Alkohol in der Schwangerschaft und das Fetale Alkoholsyndrom beim Kind

Gift fürs Kind : Alkohol in der Schwangerschaft - die große Gefahr für werdende Mütter

Trinken werdende Mütter während der Schwangerschaft Alkohol, gefährden sie ihr Baby massiv. Mit den Spätschäden müssen sich Kind und Eltern für den Rest ihres Lebens auseinandersetzen.

Wir werden Eltern! Für die meisten Menschen ist das die schönste Nachricht ihres Lebens. Neun Monate lang bereiten sie sich nun auf die Ankunft ihres Babys vor. In dieser Zeit ist es besonders wichtig, auf die eigene Gesundheit zu achten, damit das heranwachsende Kind von Beginn an mit dem Besten versorgt wird, das die Mama zu bieten hat.

Dennoch trinken viele Frauen nach wie vor Alkohol, während sie ihr Kind austragen. Folge: Rund 10.000 Babys, die unter den Folgen des pränatalen Alkoholmissbrauchs leiden, kommen jährlich in Deutschland zur Welt.

Warum ist Alkohol in der Schwangerschaft schädlich?

Schon kleine Mengen Alkohol wie ein Bier oder ein Glas Wein können zur Gefahr werden. Frauen, die während der gesamten Schwangerschaft alkoholische Getränke zu sich nehmen, müssen damit rechnen, dass ihr Kind mit einer Fetalen Alkoholspektrum-Störung (FASD) zur Welt kommt. Ist diese Störung voll ausgeprägt, so spricht man von einem Fetalen Alkoholsyndrom (FAS). Häufige Symptome betroffener Kinder sind geistige Behinderung oder Fehlbildungen. Aber auch aggressives Verhalten oder Konzentrationsstörungen treten später bei den betroffenen Kindern auf. 20 bis 40 Prozent der FAS-Kinder werden später selbst alkoholabhängig. Es gibt in Deutschland mittlerweile diverse Beratungsstellen, die Eltern und Kindern helfen, die von FASD bzw. FAS betroffen sind.

Wie viel Alkohol ist in der Schwangerschaft erlaubt?

Gynäkologen geben bezüglich der tolerierbaren Alkoholmenge, die schwangere Frauen konsumieren dürfen, eine klare Linie vor: völlige Abstinenz. Die Gründe liegen auf der Hand. Alkohol gelangt über die Plazenta ohne Umweg is Blut des Embryos und kann in seinem kleinen Körper massive Schäden anrichten. Er stört die Zellentwicklung, hemmt die Ausbildung der Organe und kann das Nervensystem angreifen. Daher sind sich alle Experten einig: Hände weg von Bier, Sekt, Wein und Schnaps während der Schwangerschaft!

Wie wirkt sich Alkohol während der Schwangerschaft auf das Ungeborene aus?

Genehmigt sich eine Schwangere beispielsweise ein Glas Wein, so schadet sie sich damit nicht nur selbst. Der gleiche Alkoholanteil, den sie selbst verarbeiten muss, gelangt in den Körper des ungeborenen Kindes. Der Alkohol hat für den Embryo allerdings weitaus fatalere Folgen als für die Mutter. Denn das Ungeborene verfügt noch nicht über die Möglichkeiten eines vollentwickelten Körpers, um Alkohol abzubauen. Dementsprechend lange kann die toxische Substanz wirken und dem Ungeborenen schaden. Sie hemmt die Ausbildung der Organe des Kindes und sorgt für einen Absorptionsmangel bei seinem Vitamin- und Mineralstoffwechsel. Die Folge: Sehstörungen, fetale Spaltbildungen, Anämie. Nicht jedes Glas Alkohol löst all diese Schädigungen aus. Eine Schwellendosis ist jedoch nicht bekannt, und daher muss jeder Mutter klar sein: Ein Risiko besteht immer. Vor allem exzessive Trinkgelage maximieren die Gefahr.

Was passiert bei Alkohol-Konsum in der Frühschwangerschaft?

Die Forschung geht davon aus, dass es in den ersten Wochen nach der letzten Regelblutung ausgesprochen gefährlich ist, wenn die werdende Mutter Alkohol konsumiert. Da gerade die frühe Schwangerschaft eine sehr intensive Phase der Zellteilung ist, besteht genau hier auch ein großes Risiko für Fehlbildungen. Besonders gefährdet ist dabei das Gehirn, das sich bei einer Schädigung durch Alkoholmissbrauch nicht richtig entwickelt und zu klein bleibt, was nach der Geburt zu einer Entwicklungsverzögerung der Kinder führen kann. Frauen, die sich ein Kind wünschen, tun daher gut daran, Alkohol schon zu meiden, bevor der Schwangerschaftstest positiv ausgefallen ist. Häufig genug bleibt die Schwangerschaft über einen längeren Zeitraum unbemerkt.

