leim gehen.

Pommes und Schnitzel — regelmäßig locken sie mittags die Massen zu Tisch. Denn sie gelten als eine der Lieblingsspeisen in deutschen Kantinen. Die frittierten Gaumenfreunden munden sehr, doch dann kommt die Klatsche: mancher isst daran die halbe Nacht weiter. Sodbrennen und das Gefühl einen Ballon verschluckt zu haben, rauben im Anschluss dann den Schlaf. Es ist der Bissen zu viel, der quält und kneift.

Kaum einer, der die Symptome nicht kennt, die wir uns in Essenslaune herbeifuttern: Blähungen, Lethargie und Übelkeit. Sie erinnern uns auf unangenehme Art und Weise an das letzte (zu große) Mahl. Denn während bei promillehaltigen Getränken zumindest in den meisten Situationen die innere Warnlampe aufleuchtet, wenn es zu viel des Guten ist - handeln wir beim Essen oft unüberlegt.

Warum wir spachteln, bis die Wampe spannt

Warum wir weiterspachteln, bis der Ranzen spannt, das wissen die Ernährungsexperten. Besonders verführerisch sind Speisen, die ohnehin unter die persönlichen Lieblingsspeisen fallen. Denn wenn es gut schmeckt, ist die Verführung besonders groß über den Hunger hinaus zu essen.

Besonders Schnell-Esser werden das Gefühl, den Gürtel weiter schnallen zu müssen, gut kennen. Sie tappen regelmäßig in eine Falle. Denn erst frühestens nach 20 Minuten meldet ein voller Magen seine Sättigung. Wer aber die Mahlzeit innerhalb von zehn Minuten komplett intus hat, der merkt dann höchstens, dass er sich überfuttert hat. Zu spät also, um zu reagieren und den Food-Hangover noch zu vermeiden.

Das Suppenkoma ist dann noch das geringste Übel, das Viel- und Schnellesser wartet. Konzentrationsprobleme und ein untrügerisches Schlappsein machen sich dabei breit. Das hat seinen Grund: der Körper benötigt große Mengen Blut für die Verdauungstätigkeit und zieht es in Magen und Darm. Dadurch werden Gehirn und Muskulatur etwas weniger gut versorgt. Das hat den Effekt, dass nach dem Mittagessen mancher in ein Energietief verfällt, erklärt Nadia Röwe vom aid Infodienst.

Die Liste der verdächtigen Lebensmittel

Neben dem Zuviel an Essen, kann auch die Art der Nahrung für den Food-Hangover verantwortlich sein. Auf der Liste der Verdächtigen stehen alle fettigen Lebensmittel — wie Pommes, Currywurst oder Schnitzel — ganz weit oben. Fett kann der Körper deutlich schwerer verdauen als Kohlenhydrate. Das ist der Grund dafür, dass sich solche Speisen bis in die Nacht hinein durch Sodbrennen bemerkbar machen. Daneben können auch säurehaltige oder —bindende Lebensmittel solche Beschwerden hervorrufen. Dazu zählen zum Beispiel Zitrusfrüchte, Kaffee, Alkohol aber auch Süßes. Manchmal lassen sich diese Probleme durch ein paar Gläser stilles Wasser abdämpfen. Es verdünnt die Magensäure und stellt so eine Möglichkeit dar, sauren Reflux zu vermeiden.

Blähende Lebensmittel wie Kohl oder Zwiebeln können auch Stunden nach der Mahlzeit noch für Rumoren im Gedärm sorgen. Das gleiche gilt für scharf gewürztes Essen, das nach Informationen des aid Infodienstes den Magen langfristig belastet.

