Atkins, Weight Watchers, Sears, South-Beach Diese vier Diäten können Sie getrost vergessen

Montreal · Nach der Schlemmerzeit quellen erbarmungslos unliebsame Fettpölsterchen über dem Hosenbund hervor. Viele versuchen dagegen mit bekannten Abnehmprogrammen wie Atkins und Weight Watchers anzugehen - die helfen jedoch entgegen dem allgemeinen Glauben gar nicht wirklich weiter, sagen Wissenschaftler in einer neu erschienenen Studie.

Zehn Fakten, die Sie über "Weight Watchers" wissen sollten
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Foto: dpa

Diäten sind so verführerisch: Sie verhelfen uns innerhalb kurzer Zeit wieder zu einem annehmbaren Wohlfühlgewicht, locken mit einfachen Einkaufslisten und Regeln, die man sich leicht merken kann. Getrost aber kann man die rosa Brille der Diät-Industrie nun wieder vom Kopf nehmen. Denn beliebte Schlankheitskuren wie Weight-Watchers, South-Beach, Atkins oder Sears können Menschen zwar kurzfristig helfen, Gewicht zu verlieren, auf lange Sicht aber sei eine gesunde Lebensweise wesentlich wirksamer.

Diese Botschaft senden in diesen Tagen Forscher um den kanadischen Kardiologen Mark Eisenberg in die abnehmwillige Welt hinaus, bescheinigen den vier Diäten keinen langfristigen Erfolg und legen damit nahe, den Kilos nicht auf diese Art und Weise zu Leibe zu rücken. Zwar purzeln die Pfunde kurzfristig und erleichtern Waage und Gewissen, auf Dauer geschieht aber das Gegenteil, so die Forscher. Das schnell verlorene Gewicht kommt im Zeitraum von zwei Jahren wieder zurück. Weitaus effektiver sei da eine dauerhafte Umstellung auf eine gesunde Ernährung.

Punkte zählen für den kurzen Erfolg

Weight Watchers Willkommen im Punktereich: Egal ob Salatgurke oder Zwiebelsuppe, bei Weight Watchers zählt man keine Kalorien, sondern Punkte. Die werden nach dem Kalorien-, Fett-, Eiweiß- und Ballaststoffgehalt der Lebensmittel vergeben. Doch nicht jeder Mensch ist gleich, jeder Organismus reagiert anders auf die Aufnahme bestimmter Lebensmittel und lässt sich damit nicht dasselbe Punktesystem packen, bemängeln Kritiker.

Ergänzt wird das strikt geführte Ernährungsprotokoll durch Sport und regelmäßige Gruppentreffen unter Anleitung. Die kosten allerdings und machen den Abnehmspaß recht teuer. Gemieden werden sollen gefährliche Dickmacher und Kalorienbomben, die sich in beinahe jedem Vorratsschrank verstecken, dort auf unseren nächsten Heißhungeranfall warten und uns den Griff zum gesunden Snack erschweren.

Durch gesunde Ernährung schmelzen Pfunde ebenso

Der Konzern, der zum einfacheren Abnehmen auch gleich passende Produkte in den Kühlregalen der Supermärkte anbietet, beruft sich in Sachen Wirksamkeit auf eine Untersuchung, die im Jahr 2011 im medizinischen Fachjournal "The Lancet" erschien und vom britischen Medical Research durchgeführt wurde. Die beinahe 800 untersuchten Studienteilnehmer hatten ein Jahr nach dem Start mit dem Programm rund fünf Kilo abgenommen. Ähnlich wie aber später durchgeführte Untersuchungen wurde sie wegen ihrer Unabhängigkeit angezweifelt.

Nun kommt der nächste Hieb aus Kanada: In der Studie verloren die Probanden mit Weight Watchers zwischen 7,7 und 13,2 Pfund. Mit einer sorgsamen und bewussten Ernährung schmolz aber mit 1,8 bis 11,9 Pfund beinahe ebenso viel Fett von den Hüften.

Schadet den Cholesterinwerten

Atkins-Diät Ähnlich zeigte sich das bei der Atkins-Diät, auf die auch Promis wie Catherine Zeta-Jones schwören. Bei ihr sind Kohlenhydrate, die in Brot, Nudeln, Reis, Kartoffeln und auch Zucker stecken, verboten. Angesagt sind stattdessen reichlich Eiweiß und Fett, wie sie in Joghurt und Käse, aber auch in Fleisch enthalten sind, um den Körper wieder in Form zu bringen. Ihr Erfinder, der amerikanische Arzt Robert Atkins, kam mit der Diät im Jahr 1972 groß raus, nachdem er als Fettleibiger das Prinzip an sich selbst getestet und ordentlich abgespeckt hatte.

