Neuer Ratgeber von Greenpeace: Fisch essen ohne schlechtes Gewissen

Neuer Ratgeber von Greenpeace : Fisch essen ohne schlechtes Gewissen

Wer umweltbewusst Fisch genießen will, der sollte auf Makrele verzichten, kann aber ohne schlechtes Gewissen Karpfen und Afrikanischen Wels essen. Das verrät der neue Einkaufsratgeber für Speisefisch der Umweltorganisation Greenpeace. Die Fischindustrie fühlt sich indes ungerecht behandelt.

Der Ratgeber bewertet mit Signalfarben nicht nur den Zustand der Fischbestände, sondern auch die Umweltauswirkungen der Fangmethoden und das jeweilige Fischereimanagement. "Lachs, Schellfisch oder Dorade können wir zum Beispiel mit Einschränkungen empfehlen, sofern sie aus nachhaltiger Wildfischerei oder Aquakultur stammen", sagte Greenpeace-Meeresbiologin Iris Menn am Donnerstag in Hamburg.

Ware aus nachhaltiger Fischerei

Greenpeace bewertet auf dem kleinen Faltblatt, das in jede Geldbörse passt, rund 100 Arten - aufgeteilt in mehrere Hundert Bestände und Aquakulturen. Die Verbraucher sollen schnell erkennen, ob die Ware aus nachhaltiger Fischerei stammt: Die Farbe Grün steht für "noch empfehlenswert", Rot für "nicht empfehlenswert".

Ein Blick auf die Kennzeichnung des Fischprodukts liefert dem Verbraucher die notwendigen Angaben, die er mit dem Fischratgeber abgleichen kann. Greenpeace gibt in der aktuellen Auflage neue Empfehlungen für nachhaltige Fischereien wie Sprotte aus der Ostsee, Hering aus der westlichen Ostsee oder Skipjack/Bonito aus dem Indischen Ozean mit Angelruten-Fischerei.

Neu in die Bewertungen aufgenommen wurden in diesem Jahr zudem Barramundi, Goldmakrele, Argentinische und Peruanische Sardelle, Roter Schnapper und Jakobsmuschel.

Kritik von der Fischindustrie

Der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Fischindustrie und des Fischgroßhandels, Matthias Keller, kritisierte den Greenpeace-Ratgeber: "Der aktuelle Zustand wesentlicher Fischbestände für den deutschen Markt wird durch diesen Einkaufsratgeber verzerrt dargestellt." Die vielen rot bewerteten Bestände seien "Ausdruck ideologischer Prägungen, aber nicht wissenschaftsbasierter Fakten".

Greenpeace veröffentlicht den Einkaufsratgeber seit 2008 jährlich, die Auflage liegt bei 200 000. Die Umweltschützer wollen erreichen, dass sich bedrohte Bestände erholen können, wenn Verbraucher seltener und bewusster Fisch essen. Die Welternährungsorganisation schätze, dass weltweit 30 Prozent der Bestände überfischt oder erschöpft seien, berichtete Menn.

Hier geht es zur Infostrecke: Fisch-Einkaufsratgeber nach Greenpeace 2016

(dpa/anch/felt/csi)