Durch den Verzehr komplexer Kohlenhydrate, die in Vollkornprodukten und Gemüse stecken, bleibt der Insulinspiegel im Körper ausgeglichener. Das sorgt für eine konstantere Leistungsfähigkeit. Bei einfachen Kohlenhydraten, wie sie in Weißmehl und Süßem stecken, schnellt der Insulinspiegel dagegen reflexartig in die Höhe - und stürzt ebenso schnell wieder ab. Aus diesem Grund hilft der Schokoriegel zwar über das Nachmittagstief hinweg, hält aber nicht vor. Kurz danach sind wir noch müder als zuvor.

Auch die Psyche beschert Katerstimmung im Magen

Neben diesen physiologischen Faktoren spielen nach neuesten Forschungserkenntnissen auch psychologische Faktoren eine wichtige Rolle. Amerikanische Wissenschaftler der Cornell-Universität haben entdeckt, dass Potionsgröße das Sättigungsgefühl sogar stärker bestimmen als die tatsächliche Magenfüllung. Die Versuchspersonen nahmen bei einem Experiment einen Suppenteller, der sich fortlaufend unsichtbar über ein Schlauchsystem neu befüllte Nahrung auf, bis sich der Teller sichtbar leerte. Dabei ließen sie ihr Sättigungsgefühl vollkommen außer Acht und futterten auf diese Weise im Schnitt 73 Prozent mehr Suppe.

Dass allerdings hat, so sind sich die Forscher sicher, nicht nur etwas mit Esslust zu tun, sondern einen evolutionsbiologischen Hintergrund. Unter knappen Bedingungen galt in der menschlichen Vorgeschichte die Maßgabe, gute Gelegenheiten voll und ganz auszunutzen, um überleben zu können. Bei ständiger Nahrungsverfügbarkeit hat es jedoch hierzulande eher unerwünschte Effekte: die Rettungsringe wachsen und der Magen zwickt. Denn nach den Möglichkeiten des Angebots zu essen, funktioniert unter unseren Bedingungen gar nicht mehr.

Die Evolution verliert im Fast-Food-Restaurant

Schätzungen nach nahmen unsere evolutionsbiologischen Vorfahren eine Energiedichte von 107 Kilokalorien pro 100 Gramm auf. Eine Mahlzeit im Fastfood-Restaurant der Wahl hingegen kommt auf mehr als das Doppelte: 287 Kilokalorien pro 100 Gramm. Wer nicht in diese Falle tappen möchte, sollte versuchen den Spieß umzudrehen und die Psychologie für sich zu nutzen:

Nehmen Sie einen kleineren Teller, dann fällt es leichter, nach weniger Schluss zu machen. Behalten Sie zudem Ihr eigenes Sättigungsgefühl im Blick. Oft essen Menschen, wenn sie gemeinsam speisen. Die Psychologie nennt das "Anpassungsprozess". Weil alle mehr essen, neigen wir dazu, uns dem unbewusst anzupassen.

Eine weitere Falle lauert in der Ablenkung. Beim Essen nebenher aufs Handy zu schauen und noch ein paar WhatsApp zu schreiben, Fernsehen zu gucken oder nebenher zu Lesen, lässt die Nahrungsaufnahme in den Hintergrund rutschen. Leicht isst man dann mehr, als gewollt.

Wer trotz maßvollen Umgangs mit seinen Lieblingsspeisen immer noch mit Blähungen, Magenkneifen oder Übelkeit zu kämpfen hat, der leidet womöglich auch unter einer Lebensmittelunverträglichkeit wie einer Laktoseintoleranz, Fructose- oder einer Glutenunverträglichkeit. Ebenso kommen laut Nadia Röwe für immer wieder auftretende Kopfschmerzen auch Defizite im Flüssigkeitshaushalt in Frage. Möglichst stille Getränke helfen also nicht nur nach dem Alkohol-Rausch den Organismus wieder ins Gleichgewicht zu bringen, sondern sind auch bei Katerstimmung nach dem Essen ein probates "Heilmittel".

Hier geht es zur Infostrecke: Tipps gegen einen Food-Hangover

(wat)
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