Alkohol am Steuer: Das müssen Autofahrer wissen

Promillegrenzen und Strafen : Das droht Ihnen bei Alkohol am Steuer

Jeder 13. im Straßenverkehr Getötete starb infolge eines Alkoholunfalls. Wer das weiß und immer noch der Meinung ist, ein paar Bierchen würden der eigenen Fahrtüchtigkeit keinen Abbruch tun, der muss mit einschneidenden Konsequenzen rechnen.

Im Straßenverkehr ist jedes Bier eins zu viel. Trunkenheit am Steuer ist nicht nur eine der häufigsten Unfallursachen, sondern gefährdet auch das soziale und berufliche Umfeld des Verursachers sowie seiner Opfer. Nach einer Statistik des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) gehörte Alkoholeinfluss im Jahr 2018 bei 4,5 Prozent der Unfälle mit Personenschaden auf deutschen Straßen zu den Unfallursachen.

Wie viel Alkohol am Steuer ist erlaubt?

In Deutschland dürfen Autofahrer maximal 0,5 Promille Alkohol im Blut haben. Alles, was darüber hinausgeht, führt zum unfreiwilligen Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel.

Aber nicht jeder verzichtet gerne auf sein Feierabendbier oder das Glas Wein zum Essen. Natürlich wirkt Alkohol auch nicht auf jeden Menschen gleich. So mancher Autofahrer hat den Eindruck, er „vertrage“ besonders viel und müsse nicht darauf achten, welche alkoholischen Getränke er vor seiner Teilnahme am Straßenverkehr die Kehle hinunterstürzt. Die Folgen dieser Denkweise zeigen sich leider erst, wenn es zu spät ist: Die Reaktionen haben sich verlangsamt, das Sichtfeld ist eingeengt und Einschätzen von Entfernungen und Geschwindigkeit gleicht einem Lottospiel. Erst beim Alkoholtest der Polizei wird manch einem Kfz-Fahrer klar, wozu alkoholbedingte Ausfallerscheinungen führen können.

Welche Strafe erwartet Fahrer bei Alkohol am Steuer?

Bei einem Wert oberhalb der 0,5-Promille-Grenze wird ein einmonatiges Fahrverbot ausgesprochen. Dazu muss der der Autofahrer mit einem Bußgeld von 500 Euro und zwei Punkten in Flensburg rechnen. Ab 1,1 Promille ist der Führerschein weg.

Gleiches gilt für Wiederholungstäter. Baut jemand einen Unfall mit seinem Auto, so wird er bereits ab einem Promillewert von 0,3 belangt. Wer zum zweiten Mal mit einem Blutalkoholwert von 0,5 bis 1,09 Promille erwischt wird, dem drohen laut Bußgeldkatalog drei Monate Fahrverbot, zwei Punkte in Flensburg und 1000 Euro Strafe. Mit sechs Monaten Führerscheinentzug müssen Autofahrer rechnen, die von der Polizei mit 1,1 Promille Alkohol im Blut am Steuer ihres Wagens angetroffen werden.

Was passiert in der Probezeit bei Alkohol am Steuer?

Fahranfängern, die am Steuer mit einem Wert zwischen 0,1 und 0,5 Promille erwischt werden, drohen neben dem Entzug der Fahrerlaubnis 250 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. Zudem verlängert sich die Probezeit auf vier Jahre, und ein Aufbauseminar muss besucht werden, denn es handelt sich um einen sogenannten A-Verstoß. Dieser klassifiziert eine schwerwiegende Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat.

Wann ist Alkohol am Steuer eine Straftat?

Sobald man von „Trunkenheit am Steuer“ spricht, erfüllt alkoholisiertes Fahren den Straftatbestand. Bei Kraftfahrzeugen trifft das auf Fahrer ab einem Wert von 1,1 Promille zu. Ab diesem Wert wird eine absolute Fahruntüchtigkeit festgestellt. Bei Radfahrern wird das Fahren unter Alkoholeinfluss ab 1,6 Promille zur Straftat.

Im Gegensatz zur Ordnungswidrigkeit, die eher kleinere Vergehen ohne weitreichende Folgen beschreibt, ist die Straftat eine Handlung, die Gesetze bewusst und schuldhaft überschreitet. Die Strafen, die der Schuldige zu erwarten hat, sind sehr viel härter als die meist eher geringen Geldbußen, die bei einer Ordnungswidrigkeit verhängt werden. Trunkenheit am Steuer kann mit einer Haftstrafe von bis zu eine, Jahr geahndet werden. Vor allem in Verbindung mit schweren Unfällen, bei denen Personen zu Schaden kommen, steigt das Strafmaß an. Kombiniert mit anderen Straftaten wie Unfallflucht Nötigung oder unterlassener Hilfeleistung müssen Verkehrssünder ebenfalls mit empfindlichen Strafen rechnen.

Warum ist Alkohol am Steuer gefährlich?

Wer betrunken Auto fährt, gefährdet andere Menschen und sich selbst. Alkoholkonsum verändert die Wahrnehmung entscheidend und lässt uns Situationen im Straßenverkehr falsch einschätzen. Nach einem Unfall ist es oft zu spät, um darüber nachzudenken, dass man das Auto lieber stehengelassen hätte.

Schon kleine Mengen Alkohol wirken sich fatal auf die Reaktion aus. Bereits ab 0,3 Promille lässt die Konzentration merklich nach, wohingegen die Risikobereitschaft steigt. Das Sehvermögen ist leicht eingeschränkt. Ab einer Promillegrenze von 0,8 entsteht der sogenannte „Tunnelblick“, was bedeutet, dass das Gesichtsfeld bereits stark beeinträchtigt ist. Die Reaktionszeit verlängert sich teilweise um das Doppelte.