Doch was sich verlockend anhört und die Kilos schnell purzeln lässt, hat auch seine Schattenseiten: Die Diät ist umstritten, weil sie durch tierische Fette ungünstigen Einfluss nimmt und die Cholesterinwerte in die Höhe schnellen lässt und so Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem hat. Ernährungswissenschaftler raten zudem von dieser Abnehmkur ab, weil sie langfristig gesehen zu Mangelerscheinungen führt und bei empfindlichen Menschen durch ein Plus an Salz den Blutdruck in die Höhe treiben kann.

Aus der Traum nach zwei Jahren

Im Durchschnitt verloren die Fastenwilligen in der kanadischen Studie mit Atkins 4,6 bis 10,3 Pfund Gewicht, doch hatten sie die Pfunde nach zwei Jahren wieder auf den Rippen. Außerdem zeigten sich die Vergleiche der unterschiedlichen Diäten, dass sie keine langfristige Verbesserung der Cholesterinwerte, des Blutdrucks, beim Blutzuckerspiegel oder in Hinblick auf andere Risikofaktoren brachten.

South-Beach-Diät So auch bei der South-Beach-Diät, deren Erfolg unter anderem darauf gründet, dass die Pfunde in Windeseile purzeln. Zumindest in den ersten beiden Wochen kann man mit dem Abnehmprinzip bis zu sechs Kilo verlieren. Das geschieht auf Basis des Low-Carb-Prinzips, also dem Weglassen von Kohlehydraten. Auf diese Art und Weise wird der Blutzuckerspiegel möglichst konstant gehalten und so Heißhungerattacken vermieden.

Wer danach fastet, der muss lernen zwischen guten und schlechten Fetten zu unterscheiden. Pflanzliche Öle, vor allem Olivenöl und Nüsse, sind erlaubt, tierische Fette werden hingegen in die Verdammung geschickt. Der entscheidende Unterschied zu Atkins liegt darin, dass nicht alle Kohlenhydrate gemieden werden müssen, sondern nur Lebensmittel, die Weißmehl enthalten. Damit ist es aus mit Pizza und -Pasta, aber auch mit einem "Bütterchen" am Abend.

Wenngleich es Studien gibt, die solchen Diäten ihre Wirksamkeit bescheinigen, stellte jedoch die kanadische Studie heraus, dass in keiner Untersuchung die dauerhafte Wirksamkeit nach zwölf Monaten überprüft worden sei. Außerdem seien in Studien in der Regel junge, weiße und weibliche Personen untersucht worden. Dadurch lässt sich keine Aussage bezüglich der Wirksamkeit bei Männern oder anderen ethnischen Gruppen machen, so ein weiterer Kritikpunkt.

Zu viel Eiweiß, zu wenige Kalorien

Sears Die Sears-Diät, benannt nach dem Arzt Barry Sears, der sie entwickelte, basiert ebenso wie auch die anderen Low-Carb-Diäten auf einem niedrigeren Kohlenhydratanteil zugunsten eines höheren Eiweißanteils in der Ernährung. Da heißt konkret: Das Abnehmprgrogramm nach Sears, das manchen auch als Zone-Diät bekannt ist, empfiehlt eine Kohlehydratmenge, die täglich nicht mehr als 40 Prozent der Gesamtenergieaufnahme ausmacht. Im Vergleich dazu rät jedoch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) zu einem täglichen Kohlenhydratanteil von 45 bis 60 Prozent.

Kohlehydrate behandelt Sears außerdem nicht gleich: Die von Äpfeln werden als günstiger eingestuft als beispielsweise die von Kartoffeln oder Vollkornbrot, weil sie den Insulinspiegel nach Auffassung ihres Diäterfinders weniger stark ansteigen lassen.

Kritiker bemängeln auch hier die erhöhte Eiweißzufuhr. So sollten nach Rat der DGE zehn bis 15 Prozent der täglichen Kalorien aus Proteinen bestehen. Die Sears-Diät hingegen empfiehlt beinahe doppelt so viel. Das belastet vor allem bei Wenigtrinkern die Nieren und kann krank machen. Die kanadischen Wissenschaftler bemängeln außerdem, dass zwar Millionen Dollar in die Diät-Industrie gepumpt würden, dennoch aber immer noch unzureichende und widersprüchliche Datenlagen bestünden und man nicht sagen könne, welche Diät vorteilhafter als eine andere sei.

Fazit: Setzen Sie lieber auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung, bei der kleine Sünden auch einmal erlaubt sind. Solange man diese konsequent durchzieht, erzielt sie die besten Effekte und erspart Ihnen auch im Sommer die nächste kurzfristige Bikini-Diät.

(wat)