Wie verläuft ein Alkohol-Entzug?

Alkohol ist des Deutschen liebstes Genussmittel. 10,6 Liter betrug der Pro-Kopf-Alkoholkonsum der Bundesbürger im Jahr 2016, ab einem Alter von 15 Jahren (Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen DHS). Wohlgemerkt – wir sprechen von reinem Alkohol. Das sind umgerechnet rund 212 Liter Bier, die wir in 365 Tagen trinken.

Schon unsere Sprache ist alkoholabhängig

Was gefällt uns so gut am Alkoholkonsum, dass wir uns freiwillig der Dauerbetankung mit dem Gift Ethanol hingeben?

Vielleicht ist es das beschwingte Gefühl einer leichten Vergiftung, das Enthemmtsein? Oder geht es im Grunde nur um den Geselligkeitsfaktor? Alkohol ist in unserem Kulturkreis so fest verankert wie keine andere Droge. Schon in der Kirche lernt man, dass es gut ist, Wasser in Wein verwandeln. Wenn man mit jemandem anstößt, dann immer auf die „Gesundheit“. Zur Feier des Tages „knallen die Sektkorken“. Es gibt kaum Lebensmittel, die wir sprachlich so oft im Zusammenhang mit etwas Positivem anführen, wie alkoholhaltige Getränke. Kinder, die hierzulande aufwachsen, können der Droge Alkohol demnach schon aufgrund des kollektiven Bewusstseins so gut wie nicht entkommen. Wenn es was zu feiern gibt, dann „lässt man die Luft aus den Gläsern“. Oder wie Stefan Remmler einst schlagerte: „In Gesellschaft (In Gesellschaft trink ich gern ein Gläschen mit)“.

Doch nicht jeder kennt das richtige Maß. Rund 1,8 Millionen Alkoholkranke und 74.000 alkoholbedingte Todesfälle jährlich in Deutschland (Quelle: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen DHS) sprechen eine deutliche Sprache.

Was macht Alkohol mit dem menschlichen Körper?

Eine kleine Menge Alkohol hat auf die meisten Menschen eine entspannende und leicht euphorisierende Wirkung. Der Stoff wird über die Schleimhäute ins Blut transportiert und gelangt von dort ins Gehirn, wo jede Menge Endorphine – sogenannte Glückshormone - ausgeschüttet werden. Einmal beschwingt, beschwipst und glückselig, möchten viele Konsumenten schnell mehr. Und gerade dann wird‘s gefährlich. Denn das körpereigene Belohnsystem suggeriert, dass weitere Mengen Alkohol zu noch mehr Glück führen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Alkohol lähmt die Nervenzellen. Mit steigendem Konsum beginnt man zu torkeln, kann nicht mehr deutlich sprechen und Entfernungen nur noch schlecht einschätzen. Zudem dehydriert das Gift den Körper. Wichtige Mineralstoffe gehen verloren. Schließlich ermattet man und möchte sich ausgiebig ausruhen.

Doch da der Alkohol auch die Schlafphasen verändert, fühlen wir uns nach einer durchzechten Nacht stets gerädert und erschöpft. Nach dem überstandenen Kater glauben die meisten Menschen, nun wieder ganz die alten zu sein. Doch weit gefehlt: Jeder Alkoholrausch verändert uns ein wenig. Da unsere Leber damit beschäftigt ist, das Zellgift Alkohol in seine Bestandteile zu zerlegen, um unseren Körper zu schützen, gleichzeitig aber durch die darauffolgende Bildung von immer mehr Fettsäuren geschädigt wird, begeben sich Gewohnheitstrinker irgendwann in Lebensgefahr. Leberzirrhose ist eine häufige Folge der Alkoholsucht. Eine Schädigung der Leber lässt andere Organe wiederum ungeschützt zurück. Zudem steigt bei Alkoholikern das Risiko von gesundheitlichen Schäden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Impotenz oder Pankreatitis.

Was bewirkt Alkohol im Gehirn?

Die durch den Rausch zerstörten Hirnzellen sorgen für Gedächtnislücken und Koordinationsprobleme. Bei anhaltendem Alkoholkonsum verkleinern sich Gehirnmasse und Hirnvolumen. Die Folgen sind katastrophal. Viele Alkoholkranke leiden unter sogenanntem alkoholbedingtem Kleinhirnschwund. Dieser zieht eine Schädigung des Sprachvermögens, der Muskelfunktionen und koordinativen Steuerung nach sich. Regelmäßiger Alkoholkonsum kann gerade bei jungen Menschen dazu führen, dass der Weg in die Alkoholabhängigkeit und die dauerhafte Schädigung des Gehirns vorgezeichnet ist.

