Studien : Kaffee ist gesünder als sein Ruf

Für manche Gesundheitsfanatiker ist Kaffee gefährlich. Sie verteidigen ihre Meinung mit einer Reihe von Behauptungen. Doch viele Studien zeichnen mittlerweile ein differenzierteres Bild.

Er raubt den Schlaf, treibt den Blutdruck in die Höhe und saugt das Wasser aus dem Körper. Kaffee kommt nicht überall gut an. Schwarz, bitter und bedrohlich soll er dem Körper schaden — wenn man einigen Vorurteilen glauben darf. Doch wie gesund oder ungesund ist Kaffee wirklich?

Treibt Kaffee den Blutdruck in die Höhe?

Eine großangelegte Analyse aus dem Jahr 2008 fand keinen Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und Kaffee. In einigen der untersuchten Studien wurde nur ein minimaler Anstieg des Blutdrucks gemessen, andere scheinen sogar eher einen Schutzmechanismus entdeckt zu haben. Keine Studie aber konnte einen explosiven Anstieg des Blutdrucks mit dem Genuss von Kaffee verzeichnen. Wenn es überhaupt eine Wirkung gibt, dann sei sie auf andere Inhaltsstoffe wie beispielsweise Kalium zurückzuführen, aber nicht auf das Koffein. Woher kommt dann der schlechte Ruf? Schließlich soll das Heißgetränk generell schädlich fürs Herz sein und sogar zum Schlaganfall führen. Das könnte historische Gründe haben: Vor den Zeiten des Filterkaffees gelangten auch Verbindungen in das Getränk, die den LDL-Cholesterin-Spiegel steigen ließen. Und LDL-Cholesterin ist tatsächlich einer der Risikofaktoren für Arteriosklerose, die "Gefäßverkalkung", die zum Herzinfarkt oder einen Schlaganfall führen kann. Die Behauptung ist also mehr als ein Vorurteil. Aber mit dem Filterkaffee werden diese Stoffe quasi ausgesiebt und gelangen nicht mehr in die Tasse. Ein moderater Genuss scheint darum kaum einen negativen Effekt für das Herzkreislaufsystem zu haben.

Entwässert Kaffee den Körper?

Kaffee besteht zu 95 Prozent aus Wasser. Der Genuss führt darum auch nicht zu einer Entwässerung des Körpers. Eine aktuelle Studie aus diesem Jahr beispielsweise konnte bei Testpersonen, die entweder Kaffee oder die gleiche Menge Wasser am Tag tranken, keinen Unterschied im Flüssigkeitshaushalt feststellen. Kaffee kann aber unter Umständen harntreibend wirken. Aber das auch nur bei Personen, die Koffein nicht oder nicht mehr gewohnt sind, und plötzlich hohe Dosen (zwei bis drei Tassen) zu sich nehmen. Regelmäßige Kaffeetrinker spüren davon nichts.

Macht Kaffee leistungsfähiger?

Mehrere Studien haben den Effekt von Kaffee auf die Leistungsfähigkeit des Körpers gemessen. Das Ergebnis: Gerade bei Ausdauersportarten hat Koffein eine positive Wirkung. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hat Untersuchung angestellt und ist zum Schluss gekommen, dass die Aufnahme von Koffein eine Stunde vor Trainingsbeginn die Leistungsfähigkeit bei Ausdauersportarten verbessert und zudem den Muskelschmerz nach intensiver Anstrengung reduziert. Der vermutete Mechanismus ist, dass das Koffein die Adrenalin-Produktion anregt. Das Hormon wiederum verbessert die Blutzirkulation sowie die Muskelleistung. Beim Krafttraining dagegen scheint Kaffee kaum einen Effekt zu haben.

Macht Kaffee wach, konzentrierter und wirkt gegen Depressionen?

