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Würmer im Darm: Diese Ekeltherapie hilft bei Glutenunverträglichkeit

Würmer im Darm : Diese Ekeltherapie hilft bei Glutenunverträglichkeit

Schon nach dem Frühstück geht es los: Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen können Anzeichen für eine Glutenunverträglichkeit sein. Was hilft, ist nur der radikale Verzicht auf alle Nahrungsmittel, die das Klebereiweiß Gluten enthalten, oder eine Therapie mit Würmern. Wie das funktioniert, lesen Sie hier.

Es ist das in vielen Getreidesorten enthaltene Gluten, das manchen Menschen zu schaffen macht. Ihr Körper rebelliert gegen Nahrung, in der es enthalten ist. Die Überempfindlichkeit auf das Klebereiweiß zeigt sich in einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Das eigene Immunsystem greift dabei den Darm an und zerstört oft dauerhaft die Darmepithelzellen. Die Konsequenz: Nährstoffe können nur noch schwer aufgenommen werden und die Nahrung verbleibt größtenteils unverdaut im Darm.

Quälende Symptome nicht immer richtig gedeutet

Die Liste der Symptome, die diese Autoimmunkrankheit mit sich bringt ist lang und quälend: Gewichtsverlust, dauerndes Erbrechen, Durchfälle oder Verstopfung und Appetitlosigkeit gehören ebenso dazu wie peinliche Blähungen oder Dauermüdigkeit. Das schlägt manchem so sehr auf die Psyche, dass er depressiv wird. Auch der Gang zum Arzt bringt nicht immer gleich die erhoffte Klarheit. Denn nur zehn bis 20 Prozent der Betroffenen weisen typische Symptome auf. Die Mehrzahl der unter Zöliakie leidenden Menschen weiß nach Informationen der Deutschen Gesellschaft für Zöliakie gar nichts von ihrer Erkrankung, da die Symptome untypisch sind. Besonders bitter daran: Nicht therapiert steigt das Risiko, Karzinome im Verdauungstrakt zu entwickeln.

Heilsame Infektion mit Würmern

Eine Injektion, durch die die Betroffenen mit Parasiten infiziert werden, soll gegen die nicht heilbare Krankheit helfen. Australische Forscher der James Cook University stellten in einer Studie fest, dass spezielle Hakenwürmer, mit denen vor allem Menschen in Entwicklungsländern infiziert sind, das Immunsystem der Patienten positiv beeinflussen. In ihrer Studie infizierten sie zwölf Probanden mit 20 Wurmlarven der Spezies Necator americanus. Diese durchliefen im Körper des Menschen verschiedene Entwicklungsstadien und siedelten sich dann im Dünndarm an. Dort leben sie bis zu 15 Jahre lang.

Nach der ekligen Wurmkur war es den Patienten plötzlich wieder möglich glutenhaltige Nahrungsmittel zu essen. Dazu bekamen die Zöliakie-Patienten Nudelgerichte mit einer zunächst eine geringe Gluten-Dosis von zehn bis 50 Milligramm des eigentlich für sie unverträglichen Klebereiweißes. Dann steigerten die Forscher die Dosis langsam, bis auf schließlich drei Gramm Gluten am Tag. Das Ergebnis: Die Patienten hatten mit den umgerechnet 75 Spaghettistangen keine Probleme.

Die Wissenschaftler erklärten das mit dem positiven Einfluss, den die Fadenwürmer auf den Darm nehmen. Sie produzieren Stoffwechselprodukte, die das in Brotgetreide enthaltene Gluten verträglicher machen. Einige der Probanden lebten mit den Würmern im Darm so unbeschwert, dass sie eine Behandlung gegen die Parasiten im Anschluss an die Studie ablehnten. Ganz unbedenklich ist das nach Aussage der Forscher nicht. Vor allem für unterernährte Patienten, Kinder oder Schwangere ist eine solche Infektion mit Risiken verbunden.

Empfohlene Therapie: Diäten

Ob diese Ekeltherapie allerdings in Zukunft zur Therapieoption wird, sei dahin gestellt. Da Zöliakie jedoch nicht heilbar ist, besteht die derzeit gängige Therapie in einem absoluten und lebenslangen Verzicht auf glutenhaltige Nahrungsmittel. Die Betroffenen müssen Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer, Grünkern oder Gerste meiden und damit auch auf Kuchen, Müsli, Knödel oder Bier verzichten.

Auf diese Art und Weise lassen sich nicht nur die unangenehmen Symptome verhindern, mindestens aber minimieren, sondern auch Folgeerkrankungen wir die Schädigung der Dünndarmschleimhaut und das erhöhte Darmkrebsrisiko senken.

Welche Faktoren genau zur Erkrankung führen ist indes unklar. Die Forschung geht davon aus, dass andere Autoimmunerkrankungen das Auftreten einer Glutenunverträglichkeit wahrscheinlicher machen. So sind zum Beispiel Patienten, die an einer Hashimoto Thyreoiditis leiden — einer autoimmunen Schilddrüsenentzündung — eher auch Kandidaten für eine Zöliakie, ebenso wie Typ-1-Diabetiker. Auch scheinen neben Infektionen, der Ernährungsweise sowie Umweltfaktoren zudem erbliche Faktoren eine Rolle zu spielen.

(wat)