Wann ist Alkohol-Konsum gefährlich?

Viele Menschen, die regelmäßig Alkohol trinken, fürchten bereits, auf dem Weg zum Alkoholiker zu sein. Doch oftmals handelt es sich dabei auch um unbegründete Panikmache bei tatsächlich risikoarmem Alkoholkonsum. Wenn man aber immer häufiger zur Flasche greift und auch in ungeeigneten Situationen - wie beispielsweise am Steuer seines Autos - ein starkes Verlangen spürt, Alkohol zu trinken; wenn man unbeobachtet andere Getränke mit Alkohol mischt und die Gedanken immer häufiger um den Alkoholkonsum kreisen und Einfluss auf das tägliche Leben nehmen, dann hat man ein Problem. Alkoholsucht ist spätestens dann entstanden, wenn alltägliche Situationen nicht mehr zu meistern sind. Viele Abhängige verlieren in dieser Phase ihre Arbeitsstelle oder trennen sich von ihrer Familie. Spätestens jetzt muss dem Süchtigen dringend geholfen werden.

Welche Folgen hat der tägliche Konsum von Alkohol?

Die Behandlung der Alkoholabhängigkeit ist nicht nur aufgrund des körperlich herausfordernden Zustands vieler Alkoholiker schwierig. Auch die psychische Abhängigkeit führt dazu, dass Alkoholkranke schnell ein Problem mit der Bewältigung ihres Alltags haben. Überall lauert die Versuchung. Kaum eine Feier, ein Anlass oder eine Veranstaltung, auf der man nicht gedrängt wird, doch „wenigstens ein Bier oder ein Glas Wein“ zu trinken. Natürlich ist das keine böse Absicht der gesunden Menschen, die nicht mit den Tücken der Alkoholabhängigkeit vertraut sind. Doch es erschwert die Therapie ungemein. Denn schon geringe Mengen Alkohol wirken bei Menschen mit dieser Erkrankung wie eine schädliche Erinnerung, die umgehend dazu führt, dass der Alkoholiker wieder in alte Verhaltensmuster abrutscht.

Wer hilft bei Alkohol-Sucht?

Zunächst einmal müssen sowohl der Alkoholiker als auch sein Umfeld akzeptieren, dass es sich bei Alkoholismus um eine Krankheit handelt. Diese Krankheit kann man behandeln, wenn alle Beteiligten wirklich wollen. Es muss jedem klar sein, dass auch moderater Alkoholkonsum zu Rückfällen führen kann, dass psychische Erkrankungen Hand in Hand mit körperlicher Abhängigkeit gehen und man die Krankheit von vielen Seiten therapieren muss.

Gesundheitliche Aufklärung spielt eine große Rolle, ebenso wie ein starker Wille und ein unterstützendes Umfeld. Der Alkoholiker sollte sich eingestehen, dass er nicht nur ein starkes Verlangen spürt, Alkohol zu sich zu nehmen, sondern dass er darüber hinaus ein fundamentales Alkoholproblem hat und dessen Auswirkungen bereits gravierende gesundheitliche und soziale Folgen für ihn nach sich gezogen haben. Anschließend sollte der Betroffene anerkennen, dass er es alleine nicht mehr schafft, von der Droge loszukommen. All das schafft er in der Regel nicht alleine.

Der Hausarzt sollte ebenso ins Vertrauen gezogen werden wie das vertraute Umfeld. Auch die Dienste von Suchtberatungsstellen können wertvoll sein, um sich ein Bild von den Möglichkeiten zu machen, die man hat.

Was kann man als Angehöriger bei Alkohol-Sucht tun?

Gehen Sie behutsam und ehrlich vor, wenn ein Mensch, der Ihnen nahe steht, alkoholkrank ist und sich dem Problem stellen soll. Ein großes Risiko stellt die Co-Abhängigkeit dar. Angehörige oder Bezugspersonen des Alkoholkranken verschlimmern die Sucht, indem sie den Alkoholmissbrauch durch ihr Verhalten fördern. So ist es beispielsweise fatal, den Suchtkranken beim Arbeitgeber krankzumelden, ihm den Konsum geringer Mengen Alkohol durchgehen zu lassen oder ihm beim gemeinsamen Feiern „wenigstens ein Gläschen Wein zu gönnen“.

Doch auch, wenn man den Alkoholiker andauernd unter Druck setzt und ihm nicht enden wollende Vorhaltungen macht, besteht das Risiko, dass man ihn damit so sehr in die Enge treibt, dass er erst recht zur Flasche greift, um seine Probleme zu vergessen. Alle Angehörigen sollten in die Therapie mit einbezogen werden, damit das Alkoholproblem nicht unter den Teppich gekehrt werden kann. Auch Besuche bei den Anonymen Alkoholikern oder anderen Selbsthilfegruppen können helfen.

