1. Leben
  2. Gesundheit
  3. Ernährung und Diät

Fastenzeit 2017: Wie fasten ab Aschermittwoch den Körper aufräumt

Tipps zum Aschermittwoch : Wie Fasten den Körper aufräumt

Für Körper und Psyche gibt es kaum etwas Besseres, als kurzzeitig auf Nahrung zu verzichten. Wir erklären, welche Vorteile fasten hat und welche Methoden sich am besten eignen.

Sechs Tage Straßenkarneval und dann 40 Tage fasten. Eine scheinbar unfaire Rechnung, die jedoch zu den ältesten Traditionen der Menschheit zählt. Was viele dabei nicht bedenken: Fasten ist nicht nur eine Zeit des Verzichts, sondern meist auch Vorbote eines besonderen Ereignisses.

Doch was sich in den Überlieferungen der großen Weltreligionen schön liest, ist für den modernen Menschen meist nur schwer vorstellbar. Haben vor Sein - diese alte Formel gilt für Besitztümer inzwischen mindestens so sehr wie für Genussmittel.

Der Körper reinigt sich selbst

Dabei zeigen immer mehr Studien, dass es kaum etwas Besseres für Körper und Psyche gibt als den bewussten Kalorienmangel. Schon nach 14 Stunden ohne Nahrung schaltet der Körper in einen inneren Reinigungsmodus um. Autophagie heißt dieser Prozess, bei dem die Körperzellen aus purem Energiemangel beginnen, sich selbst zu verdauen.

Was sich zunächst ungesund anhört, ist laut dem Biophysiker Thomas Finkenstädt ein echter Jungbrunnen: "Damit die Zelle in Fastenzeiten Energie produzieren kann, nimmt sie alte oder defekte Bestandteile aus sich selbst und verbrennt sie. Das Resultat der Übung: Der Körper beginnt allmählich, sich selbst zu reinigen - und zwar rundum bis hin zu den Nervenzellen im Gehirn."

Auch Bakterien und Viren werden bei diesem Hausputz bekämpft, so dass er Infektionen und Alterungsprozessen vorbeugt. "Studien an Mäusen legen nahe, dass die Autophagie auch gegen degenerative Prozesse wie Alzheimer, Rheuma oder Arthritis und Krebs wirksam ist", sagt Finkenstädt.

Kurzzeitfasten für Genussmenschen

Wer nur schwer auf Geschmack und Genuss verzichten kann, sollte es deshalb mit dem sogenannten intermittierenden Fasten versuchen. Phasen, in denen gefastet werden soll, und Phasen, in denen gegessen werden darf, wechseln sich ständig ab. Je nach persönlicher Präferenz können etwa zwei Fastentage und fünf normale Tage eingelegt werden. Alternativ kann man auch das Abendessen weglassen und versuchen auf 16, 18 oder sogar 20 Stunden ohne Mahlzeit zu kommen.

Gerade für Einsteiger ist die Variante, täglich eine bestimmte Stundenzahl auf Essen zu verzichten, meist die einfachere. Die Nachtruhe wird in diese Zeit einbezogen und hilft so automatisch beim Verzicht. In den Stunden ohne Essen darf nur Wasser oder ungesüßter Tee getrunken werden. Umgedreht gelten für die vier, sechs oder acht verbleibenden Stunden, in denen man zulangen darf, keinerlei Regeln.

Gerade weil die 40-tägige Fastenzeit ab Aschermittwoch ein altes, religiöses Ritual ist, gibt es jedoch viele, die sich in dieser Zeit nach intensiver Klarheit sehnen. Für sie sind traditionelle Fastenmethoden weitaus besser geeignet. Zwar erfordern sie mehr Disziplin, am Ende steht aber auch ein ganz besonderer Effekt. "Denn Fasten steigert auch das seelische Wohlbefinden", sagt Günther Gunzelmann vom deutschen Berufsverband Fasten und Ernährung.

Wer es schafft, drei Tage strengen Verzicht einzuhalten, wird mit einer Art Fasten-Rausch belohnt. Der wurde von der Natur so eingerichtet, um den Urmenschen davor zu bewahren, in seiner Höhle zu verhungern. Heutzutage erleben Fastende diese Zeit als Motivationsschub. Als Bestätigung ihrer eigenen Willensstärke. Nicht selten kommt es auch zu der ein oder anderen Lebenserkenntnis.

Auf die Brühe gekommen

Am populärsten ist die Methode nach Buchinger. Die Kur ist nach ihrem Erfinder Otto Buchinger benannt. Zunächst steht eine gründliche Darmreinigung mit Einläufen an. Dann wird fünf bis zehn Tage lang nur Flüssiges aufgenommen. Über Gemüsebrühe bekommt der Körper wichtige Mineralstoffe, über Obstsaft Vitamine.

Ebenfalls bekannt ist die Schroth-Kur. Der Name geht auf den Erfinder, Johann Schroth, zurück. Zu essen gibt es Getreidebrei mit Pflaumen und Aprikosen. Daneben steht gedünstetes Gemüse auf dem Speiseplan. Schwitzkuren mit feuchten Umschlägen sollen die Ausscheidung anregen. Die Kur besteht aus Trinktagen und Tagen, an denen es nichts Flüssiges gibt. An den Trinktagen werden die Substanzen, die sich im Körper angestaut haben, ausgeschieden.

Eine weitere Fastenmethode ist die nach Franz-Xaver Mayr. Dabei soll der Magen-Darm-Trakt Ruhe finden. Morgens und mittags besteht die Kur aus Semmel und Milch. Wer Lactose nicht verträgt, bekommt wahlweise Schafs- oder Ziegenmilch. Dann wird das bewusste Kauen geübt. Bis zu 40-mal soll ein Bissen zermalmt werden, bevor er geschluckt werden darf.

Bis zu einem halben Kilo pro Tag verlieren Fastende bei diesen Methoden. Allerdings scheidet der Körper anfangs viel Wasser aus, bevor er beginnt, die Fettreserven anzugehen. Je nachdem, wie viel Alkohol und Fast Food vorher auf dem Plan stand, erholen sich die Organe bereits nach fünf bis sieben Tagen. Sogenannte Plaques, also Fett-, Kalk- und Cholesterinbestandteile, die sich an den Gefäßinnenwänden absetzen, werden abgebaut. Diese Ablagerungen führen zu einer Verdickung des Blutflusses und können zu verschiedenen Herz-Kreislauf-Problemen führen. Vor allem Bluthochdruckpatienten berichten oft von einer schnellen Besserung während der Fastenzeit - einer von vielen positiven Effekten, die Kalorienreduktion haben kann.

Bis dahin muss der Fastende einiges mitmachen: Der Entzug von Koffein und Alkohol macht Kopfschmerzen, Schwindel und manchmal mürrisch. Der Blutdruck sinkt anfangs ab. Darmreinigungen kosten zusätzlich Kraft. Und bis sich der Körper auf den Sparmodus umgestellt hat, wird permanent "Hunger!" gefunkt. Wer das nicht über sich ergehen lassen will, der kann auch auf "Gegenstandfasten" umsteigen. Statt auf Lebensmittel verzichten viele Menschen für eine gewisse Zeit auf ihr Handy, Autofahrten oder das Internet. Das entlastet nicht den Körper, sorgt aber für mehr Gelassenheit im Alltag.

Alle Infos rund ums Abnehmen finden Sie hier in unserer Diät-Serie

(ham)