Ernährungs-Trend: Das können Superfoods wirklich

Ernährungs-Trend: Das können Superfoods wirklich

Sogenannte Superfoods erobern derzeit die sozialen Netze und die Mägen der selbsternannten "Gesund-Esser". Zugaben wie Goji, Chia oder Acai machen angeblich satt, schlank und beugen mindestens einer Krankheit vor. Wir haben Experten gefragt und verraten, was wirklich in den Nahrungsmitteln steckt.

Matcha-Latte, Chia-Pudding, Smoothies mit exotischen Beeren: Die sozialen Netze sind voll von Rezeptideen, deren Zutaten in Deutschland lange Zeit völlig unbekannt waren. Unter dem Begriff Superfoods werden heute jene Nahrungsmittel vereint, die eine besonders hohe Dichte an Nährstoffen, Enzymen und sekundären Pflanzenstoffen aufweisen. Zu den beliebtesten ihrer Art zählen Matcha-Tee, Chia-Samen, Acai- und Goji-Beere. Sie alle enthalten besonders viele Antioxidantien und sollen helfen, Zellschäden und Alterungsprozessen vorzubeugen. Der Verzehr dieser Superfoods ist absolut in. Topmodel Eva Padberg beispielsweise präsentierte auf ihrem Instagram-Account erst kürzlich eine Portion Chia-Pudding. Eine Anleitung zur Herstellung von Chia-Pudding gibt's hier.

Mythos oder Helfer?

Doch was steckt drin in den Superfoods und können sie tatsächlich helfen, Symptome von Krankheiten zu lindern? Denn das wird dem Verbraucher zumindest versprochen, wenn er auf Packungsanleitungen von seltenen Pflanzen geerntet an unzugänglichen Orten ("tief im Regenwald"), oder Geschichten von Völkern mit uralten Menschen oder traditionellen Heilkundeverfahren ("altes Wissen der weisen Frauen und Medizinmänner") liest. "Solche Angaben helfen beim Verkaufen und erklären, warum diese Früchte erst jetzt modern werden", sagt Diplom Oecotrophologin Angela Clausen von der NRW-Verbraucherzentrale. "Wissenschaftlich fundierte und belegte Veröffentlichungen oder Aussagen fehlen weitgehend", sagt Clausen. Die meisten Informationen die Eingruppierung in Superfoods würden von gewerblichen Anbietern, einzelnen Ernährungsberatern, Autoren oder Interessengruppen, insbesondere Vegetariern und Rohkostanhängern stammen.

"Superfoods haben in der Regel tatsächlich einen hohen Nährstoffgehalt, es handelt sich dabei durchaus um gesunde Lebensmittel. Exotische Superfoods sind für unsere Ernährung aber keineswegs essenziell", sagt Gesundheitswissenschaftlerin und Bloggerin Hannah Ritter. "Der irreführende Begriff "Superfoods" suggeriert, dass manche Lebensmittel besser und gesünder seien, als andere", sagt Ritter. Dabei sei ein ausgewogener Speiseplan viel entscheidender, um eine ausgewogene Nährstoffaufnahme sicherzustellen. Sie sieht in den Superfoods deshalb eine schmackhafte Ergänzung des Speiseplans: "Superfoods schmecken und es macht Spaß, mit ihnen zu experimentieren."

Umgekehrt könne man auch Holunderbeeren, Stachelbeeren oder Bucheckern zu Superfoods in Südamerika, Indien oder Japan machen, ergänzt Diplom Oecotrophologin Clausen. Der Exotik-Faktor spiele bei der Beliebtheit der Nahrungsmittel eine entscheidende Rolle. "Jedes Land hat sein eigenes Superfood, will aber lieber das der anderen, weil das aufregender ist", sagt Clausen.

Superfoods aus der Region

Der Bedarf an Nährstoffen kann auch durch hiesiges Superfoods - also Lebensmittel, die besonders reich an sekundären Pflanzenstoffen sind - gedeckt werden. Hierzu zählen alle Arten heimischer Beeren, Kirschen, Zwiebelgewächse wie Zwiebel, Porree, Schnittlauch, Knoblauch, alle Kohlarten, Rettiche, Hülsenfrüchte und Zitrusfrüchte, native Pflanzenöle, Kerne und Nüsse, aber auch Kartoffeln und (Vollkorn-)Getreide. "Essen Sie möglichst farbig. Rote, orange, gelbe, blaue Früchte und Wurzelgemüse, grüne und violette Blattgemüse oder Salate machen Appetit. Verzehren Sie möglichst fünf Portionen verschiedener Gemüse- und Obstarten pro Tag", rät Clausen. Einen anderen Tipp hat Hannah Ritter: "Leinsamen sind genau wie Chia-Samen sehr gesund, stammen aber aus der Region", sagt sie und empfiehlt zudem Nüsse als gesunde Snack-Alternative: "Nüsse enthalten viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die einen positiven Einfluss auf zu hohe Cholesterinwerte haben und wichtige Vitamine und Proteine liefern."

Das müssen Verbraucher beachten

  • Ernährungsmythen aufgedeckt

Beim Kauf der Superfoods sollte darauf geachtet werden, dass es sich um qualitativ hochwertige Lebensmittel handelt. "Isst man die Früchte in ihrer heimatregion oder stammen sie aus dem Supermarkt um die Ecke, ist ein Verzehr in üblichen Mengen bedenkenlos", sagt Clausen. Werden Extrakte oder Zubereitungen verwendet sei Vorsicht geboten, da in diesen Fällen Standardisierungen fehlen.

Bei Pflanzen aus Fernost sind Schwermetall- und Pestizid-Rückstände immer wieder ein Thema. Beim Kauf sollte man daher auf "rückstandskontrollierte Ware" achten und Produkte von hiesigen, der Lebensmittelüberwachung unterliegenden Händlern, beziehen. Gefahr drohe laut Clausen beim Kauf von Nahrungsmitteln via Internet, insbesondere aus dem Ausland.

Wer ganz sicher gehen will, Produkte frei von Pestiziden zu verzehren, kann die Superfoods teilweise sogar selbst anbauen. Goji-Beeren zum Beispiel: "Die Sträucher des Gemeinen Bocksdorn, an denen die hier als Wolfsbeere bekannte Beere wächst, gedeiht auch bei uns problemlos", sagt Hannah Ritter.

Mythos ORAC-Wert

Gerne werben Unternehmen für Superfoods unter Angabe eines hohen ORAC-Werts, um die antioxidative Wirkung der Ware zu belegen. "ORAC steht für "Oxygen Radical Absorbance Capacity", also die Fähigkeit, Sauerstoffradikale abzufangen", erklärt Clausen. "Der Wert gibt an, wie viele freie Radikale pro Gramm Saft oder Frucht neutralisiert werden können, beschreibt also eine chemische Eigenschaft des gemessenen Lebensmittels." Die viel gelobten hohen ORAC-Werte für bestimmte Früchte bzw. Fruchtextrakte sind jedoch reine Laborwerte, die sich beim Menschen nach dem Verzehr nicht wieder finden. Die bei der ORAC-Messung ablaufende Reaktion findet im Körper so gar nicht statt. Weshalb der Wert laut Clausen auch keine Aussage zur gesundheitlichen Bedeutung eines Lebensmittels liefern kann.

Die NRW-Verbraucherzentrale bietet hier eine Übersicht der gängigen Nahrungsergänzungsmittel.

Hier geht es zur Infostrecke "Superfoods".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Superfoods und ihre Eigenschaften

(apd)