1. Leben
  2. Gesundheit
  3. Ernährung und Diät

Third Wave Wichteln: Lass uns Kaffee tauschen

Third Wave Wichteln : Lass uns Kaffee tauschen

Wichteln ruft bei vielen Erinnerungen an langatmige Weihnachtsfeiern, peinliche Geschenke und nervige Staubfänger hervor. Doch wenn auf der ganzen Welt Kaffeefeinschmecker untereinander tauschen, ist das ganz und gar nicht altbacken.

Man nehme einen traditionellen deutschen Weihnachtsbrauch, kombiniere diesen mit der Power der sozialen Netzwerke … und BOOM. Als Markus Reuter (32), André Krüger (37) und Thorsten Keller (34) kurz vor Weihnachten auf die Idee kamen, ihre Leidenschaft für extravagante Kaffeesorten miteinander zu teilen, hatten sie keine Ahnung, welche Ausmaße ihre Aktion annehmen würde. Dabei hatte alles ganz harmlos im November mit einem einfachen Satz im Internet begonnen: "Lass uns doch Kaffee tauschen." In einer Nacht-und-Nebel-Aktion entstand in der Düsseldorfer Wohnung von Markus Reuter die Homepage "Third Wave Wichteln" — das Dritte-Welle-Kaffeewichteln war geboren.

Anhänger der sogenannten dritten Kaffeewelle trinken Filterkaffee. Doch nicht irgendeinen Filterkaffee. Um die Kunst des Kaffeebrühens hat sich in den vergangenen Jahren eine regelrechte Wissenschaft entwickelt: Den Kaffeetrinkern ist es wichtig, wie ihr Kaffee angebaut, gehandelt, geröstet, gemahlen und zubereitet wird. Verwendet werden ausschließlich fair gehandelte Bohnen aus den besten Anbauregionen dieser Welt. Was in den USA begann — und sich dort in sogenannten "Brew Bars" manifestiert —, schwappt auch nach Deutschland über.

356 Teilnehmer aus 25 Ländern

"Ehrlich gesagt, hat uns der Erfolg der Idee komplett überrannt", erzählt Reuter. Über das Netz lernte er die beiden Wichtel-Mitinitiatoren Thorsten Keller und André Krüger aus Hamburg kennen — ihre gemeinsame Leidenschaft: richtig guter Brühkaffee. Doch wer in der neuen Kaffeeszene unterwegs ist, weiß, dass die feinen Bohnen rar sind. Erst langsam fasst die Bewegung in Deutschland Fuß, noch gehen die kleinen Kaffeeröstereien zwischen den großen Ketten unter. Das Wichteln bot den Kaffeeliebhabern die Möglichkeit, untereinander ihre Lieblingssorten zu tauschen.

Doch was dann geschah, hatte keiner der drei Ideengründer erwartet. Über die sozialen Netzwerke verbreitete sich das "Third Wave Wichteln" wie ein Lauffeuer. Als dann auch noch drei internationale Kaffeeseiten die Aktion aufgriffen und bewarben, verselbständigte sich die Aktion. "Über Nacht hatten sich plötzlich 100 Amerikaner fürs Wichteln angemeldet und plötzlich war es überall", berichtet der Düsseldorfer. Das Endergebnis: 356 Teilnehmer aus 25 Ländern — darunter Australien, Südafrika, Japan, Hongkong, Venezuela, Schweden und die Türkei.

  • Die dritte Kaffeewelle : Der Brühkaffee kommt zurück
  • Tipps : Fünf Katerfrühstücke, die wirklich helfen
  • Fotos : David Hasselhoff verkauft jetzt Kaffee

Nächstes Wichteln im Spätsommer

"Wir haben ein ganzes Wochenende damit verbracht, die Wichtel-Partner auszulosen und dann jeden Teilnehmer einzeln zu informieren, wohin er sein Kaffeepaket schicken soll", erzählt Reuter. Darunter Kaffee-Stars wie James Hofmann, kleine Kaffeeröster und Kaffeelaien. "Die Mischung und die Internationalität hat das Wichteln zu etwas ganz Besonderem gemacht", schwärmt der 32-Jährige. Doch mit der Internationalität kamen auch die Probleme, erinnert sich Reuter: "Zum Teil hat es zwei Monate gedauert, bis die Pakete durch den Zoll waren und endlich bei ihren Empfängern ankamen." Damit die Aktion nicht einfach im Sand verlief, riefen die drei Initiatoren die Teilnehmer dazu auf, ein Foto von ihrem Wichtelpaket zu machen, und es auf der "Third Wave Wichtel"-Homepage zu posten. Herausgekommen ist eine Kaffee-Bildercollage mit Beiträgen aus der ganzen Welt. Einer schwedischen Teilnehmerin schmeckte ihr Kaffee aus Portland (USA) sogar so gut, dass sie prompt einen Flug buchte, um ihren Wichtel-Partner und Kaffeeröster zu besuchen. Das nächste Kaffee-Wichteln ist für den Spätsommer geplant.

Wenn sich eine gute Idee durchsetzt und zu einem solchen Erfolg wird, dann macht das offenbar süchtig. Denn Markus Reuter hat bereits ein neues Projekt in Angriff genommen. Dieses Mal spielt es sich jedoch nicht international und auch nicht Internet ab, sondern Mitten in Düsseldorf. Genauer gesagt auf dem Brehmplatz. Doch auch hier dreht es sich um sein Leib-und-Magen-Thema Kaffee. Gemeinsam mit seinen Düsseldorfer Jungs Nick Piepenburg, Jan Schmitz und Christian Böhmer hat er das alte Büdchen, dass seit über 60 Jahre zum Mobiliar des Brehmplatzes gehört, vor dem Abriss gerettet. Nun soll es renoviert werden und zurück an seinen Platz gebracht werden — am liebsten als Kaffee-Büdchen. "Wir wollen dort ausschließlich Filterkaffee und verschiedene Bohnen von Röstern aus der ganzen Welt anbieten. Damit könnten wir dem Third-Wave-Wichteln ein zu Hause zu geben."

(bis)