Pro Wein 2018 in Düsseldorf: Jetzt wird der Wein orange

ProWein 2018 in Düsseldorf: Die Wein-Trends sind orange, vegan und alkoholfrei

Die internationale Weinszene trifft sich ab Sonntag bei der Messe ProWein in Düsseldorf. Die neuen Trends: Weine mit geringem Alkoholgehalt, eine orangefarbene Variante, und nun wird sogar der Kabinett hip.

Das Thema Wein ist mittlerweile auch für junge Leute interessant. Nur wollen sie keine Liebfrauenmilch wie ihre Großeltern trinken, sondern frischen, jungen Wein mit feiner Säure oder leichter Frucht - zum Essen, auf einer Party, aus der Box oder der Flasche.

Das bestätigt Paula Sidore, Amerikanerin mit Wohnsitz in den Weinbergen des Mittelrheins und als Trend-Expertin auf der ProWein gebucht: "Früher war die Weinszene ein geschlossenes System mit nur wenigen, vor allem älteren Insidern. Heute können sich alle über alles informieren, auch im Internet." Einige Trends:

  • Orange-Wein

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Das ist gerade der angesagteste Wein, vor allem bei denen, die gerne experimentieren. Der Wein hat einen orange-farbenen Ton. Dafür werden Weißweintrauben wie Rotwein gekeltert, die Schalen und Stengel der Trauben bleiben während der Maischphase länger als sonst liegen. Manchmal sogar Wochen oder Monate statt nur zwei Tage wie bei einem normalen Rotwein.

Einige Orange-Weine sind auch nicht geschwefelt, gelten als Naturweine. Georgier stellten diesen Wein im 15. Jahrhundert her und ließen ihn in Ton-Amphoren reifen.

Warum man diesen Wein mal probieren sollte, erklärt Klaus Wählen, Weinhändler und Betreiber einer Weinbar in der Düsseldorfer Altstadt: "Orange-Weine liefern ein ganz besonderes Geschmackserlebnis, vor allem als Essensbegleiter." Die Weine seien klar, trotzdem tannin-geprägt.

Aber: "Die Weine schmecken nicht jedem." Und kosten ihren Preis: Eine Flasche gibt es nicht unter 15 Euro. Orange-Weine werden in Georgien, aber auch in der Südsteiermarkt, im Friaul oder in Slowenien, zum Teil auch in Deutschland produziert.

  • Bio-Wein

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Immer mehr Winzer stellen ihre Weine biologisch her, verzichten auf Insektizide, Pestizide oder chemische Mittelchen im Weinkeller, um den Wein zu schönen, wie es heißt. Vielen, wie zum Beispiel Andre Landgraf aus Saulheim in Rheinhessen, ist es dabei gar nicht wichtig, dass auch "Bio" auf dem Etikett steht.

Entscheidend ist, dass sie selbst im Einklang mit der Natur arbeiten. Generell steigt der Absatz von Bio: In Deutschland wurden mit Bio-Lebensmitteln und -getränken 2017 erstmals mehr als zehn Milliarden Euro umgesetzt. 300 Bio-Winzer sind bei der ProWein dabei.

  • Veganer Wein

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Eigentlich ist jeder Wein vegan, weil offiziell keine tierischen Produkte enthalten sind. Außer, jemand benutzt Gelatine oder Hühnereiweiß zur Klärung oder auch Pulver aus Fischblasen. Das soll die Trübstoffe herausfiltern.

"Ab einer bestimmten Menge müssten diese Stoffe deklariert werden", erklärt Ernst Büscher, Sprecher des Deutschen Weininstituts (DWI). Das sei aber nur ganz selten nötig, weil so gut wie nichts von den Klärungsmitteln im Wein zurückbleibt, die meisten Winzer sie auch gar nicht verwenden.

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Trotzdem verzichten viele darauf, ihren Wein als "vegan" zu bewerben, um nicht in der Öko-Schublade zu landen.

  • Leicht und süffig

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Vor allem bei der jungen Generation ist "Easy drinking" angesagt. Heißt: keine alkoholschweren Weine, lieber etwas Leichtes. Für diese Zwecke hat sich der "Kabi" (die Eltern sagten noch Kabinett) durchgesetzt und erlebt gerade eine Renaissance.

Im "Cool Climate" von Deutschland gerät dieser Weintyp besonders gut, denn durch die lange Reifezeit der Trauben haben die Weißweine viel Geschmack und trotzdem wenig Alkohol.

Eigentlich sind Kabinett-Weine nicht die allerbeste Qualität, die von einem Weingut kommt. Durch den Trend zum Süffigen setzt er sich immer mehr durch - zumal ihn die jungen Winzer wie Kai Schätzel aus Nierstein in Rheinhessen viel frischer ausbauen als früher.

Mit dem Ergebnis übrigens, dass es in Düsseldorf am Wochenende eine "Kabi-Lounge" in der Altstadt gibt, in der jeden Abend die Flaschen zur lauten Musik geöffnet werden. Auch wenn sich Kabinett-Weine als Jungweine anbieten: "Man kann sie auch wunderbar fünf oder zehn Jahre im Keller liegen lassen, sie verändern dann komplett ihren Geschmack", sagt Sommelière Paula Sidore.

  • Weniger Alkoholgehalt

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Als die Hitzewelle im Jahr 2003 die Weine in ungeahnte Volumenprozent trieb (und keiner diese Weine trinken wollte), war das der Weckruf für die Weinszene, sagt Ernst Büscher vom DWI. Seitdem sind Weißweine mit weniger Alkohol populär.

Vorreiter sind zum Beispiel die Weinbauern an Mosel und Saar. "Leichte Weine haben Zukunft", sagt zum Beispiel Markus Molitor, Vorzeige-Winzer von der Mosel. Er investiert zurzeit in großem Stil in gleich zwei neue Flächen: Zum einen hat er an der Saar die frühere Staatsdomäne übernommen und baut dort demnächst auf 22 Hektar Bio-Wein an.

Das zweite Projekt entwickelt er mit einem weiteren berühmten Winzer, Roman Niewodniczanski vom Weingut Van Volxem von der Saar: Beide beackern den Geisberg bei Ockfen und wollen dort ihre typischen, leichten Mosel- und Saar-Weine produzieren. Die haben oft nur zehn Volumenprozent Alkohol und eignen sich ebenfalls zum "easy drinking".

  • Alkoholfreier Wein

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Und dann ist da noch der Wein ganz ohne Alkohol: Auch der liegt im Trend. Es gibt mittlerweile Techniken, den Alkohol ganz oder in Teilen aus dem Wein zu ziehen, ohne dass er viel von seinem Aroma verliert.

Alkoholfreier Traubensecco, wie ihn mittlerweile nicht nur der berühmteste deutsche Versekter Volker Raumland aus Flörsheim herstellt, gilt als alkoholfreies Vorzeigeprodukt aus Winzerhand.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Weinregion Moselland

(ak)
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