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Bundesländer machen sich gegen Dickmacher-Werbung für Kinder stark

Debatte um Werbe-Verbot : Bundesländer machen sich stark gegen Dickmacher-Werbung für Kinder

Foodwatch fordert es schon lange. Jetzt könnte es bald soweit sein: Die Bundesländer wollen Kinder und Jugendliche besser vor gezielter Werbung für Dickmacher schützen.

Schokoriegel mit Fußball-Sammelbildern, Spielzeug in der Frühstücksflocken-Packung, Gewinnspiele auf Schokoladentafeln oder Comicfiguren auf Chips-Tüten - gerade bei Lebensmittelprodukten, die sich an Kinder richten, lassen sich die Hersteller zusätzliche Kauf-Anreize einfallen. Oft sind diese Produkte aber ungesund oder enthalten viel Fett oder Zucker.

Das wirft Foodwatch der Lebensmittelindustrie schon lange vor. Die Hersteller würden fast ausschließlich ungesunde Produkte für die junge Zielgruppe bewerben, kritisiert die Verbraucherorganisation. Sie hatte 2015 rund 280 Lebensmittelprodukte untersucht, die sich in Marketing oder Werbung an Kinder richten. Etwa 90 Prozent hätten die Kriterien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für eine ausgewogene Ernährung nicht erfüllt.

Die Bundesländer wollen nun Kinder und Jugendliche besser vor gezielter Werbung für Dickmacher schützen. Das haben die Verbraucherschutzminister der Länder am Freitag in Saarbrücken beschlossen. Die Bundesregierung solle prüfen, welche „rechtlichen Maßnahmen“ ergriffen werden könnten - zum Beispiel ein Verbot von Lockwerbung für ungesunde Lebensmittel, beschlossen die Verbraucherschutzminister.

Vor dem Hintergrund der hohen Zahl übergewichtiger Kinder in Deutschland „sehen wir hier dringenden Handlungsbedarf“, sagte der Vorsitzende der Ministerkonferenz, Saarlands Ressortchef Reinhold Jost (SPD). Bundesweit ist mehr als jedes siebte Kind laut Robert-Koch-Institut übergewichtig oder sogar fettleibig.

Foodwatch wartet schon lange darauf, dass Werbung für ungesunde Lebensmittel für Kinder verboten wird. Doch sie ist skeptisch, ob das Verbot kommt. „Für den gesundheitlichen Verbraucherschutz ist das Bundeslandwirtschaftsministerium zuständig. Ausgerechnet das Ministerium, das die Interessen der Ernährungsindustrie und Landwirtschaft vertritt, soll also gleichzeitig die oft gegensätzlichen Interessen der Verbraucher vertreten. Das ist ein unüberwindbarer Interessenskonflikt“, sagt Foodwatch-Sprecher Dario Sarmadi. Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband drängt auf ein Verbot. „Die Verbraucherzentrale würde eine gesetzliche Regelung begrüßen“, sagt Sprecherin Carolin Krieger.

Momentan können sich Hersteller einem EU-Pledge, also einem Versprechen anschließen und sich damit freiwillig selbst verpflichten, ihre Werbemaßnahmen zu beschränken. Insbesondere ungesunde Produkte für Kinder unter 12 Jahren sollen nicht beworben werden. „Es gibt aber viele Schlupflöcher, die dann doch wieder Werbung für Kinder ermöglichen“, sagt Oliver Huizinga von Foodwatch. Die Produktverpackungen sind zum Beispiel nicht Teil der Selbstbeschränkung und so können auf diese auch Comicfiguren abgedruckt werden.

Unter anderem haben sich der Initiative Coca-Cola, Danone und Ferrero angeschlossen. Diese sind auch für ihre TV-Werbungen bekannt. Auch in diesem Bereich gibt es Schlupflöcher: „Wenn Kinder zusammen mit ihren Eltern fernsehen, gilt das beispielsweise nicht als Kinderwerbung. Das ist absurd“, sagt Huizinga.

(mit Material der Nachrichtenagentur dpa)

Hier geht es zur Bilderstrecke: So bewerben die Hersteller ungesunde Lebensmittel für Kinder

(eler)