Eine Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit kam zu dem Ergebnis, dass die Menge Koffein in einer durchschnittlichen Tasse Kaffee (etwa 100 Milligramm) die Reaktionsfähigkeit, das Kurzzeitgedächtnis und die Konzentration fördern — vor allem bei Übermüdung. Wer Kaffee moderat genießt, spürt darum durchaus eine Steigerung der mentalen Leistungsfähigkeit. Ein höherer Kaffeekonsum steigert aber den Effekt nicht unbedingt. Im Gegenteil: Eine zu geringe, aber auch eine zu hohe Koffein-Dosis haben keinen oder sogar einen nachteiligen Effekt. Etwas anders sieht es bei der visuellen Wahrnehmungsfähigkeit aus. Nach einer Reihe von Studien führten zwei Tassen bei Kaffee-Abstinenzlern zu einer deutlichen Leistungssteigerung bei optischen Tests. Wer das Getränk dagegen gewohnt ist, benötigte etwa vier Tassen für ein besseres Resultat. Eine weitere Folge des moderaten Kaffeekonsums: Er hebt die Stimmung und wirkt Depressionen entgegen. Ein Vorurteil scheint sich indes in diversen Studien zu bestätigen: Kaffee und Schlaf passen nicht zusammen. Bei Kaffeetrinkern, denen das Getränk vorenthalten wurde, verbesserten sich die Qualität und die Dauer des Schlafes. Zudem fiel es ihnen leichter, überhaupt erst einzuschlafen.

Verhindert Kaffee Gallensteine?

Kaffee scheint tatsächlich die Bildung von Gallensteinen zu verhindern oder zumindest das Leiden zu lindern. Das Getränk führt zur Kontraktion der Gallenblase. Das wiederum verhindert, dass kleine Gallensteine, die sich noch im Anfangsstadium befinden, weiter wachsen und zu einem Problem werden können. Doch über den gleichen Mechanismus verursacht Kaffee bei bereits existenten größeren Gallensteinen auch stärkere Schmerzen.

Schützt Kaffee vor Krebs?

Eine Reihe von Studien lassen den Schluss zu oder weisen zumindest darauf hin, dass Kaffee tatsächlich vor Krebs schützt. Sei es im Mund,- Hals- und Rachenraum, in der Leber und im Darmtrakt, bei Brust- und Gebärmutterschleim-Karzinomen: In vielen Analysen hat der Kaffee zu einem reduzierten Risiko geführt — oder aber es gibt zumindest Indizien für eine geringere Gefahr einer Krebserkrankung. Allerdings sind die Wirkmechanismen nicht in allen Fällen vollständig geklärt. Darum sind Experten etwas vorsichtig in ihren Aussagen.

Bei anderen Krebsarten gibt es zwar Vorurteile gegenüber Kaffee, aber tatsächlich wurde kein Zusammenhang zwischen der Entstehung eines bösartigen Tumors und dem Getränk festgestellt. Nur beim Lungen- und Blasenkrebs ist die Beweislage noch nicht schlüssig. Vor allem neuere Studien sehen aber auch da im Kaffee keine Ursache. Zumal es noch einen anderen, versteckten Effekt geben kann, der in älteren Untersuchungen vernachlässigt worden ist: Viele intensive Kaffeetrinker sind auch starke Raucher. Das wiederum kann zum Trugschluss führen, dass das Getränk bestimmte Krebsarten fördert.

Schützt Kaffee wirklich vor Alzheimer, Parkinson und Diabetes Typ II?

Auch wenn es schwer ist, den Zusammenhang über Jahrzehnte zu untersuchen, scheint ein lebenslanger, moderater Kaffeegenuss vor dem altersbedingten Nachlassen der Wahrnehmungsfähigkeit zu schützen oder zumindest die Folgen zu verzögern. Bei Alzheimer, Parkinson und beim Schlaganfall sind die Ergebnisse zwar noch nicht schlüssig, aber auch da sprechen Indizien für eine vorbeugende Wirkung. Allerdings sind die Wirkmechanismen noch nicht klar. Das gilt auch für Diabetes Typ II. Vorläufiges Ergebnis ist, dass drei bis vier Tassen Kaffee am Tag das Risiko für die Entwicklung einer Diabetes Typ II um 25 Prozent senken. Jede weitere Tasse scheint die Gefahr um zusätzliche fünf bis zehn Prozent zu reduzieren. Allerdings zeigt entkoffeinierter Kaffee den gleichen Effekt. Es scheint also nicht am Koffein zu liegen.

Vertragen sich Kaffee und Schwangerschaft?

Neuer Studien zeigen keinen Zusammenhang zwischen Kaffee und Schwangerschaftsproblemen. Allerdings konzentrieren sich die meisten Analysen nicht auf das Getränk an sich, sondern auf das Koffein. Man hat aber festgestellt, dass Schwangeren oft eine Abneigung gegenüber Kaffee entwickeln. Was genau der Grund dafür ist, kann man noch nicht sagen.