Verkehrsrisiko Vollrausch

Führt man sich vor Augen, dass manche Verkehrsteilnehmer teils mit deutlich mehr als zwei Promille von der Polizei angehalten werden, dann bekommt man eine Ahnung davon, welche tickenden Zeitbomben auf unseren Straßen unterwegs sind. In Tschechien wurde 2018 ein Kraftfahrer mit einem Wert von unfassbaren acht Promille gefasst. Der Fahrer eines Müllwagens in Deutschland brachte es 2012 auf 4,77 Promille. 2005 waren mehrere Streifenwagenbesatzungen notwendig, um einen sternhagelvollen Autofahrer zu schnappen, der mit seinem Wagen bei Cobuurg unterwegs war. Der später nach seiner Krawallfahrt gestellte Trinker wurde zu einer Blutprobe begleitet, die einen Wert von 5,2 Promille ergab.

Volltrunkene Fahrzeugführer, die nicht nur sich selbst, sondern vor allem schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger, Rad- oder Motorradfahrer gefährden, sind längst keine Seltenheit mehr. Vor allem Alkoholiker bringen es meist auf traurige Rekordwerte wie die erwähnten. Daher ist davon auszugehen, dass längst nicht alle Alkoholkranken das Auto freiwillig stehenlassen. Alkoholiker, die beim Führen eines Kraftfahrzeugs erwischt werden, müssen anschließend zwingend nachweisen, dass sie sich einer Therapie unterzogen haben. Zudem muss ein Abstinenznachweis erbracht werden.

Tipp: Um herauszufinden, wie sich Sichtfeld und Reaktionsvermögen in einem Rauschzustand verändern, kann man einmal eine sogenannte Rauschbrille aufsetzen und dann sein Handlungsspektrum überprüfen.

Welcher Anwalt berät bei Alkohol am Steuer?

Verkehrssünder, die sich wegen Alkohol am Steuer in einem Rechtsstreit verantworten müssen, sollten unbedingt einen Fachanwalt für Verkehrsrecht konsultieren. Dieser kann nicht nur beraten, sondern auch herausfinden, ob das Vergehen tatsächlich die Strafe rechtfertigt.

Die „Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht des Deutschen Anwaltvereins e.V.“ erklärt beispielsweise: „Ein Verkehrsanwalt klärt zunächst die Frage, ob der festgestellte Alkoholgehalt zum einen zutrifft, zum anderen, ob er gerichtsverwertbar festgestellt wurde. Denn bei der Alkoholmessung sind verschiedene formale Voraussetzungen einzuhalten, andernfalls ist die Feststellung wertlos und kann nicht die Grundlage einer Entziehung der Fahrerlaubnis oder der Verhängung eines Fahrverbotes sein. Auch ist die Frage von Nachtrunk zu klären, die gegebenenfalls zu komplett anderen Werten führen kann.“

Allerdings ist die Geschichte vom Beruhigungsschluck, den man sich wegen des Unfallschocks genehmigt hat, auch keine allzu neue. Die Gerichte reagieren meist skeptisch. Zudem ist relativ schnell durch eine zweite Blutprobe nachweisbar, ob es sich um eine Schutzbehauptung handelt oder nicht. Wichtig ist, in einem Beratungsgespräch herauszufinden, ob das Anliegen überhaupt Chance auf Erfolg hat, sollte es zu einem kostspieligen Rechtsstreit kommen. Ein guter Anwalt weist seinen Mandanten auch darauf hin, wenn es nichts zu gewinnen gibt und das Akzeptieren der Strafe für den Verkehrssünder unvermeidbar ist.

Wann wird bei Alkohol am Steuer eine MPU fällig?

Wer schon früher durch Probleme mit Alkohol auffällig geworden ist oder bereits acht Punkte auf dem Flensburger Konto hat, ist ein Kandidat für die Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU). Der Volksmund kennt sie auch unter dem wenig schmeichelhaften Begriff „Idiotentest“. Auch Verkehrsteilnehmer, die sich mit 1,6 und mehr Promille ans Steuer oder auf den Sattel setzen, müssen nach der Feststellung des Vergehens ihre körperliche, geistige und charakterliche Eignung unter Beweis stellen. Wer wiederholt falsch parkt und daher mangelnde Kenntnisse der Straßenverkehrsordnung unter Beweis stellt, zeigt auffälliges Verhalten und kann ebenfalls zur MPU gebeten werden.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Alkohol.

Im überwiegenden Teil der Fälle wurden MPU-Kandidaten aber wegen des hohen Promillewertes zur Prüfung verdonnert. Christian Janeczek ist Fachanwalt für Verkehrsrecht und bearbeitet rund 40 strittige MPU-Fälle pro Jahr. Er rät Betroffenen, sich lieber früher als später juristischen Beistand zu nehmen: „Auch, wenn man die Beurteilung im Gutachten nicht immer anfechten kann, so besteht doch in einigen Fällen die Möglichkeit, handwerkliche Fehler nachzuweisen. Was tut man beispielsweise, wenn die Führerscheinstelle einen zwölfmonatigen Abstinenznachweis sehen möchte, man gleichzeitig aufgefordert wird, innerhalb von zwei Monaten die MPU durchzuführen, aber zwischen dem Abstinenznachweis und der MPU nur maximal vier Monate liegen dürfen?“

Doch es sind nicht nur diese tückischen Details, mit denen der Fachanwalt sich auseinandersetzen muss. Janeczek: „Viele Mandanten fühlen sich falsch behandelt, weil die von der Behörde beauftragten Psychologen, die sie untersuchen, die Befragungen nicht aufzeichnen, da sie nicht zu Unrecht kontrolliert werden wollen. Wir denken allerdings: Wenn man alles richtig macht, dann braucht man keine Angst vor Kontrollen zu haben.“

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