Wer einmal getrunken hat, der weiß, dass neuerlicher Alkoholkonsum in 85 Prozent der Fälle zu Rückfällen führt, die drastische Auswirkungen haben.

Wann ist Alkohol gesund?

Verdauungsschnaps und belebender Sekt – wir alle kennen die alten Hausmittelchen und die Wirkungen, die ihnen zugeschrieben werden. Alkohol - in Maßen genossen – soll demnach durchaus einige positive Eigenschaften entfalten. Das Bundesministeriums für Gesundheit legte bereits im Jahr 2000 fest, dass die tolerierbare tägliche Menge an Alkohol beim Mann 20-24 Gramm und bei der Frau die Hälfte nicht überschreiten soll.

Aber gibt es den risikoarmen Alkoholkonsum tatsächlich und ist dieser kontrollierbar? Bei der „Deutschen Gesellschaft für Ernährung“ ist man sich sicher: „Ein Schwellenwert für die Zufuhr, ab dem schädliche Wirkungen von Alkohol mögliche positive Effekte übertreffen, kann nicht angegeben werden, da immer wieder auch mit individuell unterschiedlichen Risiken zu rechnen ist.“ In verschiedenen Studien wird beschrieben, dass beispielsweise Menschen, die regelmäßig Rotwein trinken, seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Er soll gegen Thrombose schützen und sorgt für einen Anstieg des „guten“ HDL-Cholesterins.

Allerdings sind solche Aussagen mit Vorsicht zu genießen. Letztlich konnte bislang niemand herausfinden, ob tatsächlich das tägliche Glas Wein dafür verantwortlich ist, dass beispielsweise Franzosen seltener an Herzerkrankungen leiden als Menschen in Nordeuropa. Die gesündere mediterrane Ernährung könnte sich ebenfalls positiv auf den Gesundheitszustand der französischen Bevölkerung auswirken. Zudem ist es auch aus ethischen Gründen schwierig, eine Abstinenzlergruppe einer ebenso großen Auswahl von Gewohnheitstrinkern gegenüberzustellen und zu beobachten, welche Krankheiten bei wem auftreten.

Wie kann man seinen Alkohol-Konsum reduzieren?

Als Alkoholiker wird man nur selten geboren. Es sind diverse Faktoren, die das Gehirn schon von früher Kindheit an auf ein Suchtverhalten vorbereiten.

Hierzu kann der Umgang der Eltern mit Konfliktsituationen gehören. Aber auch das häusliche Trinkverhalten und die Aufklärung von frühester Jugend an spielen eine Rolle bei der Entstehung einer Alkoholkrankheit. Wenn Eltern immer schon in schwierigen Situationen getrunken haben, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Kinder als Jugendliche bereits mit dem Alkoholkonsum beginnen, relativ hoch. Anfänglich geringe Mengen werden bei jungen Erwachsenen so lange gesteigert, bis sie irgendwann zu riskantem Alkoholkonsum neigen.

Jugendliche konsumieren Alkohol naturgemäß sorgloser, weil sie sich in der Regel körperlich und psychisch gesund fühlen und sich mit Gleichaltrigen messen wollen. Dass sie ihre Leber, ihr Gehirn oder ihr Nervensystem schädigen, interessiert sie meistens nicht, da viele sich überschätzen. Hinzu kommt der erwähnte gesellschaftliche Druck. Viele bemerken ihr Problem erst, wenn es beinahe schon zu spät ist.

Um herauszufinden, ob Sie wirklich zu übermäßigem Alkoholkonsum neigen, können Sie ihr Verhalten zunächst beobachten. In welchen Situationen trinken Sie? Sind Sie dabei alleine oder in Gesellschaft? Welche Gefühle lösen bei Ihnen den Wunsch aus, Alkohol zu trinken? Wenn Sie all das erfasst haben, setzen Sie sich Ziele. Zum Beispiel, dass Sie nicht mehr alleine trinken. Oder dass Sie bei der Familienfeier nicht immer gleich nachschenken, wenn Ihr Glas leer ist und Sie Ihren zu hohen Alkoholkonsum grundsätzlich um die Hälfte reduzieren.

Für das Erreichen dieser Etappenziele können Sie sich selbst belohnen. Vielleicht mit einem Kinoabend oder einem schönen Essen? Setzen Sie sich bestimmte alkoholfreie Zeiten, vielleicht sogar ein paar grundsätzlich alkoholfreie Tage. Führen Sie so lange Buch über Ihr Verhalten, bis Sie das Gefühl haben, tatsächlich wieder sicher zu sein.