Welche Schäden können durch Alkohol in der Schwangerschaft entstehen?

Den Neugeborenen sieht man nicht immer sofort an, dass etwas nicht stimmt. Denn die toxische Wirkung des Alkoholmissbrauchs zieht meist vor allem das Gehirn des Kindes in Mitleidenschaft. Das Ausmaß der Schädigung kommt also oft erst in der weiteren Entwicklung des Kindes ans Licht. Kinder, die unter FAS leiden, fallen durch geringere Körpergröße, Sprach- oder Hörstörungen, Hyperaktivität, schmale Oberlippen, kleine Zähne oder eine Trichterbrust auf. Zusammengefasst versteht man unter dem FAS-Vollbild das gemeinsame Auftreten von Wachstumsstörungen, Fehlbildungen und Schädigung des Zentralen Nervensystems. Zudem können auch erste Suchtmerkmale erkennbar sein. Ein wenig schwächer ausgeprägt ist das „partielle Fetale Alkoholsyndrom“ (pFAS). Hier kommt es oft nicht zu den typischen Fehlbildungen, was dazu führt, dass man pFAS häufig erst spät nachweist. Als alkoholinduzierte entwicklungsneurologische Störungen (Alcohol Related Neurodevelopmental Disorder (ARND)) bezeichnet man die Dysfunktion des Zentralen Nervensystems aufgrund des anhaltenden Alkoholkonsums der Mutter in der Schwangerschaft. Unter Alcohol Related Birth Defects (ARBD) versteht man sämtliche Fehlbildungen, die auf Alkoholmissbrauch während der Schwangerschaft zurückzuführen sind.

Eine Therapie ist in jedem dieser Fälle dringend erforderlich. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass nur ein geringer Teil der Menschen mit Fetalem Alkoholsyndrom als Erwachsene in der Lage sind, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. FAS ist die häufigste Ursache für eine geistige Behinderung und rangiert damit noch vor dem Down Syndrom. Rund 2200 Säuglinge mit FAS kommen jährlich in Deutschland zur Welt.

Wann können Mütter nach der Schwangerschaft wieder Alkohol trinken?

Eine alte Volksweisheit besagt, dass ein Glas Sekt die Milchbildung anregt. So etwas erzählt man sogar noch heute in diversen Krankenhäusern. Wissenschaftliche Studien belegen zwar das Gegenteil, aber man kommt eben nicht leicht gegen Mythen und schöne Traditionen an. Doch wie sieht es mit der Gefahr für das Kind aus, wenn die Mama sich kurz vor dem Stillen einen Drink genehmigt hat? Letztlich hat die Antwort mit dem Gewicht der Frau, der Menge des Alkohols oder der Tageszeit zu tun.

Dennoch rät der Berufsverband der Frauenärzte: „Schon kleine Alkoholmengen beeinflussen den Such-, Saug- und Schluckreflex und schaden dem Baby. Während der Stillzeit sollte daher konsequent auf den Genuss von Alkohol verzichtet werden. Falls überhaupt, darf er nur in sehr geringen Mengen und direkt nach dem Stillen getrunken werden. So besteht die Chance, dass der Alkohol bis zum nächsten Stillen wieder abgebaut ist und nicht über die Milch an das Kind weitergegeben wird. Babys von Eltern, die Alkohol getrunken haben, sollten wegen der erhöhten Gefahr des plötzlichen Kindstodes nicht im Bett zusammen mit den Eltern schlafen.“

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Alkohol.

Am Ende ist es eine Frage der Verantwortungsbereitschaft. Wenn man sich als werdende Mutter vor Augen führt, dass auch ganz kleine Mengen Alkohol während der Schwangerschaft zu schlimmen und langfristigen Folgeerkrankungen beim eigenen Kind führen können, dann sollte man auch kein Risiko eingehen. Für gewöhnlich würde man ein Kleinkind auch nicht in ein offenes Fenster im zehnten Stock setzen, wenn man weiß, dass es sowohl zur einen als auch zur anderen Seite fallen könnte. An dieser Stelle beginnt schließlich das Verantwortungsbewusstsein werdender Eltern. Leider sehen die Fakten anders aus: Nach Angaben der „Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V.“ trinkt jede fünfte Frau in Deutschland auch während der Schwangerschaft Alkohol. 44 Prozent der Deutschen kennen die Gefahren der Folgeschäden durch Alkoholkonsum während der Schwangerschaft nicht. Hier herrscht immer noch großer Bedarf an Aufklärung.

Hier geht es zur Infostrecke: So gefährlich ist Alkohol in der Schwangerschaft - 10 Fakten

(MI)