Kaffee-Diät: Butter im Kaffee soll Wunder wirken

Bulletproof Coffee : Butter im Kaffee - die umstrittene Diät

Kaffee mit Butter und Kokosöl gilt als neue Geheimwaffe unter Menschen mit Gewichtsproblemen. So unwirklich es klingt, der Bulletproof Coffee, so der Name des Getränks, soll Energie für den ganzen Tag liefern und den Appetit zügeln.

Bulletproof Coffee, also kugel- oder schusssicherer Kaffee, wird der Butter-Kaffee genannt, um den es aktuell Euphorie in den sozialen Netzwerken gibt. Der Wunderkaffee, bei dem einer normalen Tasse Kaffee ein Teelöffel Butter und Kokosöl zugefügt wird, soll beim Abnehmen helfen, ewig satt halten und natürlich gesund sein. Weltweit stellen derzeit Menschen Fotos oder Videos von ihrem Kaffee-Experiment ins Internet und tauschen sich über Zubereitung, Geschmack und Effekte aus.

Die Idee ist nicht neu: In Tibet gilt gebutterter schwarzer Tee seit jeher als Nationalgetränk. Der Amerikaner Dave Asprey hat den Ansatz an die westlichen Gepflogenheiten angepasst und verwendet Kaffee statt Tee. Unter dem Label "Bulletproof" vertreibt er nicht nur die Zutaten für eben jenen Butter-Kaffee, sondern auch extra Zugaben wie Kollagene, Kakao oder Vanille. Auch die passende Diät zum Getränk hat er im Angebot. Diese beruht im wesentlichen auf der Paleo-, oder auch Steinzeit-Diät.

Das Grundprinzip dabei lautet: Eiweiß statt Kohlenhydrate. Nüsse, Samen, Kräuter, unraffinierte Pflanzenöle wie Kokos- und Olivenöl, frisches Bio-Gemüse und Fleisch stehen auf der Liste der erwünschten Nahrungsmittel. Zucker, Getreide und Milchprodukte sind tabu. Einzige Ausnahme von dieser Regel ist die Butter (vor allem, wenn sie von frischen Weidelandkühen stammt), denn sie bietet laut Paleo im Gegensatz zu Margarine gesunde Fette für den Körper. Das Frühstück ersetzt Asprey folglich durch eine Tasse Butter-Kaffee.

Das neue Kaffee-Getränk verspricht: Energie, Steigerung der Konzentration, ein langanhaltendes Sättigungsgefühl und Gewichtsreduktion. Ob sich damit wirklich abnehmen lässt, stellt Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn, zumindest infrage. "Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür", erklärt Gahl. "Ob ich morgens eine oder mehrere Tassen Butter-Kaffee trinke oder einen normalen Kaffee und ein Brötchen mit Butter zu mir nehme, dürfte ungefähr die gleiche Sättigung zur Folge haben."

Fett mache zwar satt, sei an sich aber kein geeignetes Mittel zum Abnehmen. Durch die enthaltenen Fette hat der Kaffee rund 140 Kalorien. "Wer am Tag auf eine Kugel Eis oder ein süßes Getränk verzichtet, spart etwa genauso viele Kalorien ein." Gefährlich sei der Konsum von Butter-Kaffee nicht, sofern man zwei bis drei Tassen pro Tag nicht überschreite.

Die entscheidende Zutat im Butter-Kaffee sind MCT-Fettsäuren. Diese sind in Form von Laurinsäure in der Butter und im Kokosöl enthalten. Sie sollen Alzheimer vorbeugen, antibakteriell wirken und einen Einfluss auf das Herzkreislaufsystem sowie erhöhte Cholesterinwerte senken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät bei dem Wunsch nach Gewichtsverlust von einem übermäßigen Verzehr von MCT-Fettsäuren ab.

Zwar konnten durch die Zufuhr von MCT als Ersatz für übliches Fett in Untersuchungen Körpergewicht und Körperfettmasse gesenkt werden - allerdings nur in kurzfristigen Studien. Für eine dauerhafte Abnahme sei der gänzliche Austausch nicht empfehlenswert. Grundlegend für den langfristigen Erfolg des Gewichtsmanagements sei vielmehr eine ausgeglichene Energiebilanz, die durch die Komponenten Ernährung und Bewegung erreicht wird.

Angst vor Fett darf man bei diesem Versuch wahrlich nicht haben. Denn nachdem man je einen Teelöffel Butter und Kokosöl im warmen Kaffee versenkt hat, blicken einem die Fettaugen direkt ins Gesicht. Deswegen püriert man die Zutaten am besten - und schon hat sich die Kaffee-Butter-Kokosöl-Masse in eine Art cremigen Latte Macchiato verwandelt.

Das redet man sich zumindest ein. Der Geruchstest fällt positiv aus: leichter Kokos-Kaffee-Duft strömt aus der Tasse. Von den Fettaugen ist beim ersten Schluck nichts mehr zu sehen, dafür sind sie auf Zunge und Gaumen spürbar. Nach wenigen Schlucken des sämigen Getränks ist der Mundraum mit einem Fettfilm ausgekleidet, der sich auch lange nach dem Verzehr noch hält.

Geschmacklich ist der Butter-Kaffee weniger gewöhnungsbedürftig, als angenommen. Er erinnert an einen Kaffee, auf dem einfach viel zu viel fette Sahne schwimmt. Die Kokosnote stört nicht, vorausgesetzt man mag das Aroma. Je nach Empfinden könnte der Butter-Kaffee mehr Süße vertragen. Diätexperten raten in diesem Fall zu Stevia, dem pflanzlichen und kalorienarmen Zuckerersatzstoff. Nach einer Tasse ist man gut gesättigt.

Fazit: Ungesund ist der Butter-Kaffee nicht. Auch anregend wirkt er, dank des enthaltenen Koffeins. Ob man für diese Effekte aber zwingend jeden Morgen Butter und Kokosöl unter seinen Kaffee mischen muss, bleibt Geschmackssache.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bulletproof Coffee: So wird er gemacht

(apd)
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